Konzertbericht-Archiv

2008

21.April 2008 | Columbia Club.

Endlich war es wieder einmal so weit. Millencolin spielen in Berlin. Diese Band verfolgt mich schon Zeit vielen Jahren und nach einigen Solo-Konzerten des Sängers Nikola im gemütlichen Zapata hatte ich mal wieder Lust auf Softcore aus Schweden. Das LineUp versprach auch einen ordentlichen Batzen Extra-Spaß. Mit Dead To Me waren ebenwertigen Mannen aus Amerika zu Millencolin gestoßen. In manchen Online-Foren konnte man sogar lesen, das sie bei Vielen der eigentlichen Hauptact werden würden. Also auf in die Columbia Halle!

Nicht gerade die größte Halle, aber gemütlich. Genug Leute waren auch versammelt, so dass man von einem froh gestimmten Konzert ausgehen konnte und so war es dann auch. Das letzte Mal hatte ich Millencolin noch in der Columbia Halle gesehen, irgendwie war es dort aber (so wie leider immer) extrem ungemütlich und so war mir die Club-Atmosphäre einfach deutlich lieber. Am selben Tag gab es noch einen Konzerthinweis und ein Kurzinterview auf RadioEins, aber leider schien da ein Redakteur seinem Moderator eine Auswischen zu wollen. Die Band wurde durchgeschleußt und die Fragen zeugten von völliger Planlosigkeit und schafften auch nicht über das Niveau einer Schülerzeitung hinaus. Schade!

Natürlich wollte ich mir den Abend nicht so verpeilt um die Ohren hauen und hatte auch schonmal nachgeschaut was mich so erwartete. Die Pinboys aus Dänemark versprachen HARD ROCKING POP-PUNK. Irgendwie versuchten sie es auch und genug Talent und Motivation schienen auch vorhanden zu sein, aber richtig Rocken tat das nicht. Leider! Ich hatte mich extra zusammen gerissen um auch wirklich pünktlich auf dem Konzert zu stehen, vielleicht war es einfach die undankbare Job als Vorband oder man hatte sich noch nicht wieder auf einander eingespielt, nachdem kurz zuvor der Drummer die Band aus gesundheitlichen Gründen verlassen mußte.

Nachdem sich die Lungen auf dem schwer bewachten Raucher-Séparée akklimatisiert hatten kamen dann endlich Dead To Me. Die Herren aus San Francisco zeigten dann auch gleich wie Ami-Punk aus dem Hause Fatwreck auf die Bühne gebracht wird. Ordentlich Druck und Attitüde steckten das Publikum sofort an und man merkte, dass das Quartet bei vielen heiß erwartet wurden. Sie boten nen gutes Stück feiner Punk-Rock-Unterhaltung.

Dann kamen Millencolin, mit fetter Lichtshow und knallig durchgerockten Songs die 90 Prozent der Zuschauen mitsangen begeisterten die Schweden ihr Publikum. Auch wenn die aktuelle Platte etwas langsamer und relaxter als ihre Vorgänger ist, so wurden wieder konsequent alle Songs auf Punkrock-Tempo getrimmt und sie blieben beim Thema Spielspaß und Showqualitäten keinem etwas schuldig. Ein sehr geiler Auftritt.
Insgesamt ein außerordentlich gelungenes Konzert, auch für Nicht-Millencolin-Fans. Ich wette das an diesem Tag niemand den Columbia Club ohne ein fettes Grinsen im Gesicht verlassen hat.

matthias | Di., 22. Apr 2008 | Konzertbericht

El Fish & PASCAL BRIGGS in der KvU

Huii, ich bin gerade ein bisschen geflasht. Und das wegen mehreren Dingen. Zum ersten habe ich seit einer halben Ewigkeit mal wieder 2 Wochen am Stück frei. Und dann schreib ich nach längerer Zeit mal wieder einen, wenn auch kurzen, Konzertbericht. Soviel auf einmal… Aber damit nicht genug. Zum ersten Mal schreib ich ihn direkt nach dem Konzert. Wahrscheinlich um ein bisschen Zeit zu sparen und wenigstens etwas seit langer Zeit mal wieder auf VoC zu veröffentlichen….

Aber angefangen hat alles damit, daß ich seit langer Zeit heut wieder mal im Fitnessstudio war. Meine Wampe sieht man nämlich mittlerweile unter dem dicksten Pulli…. Aber ich war froh, daß ich mich doch endlich mal wieder aufgerafft hatte. Wenigstens das Sonnenstudio ließ ich heute aus…;-) Und wie ich so heim kam, erreichte mich die Nachricht von der KVU (Kremmener STr. 9-11), daß heute kurzfristig PASCAL BRIGGS (ex-DISTRICT) und EL FISH (LOKALMATADORE u.a.) engagiert wurden und – naja, ich hatte nichts besseres zu tun – ich musste dabei sein. Schnell noch in die Wanne gehüpft und wahrscheinlich viel zu gut duftend mich auf den Weg in die KvU gemacht.
Erst war es ein bisschen leer. Aber später füllte sich der Saal doch zunehmend. Und wenigstens ein paar bekannte Gesichter bekam ich nach meiner langen Konzertabstinez zusehen. Naja, es sollte schon werden. Eigentlich wollte ich heute nach meinen sportlichen Aktivitäten und angesichts meines eigenen Konzertes mit der BOCKWURSCHTBUDE am morgigen Tage nichts trinken. Aber daraus wurde so schnell nichts.
Vielleicht hätte ich mich an FISH halten sollen, der auf der Bühne nur alkoholfreies Jever trank. Aber neeeeeee…;-)
Nun sitz ich also hier mit meinem Havana-Cola und schreib diese Zeilen… Ich bin aber auch so was von inkonsequent…
Wie dem auch sei. Der Abend startete mit Pascal, der sich im Laufe des Abends immer mit EL FISH abwechseln sollte, sein Set. Und man, ich war begeistert. Die Coverversionen über JOHHNY CASH, JOE STRUMMER…. wurden mit coolen eigenen Songs abgerundet, so das ich das Grinsen aus meinem Gesicht nicht mehr los wurde… Wie Glücklich ich dann war, als er verkündete, demnächst auch das erste Album zu veröffentlichen…
EL FISH hatte die Meute natürlich klar hinter sich. Und konnte das durchaus interessierte Publikum, wenn es etwas ziellos durch die Gegend starrte, immer mit eine LOKALMATADORE-Coverversion aufmuntern. Das heißt aber nicht, daß seine eingedeutschten ELVIS-Nummern langweilig gewesen wären. Nein, wer genau zuhörte konnte durchaus den Wortwitz verstehen… Und überhaupt waren, denke ich mal, einige Leute überrascht, welch intelligenter Mensch und Musiker da auf der Bühne stand, abseits vom Proll-Frontmann, den aller erwateten.
Hier und da gab es ein paar Fußballkommentare seitens des Publikums. Gerade auch wegen des anstehenden Pokalendspiels, wo Schalke 04-Hassgegener nun auf dem Rasen steht….
Alles in allem war es aber großartige Singersongwriterkunst, die es da zu hören gab und ich bin froh, dabei gewesen zu sein…

mieschka | Sa., 19. Apr 2008 | Konzertbericht

FREITAG, 22. FEBRUAR 2008 | 21:00 Uhr @_Maschinenhaus

Es war mal wieder eins dieser Komzerte, die man nicht vorraussagen kann. Die Band kannte ich nur aus dem Internet (gestreamte Livevideos), also eigentlich gar nicht. Trotzdem freute ich mich ziemlich auf das Konzert. Das Maschinenhaus im schönen Ensemble der Kulturbrauerei ist ja auch echt mal ne Augenweide.

Die musikalische Selbstbeschreibung klingt auch ansprechend (Karpaten Ska Ukrainian Dub Maschine Hutsul Punk). Also irgendwie Folk mit Punk und Ska gemischt, immer eine erfolgsversprechende Mischung. Eastblok Music sind ja auch keine Unbekannten und haben bisher immer ihe Kompetenz beim Thema "Wilder Osten" bewiesen.

Das eigentliche Konzert überzeugt dann auch ziemlich, das volle Maschinenhaus feierte begeistert mit der ebenso begeisterten Band mit und man merkte kaum wie schnell das Konzert verging. einzigster Wehrmutstropfen war der mit 14€ ziemlich happige Eintrittspreis und die völlig unzureichende Toilettenversorgung (ich weiß das klingt ziemlich seltsam, aber es war so. Nur ein Klo pro Geschlecht geht einfach mal gar nicht!!!) Da es leider keine Vorband gab, verpaßte man bei jedem Klobesuch feinste Musik und das ärgert mich, zumal das Kesselhaus ja über jede Menge Kloschüsseln verfügt.

Viel wichtiger war immernoch die Band und die sollte man sich merken. Ihre Live-Qualitätn sind wunderbar und absolut tanzbar.

matthias | Sa., 23. Feb 2008 | Konzertbericht

2007

04.02.2007 | Barcelona, Auditori

Eine Frau, die eine ganze Bühne dominiert. Eine Frau, die mehrere Instrumente beherrscht und mit ihrer Stimme den Raum füllt. Eine Frau mit Ausdruckskraft und Stärke. Ein Frau mit Leben. Eine Frau, die jedes Musikinstrument samt ihrem Körper als Medium zum Ausdruck desselben werden lässt.

Das ist Mariana Baraj aus Argentinien, die kürzlich im Rahmen des Internationalen Festivals für Percussion Kataloniens in Barcelona aufgetreten ist. Früher als Sängerin bei Jazz, Folk und Rockbands tätig, ist sie nun mit einem Repertoire lateinamerikanischer Folklore, wie Coplas und Balgueras, gewappnet, um auf der Bühne spielend in ein intimes und zugleich extrem ausdrucksstarkes Solo-Set zu kreieren. Zum Einsatz kommen dabei nicht nur ihre Stimme, Percussion-Instrumente wie Kongas, Bongos oder Kuhglocken, sondern auch Teile ihres Körpers und Samenhüllen. Die Bühne verwandelt sich in einen einzigen Klangkörper fernab von Raum und Zeit, sodass es zeitweise fast so scheint, als ob ein ganzes lateinamerikanisches Folklore-Orchester spielen würde.

