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Kolumne

Liebe ältere Herren des DFB,

In Zeiten, wo der Stadionbesuch eines Bundesligaspiels immer gefährlicher wird, die Fankurven von gefährlichen Schwerstkriminellen und Gewaltverbrechern okkupiert sind, so das ein Marcel Reif sich kaum mehr traut, seine Kinder mit in die V.I.P Logen dieser Republik zu nehmen und die Bundesliga sich von einem Zuschauerrekord zum nächsten quälen muss, bewundere ich Ihre Aufrichtigkeit als „Fels in der Brandung“ im Kampf gegen Wunderkerzen und Gewalt. Mit Abscheu und Trauer habe ich daher die unschönen Ereignisse dieser nach dem DFB-Pokalspiel 1.FC Nürnberg gegen die SpVgg. Greuther Fürth zur Kenntnis genommen. Allerdings vermisse ich bis heute, neben dem entsetzten Aufschrei der Medien, die Meldung über Ihr hartes Durchgreifen und eine harte Bestrafung des Vereins 1.FC Nürnberg, die sich in Anlehnung an ähnliche Präzedenzurteile Ihrerseits in den letzten Monaten ja nur in der Größenordnung eines Ausschlusses vom kommenden Pokalwettbewerb bewegen kann, zumal die „sogenannten Fans“ dieses Vereins ja keine unbeschriebenen Blätter sind. Bitte lassen Sie es nicht zu, dass diese „Unverbesserlichen“ unseren Sport kaputt machen!

Und warum hat der Sportskamerad Hubnik nur ein Spiel Sperre für die Schauspielerei des Herrn de Camargo bekommen? Wo doch der Sportskamerad Raffael für eine vergleichbare nicht begangene Tätlichkeit im Spiel bei der TSG Hoffenheim immerhin 3 Spiele Sperre erhielt. Wo bleibt denn da die Gerechtigkeit? Denken Sie an all’ die Kinder und Jugendlichen, die in Ihrem Verband trainieren! Sollen die eines Tages auf die Idee kommen, Betrug könnte sich etwa nicht mehr lohnen?

Daher mein Appell an Sie! Lassen Sie es nicht zu, dass sich gutgläubigen Anhängern wie mir der Verdacht aufdrängen könnte, Sie würden die Werte, die Sie sich so gern auf Ihre Fahnen schreiben, gar nicht leben und analog der Ahndung von Lizenzverstößen in den letzten 20 Jahren immer noch mit mehrerlei Maß messen!

„… but some are more equal …“

Bitte geben Sie mir meinen Glauben an sportliche Gerechtigkeit & Integrität zurück!

In der Hoffnung auf einen baldigen positiven Bescheid von Ihrer Seite verbleibe ich

Mit sportlichen Grüßen

Krane

Gast | Fr., 10. Feb 2012

In der folgenden Serie möchte allen Interessierten einmal kurz darlegen, wie wir unsere Seite eigentlich erstellt haben und betreiben. Es klingt ziemlich abgedroschen, aber: Das Wichtigste ist das Konzept! Du brauchst eine klare Vorstellung, wie deine Webseite später funktionieren und betrieben werden soll. Danach richten sich die weiteren Schritte.

Im Falle von VoiceOfCulture (und das soll hier unser Leitfaden sein) haben wir uns für ein Content-Management-System (CMS) entschieden. Das bedeutet, dass die komplette Webseite datenbankbasiert ist. Also alle Inhalte werden in unserer MySQL-Datenbank gespeichert und per PHP ausgegeben. Es gibt die verschiedensten CMS, die sich auch in ihrer Konzeption und Bedienbarkeit unterscheiden. Die bekanntesten sind: Typo3, Joomla, WordPress und Drupal. Diese sind kostenlos verfügbar und es gibt große Communities, welche sie ständig weiterentwickeln und sich einander Hilfe bieten. Mehr zu diesem Thema findest du in den Weiten des WWW.

Wir haben uns für Drupal entschieden und ich möchte im Folgendem kurz darstellen, wie genau wir VoiceOfCulture aufgebaut haben.
Die wichtigste Voraussetzung für das Erstellen und Betreiben einer Seite mittels Drupal und den meisten anderen CMS ist ein eigener Webspace mit PHP und MySQL. Dazu gibt es zahlreiche Web-Hoster, die entsprechende Pakete anbieten. Dort ist dann gleich eine Domain inklusive, unter der man seine Seite im WWW verfügbar machen kann. Unsere Seite läuft bei www.allinkl.com. Das Drupal-Paket kann man sich kostenlos auf www.drupal.org oder als vorgefertigte deutschsprachige Version auf www.drupalcenter.de herunterladen.

    Zusammengefasst brauchst du:
  • ein Konzept
  • einen Web-Hoster (mit MySQL, PHP und Domain)
  • das kostenlose Drupal-Paket

Sobald du alle Voraussetzungen (mehr zu den Systemanforderungen z.B. hier: www.drupalcenter.de/handbuch/319) erfüllt hast, geht es los. Am besten liest du dich dazu ein wenig in die Materie ein. Es gibt sehr gute Bücher und viele Anleitungen im Netz. Zunächst installierst du Drupal auf deinem Webspace und folgst dabei den Hinweisen auf www.drupalcenter.de/handbuch/318 .

Da Drupal modular aufgebaut ist, was auch eins seiner größten Stärken ist, verwenden wir noch zusätzlich zur Standard-Installation folgende Module, die wir ergänzend installiert haben:

  • Views
  • Date
  • Chaos tool suite
  • Reference/ Node Reference

Soviel zu den Voraussetzungen für eine Terminseite, wie sie wir mit Drupal 7 auf VoiceofCulture umgesetzt haben. Im nächsten Teil werde ich kurz darstellen, welche Inhaltstypen wir erstellt haben, um: Konzerttermine einzutragen, mit den entsprechenden Veranstaltungsorten zu verknüpfen und wie wir diese dann automatisch nach Datum sortiert ausgeben.

matthias | Fr., 06. Jan 2012

Ich hasse es! Da tingelt man ständig zwischen Frankfurt und Berlin, sucht sich einen vermeindlich ruhigen Platz im Regionalexpress aus und versucht ein Buch zu lesen...

...da klingelt ein paar Sitze weiter schon das Telefon. Natürlich versucht der Angerufene nicht irgendwie ruhig den Sachverhalt zu klären und das Gespräch so kurz wie möglich zu halten. Nein, es wird minutenlang schwadroniert, sinnloses Zeug geschwafelt bis....

Das erste Funkloch kommt....

Die Strecke zwischen FF und Berlin erlaubt es einem tatsächlich nur an den Haltestellen zu telefonieren. Dazwischen geht es, weil eben Niemandsland, gar nichts. Das weiß man allerdings wohl nur als Vielreisender.
Denn von nunan wird bis zum Ende der Reise im Minutentakt beiderseits versucht sich anzurufen. Manchmal hält die Verbindung sogar 10 Sekunden. Das ist ja schonmal viel wert. Danach geht aber alles wieder von vorne los.

Ich meine, wenn man merkt, es geht nichts, soll man es doch besser sein lassen, oder? So lange dauert die Fahrt ja auch nicht. Da kann man sich doch einfach mal zurücklehnen und die schönen Seiten des Lebens, fernab jeden Kommunikationszwangs, geniessen. Ich meine, worum geht es schon in den Gesprächen?

Da sitzr wohl die Freundin zu Hause und lagnweilt sich in der Werbepause irgendeine Talk- oder "Talentshow" und muss dies nun jedem mitteilen. Abgesehen, daß diese Freundinnen selbst was anständiges, kreatives, eben sinnvolles tun könnten. Müssen sie ihren Freunden auch noch davon ablenken eben jenes zu tun. Oder eben mich damit stören, jenes zu tun? Denn konzentrieren kann man sich da wirklich nicht mehr.

Ich weiß gar nicht, warum ich überhaupt noch was zu Lesen mit in den Zug nehme... Ich fahr schon immer mit der "Halber-Bahn", die nicht in jedem Nest hält. So versuche ich die Chance so gering wie möglich zu halten, daß irgendwelche Volldeppen einsteigen. Aber irgendwie hilft das alles nichts. Selten vielleicht. Vielleicht Montags früh um vier. Aber da fahre ich eher selten bis gar nicht.

Wer hilft mir eine Masseninitiative zu starten, daß Handys in Zügen und generell für gelangweilte Menschen verboten werden?

mieschka | So., 18. Mai 2008

Interview

Wie ich gerade in meinen Ordner „Fanzineartikel“ auf meinem Computer schaue, sehe ich, dass ich lange kein Interview mehr gemacht habe. Schon komisch, wie sich das tägliche Brot verdienen auf seine Hobbys auswirkt. Tja, es einen manchmal sogar auffrisst.
Bei der Arbeit an der neuen Platte meiner Band ist es jedoch nötig geworden, ein Mitglied der Band HERMANN’S ORGIE ausfindig zu machen, weil wir eine Coverversion von ihnen auf eben jener veröffentlichen wollen. Allerdings gestaltete sich das gar nicht mal so leicht, denn im Internet ist kaum etwas über die Band zu finden.
Mit etwas kriminalistischen Geschick, welches ich wohl zum einen von meinem Vater geerbt und zum Anderen durch das sonntägliche Anschauen des Tatorts aneignen konnte, habe ich es dann doch aber irgendwie geschafft, Sänger Tom ausfindig zu machen. Da man ja aber ein Stück nicht einfach so covert und man ja auch gern herausfinden möchte, was hinter dieser Band steckt, lag es nahe, meinem Gegenüber ein paar Fragen zu stellen, die ich schon immer mal loswerden wollte. Leider hatte Tom so viel um die Ohren, so dass er die Fragen an Clement, den ehemaligen Bassisten weiterleitete. Der, mittlerweile in London lebend, hatte glücklicherweise etwas Zeit, meine Fragen zu beantworten. Es ergab sich ein ziemlich interessantes Gespräch, wie Ihr im Folgenden sehen werdet. Viel Spaß.

Hallo Clement. Durch stundenlange Netzrecherche habe ich es irgendwie geschafft, Dich ausfindig zu machen. Zuerst erreichte ich Tom, der am Telefon etwas überrascht klang, auf einmal nach über 30 Jahren mit seiner Vergangenheit konfrontiert zu werden, als ich nach einem Mitglied der Band HERRMAN’S ORGIE fragte. Ging Dir das genauso?

C: ich wurde gerade vor kurzem mit der 'Vergangenheit' konfrontiert, STEREO TOTAL hatten eine Cover Version von 'Moderne Musik' veröffentlicht (http://www.stereototal.de/music/parisberlin_de_info.html). Das war überraschend. Ich habe mir dann zum ersten Mal seit gut 30 Jahren die Musik mal wieder angehört und war noch mehr erstaunt festzustellen, dass mir einige Titel immer noch sehr gefallen.

Ich hatte zuerst Tom kontaktiert, der aber die Fragen an Dich weitergeleitet hat. Warum überlässt er Dir das Interview? Hatte er keine Lust, dazu noch Fragen zu beantworten oder hat er so viel zu tun?

C: Ich nehme an, Tom hat einfach sehr viel um die Ohren, im wahrsten Sinne des Wortes…

Über Eure Band ist im Internet sehr wenig zu finden. Es gibt eine halbherzige MySpace – Seite, die seit 2004 nicht mehr aktualisiert wird und hier und da ein paar Verweise auf die alten Platten. Warum kann man nicht mehr finden?

C: Diese MySpace Seite ist nicht von uns eingerichtet worden und auch nicht autorisiert. Wir denken aber drüber nach, noch mal etwas Hübsches zu machen.

Da ja nicht so viel zu finden ist, erzähl doch mal bitte kurz einen Abriss der Bandgeschichte (Gründung, Umfeld, Namensgebung, Auflösung, …)

C: Tom und ich hatten schon mit 14 zusammen musiziert. Wir hatten die Glam Rock Phase mit BOWIE, NEW YORK DOLLS und ROXY MUSIC gerade hinter uns und wollten selber Musik schreiben. Rock natürlich, und mit englischen Texten. Zwei Jahre später kam dann Punk auf, musikalisch änderte sich damit alles. Ich hatte die DAMNED in der Markthalle gesehen und Tom hatte die erste CLASH LP. Auf Parties ließ man einfach die ersten drei RAMONES Scheiben ohne Unterbrechung durchlaufen. Eine großartige Zeit, mit fantastischen Gigs in Hamburg, wir fühlten uns als wären wir allen 10 Jahre voraus. Punk hatte etwas Futuristisches. Kurze Haare waren in den 70ern eine Provokation, selbst unsere Lehrer hatten alle mindestens kragenlange Frisuren. Es gibt nichts Besseres als mit 16 Jahren in der Zeit einer musikalischen Revolution zu leben.

Trotz allem hatten wir nicht gleich den Impuls eine Punkband zu gründen. Es gab reichlich deutsche Bands die Englisch sangen aber das schien uns zu albern. Wenn schon deutschen Punk dann musste es auch Deutsche Texte haben. Das war wohl die einfachste Sache der Welt aber es hat lange gedauert bis wir uns tatsächlich trauten. Die deutsche Sprache war noch weitgehend mit dem deutschen Schlager synonym. Es war kein einfacher Schritt, und deutsche Reime zu schmieden schien schwieriger als Englisch und passte nicht so gut zur Musik - dachten wir zumindest. Letztendlich ging es besser als wir gedacht haben, trotzdem waren Bands die deutsch sangen selten zu der Zeit. Meine Freundin kam dann mit dem Namen HERMANNS ORGIE' auf, aus Spaß, wir wollten etwas Surreales und Witziges und das passte prima.

Dazu muss man sagen dass in Deutschland in den 70ern wenig gute Musik zu hören war. Im Radio gab es 'Musik für junge Leute' und sonst fast nichts. Die Musikpresse bestand aus Bravo, und ein Magazin, das 'Pop' hieß. Nur 'Sounds' brachte Berichte von der aktuellen Musikszene in den Staaten und in England.