Mariana Baraj wirbelt auf der Bühne und zwischen den Instrumenten umher, als ob es gelte, sich in Trance zu tanzen. Und auch wenn sie keine Meisterin der Percussion ist, so ist das Gesamtkonzept der musikalischen Performance doch beeindruckend. Die Stimme wird mit Effekten vervielfacht, die Bongos schlagen den entsprechend organischen Beat dazu und das Rascheln der Samenhüllen gleicht leichten Regenschauern im Urwald.

Lateinamerikanische Folklore trifft auf moderne Technolgie, ohne jemals die Wurzeln ausser Sicht zu lassen. Folklore in Zeiten moderner Bühnen-Performance.

Mariana Baraj.

www.marianabaraj.com.ar

Anne | Mi., 21. Feb 2007 | Konzertbericht

2006

"Na klar, na klar, wir alle lieben Ska!"

...so drücken es die Skatoons in ihrer Liebeserklärung an den Ska "Alle lieben Ska" aus. Und wem es so oder ähnlich ergeht, der war auf dem dritten Ska im Park Festival in Boizenburg an der Elbe genau richtig.
Das Line Up klang vielversprechend - The Skatoons, ShortFuseBurning, Nyabinghi und nicht zuletzt meine Bremer Lokalmatadore, die Mad Monks, würden ihren Senf dazu geben...

Die Anfahrt von Bremen ins mecklenburgische Boizenburg gestaltete sich relativ einfach und günstig dank Schülerferienticket und Second Hand MeckPomm-Ticket. Nach zwei Stunden Zugfahrt, den größten Teil davon in einem völlig überfüllten Regionalexpress neben einem grinsenden Pudel, erreichte ich mit meiner Freundin den Bahnhof Boizenburg. Von dort brachte uns das "Ska-Shuttle" zum etwas entfernten Stadtpark, wo die Party steigen sollte.

Im Park angekommen, war ich erstmal überrascht von der Größe der Location. "Größe" trifft es nicht ganz, "Kleine" klingt aber literarisch unwertvoll und ich will doch hier richtig anspruchsvoll und pädagogisch wertvoll und so schreiben... Also es versprach ein recht kleines, gemütliches Festival zu werden, was ja nun nicht unbedingt schlecht ist. Da ergeben sich doch ganz andere Beziehungen zu den Leuten. Rein platonisch gesehen natürlich.
Auf dem Zeltplatz standen neben unserem noch genau sechs Zelte; aber es war ja auch erst früher Freitagnachmittag. Ein Festivalorganisationsmensch verteilte gegen Eintrittsbezahlung von 12 € blaue Armbändchen, die er nach einer Viertelstunde wieder einsammelte und gegen ebensolche in neonorange tauschte. Letztere galten für das ganze Wochenende, die blauen nur für Freitag.
Die nächsten vier regnerischen Stunden verbrachte ich mit einem kurzen Abstecher nach Boizenburg-City, einem vorsichtigen Schnuppern an den noch recht sauberen Dixieklos und im Kampf mit dem Aldizelt. Schließlich stand letzteres mehr oder weniger sicher auf der nassen Wiese, und pünktlich zum Anspiel der ersten Band um halb neun schloss der Himmel seine Pforten.
Die Bands wurden vom Festivalveranstalter kurz anmoderiert und vorgestellt, so bekam ich vor dem jeweiligen Auftritt immer schonmal einen kurzen Einblick wer, was und woher. Gute Idee.
Den Anfang machte The Blue Beat Remedy, eine noch recht junge Band aus Hamburg. Spielten schönen Ska, sehr abwechslungsreich zwischen ruhigen und schnelleren Stücken. Einzig die Vocals kamen manchmal etwas kraftlos rüber. Eine Fangemeinde hatten die Jungs auch mitgebracht, und Bassist John tat nach vielen Aufforderungen den Gefallen, sich wenigstens teilweise auszuziehen.
Die zweite Band war Nyabinghi aus Güstrow in Mecklenburg-Vorpommern. Die Musiker um den aus Togo stammenden Sänger Iron Leo spielten sehr abwechslungsreichen Reggae. Damit heizten sie die Atmosphäre auf und brachten eine ganze Menge Leute vor der Bühne in Bewegung. Im starken Kontrast zur vorigen Band riss besonders Iron Leo mit und machte mächtig Stimmung, nicht zuletzt durch seine wiederholte Gute Laune Bekundung "Irie!". Ein echt sympathischer Kerl.
Als nächste spielten Maskapone eine ziemlich coole Mischung aus SkaPunk und Rock"n"Roll, ein bisschen Rocksteady ist vielleicht auch mit drin gewesen. Sie selbst betitelten ihren Stil mit "Offbeat-Rock"n"Roll". Klingt komisch, ist aber so. Ist ja auch egal wie mans nennen mag, gerockt hat es auf jeden Fall. Mit Titeln wie "Cheer up", "Miracle" und "New Blood for the masses" spielten sich die Hannoveraner querbeet durch die eben genannten Stilrichtungen und legten ein paar Ohrwürmer ins Gehör. Sehr geile Band, von der man bestimmt noch viel hören wird.

Bevor die acht Jungs noch eine Zugabe spielen konnten, hatte sich schon jemand aus dem Publikum das Mikro gekrallt. Er stellte fest, was noch das gesamte Festival über bis Sonntagmorgen unangenehm auffallen sollte: nämlich dass überall auf dem Gelände Grüppchen von Neonazis herumkrebsten, die auch mit Pöbeleien nicht zurückhielten. Was solche Leute auf einem SkaFestival zu suchen hatten, ist mir schleierhaft. Ebenso, warum sie nicht des Geländes verwiesen wurden. Es kam zwar zu keiner größeren Auseinandersetzung, aber mehrere Leute berichteten von Faustschlägen und es gab eine sehr unschöne Aktion mit einem umgekippten Dixieklo. Das hätte ja nun echt nicht sein müssen.
Die letzte Band des Abends startete nach Mitternacht durch. Aber huch, was war das? Osterhase auf Abwegen? King Kong im Kleinformat? Keineswegs. Die beiden Trompeter von ShortFuseBurning. Wie ein Mafiaclan waren die Sechs schon den ganzen Abend im Grüppchen über das Gelände gepilgert, bevor sie mit kraftvollem SkaPunk die Bühne enterten. Leider hats mich mit meinem umnebelten Gehirn ziemlich schnell zurück zum Zeltplatz getrieben, wofür ich mir im nachhinein in den Allerwertesten treten könnte. Das wesentliche habe ich aber noch mitgekriegt. Die Jungs waren saugeil und dass die Trompeten den einen oder anderen Ton wohl nicht ganz getroffen haben fiel bei der Stimmung nicht auf. Schöne Gitarrenriffs, schöner Bläsereinsatz, schöne Vocals. Das habe sogar ich noch gehört. Also Kinners, nächstes Mal ne Ladung Kaffee gekippt und drangeblieben!

Am Samstagmorgen wurde ich liebevoll mit "Irene!!" Gebrüll geweckt. Der stimmgewaltige junge Mann mit seiner stolz präsentierten Leopardenfellmuster-Unterhose rannte mit Begeisterung von einem Zeltplatzende zum anderen und das das ganze Wochenende über. Ich mochte ihn trotzdem.
Wenig später erklang aus dem benachbarten Zelt der Maskapone Bandmitglieder ein leises "Ein Leben lang... diese Unterhose an..." und ich ging lieber frühstücken. Zwei mit je 90 Cent ja wohl überteuerte Brötchenhälften und einen Becher Milchkaffee später waren die Jungs schon mit dem Zeltabbau beschäftigt.
Im Toilettencontainer mit fließend Wasser machte ich mich frisch und hübsch für den Tag (naja... mehr oder weniger jedenfalls) und verschlief anschließend die meiste Zeit in der Sonne vor dem Zelt. Der Campingplatz war Freitagabend doch voller geworden, so ergaben sich noch ein paar flüchtige Bekanntschaften und sogar bekannte Gesichter schauten vorbei. Die Welt ist klein.

Als special guest war nachmittags das Lucky Bamboo Sound System am Start. Die beiden DJs legten mit anderthalbstündiger Verspätung ab 18 Uhr Reggaemusik auf, aber leider wollte keiner so richtig zuhören. Der Bühnenvorplatz blieb leer, nur zwei, drei Leute saßen auf der benachbarten Wiese. Ziemlich lustlos schlugen die zwei also die Zeit tot, versicherten trotzdem dass es ihnen viel Spaß gemacht hätte und machten die Bühne frei für die nachfolgenden Mad Monks.
Jaa, über die könnte ich mich jetzt in Lobhudeleien vergehen, hatte ich doch in der Vergangenheit schon ein paar mal die Gelegenheit die Bremer SkaPunker live zu erleben. Abwechslungsreich, schnell und tanzbar waren die produzierten Töne, und der eine oder andere Aussetzer tat dem Musikgenuss garnix. So lockten die fünf Bremer etliche Leute vom Zeltplatz vor die Bühne. Zum "Black Monk" fegten zwei Aushilfsmönche in braunen Kutten über die Bretter, und während "Mechiko" kniete das missionierte Publikum zunftgemäß einen Augenblick nieder, um danach noch ausgelassener zu tanzen und zu feiern. Das Set mit so ziemlich allen Titeln der CD "Welcome to Mad Monk Abbey" war viel zu schnell abgespielt, als Zugabe hatte sich das Publikum noch zwischen "Another One" und "Kein Schwanz ist so hart wie das Leben" aka "No Dick"s as hard as life" entscheiden dürfen - und nahm natürlich beides.
Eine dringend benötigte Verschnaufpause später ging es mit SKOP nicht weniger energiegeladen weiter. Die achtköpfige Band aus Schleswig-Holstein überzeugte mit einem Mix aus Ska, Pop, Rock. Daher der Name SKOP: "Ska meets Pop". Der Band gelang es, die gute Stimmung aufzugreifen, schön war auch der abwechselnde Männer- und Frauengesang. Erlebt man im Ska-Bereich doch irgendwie selten.
Weiter im Programm ging es mit meinem persönlichen Headliner des Festivals: den sagenhaften Skatoons aus Hamburg. Die zehn Jungs machten ihrem Namen als SkaPunkBand alle Ehre. Da blieb kein Auge trocken bzw. kein Bein stehen, die Titel der Platte "Einmal Ska und zurück" kamen durchweg gut an. "Alle lieben Ska" durfte ebenso wenig fehlen wie die etwas anderen Liebeslieder "Liebe versiegt" und "Mein kleines Mädchen". Den schon auf dem Zeltplatz angestimmten und vielfach geforderten Titel "Kotzen" hoben sich die Jungs bis zum Ende hin auf. Zwei Lieder des neuen, in Arbeit stehenden Albums gabs auch auf die Ohren.
Leider, leider musste auch dieser Auftritt mal zum Ende kommen, es gab schließlich noch zwei letzte Bands an diesem musikalisch-pädagogisch-kulturell sehr wertvollen Abend.
Nach kurzer Umbaupause ging es mit einem ganz besonderen Auftritt weiter: Dem der Ska- und Reggaeband Green Light and the Rocky Bretherens aus Luxemburg. Ob es nun die allgemein benötigte Erholung von den Skatoons war oder zeitraubende Einkaufstouren an deren CD-Stand oder ob einfach keiner der erste sein wollte - es blieb zunächst leer auf der Tanzfläche. Das ist mir unverständlich, aber nach einem kleinen Schubs kamen immer mehr Leute vor die Bühne und die Darbietung des Sängers gewann auch an Begeisterung. Die Ansagen war gut verständlich, da die Luxemburger ein sehr deutsches Englisch sprachen und einer auch etwas Deutsch. Alles in allem eine mir zuvor unbekannte, sehr coole Band mit einem sehr sympathischen Sänger, der irgendwie ein bisschen verpennt rüber kam und passenderweise schlafanzugähnliche Klamotten trug. Würde ich gern nochmal erleben.
Den Abschluss des Ska im Park Festivals bildeten Skavache. Die siebenköpfige Band scheint eine besondere Beziehung zu Kühen zu haben, traten doch die Bandmitglieder im Kuhkostüm oder zumindest teilweise kuhgemustert auf ("Make cows, not war!") Kultig auch die Kuhfell-Bassgitarre. Musikalisch überzeugten mich die Berliner allerdings nicht ganz, irgendwie sprang der Funke nicht so rüber. Beim überwiegenden Rest kamen sie aber ganz gut an, und so wars doch ein kuhler Abschluss.
Bis alles wieder zur Ruhe kam, wurde es früher Morgen. Die ersten Gäste, unter anderem ich, brachen schon wieder auf, um ihre Heimfahrtzüge zu erwischen. Leider verpassten wir unseren Bus und latschten so eine geschlagene Stunde zum Boizenburger Bahnhof. Auch den Zug nach Hamburg sahen wir nur noch von hinten, pennten daraufhin zwei Stunden am Bahnhof und ich beweinte meine notdürftig zusammengenähten Schuhe, denen dieses Festival endgültig den Rest gegeben hatte.
Also, das Ska im Park war ein mit 1100 Leuten zwar mäßig besuchtes, aber schön gestaltetes Festival in kleiner Runde mit hammermäßigen Bands. Bis auf kleine organisatorische Probleme lief es sehr entspannt, und wer Ska mag und die Möglichkeit hat, sollte nächstes Jahr ruhig mal vorbeischauen.
...da ich den Artikel schon mit einem Zitat der Skatoons eingeleitet habe, und weils so schön passt:

"Wir sagen Tschüß und macht es gut,
stay rebel and stay rude!"

Autor: Legolarsch

matthias | Mi., 06. Sep 2006 | Konzertbericht

2005

Ich weiß gar nicht, was ich immer falsch mache. Irgendjemand hasst mich. Ich meine, ich habe mal E-Technik studiert, arbeitete 5 Jahre lang im Radio und eigentlich dürfte ich mich auskennen. Aber regelmäßig kommt es vor, daß mein MD-Recorder irgendwelche Interviews nicht aufnimmt, die MD defekt ist oder letztendlich - wie gestern - das Ding ganz die Hufe hoch reißt… Dazu sitze ich jetzt im Zug und eine beschissene Bürotussi und ihr Prollfreund meinen, den ganzen Zug unterhalten zu müssen, BLÖD-Horoskope laut vorzulesen und ständig zu gähnen. Wissen die denn nicht, daß das dermaßen ansteckend ist und selbst der heißeste Kaffee (oder eben das Zeug, was es im Zug am Automaten gibt) nicht hilft.
Egal. Was war geschehen? Warum versuche ich hier unter richtig schlechter Laune hier etwas in die Tastatur zu hämmern? Nun, gestern habe ich mit das Beste Konzert dieses Jahres gesehen. THROW RAG, GOGOL BORDELLO und SCOTCH GREEN.

Gerade letztere haben mich mit ihrem im Januar erscheinenden Album im Vorfeld so sehr beeindruckt, daß ich mich ausnahmsweise mal FREIWILLIG dazu bereit erklärte und der Promoagentur versprach, ein Interview zu führen. Das konnte nur großartig werden. Zumal ich auch THROW RAG noch nie zuvor live gesehen habe, ihre Platten mir aber außerordentlich gut gefallen.

Es wurde auch gut. Bis auf die Tatsache eben, daß der MD-Player… Ach naja. Das hatten wir ja schon. Daher versuche ich einfach mal das Interview so wiederzugeben, wie es mein noch etwas biergeschwängerter Schädel hergibt.

Mit leichter Verspätung, so kurz nach halb sechs, traf ich am vereinbarten Treffpunkt, dem Knaack, ein und wurde - wie sollte es auch anders sein - von niemanden empfangen. Es war einfach niemand da. Tolle Wolle. Jedoch kam mir just in dem Moment, als ich mit meinem Trendy-Mobiltelefon (ja, die Dinger sind doch ab und zu für etwas gut) nach Amerika telefonieren und Gitarrist Wes anrufen wollte, der Gitarrist von THROW RAG entgegen und meinte, daß sich die ganze Bagage im Waschsalon, gleich neben dem Knaack, befinden würde. Häh? Ich dachte, Punker waschen sich nicht. Wie sich die Zeiten ändern…

Nun ja. Da waren sie dann doch alle und ich konnte mich mit Sänger Zander zurückziehen und bei einem heißen Kaffee (mein Gott tat der gut, nicht so beschissen wie der hier im Zug) ein lockeres Gespräch führen und ihn ein bisschen über die Ende der 90´er Jahre gegründete Kapelle zu befragen. Ja, wer sind eigentlich SCOTCH GREENS?

Nach einigen Besetzungswechseln ist das momentan Zander Cox (Gitarre, Gesang & mein Interviewpartner), Wes Walsworth (Gitarre), Russ Ellis (Banjo, Mandoline), C.J. Cnossen (Bass) und Luke Kristensen (Schlagzeug). Sie kommen aus Idaho und spielen… Naja, sagen wir mal eine recht coole Art von Folkpunk. Wobei hier die Betonung eher auf Folk liegt. Sie haben bereits eine Splt-7“, eine Live-LP und ein erstes Studioalbum veröffentlicht, welches hier in Deutschland schwierig bis gar nicht zu bekommen ist. Allerdings ist man zuversichtlich, daß man die Platte demnächst irgendwo noch mal auf Vinyl veröffentlichen kann. Wollen wir es hoffen. Diese ist noch etwas mehr folklastiger, wie mir Zander erzählte. Viele Instrumentals und so. Ja schade. Wenn jemand von Euch da draußen die Platte hat, kann er mir mal gern ein ganz unverbindliches Angebot zukommen lassen. Denn auch wenn es nur halb so gut ist wie das jetzige (wie gesagt, es erscheint Ende Januar) ist es einfach jeden verdammten Cent wert. Aber so lange genieße ich erstmal Album Nr.2. Schon der Opener ist ein Hammer. „Rumspringa“ nennt er sich, ist ein ziemliches Mosh-Stück und war auch zugleich der Opener des pünktlich um 21 Uhr beginnenden Konzerts.
Zwischenzeitlich war ich natürlich noch mal, nicht mal 10 Minuten entfernt, zu Hause und harrte der Dinge, die da passieren würden. Noch relativ spärlich gefüllt gaben sie aber gleich ihr Bestes und konnten von der ersten Sekunde an bei mir und auch einigen anderen Leuten ein Lächeln ins Gesicht zaubern. „Rumspringen“ war aber noch nicht so richtig angesagt. Das Stück versteht in good old America übrigens kaum jemand. So wie ich es verstanden habe, ist das Wort Slang und wird von zumeist Jugendlichen aus der Skaterszene benutzt. Dazu hat er sich noch ein paar Textzeilen zusammengeklaut und fertig war der Song, wie mir Zander mit einem spitzbübischen Lachen erzählte. Und das ist eigentlich der Punkt, auf den man die SCOTCH GREENS bringen kann. Man nimmt sich selbst nicht zu ernst, hat verdammt viel Spaß an der Musik, Bier ist auch da und gut ist. Eine sehr sympathische Mentalität. Dass sie aber infolgedessen auch keine Merchartikel (wie das erste Album zum Beispiel) mitgebracht hatten stimmte mich schon etwas traurig. Aber dem wussten sie schnell Abhilfe zu verschaffen. Denn weiter ging es im Set und auch der immer voller werdende Raum bzw. die Leute darin bewegten sich immer mehr.