Während bei der ersten LP 4 Bandmitglieder erwähnt werden, scheint es bei der Nachpressung, dass nur Du und Tom Mitglieder der Band gewesen seid. Ihr bedankt Euch dann „nur“ beim Trommler und dem Saxophonisten. Ward Ihr eigentlich eine 2-Mann-Band?

C: Tom und ich waren immer der Kern von HO und Schlagzeuger zu finden war immer schwierig. Wir wohnten in einem Hamburger Vorort und die meisten Schlagzeuger in der Provinz lebten noch im Prog-Rock Zeitalter. Carl Palmer war der Held des Kleinstadt-Drummers, nicht Rat Scabies. Wir fanden letztendlich Frank, der vorher in einer Tanzband gespielt hatte. Das gab unseren Songs einen leichten Disco Touch. Frank war auch noch nicht 16, deshalb ließen ihn seine Eltern nicht nach 10 Uhr abends in Kneipen auftreten. Zudem waren auch wenig Lokale bereit Punk Bands auftreten zu lassen. Wir hatten wenig Beziehungen zu der Hamburger 'in-crowd', oder genauer gesagt, wir hatten überhaupt keine Beziehungen.

Besteht denn noch Kontakt zu den anderen ehemaligen Musikern außer zu Tom? Was machen sie heute?

C: Nicht viel. Frank, der erste Trommler, hat mich mal über Facebook kontaktiert. Sonst nichts. Ich glaube Frank ist jetzt ein Mega-Producer im populären Musikbereich.

Eure Platten werden bei eBay immer noch zu horrenden Preisen verkauft. Wie groß war denn damals die Auflage. Es gab dann nochmal die Nachpressung mit schwarzem Cover, aber auch die ist nicht billig zu haben. Schon mal darüber nachgedacht, sie nochmals oder gar als CD zu veröffentlichen?

C: Wir haben es überlegt, aber die Zeit und das Geld, das erforderlich wäre macht es z. Zt. nicht möglich. Außerdem fehlen die originalen 8-Spur Aufnahmen...

Also wenn, dann würdet Ihr das liebevoll gestalten wollen und nicht einfach nur „von LP auf CD überspielen wollen“. Sehe ich das richtig? In dieser Hinsicht hat das Hamburger Label WEIRD SYSTEM tolle Sachen herausgebracht (z.B. die tollen Zusammenfassungen mit SLIME, NEUROTIC ARSEHOLES, TEMPO, etc.…). Da man ja ursprünglich aus derselben Stadt kommt, würde sich sowas ja vielleicht anbieten…

C: Ja, die Plattensammler, die die Original Scheibe haben, dürfen sich freuen, eine simple Neuauflage wird es nicht geben. Wenn überhaupt, würden wir das völlig überarbeiten und so machen, dass es uns heute gefällt und Spaß macht, daran zu arbeiten. Reine Nostalgie liegt uns nicht am Herzen, und mit den Musikpuristen, die nur die Originalaufnahme als authentisch betrachten, haben wir auch nichts am Hut.

Einige Lieder waren durch den Verlust der Bänder völlig verloren gegangen und ich würde gerne ein paar Stücke neu aufnehmen um zu sehen, wie sie klingen und ob die Lieder als Kompositionen noch Sinn machen. Danach muss man sich fragen: 'Mache ICH eigentlich noch Sinn? Macht es noch Spaß?' Und für all das braucht man halt Zeit, und die ist für uns Mangelware. Leider. Aber wer weiß, wir sind ja noch jung...

Wenn man im Netz ein wenig recherchiert bekommt man interessante Gerüchte zu hören. Z.B.: „.. dass der Band deshalb der große Erfolg versagt blieb, weil sie trotz Einladung zum "In die Zukunft"-Festival in der Hamburger Markthalle dort nicht auftraten - ihr Bassist (also Du) hatte seinen Winterurlaub schon gebucht und konnte ihn nicht stornieren!“ und „Ihre LP hat kultur-historischen Wert, weil sie u.a. DDR-Radio- und -Fernsehnachrichten verwendeten.“ . Was hat es damit auf sich?

C: Ich war in den Urlaub gefahren und Tom wollte mich von Hamburg aus in die Schweiz fahren um mich für den Abend abzuholen. Wahnsinn. 'Erfolg' hatte keine Bedeutung für mich, ich war gerade 18 Jahre alt und hatte meinen ersten Urlaub zusammen mit meiner Freundin. Das hatte Priorität. Die 'in die Zukunft' Festivals waren sehr merkwürdige Veranstaltungen mit ihrer Mixtur von Hardcore Punk und experimentellen New Wave Bands. Wir wären da irgendwie in der Mitte gelandet. Keine Ahnung ob uns das irgendwie geholfen hätte. Die 'Moderne Welt' LP war meiner Meinung nach so-oder-so ein Riesenerfolg für eine Punkband mit deutschen Texten, vor allem weil alles selbstproduziert und finanziert war. Tom hat da ganz fantastische Arbeit geleistet. "Punk" war aber mittlerweile auch schon gestorben. Das konnte man schon daran erkennen, das überall 'Punk's not dead' Graffitis auftauchten. In der Punk Szene hatte sich die Lederjackenuniform durchgesetzt. In der Markthalle tauchten die ersten Neo-Nazi Punks auf, die 'Subway Army', die ironischerweise von einem Farbigen angeführt wurden. Plötzlich war man in Schlägereien vor der Bühne verwickelt und die Musik wurde ein wenig schal. Und danach kam die 'Neue Deutsche Welle' und der Rest ist Geschichte...

Und was ist mit den DDR – Radio- und TV-Nachrichten? Was war da?

C: Das DDR Radio hatte uns fasziniert, die Identitätslosigkeit und Monotonie der Sprecher; die Situation, in der ein Land geteilt war mit zwei konkurrierenden Systemen... Ich weiß nicht ob man sich das heute noch vorstellen kann, aber es hatte schon damals einen sehr surrealen Touch. Es gab, nur wenige Kilometer entfernt, eine völlig andere Welt hinter einer hohen Mauer. Und alles was man davon zu hören bekam waren diese Roboterstimmen. Es war halt die Zeit des 'Kalten Krieges'. Das war unsere Erfahrung zu der Zeit. Verwirrung. Kontraste. Heutzutage müsste man die natürlich anders ausdrücken. Die 'Moderne Welt', hat sich vielleicht nicht viel verbessert, aber sie hat sich schon sehr verändert.

Und dort wurdet Ihr im Radio auch gespielt!?

C: Meinst Du im Osten oder Westen oder allgemein? Im Osten sind wir natürlich nicht im Radio gespielt worden... Wir sind unseres Wissens nur im West-Rundfunk gespielt worden, und da auch nur selten da wir nicht in der Gema waren (oder sind), d.h. ein Radio Sender musste vor spielen der Platte mit uns einen Vertrag machen.

Man findet auch relativ wenig Live-Reviews. Ward Ihr eher eine „Studio-Band“ oder habt Ihr schon des Öfteren Live gespielt. Wo seid Ihr überall gewesen? Eher im Raum Hamburg oder auch Deutschlandweit?

C: Außerhalb Hamburgs sind wir nie aufgetreten. Wie gesagt wir hatten keine Beziehungen oder Kontakte zu irgendwelchen Promotern.
Wenn wir Gigs erhaschen konnten waren diese meistens in den Vororten Hamburgs oder in Läden die nicht wussten, was Punk Rock war. So hatten wir dann einen Auftritt in den 'Hafenkasematten', damals Hamburgs ältester Jazzschuppen. Da haben wir dann vor drei entsetzten Jazzliebhabern gespielt. Die Aufnahmen davon haben wir für unsere erste selbstproduzierte Single verwendet (http://www.youtube.com/watch?v=tE6YFVp_bJU). Es wird niemanden überraschen, zu hören, dass wir danach nicht wieder in die 'Hafenkasematten' eingeladen wurden. Die Szene war auch ziemlich hart da, die Punks immer Ärger mit Teds und den St. Pauli Zuhältern hatten. Bei einem Gig in Bergedorf hatten wir auf einmal ca. 20 Teds im Publikum, die gehört hatten das eine Punkband auftreten würde, und versammelten sich drohend vor der Bühne und wir waren froh einigermaßen heil da raus zu kommen. Bin auch selber manchmal von Teds über den Hamburger Dom gejagt worden, aber sobald man in das Karolinenviertel kam war man sicher. Dort waren alle Kneipen die die Punks besuchten und das 'Rip Off', ein unabhängiger Plattenladen der auch heute noch besteht.

Anfang der 80er Jahre wurde dann wohl auch Euer privates Tonstudio ausgeraubt. Wie habt Ihr das verkraftet? Wurden die Täter jemals gefunden? Ihr habt ja auch die erste SLIME-Single veröffentlicht. Das waren ja die Bänder dann vermutlich dabei.

C: Nachdem das Studio ausgeraubt worden war, war es schwierig weiter zu machen. Die Situation war deprimierend und finanziell drückend.
Der Raub wurde ein paar Tage vor Inkrafttreten der Versicherung ausgeführt. Die Täter wurden nicht ausfindig gemacht, viele Wochen Arbeit waren verloren und es gab keine finanzielle Entschädigung.
Um die Schulden zu tilgen, musste die LP erscheinen, Tom schaffte mit den verbliebenen Mastertapes ein kleines Meisterwerk zu zaubern, aber trotzdem war es nicht das geworden, was wir erhofft hatten. Zusätzlich musste ich nach Berlin ziehen - aus Gründen, die allen, die alt genug sind, klar sein werden. Punk war zudem schon lange tot. Wir hatten andere Projekte die mehr experimentell, und für uns aufregender, waren. Tom hatte die 'Tonträger' und ich machte minimale Synth-Musik mit 'Tse Tse' (http://www.reverbnation.com/eplay/artist_890706).

Berlin hat mir nicht gefallen. Mit der Mauer und den Wachtürmen war es sehr klaustrophobisch (Tom hat das auch in 'Wir geh'n nach Berlin' sehr gut beschrieben). Ich bin dann nach London ausgewandert. London war immer mein musikalisches Mekka gewesen und ich habe dort immer in diversen Bands gespielt, ohne nennenswerten Erfolg, aber es machte alles nichts, denn ich lebte den idealen 'Punk' Lebensstil in netten Squats mit Drogen, Parties und viel Rock'n'Roll… bis vor einigen Jahren habe ich noch mit Garagepunk Bands gespielt und habe beim DIRTY WATER CLUB mitgeholfen, einem der letzten, wirklich der Musik gewidmeten Music Clubs in London (http://www.dirtywaterclub.com).

Das war damals sehr frustrierend und hat uns sehr viel Schwung genommen. Die geklaute Technik haben wir viel später dann nach und nach ersetzen können. Verloren gegangen waren aber auch ein halbes Dutzend Mastertapes unveröffentlichter Sachen. Das hat vielleicht zwei oder drei Hamburger Punkbands die „Karriere“ gekostet.

Aber für SLIME hat es wenigstens gereicht….?! Ward Ihr sozusagen teilweise auch „Wegbereiter“ für einige Bands?

C: Ja, SLIME waren ein Erfolg, einfach deshalb weil die Jungs prima Songs hatten, die provokativ und zum mitsingen geeignet waren. Die 'Bullenschweine' Single ist ein wahrer deutschsprachiger Klassiker.

Im Endeffekt waren viele in der Szene für die kleinen Erfolge verantwortlich. Die Bands, die Plattenläden die die Platten führten, die unabhängigen Vertriebe und natürlich die Labels, die das Geld zusammenkratzten um die Produktion und Pressung zu finanzieren. Es gab in dieser kleinen Szene einen sehr hohen Prozentsatz an kreativen Enthusiasten die nicht warteten bis sie vom System bedient wurden.

Ihr habt dann nochmal einen Neuanfang mit NEULAND versucht. Warum hat das dann nicht mehr funktioniert?

C: Das hat schon noch funktioniert. Aber Mitte der 80-er war die eigentliche Herausforderung nicht mehr, Platten nur zu veröffentlichen, sondern diese auch zu verbreiten. Also auch darüber nachzudenken, wie man Läden wie Karstadt dazu bringen könnte, Indie-Platten ins Regal zu stellen. Das klingt heute selbstverständlich - das war es damals aber überhaupt nicht. In den ersten Jahren des Punkrock waren die Platten nur über sehr wenige Läden zu bekommen. In vielen kleinen Städten gab es schlichtweg keine Möglichkeit an solche Musik zu kommen. Da half nur hin und wieder die Pilgerreise nach Hamburg, Berlin oder sonst eine größere Stadt in der Nähe. Tom hatte sich ab 1985 bis einschließlich 1998 (in verschiedenen Konstellationen) um den Vertrieb von Indie-Platten gekümmert.

Tom betreibt ja derweil ein Masteringstudio und mastert alles von BLÜMCHEN bis zu den SKATOONS. Er ist also immer in der Musik verwurzelt geblieben. Wie sieht es bei Dir aus? War das Dein Ziel oder hat sich das so ergeben?

C: Ich habe mein ganzes Leben lang Musik und Lärm gemacht und mache das auch noch heute. Auf dem Computer jetzt natürlich hauptsächlich, aber irgendwann werde ich sicher auch wieder 'ne Band gründen und zurück in den Übungsraum gehen. In 'ner Band zu sein ist zwar 90% Streit und harte Arbeit aber irgendwie vermisst man das. Und auf einer Bühne zu stehen ist fantastisch, selbst wenn es nur in der Kneipe um die Ecke ist.

Clement, Du lebst mittlerweile in London. Was machst Du? Liegt es nahe, wenn man in Hamburg wohnte, in die Welt hinauszuziehen?

C: Ich war damals in Berlin 'gestrandet', ohne Perspektiven. Dann bin ich für eine Woche, auf Urlaub, nach London gefahren, und nicht zurückgekommen. Als Hamburger fühlt man sich vielleicht sowie so schon ein wenig im Angelsächsischen zuhause, und London war in den frühen '80ern ein fantastischer Ort für jemanden der jung ist, und außer Musik nicht viel im Kopf hat. Die Stadt war ein Spielplatz, ein Fest fürs Leben, mit Konzerten, Clubs und Parties. Hausbesetzen war legal, so konnte man günstig wohnen und die Arbeit auf das nötigste beschränken. Und die Londoner waren extrem aufgeschlossen und aufnahmebereit.

An eine 'Karriere' war während dieser Zeit natürlich nicht zu denken. Mitte 30 habe ich dann noch schnell was studiert, und kurz danach kam dann das Internet. Es war wieder „Stunde Null“. Da hatte am Anfang keiner viel Erfahrung. Ich habe bei Apple im web-Team Arbeit gefunden und arbeite auch heute noch mit Web-Design. Der ex-Punk hat sich also halbwegs erfolgreich in die bürgerliche Gesellschaft wieder eingegliedert. Und Musik machen wir trotzdem noch. Es lebe die Technologie!

Hamburg wird nie aufhören mich zu faszinieren, aber ich bin da heutzutage nur noch Tourist. Persönlich würde ich jedem empfehlen, wenigstens einmal im Leben in ein anderes Land zu ziehen.

In Zeiten von Reunions – habt Ihr schon mal daran gedacht, wieder mal ein paar Konzerte zu geben. Es gibt ja schon ein paar Leute, die das hören wollen würden….

C: Haben wir nicht dran gedacht und das würde auch aus organisatorischen Gründen nicht gehen, von den persönlichen Implikationen ganz abgesehen. Wenn überhaupt, würden wir ein paar arbeitslose Jugendliche anheuern, denen Instrumente in die Hand drücken und unter dem HERMANNS ORGIE Namen auf Tour schicken! Dann könnten wir uns das Ganze von der Bar aus ansehen und mitlallen... Das wäre doch 'ne viel bessere Idee.

Haha. Das wäre ne Idee… Man blickt ja oftmals etwas wehmütig in die eigene Vergangenheit zurück. Was vermisst Du aus den alten Tagen und was hast Du Dir bewahrt?

C: Wir vermissen die besondere Wertschätzung der Musik im Allgemeinen und des Tonträgers im Besonderen. Mit dieser Wertschätzung sind wir aufgewachsen. Die Musik der Hippies und zu einem geringen Ausmaß auch die Musik der Punks hatte die Kraft, das Weltgeschehen zu beeinflussen. Von einer solchen Kraft kann in der heutigen Musikkultur nicht die Rede sein.

Clement, Vielen Dank für das Interview!

Mieschka Mayonaise
Fotos: Rüdiger Ladwig

mieschka | Mi., 07. Dez 2011

Im Oktober 2004 kam ich zum ersten Mal mit der Berliner Rockabilly – Formation in Kontakt. Das URBAN ZOMBIE – Label hatte mir gerade die Debütsingle der Band zukommen lassen und ich war von Anfang an begeistert. Später ergab sich immer mal wieder die Möglichkeit das Trio, welches im Lauf der Jahre auch ein paar Schlagzeugerwechsel verkraften musste, live zu erleben. Und das war immer ein Riesenspaß. Meine Konzertaktivitäten sind in den letzten Jahren leider etwas weniger geworden. Aber als dieser Tage eine neue 7“ der Band ins Haus flatterte, dachte ich mir, ich muss mal nachhaken, was ich so in den letzten Jahren verpasst habe. Leider hat es für den ganz großen Durchbruch noch immer nicht gereicht, aber das kann sich ja noch ändern. Die Leute, die von der Band bisher noch gar nichts wussten, sollten sich die folgenden Zeilen mal genau durchlesen, sich ne Platte besorgen oder laden und unbedingt mal ein Konzert besuchen. In Berlin ist die Chance dafür jedenfalls immer wieder ganz gut…

Hallo zusammen. Ich verfolge Euch ja schon ein paar Jährchen. Allerdings gibt es unverständlicherweise wohl Leute, die Euch noch nicht kennen. Von daher solltet Ihr Euch mal kurz vorstellen..

Kathy: Mit meiner ersten Band, THE ACCELERATORS in der UK Punkszene Ende der 70er Jahre, bin ich in die "School of Rock'n'Roll" gekommen….später habe ich weiteren, strengen Rock-Unterricht bei THE BIRDHOUSE erhalten und in den letzten Jahren folgte eine intensive Weiterbildung in Psycho- und Rockabilly

Robbi: Ich habe meinen musikalischen Werdegang in der Psycho-Szene im damaligen West-Berlin gestartet. Mein Opa war Kontrabassist beim UFA-Orchester gewesen und mich hatte daher dieses Instrument schon immer fasziniert, besonders die, für Rockabilly typische, Slaptechnik Nach etwa einem Jahr Unterricht auf einem Fretless E-Bass, habe ich mir mit knapp 18 einen Kontrabass vom ersten selbst verdienten Geld gekauft und THE RAWHEADS rekrutierten mich kurze Zeit später. Mit den Jungs habe ich mir dann etliche Jahre im Übungskeller die Finger blutig gespielt, Auftritte waren eher selten, aber eine EP kam 93 raus. Als ich Ende ´92 von MAD SIN gefragt wurde, ob ich nicht Holly, der damals keine Zeit und Lust mehr hatte, als Bassist zu ersetzen, zögerte ich nicht lange und sagte zu. Es folgten diverse Gigs in Deutschland und eine kleine Tour durch Frankreich und das fünfte Album der Band mit mir am Bass. Da ich mich letztlich aber meinem Studium widmen wollte und von bandinternen Problemen zu sehr genervt wurde, stieg ich im Herbst ´93 wieder aus und machte mit den RAWHEADS weiter, die immer noch parallel dazu existierten. 1995 produzierte ich mit ihnen das Album Inferno, aber kurze Zeit später zerstritten sich Sänger und Schlagzeuger und die Band zerbrach.
Ich dachte mir, es wäre an der Zeit mal etwas anderes zu unternehmen, wurde von der Berliner Hardcore-Punk Band FLAT EARTH aufgenommen und spielte erstmal eine Weile hauptsächlich E-Bass. Nicht allzu lang darauf begann ich dann aber wieder mit Drummer und Gitarristen der RAWHEADS zusammen zu spielen und übernahm nun auch den Gesang. Die Idee war, klassische Rockabilly Nummern im eigenen Stil zu interpretieren, was auch zu einem gewissen Grad zustande kam aber letztendlich dann an persönlichen Problemen des Drummers zum Scheitern kam. Immerhin hatte ich mir inzwischen ein nettes kleines Studio zusammengestellt und auch einige Erfahrung im Aufnehmen gesammelt. Ich lernte Kathy kennen und wir begannen zusammen mit DAVE CROME Kathy´s Songs aufzunehmen... Daraus entstand dann die „I Let the Devil in“ EP.

Dr Duck: Ich habe Anfang der 80er in West-Berlin mit Punk angefangen und bin mit meiner Band “ENDLÖSUNG” in Italien und Holland etwas herumgekommen. Hatte dann eine lange Phase die eher von Beruf und Familienaufbau geprägt war und mache jetzt seit 10 Jahren wieder ernsthafter Musik. KATHY X habe ich 2008 über einen gemeinsamen Freund kennengelernt, das war mein Einstieg in Rockabilly, wobei ich das schon immer gerne gehört habe.

Aus Eurer Bandbio hab ich erfahren, dass Kathy und Rob sich im FRANKEN kennengelernt haben. Wusstet Ihr in dem Moment – „Ja, das ist es – wir müssen eine Band zusammen machen…“? Erzählt doch mal über Euer erstes Aufeinandertreffen….

Kathy: Eigentlich hatte ich das Konzept eines Rockin' Trio in Gedanken schon entwickelt, mit Demo und Gig-Möglichkeiten, aber es fehlten mir die richtigen Musiker, und ich war sehr froh, als ein gemeinsamer Freund mir auf einer Party im Franken Rob Raw vorstellte….

Robbi: Ich war quasi ohne Band und offen für Neues. Als ich mich mit Kathy unterhielt, war sofort ein gutes Gefühl vorhanden und wir stellten schnell fest, dass wir dieselben Vorstellungen hatten, wie eine Band funktionieren sollte. Kathy gab mir auch gleich ihr Demo mit, das sie mit MARK PENNINGTON noch in England aufgenommen hatte und ein paar Tage später trafen wir uns bereits im Übungsraum und es war klar, dass wir zusammenpassten. Kathy hatte bereits vorher DAVE CROME kennengelernt und bei der nächsten Probe war er dann auch schon mit dabei.

Kathy, Du kommst ursprünglich aus London. Was hat Dich nach Berlin verschlagen und warum ziehst Du es immer noch vor, hier zu leben?

Kathy: Es war mein Schicksal nach Berlin zu kommen…. Mit einem bisschen Hilfe von den DEATH VALLEY SURFERS - ich war Gitarristin bei ihnen und wir sind ein paar Mal in Berlin aufgetreten. Ich war beeindruckt - Berlin war so locker im Vergleich zu London und bot mir einen kreativen Lifestyle, der so in London nicht möglich war.

Warum war das in London nicht möglich? London gilt doch eigentlich erher als „hip“ und nicht wenige sind in den 80ern nach England gezogen, gerade wegen dem dortigen Lifestyle. Was hat sich verändert? War dort „Punkrock“ tatsächlich nur eine Moderscheinung?

Kathy: Viele Menschen folgten ihren Träume nach "Swinging London" - ich bin selbst in den 80ern dorthin von Liverpool zurück gezogen. Aber ihre Kreativität ging runter, als sie nach und nach entdeckten, daß man ständig Geld braucht. Dann mehr Geld. Die soziale Erwartung ist es, Eigentum zu kaufen - egal wie hässlich und wie teuer. Die weiteren Gründe für mich waren: erstens das Aufkommen der sogenannten "Live DJs" zum Ende der 90er, die einen Großteil ehemaliger Bandauftrittsorte und das Publikum übernahmen und zweitens die Popularität des "shoegazing" Indie Pop, was mit meinen Stil nichts zu tun hatte. Bezüglich des Punk, ich bin Rock 'n' Roll Musiker, und will keine langweiligen sozial Kommentare machen….Punk war für jeden etwas anderes.

Eigentlich sehe ich Euch ja eher als eine Art „7“-Band“, weil Ihr meistens Eure Sachen gleich als EP veröffentlicht. Und so habe ich Euch auch kennengelernt. Dennoch erschien 2004 eine Full-Lenght CD. Auf einem polnischen Label. Wie kam es dazu? War das eine Ausnahme?

Robbi: Das Album READY FOR ANYTHING entstand, nachdem wir ein Konzert in Warschau gegeben hatten und direkt im Anschluß vom Label COSMIC RECORDS gefragt wurden, ob wir mit ihnen eine CD machen wollten. Natürlich wollten wir und die Zusammenarbeit war auch außerordentlich gut und professionell. Wir waren eine Woche in Olstyn im Norden von Polen, nicht am Nordpol, in einem ausgezeichneten Studio und wurden bestens betreut. Die vertraglichen Angelegenheiten wurden in gemeinsamer Übereinkunft geregelt und die Konditionen für uns waren absolut fair und positiv. Leider entwickelte sich COSMIC dann aber in eine andere Richtung und stellte die Tätigkeit als Plattenlabel anderthalb Jahre später völlig ein. Im Grunde kann man sagen, daß es ein polnisches Start-Up Unternehmen war, das sich wohl doch etwas zu viel vorgenommen hatte und nicht genug Erfahrung in der Musikbranche mitbrachte, um längerfristig Bestand zu haben. Seitdem haben wir uns ausschließlich selber produziert und auf das konzentriert, was wir mit eigenen Mitteln bewerkstelligen und finanzieren können. Nicht zuletzt, weil wir nach wie vor nur wenig, wenn nicht gar keinen Support von anderen Labels, Bookern oder Agenturen angeboten bekommen haben.

Woran kann denn das liegen? Rockabilly ist doch derzeit sehr angesagt und mit Euren Connections zur Berliner Szene sollte sich da doch etwas machen lassen...?

Kathy: Die Rockabilly Szene in Berlin wirkt manchmal etwas geschlossen und konservativ - Die "Rockabilly Leute" sind vielmals fixiert auf traditional Rockabilly. Wir haben eine Menge "Crossover" Songs - und am Schlimmsten: wir haben keine Quiffs und Tattoos.

Manchmal sind Eure Sachen aber auch „schwer“ in handlicher Form zu bekommen. Sie werden fast ausschließlich auf Download-Portalen wie CDBaby oder iTunes veröffentlicht. Was ist der Grund? Steht Ihr nicht so auf „Handfestes“ Zeug?

Robbi: Ganz und gar nicht. Wir lieben Vinyl und Tonträger jeglicher Art. Der Grund für die Veröffentlichungen als Download liegt einzig darin, daß wir so wenigstens überhaupt etwas veröffentlichen können und zudem auch gleich international... Die aktuelle Vinyl-Single ist ja auch wieder eine komplette Eigenproduktion auf dem Mini-Label unseres Drummers... Da wir nur ein kleines Trio ohne großartiges Budget sind, ist es für uns praktisch unmöglich, ohne weitere Unterstützung durch ein Label oder einen Vertrieb größere Schritte zu machen...

Habt Ihr denn einen Überblick, wie oft Eure Sachen heruntergeladen wurden und woher? Das wäre ja mal ziemlich interessant. Vielleicht motiviert das ja einen engagierten Booker, wenn er das hier liest. Und auch als Band ist es doch sicher schön zu sehen, dass hunderte Leute aus den von den Fidji-Inseln Eure Platte runterladen. Vielleicht kann man da ja auch mal spielen…;-)?

Kathy: Es gibt, soweit wie ich weiß keine onestop-Überblickmöglichkeiten, außer, eine Marketing Firma zu mieten. Ich versuche uns weiter zu bringen durch Reverbnation, Soundcloud, Facebook und co. Sie sind alle riesige Zeit-Vampire, aber ich entdecke ab und zu nutzbare Statistiken ….Weißt du, daß wir momentan Nummer 3 in den Reverbnation Charts in der Kategorie "Rock Charts Berlin" sind? Ich bin so aufgeregt, ich muss mich sofort hinlegen, und eine Tasse Kamillentee nehmen.