Wen es interessiert - Mit Schottland haben die Jungs überhaupt nichts zu tun. Keine Verwandtschaft, nichts. Sie meinten nur, der Name passe eben zu ihrer Musik. Wieder diese Lockerheit… Sollte man gar nicht glauben, zumal „Professional“, so der Albumtitel, auf DRT, dem Label des ehemaligen DROPKICK MURPHYS- und jetzigen STREET DOGS - Sänger Mike McColgan erscheint (übrigens Ende Januar!). Auch sonst hat man mit der hiesigen Folkpunkszene, die in Amerika übrigens nicht sooo groß sein soll, wie die hier in Deutschland oder Europa (daher kommen die auch immer alles zu uns), nicht so viel zu tun. Es wäre auch ziemlich schwierig, sich da durchzusetzen, da sich mit den DROPKICK MURPHYS, REAL MCKENZIES, FLOGGING MOLLY, … schon ganz schön viele Acts in diesem Metier tummeln. Dies sah übrigens Mutti von Muttis Booking genauso. Und trotzdem lief „Professional“ bei ihnen im Büro in letzter Zeit auf Heavy Rotation, wie er mir versicherte. Daher kann ich mir vorstellen, daß wenn sie es klug genug anstellen, demnächst mit den anderen Bands in einem Atemzug genannt zu werden. Ich finde sie alles in allem sogar noch ein bisschen frischer, aber das liegt im Ohr des Zuhörers.

Und so wurde es voller und voller. Aha, dann kam das Titelstück des neuen Albums (Remember: Januar…). „Professional“. Ein Hit, der mir, zugegebenermaßen, erst beim zweiten oder dritten Mal hören erst so richtig ins Ohr ging. Live ist er aber die Wucht. Sie werden ihn aber auch schon oft genug gespielt haben. Denn das Stück fand sich, in textlich abgewandelter Form auch schon auf ihrem Debütlongplayer wieder. Dass sie es aber noch mal neu aufnahmen und sogar das Album danach benannten, liegt daran, so Zander (der aber nicht aussieht, wie ein Fisch), daß es das erste Stück überhaupt war, welches sie in der jetzigen Formation gespielt hätten. Und ja, es könne wirklich sein, daß sie momentan so professionell wie nie zuvor arbeiten…
Immerhin - es ist ihre erste Europatour… Das geht bei anderen schneller. Aber die SCOTCH GREENS sind nicht die schnellsten. Nicht nur, daß auf ihren Konzerten auch mal Platz für ein Instrumental bleibt, auch bei der Veröffentlichung der Scheibe ging es nicht so schnell. Wegen der Suche nach einem geeigneten Label hat es nun 9 Monate nach Mix und Mastern gedauert, daß sie das Licht der Welt erblicken kann. Aber gut Ding…. Ach Mensch, ich bin heut aber auch ein Sprücheklopfer. 5 Euro ins Phrasenschwein! Auf jeden Fall scheint die Tour, die zuvor bereits in Amiland unterwegs war, ein voller Erfolg zu werden. In jeder Hinsicht. Wenn alles gut geht, kommen die Jungs nach Veröffentlichung der Platte (das wird so in etwa im Januar der Fall sein) auch noch mal über den Teich. März, April. Das wissen sie noch nicht. Ein gutes Bier ist erstmal wichtiger. Im mittlerweile knüppeldick vollen Knaack werden sie fast mit stehenden Ovationen verabschiedet. Richtig so. Wenn das schon so ein Highlight war. Was würde dann noch kommen?

Nach sehr kurzer Umbaupause wusste ich, was kommen würde. Ein Punkrockmassaker der besonderen Art. Ich weiß nicht, was für Drogen der Sänger von THROW RAG nimmt. Aber schauspielerische Leistung kann das allein nicht sein. Wie ein Irrer sprang er auf, über, unter die Monitorboxen, schwang mehrmals bedenklich knapp das Mikrophon über die Zuschauer und verausgabte sich vollends. Gut, heute war ein Offday für sie. Aber ich würde danach mehrere Tage im Bett verbringen müssen. Das war einfach Punkrock pur. Und wenn es dennoch Show gewesen sein sollte. Sie kam verdammt echt rüber. Saugeile Liveband. Unbedingt ansehen!

Tja, und dann kam GOGOL BORDELLO. Nach gefühlten 30 Minuten Umbau, weil hier und da was nicht stimmte, betraten die, so wie man mir erzählte, zum großen Teil ukrainischstämmige Combo die Bühne. Die Stimmung war am Kochen, was auch zu einem nicht geringen Teil Ukrainer im Publikum lag. Die Mucke war schon ok und auch die Platte, die gerade in meinem portablen CD-Player kreist hört sich anständig an. Aber irgendwie war bei mir die Luft ein wenig raus. Nach den beiden vorangegangenen Topbands, konnte das, was jetzt kommen sollte einfach nichts mehr reißen. Die Optik vielleicht schon ein bisschen. So sah der Sänger dem Erkan von ERKAN UND STEFAN nicht ganz unähnlich. Weiße Wollmütze, Popelteppich, Adidas-Schuhe… Einfach göttlich. Auch der gelangweilt drein schauende Akkordeonspiele wusste mit seiner Jogginghose zu gefallen… Dazu 1.000 Effekte in der Gitarre… Die Show war schon ganz anständig. Vielleicht hatten sie aber auch nur einen schlechten Tag. Das ganze wirkte auf mich so professionell…

Machen wir es kurz, ich hatte den Eindruck, da stehen die PUHDYS des (tieferen) Ostens auf der Bühne. Ihr Gypsy Punk wäre sicher was für unsere Worldbeats-Anne gewesen. Ich hatte für diesen Abend soweit genug. Und apropos „professionell“. Da höre ich mir doch lieber noch mal das neue Album von den SCOTCH GREENS an. Das erscheint übrigens Ende Januar. Und. Äh, ja. Ich kauf mir mal morgen einen neuen MD-Recorder…

mieschka | Di., 13. Dez 2005 | Konzertbericht

Pop deurope, Berlin, 30.07.05
Señor Coconut´s einzige Show in Deutschland? Wie gut, dass wir in Berlin wohnen. Denn die Pop-deurope-Recken haben sich hier ein echtes Kaliber an den Start und auf die Bühne geholt.

Ein Musik-Weltreisender, dem kein Stil zu fremd, kein Land zu fern ist. Frankfurter Elektronik-DJ der ersten Stunde Uwe Schmidt aka Señor Coconut, der damals vor acht Jahren kurzerhand seinen Koffer packte und sich nach Chile aufmachte. Weil´s so schön dort ist. Aber nicht etwa wegen der Musik. Das natürlich auch, aber hauptsächlich um sein gewohntes Umfeld zu verlassen. Und um lustige Platten mit Kraftwerk-Mambo und „Smooth on the Water“-Salsa heraus zu bringen und den Deutschen zu zeigen, wie man sich als Deutscher locker machen kann. Mit deutschem Cha Cha Cha und Mambo aus dem Computer, live gespielt von dänischer Band mit venezolanischem Sänger. Er selbst macht das zwar nicht so, der Señor, wenn er da steif an seinem hübschen weißen Apple-Notebook auf der Bühne steht, aber wenn das Publikum mit dem Arsch wackelt, ist das Ziel ja erreicht. Und die Show macht die Band. Die rennt dann auch gern mal kreuz und quer über die Bühne, während der süße Sänger mit dem Publikum schäkert und „I love you“ säuselt. Nach Hits wie „Beat it“, ursprünglich von Michael, „Smooth on the Water“ oder Latin-„Doors“-Versionen natürlich. Da muss dann auch nochmal auf repeat gegangen werden und ein zwei Zugaben gespielt werden. Herrlich! Und jetzt komm mir noch mal einer mit Elektro is Scheiße.

Das Konzert ging natürlich nicht gleich so Boogie-Woogie-mäßig los. Wenn auch fast. Anheizer des Abends waren „Think of One“ aus Belgien, die eigentlich nicht nur aus Belgien, sondern auch aus Brasilien kommen. Zumindest auf dieser Tour. Und zwar die Sängerin, die zwei Background-Sänger-Percussion-Frauen und der Drummer. Die wurden nämlich von ihren verrückten belgischen Kollegen kurzerhand beim Musik machen in Brasilien aufgelesen und mit nach Europa auf Tour genommen. Damit sie nach dem Konzert mal auf dem Badeschiff der Arena plantschen gehen können. Aber das ist eine andere Geschichte.
Jedenfalls gibt’s „Think of One“ eigentlich dreimal. Einmal als „Naft“, dem belgischen Brass-Projekt, dann als „Marrakesh Emballage Ensemble“ mit echt marokkanischer Gnouwa und Gypsy-Bläsern und diesen Sommer eben als „Chuva Em Po“ mit renommierter, alter, brasilianischer Sängerin, ordentlicher Percussion, den „Naft“ Brass-Bläsern und viel wilder Energie auf der Bühne. Leicht durchgeknallt das Ganze, aber musikalisch gesehen der Oberhammer. Und ein Gitarrist der mit seinen Krücken in der Luft herum wedelt, während sich die Brasilianerinnen die Seele aus dem Leib trommeln und die alte brasilianische Sängerin sich über die geschlossenen Bierflaschen, die ihr die Roadies hingestellt haben, beschwert, sind doch mal was wert auf der Bühne! Die können nächstes Jahr gern wieder kommen und als Hauptact auftreten. Egal in welcher Länder-Zusammenstellung.