Zwischendurch gab es mal ein paar Probleme mit Euren Schlagzeugern. Was war da los? Dave ist zurück in die USA gegangen, dazwischen halfen Tom "Blocky" Block & Tom Petersen (von Berlins legendärer Band PVC) aus, bis Ihr schließlich in „Dr. Duck“ Euren neuen Drummer gefunden habt. Wie waren da Eure Erfahrungen?

Robbi: Dave war zu Beginn der Bandgeschichte der perfekte Drummer für uns. Seine Erfahrung und seine Art zu spielen waren die ideale Ergänzung zu Kathy´s Ideen und für die Entwicklung der Band. Das er zurück in seine Heimat gegangen ist, war sehr schade, aber natürlich müssen wir das respektieren. Als wir dann nach längerer Suche auf Blocky stießen, kam wieder neue Energie hinzu und Blocky hatte eine sehr große Spielfreude. Leider stellte sich aber heraus, daß er doch ein völlig anderes Verständnis von der Disziplin hatte, die Kathy´s und meines Erachtens nach für ein gemeinsames Miteinander in einer Band nötig ist. Daher trennten sich unsere Wege recht bald wieder. Mit Tom habe ich gemeinsam drei Jahre bei der Neuauflage von PVC mit dem Original Gründungsmitglied Gerrit Meijer verbracht und als Rhytmusgruppe einen sehr guten Draht aufgebaut, so daß es nahe lag, mit ihm auch bei KATHY X zusammenzuarbeiten. Er wollte aber nicht als festes Bandmitglied dabei sein, da er musikalisch seine Freiheit brauchte und andere Projekte für ihn genauso wichtig waren. So war er als Session Drummer bei KATHY X dabei und hat auch bei den Aufnahmen für die 6-Track CD X-APPEAL mitgewirkt. Schließlich haben wir mit viel Glück und Zufall Felix aka "Dr. Duck" gefunden, der seitdem durch seine große Spielfreude und freundschaftliche Bindung das Trio wieder komplettiert.

Dr Duck: Mir macht KATHY X unglaublich viel Spaß, neben der Musik liegt das vor allem an der lockeren und unkomplizierten Atmosphäre innerhalb der Band, in der man Probleme offen ansprechen kann ohne dass dabei eine komische Stimmung entsteht.

Ihr habt gerade eine neue 7“ herausgebracht. „Fluch der Pharaonen“ heißt diese. Zufrieden damit? Außerdem gibt es diesmal einen deutschen Text. Wie kam es dazu?

Robbi: Wie oben bereits angedeutet, versuchen wir alles nach unseren Kräften mögliche zu unternehmen, um KATHY X bekannter und erfolgreicher zu machen. Eine Single ist unserer Meinung nach wie vor die ursprünglichste Art, einen Tonträger herzustellen und erfreut sich gerade bei Sammlern und Enthusiasten uneingeschränkter Beliebtheit. Deshalb war für uns klar, daß wir wieder eine 7" rausbringen wollten. Finanziell bewegt sich so eine Produktion auch in einer Dimension, die mit unseren Mitteln realisierbar erscheint. Ich bin seit jeher ein großer Fan der KREWMEN und CURSE OF THE PHARAOHS hat es mir so angetan, daß ich mich vor einigen Jahren an eine deutschsprachigen Adaption des Textes gemacht habe. Nachdem ich vom ehemaligen KREWMEN Sänger MARC COLE auch ein persönliches OK für diese bekommen hatte, lag es nahe den Titel auch aufzunehmen. Auf der X-APPEAL war zwar schon eine Version mit TOM PETERSON am Schlagzeug, aber wir wollten mit Felix nochmal ein etwas authentischeres Feeling hinbekommen, was uns auch gelungen ist, denke ich. Der Song ist sozusagen eine Hommage an meine Lieblings-Psycho-Band aus den alten Tagen und ein wenig humoristisch in der deutschen Version, so in Anlehnung an deutsche Schlager der 20er und 30er... so in Richtung MAX RAABE goes Psycho... Außerdem wollte ich bei der Fülle an Kathy´s Songs auch mal einen gesanglichen Beitrag für die Band leisten...

Immer wenn ich einen Newsletter von Euch bekomme, spielt Ihr meistens in Berlin. Habt Ihr nicht die Ambitionen auch mal außerhalb zu spielen? O.k., Ihr wart in Hamburg, Polen und auch in England. Aber das, so scheint es mir, sind einzelne Gigs und keine wirklichen Touren. Woran liegt das?

Kathy: Könntest du uns einen zuverlässigen Tour Manager oder eine Agentur besorgen?

Robbi: Zurück zu alten Problem. Kein Label. Keine Booking Agentur...keine Touren. Die Zeiten, in denen ich mit einem geborgten VW-Bus quer durch Europa kreuze und wir für ´nen Kasten Bier und eventuell einen Schlafplatz bei irgendeinem Bekannten vom Freund des Schwagers des Veranstalters zweieinhalbstunden lang auf der Bühne die Post abgehen lassen, mit komplett eigener Backline und ohne Roadies, versteht sich, sind für uns leider wirklich vorbei. Wir möchten eine gute und möglichst professionelle Show bieten und das bedeutet einen gewissen Grundaufwand an Transport und Logistik der sich schlicht und ergreifend im allerseltensten Fall einigermaßen rechnet. Mit PVC hab ich das noch bis vor knapp zwei Jahren gemacht, aber das war erstens Punk-Rock, zweitens außerordentlich kräftezehrend und letztendlich mehr oder minder auf eigene Kosten. Es geht ja nicht darum, dick abzukassieren, aber ehrlich gesagt finde ich schon, daß eine gute Show auch für die Künstler eine entsprechende Gage erzielen sollte. Leider sind da seit geraumer Zeit von Seiten gewisser Veranstalter andere Vorstellungen an der Tagesordnung...

Dr Duck: Wir versuchen schon das zu organisieren. Viel mehr als eine Wochenendtour kommt dabei leider aus finanziellen Gründen nicht heraus, man braucht einen besserbezahlten Gig, der die Unkosten einbringt und kann dann ein paar kleinere drum herum machen.

Das kann ich gut nachvollziehen. Dann spielen sicher auch die Jobs eine Rolle, oder? Was macht Ihr sonst so nebenbei? Rob – Du betreibst ein kleines Studio, wo Ihr Eure Sachen selbst aufnehmt. Kannst Du davon ein bisschen leben oder ist das noch ein weiteres Nebenprojekt?

Rob: Mein Studio ist eigentlich ein reines Privatvergnügen, das nur für unsere eigenen Projekte und gelegentlich für befreundete Künstler genutzt wird. Im Moment bin ich gerade dabei, endlich meine Diplomarbeit fertig zu stellen und das Geld zum Leben verdiene ich als Kurierfahrer einer Apotheke.

Dr. Duck: Ich arbeite als Softwareentwickler.

Kathy – Du gibst auch viele Solo-Shows. Inwiefern unterscheiden sich diese Gigs von normalen KATHY X Konzerten. Und worauf liegt Dein Hauptaugenmerk. Die Band oder die Solo-Shows?

Kathy: Sobald ich rocke, ist mir das egal…

O.k., dann wünsche ich Euch noch viel Spaß und Erfolg in der Zukunft & dass noch viele weitere 7“ folgen mögen. Danke für das Interview und bis zur nächsten Show. Any last words?

Kathy: Der Schlagzeuger hat immer das letzte Wort…..

Dr Duck: Haut rein! So long, goodbye and good luck!

http://www.kathy-x.de

mieschka | Mo., 28. Nov 2011

Oh man, ich schau mal gerade hier auf meine Einträge und merke, dass mein letztes Interview, welches ich veröffentlicht habe schon wieder über ein Jahr her ist.... Mmmh. Naja, VOICE OF CULTURE ist eben für Liebhaber und Leute, die "dranbleiben".... Nun, sicher ist der Tatendrang aus den Anfangstagen ein bisschen verflogen, sicher steht man irgendwie mit 8 Beinen im Leben und man denkt, es gibt Wichtigeres als sich zum hundertsten Mal irgendwelche Interviews von Promoagenturen aufquatschen zu lassen. Sicher ist man auch irgendwann genervt, wie das so genannte Musik Biz funktioniert (Platte, Interview, Tour, Platte, Interview, ......) und dann kommt so eine Platte....

- Pause -

Hier und da gibt es dann doch Licht am am Ende der Flasche Bier und eine Platte liegt im Briefkasten, die man 100 mal am Tag hören könnte.

- Pause -

Und auch tut. Die reisst Dich wie von den Socken, öffnet Dir einmal mehr die Augen und zeigt Dir, dass Deine 8 beine im Leben für den Arsch sind und dass Du seit dem letzten veröffentlichten Interview nur Scheisse gmacht hast. Setz Dich ran un mach auch so eine Platte. Oder anders, es ist nicht alles Scheisse. Nimm Dir mal wieder mehr Zeit für Musik. Und vor allem - Frag nach. Dann tu ich das eben auch.

Hallo Claus! "Römisch Vier", Euer neues Album ist draussen. Ihr macht selbst die Promo, schickt CD´s raus, macht ungewollte Interviews, wie kommt´s?

Wenn man 3 Monate Restanspruch auf Arbeitslosengeld hat, kann man bei Vorlage eines schlüssigen Businessplans nochmal 9 Monate Gründerzuschuss in Höhe des Arbeitslosengeldes beantragen. "Römisch vier" war Bestandteil meines Businessplans.

Mein Traum wäre es natürlich den "Gründerwettbewerb - Mit Multimedia erfolgreich starten", finanziert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie zu gewinnen. Ich denke mit den qr-Codes sind wir auf dem richtigen Weg. Musikalisch und textlich möglicherweise aber auf dem falschen.

Ich komm jetzt mal darauf, weil bei Trash 2001 nix angekündigt ist. Wie kam es dazu? Welche Arbeit steckt dahinter, selbst eine Platte zu veröffentlichen (außer nach Feierabend Promos rauszuschicken)?
Eigentlich dieselbe Arbeit wie immer. Nur der Versand an die Leute, die über die Homepage bestellen kommt dazu. Promos rausschicken is vielleicht 3-4 Tage Arbeit. Muss man halt ein Paar emails verschicken um an die richtigen Ansprechpartner zu gelangen, sonst landet man in einer der gefürchteten Promo-"Archiv"-Kisten.

Und warum machst Du es Dir nicht so einfach, wie es heutzutage fast alle Labels tun - Einfach die CD hochladen und die Platte in schlechter Qualität, ohne Cover aber mit Downloadcode versehen und ins Netz stellen - Würde Dir viel Arbeit ersparen...
Das Online stellen erledigen andere. Sogar in Bestqualität ohne Downloadcodes. Warum sollte ich mir da selber die Mühe machen? Trillerfischrecords hat keine Rechtsabteilung.

Ausserdem binnich kein Fan von Scheissqualität. Wennich in Ruhe Musik über Kopfhörer höre gehe ich mehmals die einzelnen Instrumente und Stimmen durch um zu sehen was da eigentlich gerade abgeht. Wenn die Quali Scheisse ist gibt es zuviele Sachen die mich ablenken. Scheissqualität reicht für Autofahren, Hintergrundgedudel und das Tanzlokal, für mehr nicht.

Du bist also ein Perfektionist in jeder Hinsicht?
Nein, ich höre einfach gerne Musik. Wenn man sich geile Sachen immer wieder reinzieht, fallen einem Sachen in den Schoss die man selber nicht versteht.

Platte-Tour-Platte-Tour - Du machst jetzt fast 20 Jahre Musik - mein Gott bist Du alt - was ist für Dich die Motivation, immer mal wieder ne neue Platte zu machen. Gehen Dir nie die Themen aus?
Die "Themen" werden meistens kurz vor den Aufnahmen aus dem Arsch gezogen. Wenn es keinen festen Studiotermin gäbe, würden alle Lieder nur halbe Strophen- und Chorustexte haben.

Dieses Procedere ist allerdings eher demotivierend, weil ich dann weniger Zeit habe mich um das zu kümmern, was mir eigentlich wichtig ist. Grade auf der neuen Platte sind einige Sachen wo ich denke Scheisse - hamwa vergessen, scheisse - da hätte man mehr draus machen können.

Es hat auch herzlich wenig Spass gemacht 3 Jahre lang mit der selben Platte zu touren. Scheinbar hängen nicht nur uns selber die alten Lieder zum Halse raus, die letzten Konzerte vor der neuen Platte waren immer schlechter besucht.

Na das wird sich ja nun hoffentlich bald ändern. Sind dann die Sachen, wo Du sagt – das hätte man besser oder anders machen können – die Grundlagen für neue Songs oder Projekte?
Nee. Auf der Platte fehlen einfach Gitarrenriffs, Background Gesänge, und Londoner Symphonieorchester. Die Songs sind teilweise einfach nicht überladen genug. Ich bin der Meinung dass ein Song immer wie ein Kaufladen sein muss. Gut sortiert aber trotzdem aufgeräumt.

CHEFDENKER existiert nun seit 8 Jahren, länger als es Knochenfabrik je gab. Gibt es immernoch Plakate, wo angekündigt wird: "mit EX Knochenfabrik-Leuten"? Und hättest Du gedacht, daß es die Band jemals so lange gibt?
Hab ich lange nicht mehr gesehen solche Plakate. Aber vielleicht isset ja gar keine schlechte Idee, wenn wir selba demnächst ein Tourplakat entwerfen, wo das ganz gross draufsteht?

8 Jahre finde ich nicht besonders lang, Chefdenker ist schliesslich so eine Art Kegelverein. Bei Kegelvereinen ist man ja bekanntlich so lange Mitglied, bis man tot umfällt.