Zum Schluss ging´s dann noch mit Brazil-Fever weiter. Mit still stehen war da nix an dem Abend. Denn wo Mo´ Horizons aus Hannover die Platten auspacken, wird geshaked. Die legen auf, aber fragt nicht wie! Bossa, Funk´n´Boogaloo´n´all that shit! Im N.N. Club, so einem Fabrikding mit Betonwänden und Stahlrohren drin, das an alte Zeiten der Maria, vor dem Umzug und vor der Sanierung und überhaupt, vor langer Zeit am Ostbahnhof neben dem Postbahnhof, erinnert. Steht aber direkt hinter der Arena, und praktisch neben dem Badeschiff, wo ja die „Think of One“ nach dem Konzert…aber egal. Jedenfalls gab´s dann Latin-Breaks, Funk und Salsa und eine Menge Schweiß. Bis in die frühen Morgenstunden. Super.

Ich ziehe den Hut und sage Danke, liebe Pop deurope. Macht weiter so, Jungs.

Anne | So., 21. Aug 2005 | Konzertbericht

Pop deurope, Berlin, 17.07.05
Endlich mal, es wurde auch Zeit! Der Master himself, Roy Paci, hat sich lange bitten lassen, bis er nach ausgiebigen Touren durch Japan und Italien seine Trompete und Band Aretuska eingepackt hat, und nach Berlin gekommen ist, um dem Publikum der Pop deurope ordentlich den Marsch zu blasen.

Denn der sizilianische Tompeten-Ska/Rocksteady -Jazz-Rock-Altmeister hat auch nach seiner Zeit mit Manu Chao´s Radio Bemba wie immer viel zu tun.
Spielte er früher in grandiosen italienischen Kapellen wie Mau Mau, Subsonica oder der Banda Ionica (mit Dani von Macaco), so hat er jetzt neben seiner Band Aretuska auch das Jazz-Core Projekt Corleone gegründet. Denn Roy Paci braucht Vielfalt und Abwechslung. Wie Roy er selbst meint, ist er mittlerweile wohl auf bis zu 300 Alben vertreten. Eine Zahl, die im Laufe der Zeit stetig steigen wird. Und da eine Band mit immer denselben Mitglieder auf Dauer auch langweilig wird, sind zu Aretuska nun auch ein neuer Trompeter, DJ Rude und der MC Zuli hinzugekommen. Denn keine Veränderung bedeutet kreativer Stillstand. Musikalisch gesehen wurde von daher nicht nur Ska und Rocksteady gespielt, sondern das Speed-Level ordentlich nach oben geschraubt, die Sampler ausgepackt und gezeigt, dass eine gediegene sizilianische Mafiosi-Combo in schwarzem Anzug auch des Ragga und Dancehall mächtig ist. Immerhin haben sich auf dem neuen Album „Parola D´Onore“ von Roy Paci & Aretuska auch die Berliner Lokalmatadoren Seeed beteiligt.

Eröffnet wurde das Konzert allerdings von der italienische Band Bandabardó, die sich mit ihrer Mischung aus Up-Tempo, sozial-kritischen Texten und Rock über die Jahre einen festen Platz im Herzen der Italiener erspielt haben und auch die Meute bei der Pop deurope bei Laune hielten. Kein Wunder, denn die fünf Jungs nehmen sich selbst nicht ernst und die ironische Performance des Sängers Enrico Erriquez - mit zerlöcherten Hosen, Bierbauch, einer Frisur a la Rex Gildo, und Zopf im Bart - bringen eins mehr als deutlich rüber: Freude am Spielen im Zeichen der 60er.

Den Abschluß bildete das Sud Sound System, aus dem sonnigen Süden Italiens, der gemeinhin auch als Jamaika Italiens bezeichnet wird. Und so klang es dann auch: Reggae-, Ragga- und Dancehall-Vibes durchströmten die Arena und das Publikum verließ einmal nicht, wie oft üblich, sofort nach dem Hauptact die Location. Denn das Sud Sound System versteht sich darauf, mit ihrer Mischung aus Riddims, Tarantella und bissigen Texten das Publikum am Tanzen zu halten. Kein Wunder, kommt doch der Name des italienischen Tanzes Tarantella von der giftigen Tarantula-Spinne, von deren Gift man sich, einmal gestochen, nur durch wildes Tanzen befreien kann.

So wurde einen Abend lang getanzt, geskankt, gejumped und geschwitzt, bis dem Sud Sound System letztlich der Saft weg gedreht wurde und das Konzertvolk sich zum weiter feiern auf´s Badeschiff begeben musste.

Anne | So., 21. Aug 2005 | Konzertbericht

08.05.2005

Was ne Bombe!
Ein Konzert, das von der ersten Minute an mitreißt, ist nun auch nicht aller Tage zu haben. Umso merkwürdiger ist es, wenn es sich um ein Konzert eines deutschen Reggae-Stars in Spanien

handelt, von dem das Publikum alle Songs mitsingen kann.
Denn obwohl Gentleman´s erstes Album „Journey to Jah“ erst letztes Jahr nach der ersten Spanien-Tour in Spanien herauskam, war damals der Sala Apolo schon so gut wie ausverkauft. So auch jetzt, was kein Wunder war, bei der Performance die Gentleman samt seiner drei Sängerinnen hier auf s Parkett legte. Feinste Dancehall-Riddims die sofort ins Blut gehen, verfeinert durch die souligen Stimmen von z.B. der von Mamadee. Volle zwei Stunden wurde hier gerockt was das Zeug hält und als Gentleman sich letztlich von der Bühne begab, fing das komplette Publikum an zu pfeifen und zu stampfen, dass es eine reine Freude war, den alten Sala Apolo mit solch frischer Energie gefüllt zu sehen. Hier waren nun schon mehrere Reggae- und Ska-Größen von der Bühne gegangen, aber solch ein Toben war meinem Wissen nach bis jetzt noch nicht vorgekommen. Gentleman gab noch eine Zugabe, und machte selbst dann noch weiter, als die Saal-Betreiber das Licht schon wieder angemacht hatten. Da hat der gute Mann einmal mehr dem spanischen Party-Volk bewiesen, dass aus Deutschland durchaus gute jamaikanische Musik kommt.

Anne | Fr., 27. Mai 2005 | Konzertbericht

17.05.05
Die holde Maid mit dem alternden Punkrocker gestalten ihr Vorspiel im Billard Salon (naja, wohl doch eher Säuferparadies) und sinnieren über das Konzert von Schrottgrenze in Berlin...

Kami: Puh, was war das für ein anstrengender Tag.. Erst Das Vorstellungsgespräch, das Treffen mit den Bandkollegen, Stress zu Hause... Aber wenigstens haben Schrottgrenze vorhin gespielt.
Jetzt ist es auch schon wieder 1 Uhr nachts. Naja, Prost erstmal Mieschka, auf uns, auf Schrottgrenze und auf DIE BIERQUELLE. Nachher wird sich zeigen wer nun der Billard-König ist. Hehe, ich werde dich schon noch schlagen...

Mieschka: Jaja. Du und schlagen... Hehe. Unschlagbar waren aber gerade SCHROTTGRENZE.

Für die, die nicht dabei waren, mal ein kurzer Überblick:
Mitten in den Pfingstferien, an einem Dienstag, spielten SCHROTTGRENZE im Berliner K 17. Einem Club, der vor längerer Zeit von der Kadiner Strasse 17 (daher der Name) irgendwo in die Nähe des S-Bahnhofs Frankfurter Allee gezogen ist.

Mieschka: Warte mal, ich bau erstmal die Kugeln auf. Wie fandest Du es denn heute?
Kami: Ja ich fand es schön SG mal wieder zu sehen! die Konzerte sind ja wirklich immer wieder schön mitzuerleben. Obwohl ich dir ganz ehrlich sagen muss, dass meiner Meinung nach die SG-Konzerte ganz schön verändert haben! Ruhiger ist es geworden..nachdenklicher. Nicht unbedingt schlecht, aber auch nicht spannend. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich diesmal absolut keine Kohle für Bier hatte, weil ich jetzt wegen Schwarzfahren 56 Euro an die BVG zahlen muss.. Du hattest aber Geld für Bier, hast du es jetzt anders erlebt? Ach ja, guter Schuss, du nimmst die halben Kugeln!