Euer Gitarrist lebt seit einiger Zeit in Berlin - war das ein Grund, warum Toto für einige Zeit die Leadgitarre übernommen hat, oder gab es da auch persönliche Gründe?

Toto wollte Musik machen wir wollten einfach nur kegeln, das hat nicht zusammengepasst. Ausserdem hatten wir alle unsere unentspannten Phasen. Heute machen wir ein Paar "Lockerungsübungen" wenn wir im Tourbus sitzen, dann passt das alles.

Und seit Neuestem ist auch noch Caddy / Mirco Eurem Kegelverein beigetreten. Als Vollprofi oder Auswechselspieler?
Schwer zu sagen. Matze steigt ja öfters mal aus der Band aus und dann wieder ein. Aber mal im Ernst - bei Chefdenker sind auch die Auswechselspieler Vollprofis. Wir sind die Real Madrid des Deutschpunk..

Und was sagt "Dat Evelyn" zur neuen Scheibe? Hängt die "Goldene Schallplatte" von Euch jetzt wenigstens im Lokal?
Da sprichst Du ein sensibles Thema an. Beim Evelyn hamwa uns lange nicht mehr gemeldet. Unser Proberaum ist jetz ganz woanders. Eigentlich ein klarer Fall für eine gepflegte Cheffreizeit. Unsere Stammtischseite bleibt natürlich unangetastet, denn was wäre ein Stammtisch ohne das Beharren auf sinnlosen Prinzipien?

Ihr habt auf der Platte mit Axel von WIZO einen Gastsänger. Genau wie er hast Du Dich, wenn meine Infos richtig sind, mal im Schreiben von Klingeltönen oder Kinderplatten beteiligt. Stimmt das? Und ist das eine interessante Sache? Wie läuft das ab?
Ist leider eine Fehlinformation. Ich weiß noch nichtmal wie ich den Scheiss Klingelton in meinem Handy ändern kann. Ich hab dann mal ne Arbeitskollegin gebeten mir irgendwo "Witchita Lineman" als Klingelton runterzuladen. Und beinahe wären wir in die Abo-Falle getappt. Ums kurz zu machen- Witchita Lineman gibbet nirgendwo kostenlos.

Kinderplatte kommt demnächst, allerdings stehen jetzt erstmal Weihnachtsplatte und Greatest Hits I, II und III auf dem Plan.

Das Thema 20 Jahre Musik hatten wir ja jetzt schon. Über die Zeit hat sich viel verändert. Was vermisst Du aus den Anfangstagen und wo, denkst Du wird die sogenannte Szene in 20 Jahren stehen?
Aus den Anfangstagen vermisse ich vor allem meine Erinnerungen. Ich glaube nicht, dass alles schlechter wird. Wer das glaubt sollte sich mal alte Klimbim-Sendungen oder die Berichterstattung der Mondlandung runterladen. Da ist selbst der mikroskopisch kleine Schritt von Ingrid Steeger in Richtung Mario Barth ein grosser Schritt für die Menschheit.

Ich glaube allerdings, daß in nicht allzu ferner Zukunft Diskussionen durch Reflexe ersetzt werden. Das ist aber nicht weiter schlimm, denn Leute die sich für besonders schlau halten werden immer berechenbarer. In 20 Jahren beginnt mein freiwilliges soziales Jahr als Konzertveranstalter im Jugendzentrum. Ich hoffe die Szene lässt sich bis dahin etwas einfallen, sonst buche ich ein Jahr lang Coverbands.

Dann soll das so sein!

mieschka | Di., 25. Jan 2011

Die Tauben waren Anfang der 90er Jahre alles für mich! Sie begleiteten mich durch alle Phasen meines pubertärenden Lebens und ich wusste, sie verstanden mich! Sie konnten ausdrücken, was ich fühle.... Gut, das machen SIDO & Co. heutzutage wohl auch.... Aber hier waren Stromgitarren dabei. Das war ein Gefühl! Und jeder konnte mitmachen!

Keine Ahnung, wieviele Kiddies in 20 Jahren noch einen auf dicke Hose machen... Das, was damals aber in mir vorging, das steckt da immer noch tief drin. Schnapp Dir ein Instrument und leg los. Du bist auf der Bühne. Die anderen stehen nur davor... Das ist bis heute geblieben.

Dann wurde es ruhig um die Tauben, obwohl man nie offiziell etwas von Auflösung o.ä. mitbekommen hatte. Konrad machte hier und da mit RASTA KNAST und WKA Musik, Mikro auch, dann gab es mal wieder ein Konzert in der Glocksee / Hannover und dann war Konrad plötzlich tot.....

Ein tiefer Schock für viele! Nicht nur aus meinem Umfeld oder gar (nur) der Punkrockszene!

In den letzten Jahren hatte er viel Zeit damit verbracht, eine DVD über die BRIEFTAUBEN zusammenzustellen. Eine Zeit, die sicher nicht nur für ihn prägend war, auch wenn er sein Punkrockherz nie verlor.

Nach seinem Tod kümmerte sich sein Bandkumpane Micro darum, daß das Werk überhaupt erscheinen konnte. Mit ihm unterhielt ich mich über die DVD, seine derzeitigen musikalischen Aktivitäten und über Fußball…;-) Viel Spaß!

Hallo Micro! Wie geht es Dir? Hast Du das FORCE ATTACK Festival gut überstanden? Ich konnte dieses Jahr das erste Mal seit 10 Jahren nicht dabei sein, was mich nun besonders ärgert.

Micro: Hallo Mieschka! An mir ist noch alles dran und ich habe das „Force-Attack“ gut überstanden. Leider war ich ja nur am Freitag dabei. Ich war übrigens nach 10 Jahren das erste Mal dabei und es hat mich ganz und gar nicht geärgert. Im Gegenteil – es war schön, ein paar alte und neue Bekannte zu treffen. Das war fast wie ein Klassentreffen.

Kann ich mir vorstellen. Aber nächstes Jahr bin ich wieder dabei! Die MIMMIS kommen aus Bremen und klar, das ist nicht so weit weg von Hannover & mit den MIMMIS verband Dich ja schon immer was. Aber wie kam es zu dem Auftritt?

Micro: Die Idee kam von Fabsi. Das Erscheinen der „Tauben-DVD“ muss auch irgendwie beworben werden – und so bot sich der Mimmis-Gig einfach an. Elf hatte mit „Slime“ zusammen das Stück „Krieg in den Städten“ schon mal für die Tauben gecovert, also passte das alles gut zusammen. Dass die „Mimmis“ dann auch noch Dicken von „Slime“ auf die Bühne geholt haben, um ein paar Slime-Stücke zu spielen, fand ich großartig. Eine super Alte-Männer-Truppe!

Wäre es nicht auch toll gewesen, wenn Olli auch mit dabei gewesen wäre?

Micro: Die Abstürzenden Brieftauben haben sich die meisten Jahre ihrer Existenz als Duo verstanden. Ich habe einen Tag vor dem „Force-Attack“ einen sehr schönen Abend mit Olli verbracht und danach hat er mich zum Proben mit den Mimmis gefahren. Da war er ja auch eine Weile Schlagzeuger und Musiker. Nein, ich denke, es war klar, dass er im Kontext der Tauben nicht dabei war. Er hätte ja sonst auch als „Mimmi“ auf der Bühne gesessen. Trotzdes: Danke Olli – auch im Sinne der Krimi-Leser!

Wie hast Du Dich gefühlt, wieder vor all den 1000 Punks auf der Bühne zu stehen?

Micro: Super!!

Beim Schauen der DVD hatte ich ja schon das ein oder andere Mal Tränen in den Augen. Ging es Dir beim Betrachten des Endproduktes genauso?

Micro: Nein, wenn ich mir die fertige DVD heute ansehe, muss ich eher hin und wieder mal schmunzeln. Jeder hat ja so seine eigenen Erinnerungen hinter so einer Kurzfassung und wenn ich bedenke, was wir damals so alles verzapft haben…..Na gut, das ein oder andere Tränchen ist vielleicht auch dabei – aber das Grinsen überwiegt doch.

Was heißt denn Kurzfassung? Hätte es noch weiteres Material gegeben? Und wie lange hätte die DVD denn sein müssen, um Euer Schaffen möglichst komplett abzudecken?

Micro: …Es fliegt noch eine Menge unbearbeitetes Videomaterial herum und die Originalfassung vom Interview ist ungeschnitten um einiges länger. Das alles zu sichten, und zu bearbeiten dauert unglaublich viel Zeit und allzu viel wiederholt sich dann auch. Ich denke das ding ist rund und kompakt wie es sein soll und es ist im Wesentlichen alles dabei. Soll ja nicht langweilig werden oder???

Soweit ich weiß, hatte sich ja Konrad größtenteils um die DVD-Produktion gekümmert. Inwieweit warst Du da involviert? Habt Ihr Euch regelmäßig getroffen?

Micro: Eigentlich wollte ich mich soweit es möglich wäre aus der Geschichte raushalten. Ich hatte die Tauben zum Zeitpunkt des Glocksee-Gigs (der ja der Aufhänger zu der DVD war) schon weit hinter mich gelassen. Irgendwie hat mich die Vergangenheit dann doch wieder eingeholt und ganz schnell überholt. Konrad und ich haben uns schon wieder öfter getroffen – aber das war eher zum gemütlichen Grillen.
Nach Konrads Tod musste und wollte ich den Part der „Brieftaube“ wieder übernehmen, um seine Arbeit fortzusetzen. Insofern bin ich ja nun voll involviert.

Es heißt, Ihr hattet auch schon wieder ein paar Songs zusammen gemacht. Hatte sich da wieder ein gemeinsames Gefühl entwickelt und hättet Ihr nochmal was zusammen gemacht? Was passiert jetzt mit den Songs?

Micro: …Damit jetzt niemand etwas falsch versteht, bis auf die PunkRockRente sind alle Songs die wir gemeinsam gemacht haben noch zu Zeiten der Existenz der Tauben entstanden. Die neuesten Songs wurden nicht mehr veröffentlicht weil sie einfach noch nicht fertig waren oder sie haben einen Musikalischen Quantensprung dargestellt der nicht wirklich etwas mit den Tauben zu tun hatte. Konrad hatte mal mit Rasta Knast das Lied „Chaostage“ und ich glaube auch „In guten wie in schlechten Tagen“ aus dieser Zeit übernommen. Vielleicht brauche ich ja auch noch mal was aus diesem Fundus? Mal sehen..

Konrads Tod war sicherlich ein schwerer Schlag für Dich. Hattest Du zwischenzeitlich überlegt, die DVD-Produktion hinzuschmeißen oder warst Du danach um so mehr motiviert, das Ding durchzuzuiehen und zu veröffentlichen?

Micro: In der Tat war Konrad`s Tod sehr schwer zu begreifen. Ich war bis zur endgültigen Fertigstellung der DVD immer wieder am Zweifeln, ob das Ding überhaupt noch Sinn macht oder ob ich die ganze Aktion nicht doch lieber abblasen sollte.

Allerdings weiß ich, wie sehr dieses Projekt Konrad am Herzen gelegen hat und das hat mich schon motiviert, mich immer wieder zusammenzureißen und weiter zu machen: „Tu es für Konrad, tu es für alle, die daran mitgewirkt haben, und tu es für dich.“ Heute freue ich mich darüber, dass es dieses einmalige Werk gibt.

Als Taubenfan seit den späten 80ern war es natürlich toll für mich, mal hinter die Kulissen zu schauen. Und der Swen vom Plastic Bomb schrieb auf deren Homepage: "...im nachhinein hatten die mehr als ich damals wahrgenommen habe..." . Wie würdest Du die Bedeutung der Tauben im Nachhinein für den deutschsprachigen Punk einschätzen?

Micro: Manchmal ist man hinterher schlauer, gelle? Tschulligung.

Ich denke, wir haben viele Leute dazu animiert, Musik – oder eben auch Punk-Musik zu machen. Das geht – und das geht auch zu zweit. Ist doch schön, wenn einige Leute ihre Wurzeln bei den „Tauben“ gefunden haben. Weitermachen, Jungs und Mädels!!!

Genau das hat mich tatsächlich dazu animiert meine damalige Band zu starten! Jetzt sind es auch schon fast 15 Jahre, die wir zusammen sind. Danke!

Micro: …Als waschechter Nordmann sag ich jetzt mal „Och, da nicht für!“

Ich habe, glaube ich, so ab der Ausgabe Nr. 6 das Plastic Bomb zu lesen. 2 Ausgaben vorher, so erinnere ich mich, gab es darin ein Interview mit Euch, welches ich nie gelesen habe. Ich fragte mich immer – Wie haben diese tief verwurzelten Punks Euch damals befragt? Von „oben herab“ – angewidert vom „Kommerz-Bravo-Punk“ oder durchaus „ebenbürtig“ – Interessehalber?

Micro: …Es tut mir leid aber ich kann mich beim besten Willen nicht an ein solches Interview erinnern, aber sollte es tatsächlich stattgefunden haben dann haben wir uns sicherlich wie echte Frauen/Männer auf Augenhöhe unterhalten. Wenn nicht wären Konrad und ich nämlich einfach gegangen oder hätten den damals praktizierenden Jungjournalisten aufgesucht und hätten ihm durch unsere Leibwächter einen empfindlichen Schaden in seinen Iro repariert…

Punk ist in den öffentlichen Medien nicht zuletzt durch Euch „salonfähig“ geworden. Immer mal wieder tauchen ähnliche Bands, wenn auch nicht mit solchem Punkhintergrund wie Ihr, in den Charts auf. Siehst Du das auch ein bisschen als Verdienst von Euch an?

Micro: …Also, nun mal hübsch der Reihe nach… zuerst haben wir den Punk verraten, danach haben wir ihn verkauft, und dann salonfähig gemacht. Eine gnadenlose Karriere will man meinen…aber ich stehe dazu, weil mir bis jetzt noch niemand ein Punkgesetzbuch vorgelegt hat. Es ging ja darum zu machen was man will und nicht was man muß oder soll. Also wenn davon ein paar Leute etwas gelernt haben ist das toll aber kein Verdienst.

Wo würdest Du heute stehen, wenn es die Tauben nicht gegeben hätte?

Micro: Wo ich heute stehen würde? Vielleicht im Wald? Keine Ahnung, aber wahrscheinlich wäre ich Raumausstatter (die Lehre habe ich ja gemacht) und würde in einer kleinen Polsterbude mein Dasein fristen.

Und was machst Du sonst jetzt so? Bist Du Mitglied im örtlichen Schützenverein geworden, gehst ab und zu zum Fußball und lässt es ruhig angehen?

Micro: …Du wirst lachen, ich bin ein 96 Fan! ( Zum Verständnis für andersgläubige, das sind die Roten aus unserer niedersächsischen Hauptstadt Hannover ). Ansonsten arbeite ich wie in Hannover so üblich in einem Messe Event Ladenbau Betrieb. Ist nicht immer das was man als ruhig angehen kann sehen muß, aber Schützenverein??? Bitte!!!

Die VideoClips auf der DVD sind ja der Hammer. Bis auf das Srandbad-Video hatte ich keines davon zuvor gesehen. Liefen die denn damals irgendwo im Fernsehen? Und waren die eher als Spaß gedacht oder war das schon auf Promo abgezielt?

Micro: Der Clip von „Du brauchst es“ (übrigens heute der Grund für die FSK 12 auf dem Cover) lief mal im Zuge einer Sendung über Jugendliche in Deutschland irgendwo im Fernsehen. Die anderen Clips haben es leider nie in die Flimmerkiste geschafft. Ich glaube, die Musiksender waren damals einfach noch nicht reif für die Tauben. Schade eigentlich.

Du bist damals bei NARBENGESICHT eingestiegen und spielst jetzt bei den SMELLY CAPS. Kannst Du es einfach nicht lassen, Musik zu machen? Letztere ist ja fast eine ALL-STAR Band. Mit Mitgliedern von den BOSKOPS und weiteren Hannoveranischen Punk Urgesteinen. Spelt Ihr auch manchmal Lieder von Euren alten Kapellen im Proberaum? Oder gar live?

Micro: Tja, leider bin ich bei den „Smelly-Caps“ seit November 2008 nicht mehr dabei.

Dafür spielt jetzt Ralle (ebenfalls von den Boskops) die 2. Gitarre. Mir ist das alles ein bisschen zuviel geworden, also bin ich damals ausgestiegen. Ob ich das Musizieren sein lassen kann, weiß ich noch nicht, das wird sich noch zeigen.

Lieder von den Tauben oder den Boskops haben wir nicht gecovert – wir waren ja die „Smelly–Caps“ und hatten einen ganz anderen Stil.

Hast Du denn sie Absicht, trotzdem in Zukunft irgendwo noch weiter Musik zu machen?

Micro: …Ja, damit werde ich wohl in diesem leben niemanden in meiner Umgebung entlasten. Das ein oder andere Projekt liegt immer an und solange es mir Spaß macht werde ich daran Beteiligt sein. Geburtstage,Hochzeiten, harmlose Verkehrsunfälle und Force Attacks gibt es ja immer mal.

Die Punkrockszene hat sich ja im Laufe der Jahre ziemlich verändert. Kannst Du mit der heutigen Form noch etwas damit anfangen? Wie geht es dabei Deinen Freunden von den MIMMIS, die ja heute immernoch aktiv sind?

Micro: …Sagen wir mal so, ich kann gut damit umgehen. Ansonsten bin ich dieser Szene ganz klar entwachsen. Punk war meine Jugend und hat mit meinem heutigem Alltag nicht mehr so viel zu tun. Punk ist ja auch eine Jugendliche Protesthaltung in der jeder auch seine Nische für sein späteres Leben finden kann. Ich habe noch viel Kontakt zu Leuten die damals mit dabei waren aber das sind glücklicherweise keine Berufsjugendlichen geworden. Etwas bleibt doch immer hängen und im Herzen bleibe ich immer ein Punk. Ich bin ja froh das es immer noch genügend Kids gibt die das weiterführen. Wenn ich dabei mitmachen kann ist das doch Großartig. Wie gehabt, Punx not Dead!!!

So, Micro, dann danke ich Dir dafür, daß Du Dir ein wenig Zeit für mich genommen hast (Oder auch mehr, denn ich weiß, dass Du am Computer nur mit einem „2-Finger-Tippsystem“ arbeitest) und wünsche Dir alles Gute für die Zukunft!

Micro: …Pssst! Sag das nicht jedem sonst lacht noch einer über mich. Also, auch dir alles Gute und „Nix für ungut.“

mieschka | So., 11. Okt 2009

Nach Auflösung der legendären TERRORGRUPPE hatte ich mich gefragt, ob es die THE BOTTROPS schaffen werden, in irgendeiner Form an diesen Erfolg anzuknüpfen. Und zwar mit eigenen Mitteln. Nicht so, daß es immer heißt – das sind doch die Ex-Ex-Ex-Leute von ….. Wirkte das erste Album noch ein wenig roh, scheinen sie mit Ihrem zweiten Album „Entertainment Overkill“ sich gefestigt zu haben. Schöner Midtempo-Punkrock mit ansprechenden Texten. Über die neue Platte unterhielt ich mich mit Johnny Bottrop (JB) und Sänger Benno (BBB)…

Gratulation zum neuen Album! Allseits zufrieden?
JB: Es gibt ja immer was zu nörgeln, aber trotzdem das beste Album der The Bottrops ever! Kraftvoll, sauber und mit 20% mehr Inhalt, auch für Buntwäsche geeignet!

BBB: Von allen Platten, die am 24.4.2009 auf einem Kreuzberger Hinterhof-Label erscheinen werden, ist es sicher eines der 100 Stärksten!

Vor kurzem ist ja erst das Gesamtwerk von Herrn Bottrops alter Band HOA erschienen. Befindet Ihr Euch jetzt im „Interview Overkll“??
BBB: Ach Quatsch, der Bottrop hängt doch sowieso den ganzen Tag vor’m DVD-Player rum und schaut Kriegsfilme mit seiner Tochter!

JB: Wir haben ja auch viel zu erzählen, manchmal. Wir erleben immer wieder neue aufregende Abenteuer. Zum Beispiel neulich, wie ich bei Penny aus Versehen voll die falschen Rasierklingen eingekauft habe und...

BBB: Bottrop halt’s Maul

Und jetzt läufst unrasiert wie ein Hippie durch die Gegend? Das ist dann aber gar nicht punkig!
JB: Unrasiert, schlecht tätowiert und kahlköpfig, man könnte meinen... Ach lassen wir das! Schön hässliche Menschen kann nichts entstellen!

Ich durfte ja jetzt schon mal in das neue Album rein sehen und rein hören. Vorneweg, wo sind denn die Comics geblieben? Bis auf ein Minicomic und vereinzelte Bilder habe ich nichts entdecken können. Keine Lust mehr drauf gehabt?
JB: Aber die Bottrops hatten doch noch nie Comics, das war doch diese andere Vorgängerband... Wir haben einen Haufen cooler brotloser Slam-Poeten, Punkliteraten und Bildchenmaler dafür engagiert uns ein bisschen beim Bottrops-Booklet mitzuhelfen. Das Zeugs ist wirklich geil geworden! Die Literaten hatten die Vorgabe "nur höchsten 200 Wörter" damit auch alle Video- und Game-Overkill Geschädigten noch den Handlungssträngen folgen können. Alleine die Geschichten von Antje T. und Cassi Vollmer sind schon das Geld für die CD wert! Guter Scheiss voll auf den Punkt. Da ist kein Buchstabe oder Satzzeichen zuviel drinne!

Warum heißt „HWEN“ „HWEN“? Mich erinnert der Titel ein bisschen an RUMBLE MILITIAS „AMF“, also „Arbeit macht frei“… Gibt es da rechtliche Probleme, so was auf ein Cover zu schreiben? Oder wolltet Ihr einfach nicht so plakativ wirken?
JB: Exakt! Weniger "plakativ". Ein bisschen Understatement schadet nicht! Und ausserdem hasse ich Witze bei denen die Pointe schon im ersten Satz oder in der Überschrift verraten wird. Genau deswegen werden es diese "BZ" und "Bild Zeitung" auch nie zu wirklich guten Punk-Fanzines schaffen. Ich find´s auch persönlich ein bisschen unangebracht, daß jetzt die ersten Vorab-Rezensionen schon das "H.W.E.N"-Kürzel auflösen. Überlasst das doch dem Musikkonsumentenvolk!

Tut mir leid. Naja, kann man jetzt nicht ändern. Ja, hin oder Her. Man wird Euch wahrscheinlich immer als TERRORGRUPPE-Nachfolgeband wahrnehmen… Stört Euch das? Oder macht es Euch wenigstens das Booking leichter? Ihr spielt ja auch, bei Bedarf, alte TG-Gassenhauer…
JB: Wegen dem Titel "TG-Nachfolge" machen wir uns gar keine Sorgen, spätestens in 35-40 Jahren wird niemand mehr diese "Terrorgruppe" kennen, das müssen wir einfach nur ein bisschen aussitzen.

Würdet Ihr auf Anfrage alle alten Sachen drauf haben oder gibt es Songs, die Ihr auf keinen Fall mehr live spielen würdet, gar Euch weigert extra einzuproben?
JB: Es ist natürlich viel interessanter neue unbekannte Sachen einzuproben als alte bekannte, aber meinetwegen… Los, rück mal raus! Welchen alten Hit willste live hören??

BBB: Ob wir den dann auch tatsächlich live spielen können, ist aber `ne ganz andere Geschichte.

Ja wie wärs denn mit der „Voll geilen Studiosession mit Bo Diddley“, der ja wohl gar nicht da war…
JB: Einfach, immer Pentatonik auf E-Dur runterdudeln. Und genauso eine Mundharmonika haben wir ja auch bei "Teleshop Romeo" auf der neuen Scheibe benutzt, sogar fast in derselben Tonart. D? oder auch E? Glaubst du, daß "Voll geile Studiosession" auf den Konzerten wirklich gut ankommen würde? Wie wär´s denn zum Beispiel mit "Rumhängen"? Das wär ja meine Favorit von der "Musik für Arschlöcher".

Nee, mein „Alltime Favourite“ ist immer noch „Blöd davor“. Benno, wenn Ihr alte TG-Sachen spielt, liegt es ja auch Nahe, daß Du alte XARECOWS-Sachen einbringen könntest… „Tanze Pogo mit mir“ könnte ich mir da sehr gut vorstellen…;-) Hast Du auf so was Bock?

BBB: Mir war gar nicht so bewusst, dass den Song noch immer jemand kennt. Freut mich aber natürlich. Ich spiel das mindestens einmal im Jahr bei nen Kumpel an Heiligabend. Der schmeisst dann immer so ganz wilde Partys auf der `ne Menge Leute rumhängen, die glauben Musik machen zu können. Einer davon bin ich! Wir spielen dann immer abwechselnd in rotierenden Bandbestzungen.

JB: Es ist ja auch so, dass diese elenden Stadionrocker von Rockshoe uns leider schon die ganzen Xarecrows-Klassiker vor der Nase weggeschnappt haben, aber Lust hätte ich schon, zB: "Ich gehör mir selbst!"

Ihr habt Eure Record-Release-Party günstig auf den 2. Mai im WILD AT HEART angesetzt. Habt Ihr nicht Angst, daß eine ganze Menge „Zugereister“ die Nacht in Gewahrsam verbringt und gar nicht erst kommen kann?
JB: Nee, die werden doch schon alle in der Nacht vom 30.April bei Exploited und Chaostage-Filmpremiere in Gewahrsam genommen und sind dann am 2ten schon wieder draussen!

Warum das WILD AT HEART? Weil es dort so kuschelig ist und eine intime Atmosphäre herrscht. Oder weil die meisten Leute an dem Abend im SO 36 rumhängen, wo Bands wie ATEMNOT oder DIE BOCKWURSCHTBUDE spielen?
JB: Aber eine Record-Release Party ist doch eine PAAARTY und kein Arena-Rockkonzert. Und würde jemand freiwillig so´ne Typen wie Bockwurschtbude auf seine eigene Party einladen? Wohl kaum!

Zum Schluß noch 2 GANZ WICHTIGE Fragen: Habt Ihr in Bottrop eigentlich einen Fanclub & kennt Ihr den „Tarzan aus Marzahn persönlich?
JB: Nicht nur das, auch Groupies!
BBB: Ja zwei sogar!

JB: Joo, den kennen wir. Darf ich hier eigentlich gar nicht verraten, mach ich aber: Ist der Vater unserer Merchandiserin!

Dann danke ich Euch ganz herzlich für dieses kurze Interview. Viel Spaß bei Eurer Recordreleaseparty.

mieschka | Do., 23. Apr 2009

Ein letztes Mal geben sich die Berliner Ska-Punk-Rocker die Ehre und spielen aus 8 Jahren nochmal Ihre größten Hits. Damit sie nicht ganz in Vergessenheit geraten, veröffentlichen sie gleich auch nochmal eine Abschieds-CD. Wie es zur Auflösung kam und vieles mehr erfahrt Ihr hier….

Hallo Ihr! Lange nichts mehr von einander gehört. Und bevor wir uns ganz aus den Augen verlieren, mal ein paar Fragen an Euch! Wie geht’s?
Chrü: Dit sacht der Richtige, Herr Mayonaise... ausn Augen verlieren...tztztz.
Uns gehts super, der Frühling naht, die ersten beiden Konzerte von der Tour waren feuchtfröhlich schön und wir haben alle ein gutes Karma.

Carolita: Aus den Augen verlieren kommt janich nich inne Tüte, Mausebeen!!