Mieschka: Naja. Komm. So´ne beschissene Organisation sollte einem doch nicht die Lust an einem Konzert versauen. Und außerdem kann man doch auch ohne Alkohol Spaß haben, oder ;-)? Naja. Egal. Ich denke mal sie haben diesmal Glück gehabt, daß gerade Ferien sind und somit viele Leute innerhalb der Woche kommen konnten, die bisher nicht da waren. So wie letztes Jahr im Wild at Heart. Oder denkst Du allgemein, daß diese "Location" jetzt besser war?
Kami: Also das Wild at Heart ist als Location natürlich unschlagbar, ist ja auch mein Lieblingsclub.
Das K17 war zwar auch ordentlich gefüllt um die Bühne herum, man hatte aber auch viieel platz zum Stehen. Zu den vielen freien Stehplätzchen haben sicher auch die 10 Euro Eintrittsgeld geführt, was grade in dieser Szene viel Geld ist und zumal sie die letzten male immer 7 Euro gekostet haben. Tja Wild At Heart eben ;-), obwohl ich glaube, das DA die Bierpreise auch nicht viel billiger gewesen wären (2 Euro).
Mieschka: Hier du bist dran, hab die Weiße hinterher geschossen...
Na ich denke mal, da nehmen sich beide Clubs nicht viel. Aber das Wichtigste war ja nun mal die Musik und schön, daß es nicht leer geblieben ist. Ich fand es schön, daß sie einen guten Mix aus alten und neuen Liedern gespielt - Verdammt! Die hätte doch rein gehen müssen! - ähhh gespielt haben.- auch wenn unsere "Schulordnung"-Rufe konsequent ignoriert wurden...
Kami: Hehe, ja da hast du recht! Aber war ja klar, dass sie nichts von der "Auf die Bärte, fertig, los!" spielen. Jetzt machen SG halt eine ganz andere Musik als damals, sie haben sich eben weiterentwickelt in eine andere, sehr schöne Richtung.. Ich hätte mir auch mehr alte Sachen gewünscht.. Die waren irgendwie tanzbarer und wilder. Jetzt liegen sie ja irgendwo zwischen Emo und Pop, wobei das Konzert bewiesen hat, dass sie ihre Punkrockwurzeln trotzdem nicht vergessen haben! Timo ging ja nun wirklich ab und hat alles an seiner Gitarre weg gerockt… Naja und Alex´ Schlagzeugspiel und und Stimme sind ja eh einzigartig. Aber hattest du auch das Gefühl, dass die Stimmung nicht so ganz aufs Publikum rüberschwappen konnte?
Hey du musst noch 2 Kugeln... Nicht schlecht Herr Mayonaise...
Mieschka: Versenkt!
Och Du, ich weiß nicht. Ich wusste im Vornherein gar nicht so richtig, was mich beim Publikum erwartet. Es war o.k. Hätte schlimmer sein können. Und zum Schluß sind sie ja, wie immer, auch ganz gut abgegangen. Bei GERM ATTACK, der Vorband, war es vielleicht noch ein bisschen verhalten. Aber sonst...
Versenkt!
Noch ´ne Runde?
Ja klar, aber diesmal bau und hau ich! Das wird jetzt die Revanche darauf kannst du Gift nehmen!
Kami: Ja bei der Vorband war es tatsächlich sehr verhalten! Aber cool waren die trotzdem! Haben tierisch gerockt! Mir hat es jedenfalls gefallen, auch wenn ihre Musik vielleicht ein wenig eintönig klang. Aber um ehrlich zu sein, fand ich das bei Schrottgrenze auch! mir war es halt einfach ein wenig zu langsam. Wie schon gesagt, die Musik ist zwar schön, aber ich bin eher für die schnelleren Songs.. Und dich fand auch, dass man das am Pubikum auch gemerkt hat. So viel mit Tanzen war da nicht... Halt nur bei den älteren Liedern! So ich hol noch ein Bier und du spielst wieder die Halben.
Mieschka: Langwelig. Pfff. GERM ATTACK...Als die anfingen war sie ja noch fast Quark im Schaufenster. Hat die ´ne Ahnung. Na gut, ein bisschen Recht hat sie ja vielleich. Aber das muss man alles erstmal besser machen. Selbst auf der Bühne stehen. Naja. macht sie ja auch. Oh, da kommt sie auch schon zurück...
Hey Baby. Hab auf Dich gewartet. Pass mal auf. Die 13 geht jetzt da drüben in die Seitentasche.....
Na? Wat sagste?....
Ja, kann sein. Aber ich bin mir ziemlich sicher, daß sie ihren Weg weiter gehen. Und das machen sie gut. Außerdem sind sie ja neben der Band noch ganz fit drauf. Von wegen Solosachen, Label und so weiter. Vielleicht ist das eben eine Band, die man eben mag oder nicht. Nur richtig Charttauglich ist das wohl nicht. Sie laufen ja auch ab und zu auf VIVA. Andererseits sind KETTCAR und solch ein Mist schon wieder sehr erfolgreich. Was meinst Du dazu? Hast Du irgendwo die Kreide gesehen?
Kami: Ja SCHROTTGRENZE wird noch "viel viel weiter gääiinn" :-)
Ich denke KETTCAR ist auch nur VIVA-tauglich, weil sie so vom Radio-Fritz gefeatured werden! Da hat man halt Glück als Band oder eben nicht! Vielleicht liegt es auch daran, daß SG eben keine Tennie-Texte schreiben, in denen es ums Ficken oder Fuffies im Club geht. Die Texte sind eher sehr nachdenklich und wirklich schwer zu verstehen. Bzw. geben sie viel Interpretationsfreiraum, und zum Nachdenken sind die viele VIVA-Zuschauer vielleicht zu doof. Kann ja sein!?
Mieschka: Mit Sicherheit!

Kami: Ist schon schwer für so eine Band so erfolgreich zu werden. SG hängen ja doch grade irgendwie in der Luft. Zu viel mit der Band und dem Label zu tun, als einen anderen Job zu haben, um das Geld zu verdienen und irgendwie zu wenig, um es sich gut gehen zu lassen. Es ist sicher eine harte Arbeit mit viel Risikofreude verbunden. Aber das kann einen doch auch in den Ruin treiben.. Wenn man sich so reinhängt und als Band einfach nicht vorwärst kommt. Wie gesagt, ich glaube nicht dass es daran liegt das SG nichts auf dem Kasten hat, denn technisch sind sie ja wirklich klasse, sie haben eingängige Melodien, sind fannah, die Texte sind interessant.
Mieschka, diesmal wird es aber schwer für dich zu siegen!!!!
Mieschka: Ach fuck, jetzt hab ich die Schwarze reingehauen... Grrmpf. Naja, anders kannst Du eben nicht gewinnen. Hehe. Ein Spiel haben wir ja noch. Jetzt also die Entscheidung...
Ja, generell läuft es bei SG manchmal ein wenig komisch. Aber ich finde es ja schon fast wieder lustig, daß man sie mit den TROOPERS(!) zusammen hat spielen lassen...
Kami: Ja das mit den TROOPERS das habe ich auch schon gehört! Das passt ja gar nicht zusammen! Aber was soll man machen... Mich würde mal interessieren wer das organisiert hat! EXTRATOURS oder??
Mieschka: Nee, das sind, glaube ich, nur die Booker. Letztendlich ist es einem örtlichen Veranstalter größtenteils selbst überlassen, wen er mit ins "Boot" holt.
Zack. Die 4. Ich hab die Vollen. Und die Gelbe hinterher....
Der muss ja auch seine Kosten irgendwie rein bekommen...
Langsam werd ich aber müde. Trinken wir aus und gehen dann? Aber noch mal zum Thema SCHROTTGRENZE. Ich habe mir gerade noch mal die Neuauflage der "Super!" geholt. Bin mal gespannt. Da sind ja noch 4 Bonustracks drauf. Hab letztens mal versucht das Original zu bekommen. Da haben die bei eBay schon 40 Oiro geboten. Das war mir dann zu viel. Aber beim Scumfuck Mailorder hab ich sie doch noch für 8 Oi´s gesehen.... Hehe...
Kami: Oh schau mal, Gleichstand! Und ZACK, jetzt muss ich nur noch den „Eightball“ reinhauen… hehe… Das Schrottgrenze ne Neuauflage von der SUPER gemacht haben, ist echt klasse. Hab mir die CD ja auch vorhin in der Bahnfahrt angeschaut( hatte übrigens wieder kein Ticket..) und muss sagen, dass sie die echt schick gemacht haben! Da gibts ja im Booklet Hintegrundwissen en masse… Ich sag ja, die Band ist fannah… :-) Und ich freu mich auch schon auf das nächste Konzert. YEAH und noch die schwarze ins richtige Loch. Dann sind wir ja jetzt fertig. Und da wir grade beim "Einlochen" waren.. Komm lass uns schnell nach Hause gehen, Mieschka!
Mieschka: O.k., ich geh dann mal zahlen… Aber das nächste Mal kannst Du Dich warm anziehen…

mieschka | Fr., 27. Mai 2005 | Konzertbericht

Es war einmal vor langer Zeit in einer weit weit entfernten Galaxis...
Aber wenn ich’s recht bedenke, dann ist das alles eigentlich gar nicht besonders lange her und außerdem im Prinzip um die Ecke gewesen. Und zwar in dem Sinne, in dem man in Berlin von fast allem behaupten kann, dass es um die Ecke passiert ist.

An diesem verregneten Wochenende unterbreitete Berlin seinem verwöhnten Musikfachpublikum ein neues Angebot, eine Erweiterung im viel zitierten Dienstleistungssektor: „Solitos“ die zur Zeit aufregendste Band der Hauptstadt zum mit nach Hause nehmen für das Wohnzimmer. Endlich ist sie draußen, die erste Scheibe von Berlins großer Ska-Hoffnung. "Just Arrived" wurde auf der Releaseparty am 13.5. im Kato entsprechend gefeiert: Mit einem ausverkauften Kato. Darum soll es hier aber nur am Rande gehen.
Jetzt mach ich erst mal halblang, verschleiere die Tatsache geschickt, dass diese Eindrücke natürlich erst post quem erscheinen können, überbrücke den zeitlichen Abstand zwischen erzählter Zeit und Erzählzeit, mache es dem einsamen Leser leichter, all die verpassten Gelegenheiten zu rekapitulieren, zusammen mit mir in der Imagination zu simulieren und höre damit auch schon wieder auf mit diesem pseudointellektuellen Gefasel, versprochen!

Offenbar gibt es doch noch so etwas wie Gerechtigkeit, möchte ich hier gleich mal herum-kalauern. Da hatte ich am 12.5. den Glauben an das Gute in der Ska Welt fast verloren, als zu den mächtigen Toasters im Kesselhaus nur magere 100 (und ein paar) Skank Monster erschienen. Bucket wird das wohl geahnt haben und sorgte für ein dennoch passendes Bandmitglieder/Publikum Verhältnis, indem er einfach mal nur vier Musiker mit nach Berlin brachte. Keine Vorband, kein Keyboard, keine Trompete, kein Jack Ruby Jr. und vor allem kein Gott-Sledge an der Taschen-Tröte!!! Und trotzdem war meine Enttäuschung ein bisschen voreilig. Die ersten Songs kamen, wie befürchtet, dann auch ein bisschen mager daher, bis im überdimensionalen Kesselhaus alle Besucher die richtige Orientierung fanden, bis der Verlust über Erinnerungen meiner Jugendtage verschmerzt war und bis die orgiastische Lightshow einsetzte.