Ihr löst Euch nun am 18. April nach 8 Jahren Bandgeschichte auf. Was sind die Gründe?
Chrü: Als wir vor 8 Jahren unsere Seele an den Rock'n'Roll - Satan verkauften, hat er uns Dinge versprochen wie grenzenlose Glückseeligkeit und haufenweise Drogen. Nun sind wir alle Alkoholiker und mögen kein Ska mehr (zu fröhlich). Auf Emo haben wir aber irgendwie auch kein Bock. Schuld ist eigentlich nur Napster. Unsere Carolöte wird auch bald Zahnklempner und muss sich um ihre sadistische Ader kümmern.

Carolita: Wir haben mittlerweile alle ein Alter erreicht, in dem man sagen kann "jaja, damals war alles einfacher!". Was unsere Musikkapelle angeht stimmt das tatsächlich! Als wir alle noch gemeinsam zur Schule gingen, hatten wir in etwa den gleichen Alltag und zur selben Zeit Ferien, man konnte bandorganisatorisch viel leichter planen, und Papi hat uns den Spaß auch noch brav bezahlt! Jetzt müssenwa selber sehn, wovon wir am Wochenende unser Bier bezahlen sollen (wenn wir nicht gerade zufällig selber Konzerte spielen und der Backstagekühlschrank prachtvoll gefüllt ist). Beruflich und studientechnisch wurden die unterschiedlichsten Richtungen eingeschlagen. Die Freizeit die uns bleibt überschneidet sich leider mehr ungünstig als recht, was das Bestehen einer Band, die ihre Musik am Liebsten live zum Besten gibt, sehr schwierig macht. Ich kann mir gut vorstellen, dass wir nicht die erste Band sind, die sich aus diesen Gründen auflöst.

Lasst Ihr Eure Finger nun ganz von der Musik oder werden schon neue Pläne für neue Projekte gesponnen?
Chrü: Bis auf karrieregeile Ausnahmen können wir eigentlich alle nix besonderes, das mit dem Musikmachen werden wir wohl alle nicht lassen können. Mal schauen was kommt. Jojo und ich haben mit noch ein paar Leuten (Pityfuck, Brainless Wankers) jetzt schon so ne kleine Partycoverband am Laufen, wir wollen uns auf jeden Fall öfter treffen und bei deiner nächsten Abrissparty spielen. Coverbands ist doch eh die Zukunft!

Carolita: Auf jeden Fall werden wir weiter Musik machen!!! Ich studier' ja nicht umsonst wat "Anständjet"... ich mach das, damit ich später keinen asozialen Chef vor der Nase und mein Wochenende für mich (sprich: Zeit für meine wahren Interessen) hab! Also, jetzt mal ganz abgesehen davon, dass ich auf Blut und Schmerzen stehe...das is wieder 'ne andre Jeschichte... ;o)
Wenn allet jut jeht, steh ich innem halben Jahr wieder den Brettern, die die Welt bedeuten zur Verfügung! Voraussichtlich mit dem Musikprojekt "Mad Cows Infected Tourette Zombies"! Mehr wird erstmal nicht verraten.

Zum Abschied bringt Ihr noch eine kleine Platte raus. „Death, Liquor, Kicks and Trombones“ heißt das gute Stück, enthält 9 Tracks und rockt ziemlich gut durch. Zufrieden mit dem Ergebnis?
Chrü: Volker, unser Produzent, is ne geile Sau. Das Aufnahmen haben zwar delikattypisch wieder ewig gedauert aber wir haben diesmal auch allet jut gemacht und uns nicht so gehetzt wie bei der ersten Platte. Also ich find sie super... geiles Abschiedsgeschenk an alle die uns mögen und an uns selba. Mit Tosten und Andi hatten wir dann auch noch super Leute für's Mixing und Mastering... Schade dass nun allet vorbei is....

Carolita: Auf jeden Fall kein Vergleich zur alten Scheibe...im Positiven!! Hatten definitiv sehr großes Glück mit unserer Produktionscrew, ein riesiges Dankeschön nochmal an dieser Stelle! Von mir aus hätte das Schlagzeug etwas lauter sein können...(scheiss Gitarristen!! ;o) ) aber ansonsten bin ich sehr zufrieden!

Als großartige Liveband hattet Ihr Euch ja längst einen Namen gemacht. Neben gefühlten 10000 Konzerten in Berlin ward Ihr, wenn ich mich recht erinnere mal auf Tour in Rumänien, Ende März geht’s nach Polen, Österreich, Schweiz ward Ihr auch…. Wo war es am schönsten? Wo am dreckigsten? Wo habt Ihr das meiste getrunken, bei welchem Konzert hat Caro die meisten Sticks zerdroschen? Ein Resümee…!?
Chrü: Haha, ach du Scheisse. Also wir waren noch nie in Rumänien... das weiteste war dann wohl Italien. An dem Abend hab ich mit meinem fehlerfreien Englisch gepunktet (If someone has a bass over...). Dafür werd ich immernoch verarscht... zu Recht. Für mich waren die Touren mit Frau Doktor eigentlich das persönliche Highlight. Ich liebe diese Band und die Leute. Da war echt Nonstopparty angesacht. Die alten Männer konnten uns
Hosenscheissern noch ordentlich das Saufen beibringen. Ausserdem war alles überamtlich organisiert. Bis auf einige wenige Ausnahmen waren eigentlich alle Konzerte superspassig, ob wenig oder vielbesucht. Die Berlin Konzerte waren natürlich immer was ganz besonderes. Köln ging auch immer gut ab. Die fiesesten Saufstorys inkl. aller ausgelutschter Rock'n'Roll Klischees hat eigentlich unser Mercher, Labelkonzernboss, Fahrer und Tourbooker 'Bönx' zu verzeichnen. Da wird demnächst nen Buch vom übermächtigen Kollegen (Chefdenker, Blinker Links) erscheinen... ohne Scheiss.

Carolita: Ich glaube du meinst Slowenien, nicht Rumänien! In den Karpaten Rumäniens hätte ich als Draculaliebhaberin ja gerne mal gespielt...aber daraus ist bisher leider nix geworden. Ansonsten kann ich mich eigentlich nur Chrü anschließen. Das Dumme ist ja immer, dass man sich an die wirklich guten Abende meistens nur ganz schlecht erinnern kann, da die Großartigkeit eben dieser gewöhnlich durch jede Menge Schnaps und Bier untermalt wurde. Was bleibt ist einfach ein Gefühl von Glückseligkeit (abgesehen vonner Schraube durch'n Kopp), von dem man nicht mehr genau sagen kann, warum es eigentlich da ist. Also mir geht es zumindest so. Und ich kann mir gut vorstellen - dem Bönx auch!

Ist Euer Labelvater Bönx jetzt traurig, eines seiner Zugpferde zu verlieren?
Chrü: Frag ihn selbst, ich denke, er ist erleichtert...haha.

Bönx: Erleichtert ist das richtige Wort...schade ist es dennoch. Ich habe da aber schon so ne Ahnung, ich hatte für Samstag die Kapelle SMACKHAFT gebucht. Irgendwie kamen die mir alle ziemlich bekannt vor.

Carolita: Haha...ja...ganz bestimmt! Aber solange es noch Frau Mansmann gibt...!

Ist die Auflösung jetzt endgültig oder seid Ihr wie DIE ÄRZTE, RATM oder viele andere bald wieder zurück, weil Ihr es doch nicht lassen könnt?
Chrü: Alles nur Promo! Nee quatsch... die Zeit war leider jahrelang nicht unser treuster Freund. Wir hatten einfach irgendwie die Schnauze voll von Stagnation. Ne Band mit Bläsern zusammenzuhalten ist einfach schwierig, wenn manche in der Band anderen Kram zu tun haben, der wichtiger ist als die Musik. Ich hab glücklicherweise das Privileg, mir meine Zeit recht gut einteilen zu können. Caro's Hardcorestudium bspw. hat es uns einfach nicht erlaubt, länger als n paar Monate im Vorraus zu planen... was auf Dauer halt frustrierend ist. Ich denke also, dass es schon relativ endgültig ist.

Carolita: So richtig vorstellen kann ich's mir ehrlichgesagt (noch) nicht. Aber da ich mittlerweile nicht mehr die einzige unter uns bin, die "ordentlich" studiert, wird es wohl darauf hinauslaufen. Zumal sich zudem noch unsere jeweiligen Musikgeschmäcker verändert haben...Ska landet nur noch selten im CD-Player!

mieschka | Do., 16. Apr 2009

Datum: 26 04 2008 I Kategorie: Worldbeats I
Kastanetten treffen Synthesizer

Panko ist DJ, Gitarrist und MC der momentan wohl bekanntesten spanischen Band der Worldmusic- Szene: „Ojos de Brujo“. Seit die Formation aus Barcelona - auf deutscht übersetzt „Augen des Hexers“- 2005 den Preis für die beste Band in der Kategorie Worldmusic des BBC gewann, sind sie fast ununterbrochen auf Welttournee. Ihre musikalische Mischung aus Flamenco, Rap, indischen Ragas- Rhytmen und Scratches nennen sie selbstbewusst: Jiphop- Flamenquillo. Dabei gelingt der zehnköpfigen Band eine bisher unbekannte Gradwanderung aus der traditionell verrucht- rauhen Gypsy- Kultur Andalusiens und modernen Urban- Beats. Nach drei Studioalben, und zwei Live DVD's steht jetzt eine Remix- CD des letzten Albums „Techari“ vor dem Vertrieb in die europäischen Musikregale. Wir sprachen mit Panko über seine Musik, die Erben der Mestizo- Szene, die Schwierigkeiten eines eigenen Labels und seine anstehende Show im Berliner Festsaal Kreuzberg.

Seit wann machst du Musik und welche waren die ersten musikalischen Erfahrungen, die dich beeinflussten?
Nun ja, in meiner Jugend begann ich als Schlagzeuger in Punk- Bands zu spielen. Damals dachte ich noch, dass Punk die Welt verändern wird und das alles. Aber bedingt durch meine Herkunft, habe ich meinen Band-Kollegen schon sehr früh die Themen der „Sex Pistols“ oder von „Clash“ in Flamenco-Patterns oder Rumbas vorgespielt. Danach bin ich für eine Zeit auf Bassgitarre umgestiegen. Ich verließ den Punk und zog nach Holland, um dem spanischen Militärdienst zu entgehen. Nach einer Öffnung gegenüber anderen Musikstilen vermischte ich ab den 80'ern nordafrikanische Musik und Flamenco mit Rock. Nachdem ich nach Spanien zurückkehrte, gründete ich die Band „La Esencia“, in der wir die Rumba mit Funk fusionierten. Schließlich landete ich nach weiteren Projekten 1997 bei meiner jetzigen Band „Ojos de Brujo“.

Ich habe gehört, dass du deinen ersten Flamenco nicht mit Spaniern, sondern mit einem ungarischen Freund in Deiner Amsterdamer Zeit gespielt hast?
Ja, das stimmt. Der Gitarrist unserer Amsterdamer Band war Ungar. Mit ihm spielten wir Rumbitas und ein paar kleine Flamencos...schon lustig. Aber damals wurden die Rumbas nicht wie heute wahrgenommen. Es war eher ein exotischer Musikstil aus Spanien, den man mit den postfaschistischen Klischees des Landes, wie dem Tamburin, Kastanetten und anderen Stereotypen verband.

Das heisst, dass deine musikalischen Wurzeln nicht mit dem DJ'ing verbunden waren...
Nein, ganz und gar nicht. Meine DJ- Karriere begann mit Ojos de Brujo. Ich stieg in der Band als Gitarrist und Sänger ein. Und da ich nebenbei als DJ arbeitete, fragte mich unser anderer Gitarrist Ramon, ob ich nicht mal das Scratching über eine Buleria legen wolle. Ich probierte es aus und fand eine neue Ausdrucksweise im modernen Flamenco. Es war eher zufällig. Viele Leute denken, dass ich diese Idee seit 10, 15 Jahren verfolge, aber es entstand vielmehr durch einen Zufall. Und es hat sich einfach behauptet. Oftmals überrascht es mich selbst, dass es geklappt hat.

Du gehst auch ohne Band- Formation, als Solo- Künstler auf Welttourneen. Dabei verstehst du es deinen eigenen Musikstil, den sogenannten „Jiphop- flamenquillo“,alleine mit den Hilfsmitteln deiner Plasttenspieler und Effektgeräte darzubieten. Beschreib uns deinen Style näher, und sage uns wer deine Inspirationsquellen darstellte in diesem einzigartigen Mix.
Der Mix enstand mehr oder weniger spielerisch. Ich hatte Gefallen an musikalischer Forschung.
Am Anfang meiner DJ- Karriere dominierten angelsächsische Musikrichtungen mit Vier-Viertel-Takt. Aber bald schon merkte ich, dass man Flamenco- Rhytmusfiguren darüber legen kann. Ich probierte rum und versuchte die Rhytmen aufeinander abzustimmen. Danach kamen andere traditionelle Musikstile wie die indische Musik oder nordafrikanische Musik hinzu. Später dann Latin und Balkan.Und alles mit dem geraden Beat der angelsächsischen Club- Beats. Ich wollte nicht bei der für diese Musik einfachen Message „Come on, lets go“ bleiben, sondern eher auf ethnokulturelle Athmosphären und die Tiefe der Texte aufmerksam machen.

In der vergangenen Zeit bist du mit Remixes für andere Bands wie für die Londoner „Ska Cubano“ und zahlreichen spanische Mestizo- Bands aufgefallen. Ist dies der nächste Schritt in der musikalischen Entwicklung der „Musica bastarda“ oder „Musica mestiza“? Eine zweite Musik- Generation des „melting pot“ Barcelona?
Ich würde dabei Barcelona nicht dermaßen in den Mittelpunkt stellen. Das findet auf einem europäischen Niveau statt. Es begann mit einem Boom der elektronischen Musik in den Neunziger Jahren. Aber der elektronischen Musik fehlte damals etwas. Denn obwohl sie neu und interessant klang, fehlte ihr eine Art Wurzel. Die Weiterentwicklung dieser Musik, mit meiner Arbeit und der Arbeit vieler anderer europäischen Künstler, ist die Fusion von traditioneller Musik mit Elektro- Beats. Es ist lediglich eine musikalische Angleichung an die heute existierenden Medien , welche uns zur Verfügung stehen. Also verbinden wir Kastanetten, Cajon und „Cacharritos“ mit Computern und anderen modernen elektronischen Werkzeugen um Musik herzustellen.