An der Stelle ist es vielleicht Zeit, zuzugeben, dass mein musikalischer Werdegang durchaus auch Klassiker wie Metallica verzeichnet. Ja lang ist’s her. Aber vielleicht kann sich ja noch jemand erinnern, dass die damals für die Tour im Zuge des phänomenalen unbetitelten Albums, von vielen auch genannt „Das Schwarze Album“ (Tusch!), mit einer kompletten, individuell gestalteten, diamantförmigen Bühne unterwegs waren, die dann jedesmal extra aufgebaut werden musste. Das war, wenn ich mich recht erinnere, auch kurz bevor sich James Hetfield bei einem Feuer-Explosionseffekt auf der Bühe übelste Verbrennungen wegholte... aber ich schweife ab. Jedenfalls sind das (zumindest für mich) die Zeiten, die die Eichlatte für Showeffekte bei Konzerten gesetzt haben. Und nun zurück ins Kesselhaus.

Mit dem Heavy Metal Megaseller war das natürlich nicht zu vergleichen, ganz andere Baustelle. Einzig der Drummer, der mit seinem Metalproll Kopftuch und dem weiten Basketballshirt gut und gerne auch bei den Suicidal Tendencies mitspielen könnte, rechtfertigte vielleicht meine etwas gewagte Ausschweifung im vorigen Abschnitt. Und bevor mir jetzt sofort die Oberflächlichkeits-Kelle unserer P.C. Fraktion an den Kopf geknallt wird... Schließlich hat das Aussehen des Schlagzeugers ja nix mit seinen Qualitäten zu tun – das weiß ich auch. Aber das war schon ein ganz schönes Geprügel, was der vom Stapel ließ. Und nach ein paar Songs kam sie dann tatsächlich: Der Grund, warum der Schlagzeuger hinter seinem riesen Aufbau fast nicht mehr zu sehen war - Die Doublebass!! Und ich wiederhole: Das war ein Ska Konzert, auf dem ich mich da befand. Oder zumindest das, was die Two Tone Army aus dem Big Apple daraus gemacht hatte.
Dazu dann noch die Lightshow, mit ganz viel Stroboskop und Blinkeblink... Wer weiß, was die Toasters an diesem Abend vor hatten. Wer weiß schon, was sich im Hirn eines Musikers, der schon über 20 Jahre im Geschäft ist, so alles tut. Und dabei hat Bucket ja zur Zeit wirklich einiges am Hals. Offenbar zog es ihn, der ja gebürtiger Engländer ist, nun doch wieder nach good old Europe. Vor ein paar Monaten zog Mr. Hingley nämlich nach Valencia um dort die europäische Niederlassung seines gerade erst etablierten Labels Megalith Records höchstpersönlich zu betreuen. Dazu soll nach eigenen Angaben noch eine Booking Agentur kommen, speziell für Konzerte auf dem Kontinent. Das bleibt sicherlich noch eine interessante Sache, die es lohnt, zu beobachten, zumahl bereits erste überraschende Zusammenarbeiten, z.B. mit der Rumänischen Band Panonia All Stars Orchestra, entstanden sind.

Im Grunde bin ich ja der Ansicht, dass Bucket seine Sachen, die er in die Hand nimmt, meistens ganz gut macht. Und eigentlich kann man das auch von dem Konzert im Kesselhaus sagen. Mir war zwar wirklich nicht ganz klar, wie die ganze Band, die Besetzung, das Outfit, ihr Image und die Stimmung im Saal zusammenpassten, aber letztendlich war es doch ein dahinschwelgen in nostalgischer Erinnerung. All die Hits die mich zum Ska brachten. „Miles Davis”, “I Wasn’t gonna call you” und natürlich “Don’t let the bastards grind you down”, sie kamen alle und sie kamen gut. Auch mit Sparbesetzung. Das war eben alles ein bisschen anders, als man es gewohnt war. Der neue Bassist, ein Monster seines Fachs, spielte zwar nicht so wie ein Toaster bisher zu spielen hatte aber trotzdem großartig. Da kam dann schon mal irgendeine verschrobene Mischung aus Ragga und Hip Hop mit auf die Bühne. Aber nachdem das Publikum und ich sich von dem ersten Shock erholt hatten, funktionierte auch das prächtig. Ganz im Gegensatz zu den Animationsversuchen in der kleinen Pause vor der Zugabe, als Saxophonist Jeff Richie krampfhaft versuchte, das alte nervtötende „Schreit-lauter-ich-kann-Euch-nicht-Hören-Spiel“ durchzuziehen. Wie auch immer. Die leute hatten getanzt, auch schwang freudig mein Bein. Das Bier war zu teuer, um richtig anzuheizen, aber frostig war es auch nicht gerade. Dafür konnte man trotz der stilistischen Metamorphose immer noch zu gut mitgrölen, oder summen wenn’s beliebt.

Die Toasters, wie ich sie noch nie gesehen habe und trotzdem, die Toasters wie man sie kennt. Vielleicht war es nach mehr als zwanzig Jahren wirklich höchste Zeit für einen Wandel. Anders, neu, alte Songs, Klassiker, Neue Mischung, alte Energie, prollig, smart, Erwartungen bedienend und zerstörend zugleich... Das alles gab es bei den Toasters an diesem Abend. Und am Ende ein spektakuläres explosionsartiges Lichteffekt-Feuerwerk, dass einfach zu prollig und überzogen wirkte, um wirklich ernst genommern zu werden. Noch dazu bei gerade mal 100 Leuten in der Halle.

Und da sind wir auch schon wieder angelangt, bei dem betrübenden Ende des ersten Teils des verregneten Wochenendes, des Auftakts, der für sich allein gesehen, durchaus deprimieren könnte. Ich wage jetzt lieber keine Prognose abzugeben, ob zukünftige Zuschauerzahlen durch diesen Toastersauftritt eher positiv oder negativ beeinflusst wurden, aber den Weg von New York City (bzw. Valencia) bis Berlin nimmt man für lumpige 100 Leutchen doch nicht rasend gern in Kauf. Ein wenig verwirrt aber doch überzeugt machte ich mich auf den Nachhauseweg. Auch wenn das Konzert so schlecht besucht war, hatte es doch irgendwie Spaß gemacht.

Und der nächste Abend löschte dann alle düsteren Gedanken über den Niedergang der Skaszene und andere Weltuntergangsszenarien und machte das Wochenende im Nachhinein gesehen zu einem der besten der letzten Zeit. Es war eine geile Show im Kato, und selbst schuld, wer nicht dabei war. Und genau deshalb schreibe ich darüber an dieser Stelle auch kein Wort. Ätsch.

Krizn | Do., 26. Mai 2005 | Konzertbericht

am 5.5. 2005 im SO 36
So, nun konnten die „Feiertage“ endlich losgehen. Nachdem ich mich früh aus dem Bett gequält hatte (Ja, Krizn, so muss ein Punkbericht anfangen!), nur wenige Stunden geschlafen hatte, weil ich mich tags zuvor noch auf dem DRITTE WAHL Konzert in der K17 rumtrieb, und mal eben 9 Stunden auf der Arbeit abgerissen hatte, war erstmal Fußball angesagt.