Mir scheint Barcelona hingegen nicht dermaßen sekundär zu sein. Warum entstand dort diese die verschiedensten Richtungen wie Flamenco, Rap, Ska oder Latin- vermischende Musikrichtung und nicht beispielsweise in Madrid, Sevilla oder Granada?Welches Potential birgt diese Stadt?
Den in Barcelona entstandenen Musikmix kann man sehr gut an der Weiterentwicklung der Rumba Catalana erklären, die aus Katalonien kommt. Dieser ursprünglich durch den Flamenco und die Zigeunermusik bestimmte Musikstil wurde durch die zugezogenen Musiker generiert und neu definiert. Seitdem wird in Barcelona immer mehr gemixt, und es kommen immer wieder erstaunliche und nie gekannte Sounds heraus. Letztendlich ist es aber nicht der Stadt, sondern vielmehr dem Zufall zu verdanken. Dem Zufall der Konvergenz bestimmter Menschen an einem Ort und einem bestimmten Moment. Aber das kann beispielsweise genauso in Berlin stattfinden.

Wie und wann ist in dieser Konvergenz die Idee von „Ojos de Brujo“ entstanden den Hip Hop, den Flamenco und den Worldbeat zu verschmelzen?
Das geschah einfach spontan in Form von regelmäßig stattfindenen Jams in einer Gruppe von Bekannten. Wir dachten anfänglich nicht einmal daran eine Musikgruppe daraus zu gründen. Jeden Samstag trafen wir uns, um uns den Frust und die Schwermut von den Herzen zu spielen. Aus diesen Jams entstand allmählich ein Projekt, das sich nach und nach konsolidierte. Mit der Lust am Spielen und der Lust an der Erforschung neuer Klänge. Anfänglich dachten wir, dass unsere Musik niemandem gefallen wird und dass es ein sehr seltsamer Sound sei. Doch nach den ersten Auftritten bemerkten wir das starke Interesse und Feedback des Publikums. Seitdem haben wir einfach nicht aufgehört zu spielen.

Flamenco mit live- Scratches zu unterlegen ist sehr untypisch und ihr seid die einzige Band, die das live auf der Bühne performt. Musstest du die anderen Musiker dazu überreden und waren sie anfangs skeptisch?
Für die Band war es eher witzig und überraschend, mir eingeschlossen. Einen festen Platz bekamen die elektronischen Arrangements jedoch erst ab unserem zweiten Album „Bari“. Da es etwas völlig Neues war, mussten wir erst einmal unsere Ohren an das Zusammenspiel der akustischen und traditionellen Instrumente wie der Gitarre und dem Cajon mit meinen Elektrobeats gewöhnen. Erst nach der Verfestigung der Band 2003 fand diese Verschmelzung einen festen Ort im Arrangement. Mittlerweile ist es von unserem Sound nicht mehr wegzudenken, und einige andere Bands imitieren diese Idee sogar.

Euren großen Durchbruch hattet ihr mit genau diesem zweiten Album: „Bari“.Darauf folgte eine Welttournee und die Auszeichnung durch den BBC im Jahr 2005 als beste Worldmusic- Band. Was unterschied dieses Album vom ersten, und was war das Rezept für den Hype für die „Ojos“?
Das erste Album „Venguelo“unserer Discografie war noch die Frucht der beschriebenen Jams. Es gab noch einem großen Pool an Musikern und noch keine klare Stossrichtung. Bei „Bari“ hatte sich eine feste Besetzung herauskristallisiert und wir erlebten außerdem das Abenteuer des eigenen Musiklabels. Anfänglich waren wir ungewiss wie diese Unabhängigkeit funktionieren würde, aber wir trauten uns und gründeten ein völlig selbstverwaltetes Label. Umso größer war dann die Überraschung, dass genau diese Veränderungen uns Erfolg einbrachten, bestätigt durch die Anerkennung durch die BBC. Die Belohnung war eine Tour durch Europa und Amerika, und vor allem die große Nachfrage unserer immer größer werdenden Fangemeinde. Dieses Feedback kam aus heiterem Himmel, und bedeutete gleichzeitig die Möglichkeit viele Konzerte zu geben und uns weltweit einen Bekanntschaft- Status zu verleihen. Gleichzeitig führte dieser Prozess zum heutigen Kern der Musiker von „Ojos de Brujo“.

Auf Tour: Wo empfindet ihr die stärkste Einfühlungskraft, das stärkste und reflektierteste Verständnis für eure Musik: Spanien, Südamerika, Algerien?
In Spanien, und hier vor allem in Andalusien und dem Baskenland. Aber eigentlich empfinden wir weltweit eine Art Anteilnahme und Reflektion. Es ist erstaunlich zu beobachten; wie die Leute in den unterschiedlichen Regionen der Welt die Musik auf eine unterschiedliche Art und Weise verarbeiten. Zwar kann in Spanien das Publikum die Flamenco- Rhytmen mitklatschen, dafür singen die Japaner oder Holländer unsere Texte mit, was uns irrsinnig beeindruckt.

Eure Band ist Bestandteil einer neuen musikalischen Bewegung in Europa, die moderne musikalische Elemente mit sehr traditioneller Musik vermischt. In Frankreich oderItalien gibt es ähnliche Phänomene wie „Massilia Soundsystem“ oder „Sud Soundsystem“, die die bereits vom Aussterben bedrohte Volksmusik, wie die Tarantella mit auf dem regionalen Dialekt gesungenen Regggae fusionieren. In Polen unterlegt die Newcomer- Band „Psio Krew“ die durch Geigen und Akkordeon bestimmte Musik der Gorale mit Drum'n' Bass. Wie erklärst Du dir diese Tendenz die Wurzeln mit den Antennen zu vermischen, das Skateboard mit den Kastanetten, die Geige mit der Drummachine? Ist es die Angst vor der Globalisierung und ihrer Vereinheitlichung der Musik, oder ist es einfach ein positiver Aspekt des globalen Dorfes?
Wir Musiker, die Musikstile verschmelzen und zu einem neuen Ganzen fügen, haben in der Elektronik ein neues Instrument gefunden. Anfänglich war elektronische Musik wie der Techno ziemlich langweilig und kalt. Aber die traditionelle Musik hat den Spirit. Dieser Mix kommt bei den Leuten tiefer und subtiler an. Es ist egal welchen traditionellen Musikstil wir nehmen: Manch einem, dem Flamenco, indische Musik, der Banghra, der Rai, oder die Sufi- Musik nie etwas bedeutet haben, merkt nach einer modernen Interpretation: „Mann, ich steh total auf diesen Rhytmus“. Für manche Hörer ist es ein Zerhacken der tradtionellen Klänge, aber für die Liebhaber und Fans dieser Bewegung ist es eine Reflektion der Dinge, die in unserer Zeit vor sich gehen. Wir reisen umher und kommen uns immer näher, wir lernen uns durch diese Medien immer besser kennen. Dank beidem: Der Elektronik und dem Organischen.

Trotzdem sind die inhaltlichen Aussagen der Band in den Texten und beispielsweise eure Videos alles andere als die Schönmalerei einer heilen und hippiesken Multikulti- Welt. In den Liedern „Tiempo de Solea“ oder „Nalta“ gibt es Platz für viel Kritik und Geschichten über Probleme einer immer näherrückenden Welt. Ihr singt über die Migration nach Spanien, über Flucht, Marginalisierung und Abschiebung. Welche sozio- politische Message trägt die Band?
Außer unserer Hingabe zur Musik widmen wir unser Engagement einer Kritik und Reflektion von dem was wir sehen und fühlen. Die Musik drückt die Gefühle dessen aus, was wir mit unseren Augen täglich sehen. Die Kunst ist dabei die Form. In Barcelona sehen wir uns einem immer komplizierteren und härteren Leben gegenüber. Die Leute sind in der europäischen Ellenbogen- Gesellschaft auf der Suche nach Arbeit und schlagen sich irgendwie durch. In einem Europa wo der Euro und die wirtschaftliche Stellung mehr Bedeutung haben als menschliches Leben und außerhalb unserer Grenzen die Menschen vor Hunger sterben. So sollte nach unserem Verständnis Musik und auch andere Kustformen reflektieren und Ordnungen in Frage stellen. Ich weiß nicht wie wahrscheinlich es ist, dass Musik soziale Ordnungen ändern kann- schön wäre es ja- Aber wenigstens kann sie den Hörer stimulieren und ihm vermitteln, dass er mit seiner Meinung nicht alleine ist auf der Welt. Ich weiß nicht, ob wir mit unserer Einstellung die Welt verändern können, aber wir werden versuchen damit ins Grab gehen. Gleichzeitig wollen wir den Hörern Optimismus vermitteln, und sie mit unserem Sound glücklich machen, in einer Welt die schon ziemlich abgefuckt ist.

Sei nicht so bescheiden: Schließlich ist es nicht nur eine romantische und schicke, dazugehörende linke Attitüde. Ihr habt mit der „Fabrica de Colores“ und dem jetzigen „Diquela.com“ ein eigenständiges Label mit Vertrieb und Booking- Argentur gegründet. Offensichtlich mit dem Ziel reale Alternativen für die tägliche, ökonomische Realität von mehreren Familien zu ermöglichen. Erzähl uns davon.
Simpel formuliert ist die Situation in der Musik-Industrie am Arsch. Für Musiker wird es immer schwieriger Platten zu verkaufen, und die Verträge fallen immer mehr zu Gunsten der Majors aus. Wir haben desshalb ein eigenes Label gegründet mit eigenem Management, Vertrieb und Promotion. Die Einnahmen werden unter allen Mitarbeitenden gleichmäßig verteilt. Dieser Weg ist aber eine enorme Herausforderung, da unsere Genossenschaft trotz unseres Erfolgs immer noch verschuldet ist. Es ist schwierig damit zu überleben, da es viele Ausgaben gibt, und wir viele Münder zu ernähren haben. Der einzige Weg ist also diese Arbeit unter allen Teilhabenden so gerecht wie möglich zu verteilen. Es ist eben nicht das Selbe, als wenn einer den wirtschaftlichen Teil lenkt und die anderen sind die Angestellten. Ab dem Moment der Aufteilung müssen alle mit gleichen Kräften den Karren ziehen, und jede Einheit muss wissen was zu tun ist. Momentan nehmen wir ein neues Album auf und teilen diese Arbeit von Neuem: Chavi übernimmt das Label, Ramon die Produktion, andere arbeiten an Bookings in ihren Büros, die sich in unseren Wohnungen befinden. Die Musiker und ihre Familien können von diesem Modell leben, obwohl heutzutage die Selbstständigkeit und Selbstverwaltung eine große Herausforderung und ein Wunder sind.

Im Jahr 2006 ist euer drittes Album „Techari“ rausgekommen, vergangenes Jahr folgte eine DVD mit Videos und der Welttournee 2006/ 07. Letzten Juni sollte eigentlich das immer noch ausstehende Remix- Album „Techari- Remixes“ veröffentlicht werden. Leider ist es bislang nur in Spanien und den USA als CD erschienen, und für den Rest des Marktes nur als Download auf eurer Homepage zu erwerben. Wird es noch veröffentlicht?
„Techari- Remixes“ ist in Spanien und den USA erschienen. Leider kam das Projekt vergangenen Jahres zum Stillstand. Wir mussten unsere Tournee unterbrechen, als wie erfuhren, dass unsere Sängerin Marina schwanger ist. Da wir, wie ich erzählte, von der Hand in den Mund leben und solch ambitionierte Projekte wie eine Veröffentlichung nur mit genügend finanziellen Reserven realisieren können, mussten wir den Vertrieb des Albums für den Rest Europas auf Eis legen. Es gibt Pläne es noch dieses Jahr zu vertreiben. Außerdem nutzen wir diese Pause für Studioaufnahmen für unser neues Album, welches nächstes Jahr erscheinen soll. Live sind wir dieses Jahr deshalb auch nur als Soundsystem- Formation zu sehen.

Auf diesem Remix- Album, welches du nächste Woche in Berlin vorstellen wirst, sind viele namenhafte DJ's zu hören, welche eure Songs geremixed haben. Unter anderem „London Elektricity“ oder „The Nasha Experience“ . Du selbst bist lediglich mit einem Mix von „todo tiende“ vertreten. Wie kommt es?
Wir wollten so viele Bekannte und befreundete Produzenten und DJ's wie möglich auf dieser CD vorstellen und ihnen einen Platz zu ihrer eigenen Interpretation bieten. So ist beispielsweise ein recht ungewöhnlicher Mix von dem Lied „Sultanas De Merkaillo“ von Jim Janik herausgekommen. Es wurde durch mexikanische Gitarrenriffs unterlegt und klingt ein wenig wie Filmmusik von Ennio Morricone. Andere wie „Silencio“ von „London Electricity“ haben einen sehr schnellen Drum' and Bass- Beat. Mein Mix von „Todo tiende“ wiederrum ist eine akustische Reise in die Banghra- Welt.

Was erwartet uns bei deiner Show in Berlin. Du wirst mit deinem Band- Kollegen Max, der Percussionist und MC ist, als Soundsystem auftreten.
Ich möchte noch nicht allzuviel verraten, außer, dass es eine neue Show von geremixten und durch mein Pult geschleuste Klangwelten sein wird. Max wird live Percussion zu den von mir gespielten Beats spielen und am Mikrofon noch unbekannte Texte singen.Wir haben dieses Konzert, was sowohl aus fest einstudierten Tracks wie aus Improvisationsteilen bestehen wird, bisher nur in London und Spanien aufgeführt. Für Deutschland ist es eine Premiere.

Fotos: Jorge Nunez
www.ojosdebrujo.com
www.lachusmaradio.de

Autor: Lukasz Tomaszewski

matthias | Sa., 26. Apr 2008