Also ab nach Neukölln und mit Ben von AN´NA NADEL RECORDS, Manu und André von HAUSVABOT und einigen anderen ein bisschen die Ochsenblase durch die Gegend getreten. Zwar war ich auch schon ein bisschen fertig, von der Arbeit, aber die anderen, die bereits seit anderthalb Stunden spielten, mussten sich schon vollends verausgabt haben, denn obwohl ich seit einigen Jahren nicht mehr regelmäßig gespielt habe, war es mir ein Leichtes, das runde Leder das ein oder andere Mal über die Linie des „Tores“, welches aus 2 Rucksäcken bestand, von den 3 „Favoriten“ zu schieben. Hehe.
Während es bei mir auf Arbeit relativ ruhig zuging, vernahm ich dann auf dem Weg zum Bolzplatz doch schon die ein oder anderen Idioten, die sich am „Vatertag“ endlos zuschütten, um dann kräftig einen auf „dicke Hose“ zu machen. Und abends wahrscheinlich die Frau verprügeln, weil sie kein Essen gemacht hat… Was mich in der S-Bahn tierisch nervte, war dann aber umso lustiger in der Kneipe, in die wir nach unserem „Training“ - schließlich wollen wir in der Uniliga mit unserem Team S.O.S. (Sieg oder Spielabbruch) mal mehr as nur 6 Spiele bestreiten und wenigstens die Vorrunde überstehen - einkehrten.
Der 23jährige Barkeeper hatte auf seinen Job in der „HAUSVABOT-Stammkneipe“ nicht wirklich Bock und wollte uns lieber ein Flaschenbier andrehen, als noch mal ein neues Fass anzustecken. Widerwillig nahm er unsere Bestellung von 4 Fassbieren und 2 Wassern (eins davon für Manu, der versuchen wollte, mal eine Woche ohne Alkohol auszukommen) für je einen Euro(!) aber doch entgegen. Korn ab es übrigens für 50 Cent, aber den sparten wir uns dann doch. Dauerte zwar alles ein wenig - aber wir hatten ja Zeit…
…Aber leider kein Geld mehr und so blieb es bei dem einen Bier und verabschiedeten uns bis auf weiteres voneinander.
Also wieder ab nach Hause und noch ein paar Sachen erledigt, bevor ich mich auf den Weg ins SO 36 machen konnte. Heute spielten im Rahmen ihrer „Rock´n´Roll Genossen-Tour“ RUBBERSLIME und die MIMMIS und als lokalen Support noch die großartigen THEE FLANDERS und die TOWER BLOCKS zum Pogo auf. Das die beiden letztgenannten spielten, fiel mir allerdings etwas spät wieder ein, so daß ich die TOWER BLOCKS leider ganz und THEE FLANDERS bis auf die letzten beiden Lieder verpasste. So ein Mist.
Vor dem SO stand auch gleich Stephan von den Hellersdorfern und (Mit)Inhaber des ziemlich neuen Plattenladens in Berlin - dem GENERAL B. (eingefleischte TOWER BLOCKS - Fans dürften wissen wovon sich der Name ableitet) und fragte mich, wo ich denn nur gewesen sei, was ich nur mit einem starren Blick zu Boden quittieren konnte. Aber naja. Es wird je nicht das letzte Mal gewesen sein (das sage ich mir, glaube ich, etwas zu oft), daß sie uns in ihrem Heimatkaff beglücken. Den Plattenladen lege ich Euch aber wirklich mal ans Herz. Er befindet sich in der Müggel Strasse 8, Nähe des S-Bahnhofs Frankfurter Allee und direkt gegenüber der Amnesie. Und neben gut sortierten Platten und Fanzines kann man sich dort auch mal ein Bierchen gönnen und/oder sich eine neue Haarfrisur zulegen. Anmeldungen dafür sind allerdings erbeten.
Aber zurück zum Konzert. Jedenfalls erzählt mir Stephan, daß es „drin“ nicht sooo voll sei und auch Dirk von RUBBERSLIME, der sich nun auch zu uns gesellte, schien nicht all zu sehr erfreut gewesen zu sein. Schade. Vor einem Jahr war hier weitaus mehr los. Fast wie in alten Zeiten und gerade den MIMMIS hätte ich es gegönnt, daß sie hier ein paar mehr Leute begeistern konnten. Aber nun ja. Kann man nichts machen. Jedenfalls wollte ich mir das aber nun genauer anschauen und begab mich in den Laden.
Auf dem Weg in den Konzertraum, durch den langen Schlauch, kam mir auch gleich Imre (Veranstalter der Tour und auch des FORCE ATTACKS) entgegen und er sah tatsächlich nicht so glücklich aus. Und als ich letztlich die Tür zur Halle aufmachte, wusste ich auch warum. Gerade mal vielleicht 200 - 300 Leute verirrten sich in dem heute auch sehr kein wirkenden Raum und, wie gesagt, spielten gerade THEE FLANDERS ihre letzten beiden Lieder. Woran das nun gelegen hat? Ich kann es Euch nicht sagen. Sicher gab es noch einige andere Konzerte heute in der Stadt. Sicher waren die vielleicht auch ein bisschen billiger (14€ an der Abendkasse für 4 hochkarätige Bands fand ich aber, zumindest bei heutigen Preisen, relativ fair). Vielleicht waren einige vom „Vatertagssaufen“ auch nicht mehr so fit. Aber es kann vielleicht auch tatsächlich daran liegen, daß RUBBERSLIME sich erst mal wieder einen Ruf erkämpfen bzw. erspielen muss. Der Name ist kein Bonus mehr. Sie wollten den Neuanfang und müssen nun auch die Konsequenzen Kauf nehmen. Heute wird einem ja nichts mehr geschenkt. Und da man ja gerade ein neues Album rausgebracht hat, konnte man auch erwarten, daß sie nicht NUR ihre alten Klassiker zum Besten geben werden. Das zeigt wieder mal wie verschlossen doch einige Leute Neuem sind. Aber das ist ja nichts Neues. Nur um die MIMMIS tat es mir, wie gesagt, ein bisschen Leid. Aber wahrscheinlich ist es bei ihnen genau dasselbe. 13 Jahre kein neues Album. Da kann man schon in Vergessenheit geraten. Ist ja immerhin eine Generation, die dazwischen liegt.
Das war dann auch gleich Fabsis erste Ansage. Nicht mal PINK FLOYD hätten so lange für ein neues Album gebraucht. Damit hatte er den ersten Lacher hatte er auf seiner Seite…
Aber sie waren fit. Mein Gott waren die fit. Während so manche Band, welcher Gattung auch immer, den Aktionsradius eines Bierdeckels, rockten die MIMMIS wie die Hölle. Bis vor kurzem dachte ich ja noch, daß der Kollege der allmächtigen CHEFDENKER der beste (zumindest posertechnisch gesehen) Gitarrist des Erdenballs wäre, muss ich mein Urteil revidieren und MIMMIS-Gitarrist Sixten als solchen anführen. Die Verjüngungskur hat der Band, zumindest in Sachen Show, gut getan. Man spielte ein Set aus den bekannten Klassikern und den Songs vom neuen Album, die natürlich - weil kurz zuvor erst erschienen - noch niemand so richtig mitsingen konnte. Was mir aber auf jeden Fall gleich ins Ohr gegangen ist, ist das Stück „Atombombenfreitag“, aber näheres dazu in meiner Plattenreview. Natürlich hatte ich mir im Vorfeld überlegt, was denn Fabsi bei „Halts Maul, heiliger Paul“ singen würde. Auf „Benedikt“ lässt sich leider nicht so viel reimen… Das haben sie aber ganz prima gelöst, denn der Text hat ja auch ohne den Namen einen Sinn. Und egal welcher Papst auch an der „Macht“ ist. An den Problemen wird sich wohl vorerst nichts ändern…
Jedenfalls gab es, wie gesagt einen bunten Mix aus alten und neuen Liedern, die zum Teil von Fabsi (mit der schon chronisch angeschlagenen Stimme) aber vor allem bei den neuen Liedern mit Hilfe von Gitarrist Sixten vorgetragen wurden. Das ist ein wenig gewöhnungsbedürftig. Aber da Fabsi in all der Zeit nicht untätig bleibt - sei es durch komische Tanzeinlagen, die wohl manch 30jähriger heutzutage nicht nachmachen kann oder Verkleidungen. Das Programm gleicht sich, gerade wenn man die MIMMIS in letzter Zeit öfter gesehen hat, schon ein wenig. Ja selbst zum FABSI & DER PEANUTSCLUB - Set gibt es viele Parallelen. Neben der genialen „Dosenbieraktion“, wo es immer wieder schön zu Beobachten ist, wie sich der Mob hin zu Fabsis Freibier bewegt ist gerade eine Aktion - wenn „Gebt den Faschisten keine neue Chance“ gespielt wird und Aufkleber verteilt werden - so alt wie nötig. Immer angebracht und ich habe größten Respekt vor den MIMMIS, daß sie das nach all den Jahren immer noch durchziehen. Denn leider ist dieses Thema eben nach wie vor aktuell. Und gerade bei den jüngeren Konzertbesuchern und deren (manchmal falschen) Freunden kann man da vielleicht noch etwas reißen.
Zwei Highlights gab es aber dann doch noch. Einmal als ein junger Punk seiner Herzallerliebsten auf der Bühne einen Heiratsantrag machte. Wobei die junge Dame davon, glaube ich, nicht so recht begeistert war. Dafür wurde das darauf folgende Lied einfach mal umgetextet (Aus „Oh Eyleen“ wurde „Oh Kathleen“ - So hieß das Mädchen nämlich). Und einmal Punkt 12, mitten im Zugabeblock, als Imre, eben jener Tourveranstalter, Geburtstag hatte. Man holte ihn auf die Bühne, die Crew gleich noch dazu und RUBBERSLIME-Dirk brachte sich auch noch in das Geburtstagsständchen ein. Wenigstens wohl eine kleine Freude für ihn an so einem trostlosen Donnerstag.Die Mimmi`s
Das Bier schmeckte mir jedenfalls auch immer Besser und schon waren auch RUBBERSLME dran. Auch sie spielten einen guten Mix aus alten und neuen Liedern. Auf der neuen Platte befinden sich tatsächlich einige Hits. Und mein Lieblingsstück „El Miedo Global“ gab´s gleich am Anfang. Insgesamt werden die Lieder im Gegensatz zu „Früher“ schon etwas langsamer gespielt. Aber das ist ja beabsichtigt. Und das nehm ich ihnen auch nicht übel. Ja, ich muss einfach sagen, daß mir das Konzert - gerade weil es auch nicht so eng war - viel Spaß gemacht hat. Die Band selbst lässt sich die spärlich gefüllte Halle auch nicht anmerken uns haben ihrerseits auch den nötigen Spaß. Ich denke mal, daß wenn man das Konzert in eine kleinere Halle gelegt hätte, einfach alle zufrieden gewesen wären. Dann hätte es vielleicht gehiessen: „Ey, RUBBERSLIME spielen im Club xy . Die sind ja echt (wieder) voll auf dem Boden geblieben. Müssen wir uns schnell mal Tickets holen, bevor es ausverkauft ist“. Was es dann wohl auch gewesen wäre. Dann eine kleine feine Show gespielt und alle wären zufrieden gewesen. Und die Band hätte ruckzuck auch wieder den Ruf, für die „Basis“ da zu sein. Allerdings kann ich auch verstehen, daß die Band bei dem Alter sich nicht mehr in jedem noch so kleinen Jugendzentrum den Arsch abspielen will. Naja. Die Zeit wird Antworten auf alles bringen…
Ich für meinen Teil wurde dann auch immer betrunkener und machte mich langsam auf den Weg nach Hause. Während ich mich noch für eine Fahrradtour am nächsten Tag verabredete (wo ich allerdings fast wusste, daß ich das nicht schaffen werde, vergaßen andere ihren Rucksack in einer Kneipe…. Also alles richtig gemacht.
Das war schon mal ein guter Vorgeschmack aufs FORCE ATTACK. Sowohl von der Musik her, als auch von den Leuten. Ich hoffe, wir sehen uns dort, liebe Rock´n´Roll Genossen.

mieschka | Fr., 20. Mai 2005 | Konzertbericht

Alton Ellis, Sala Apolo + Dr. Ring Ding & King Django, New York – 11.03.05
Nach Barcelona kommen ja viele der alten Ska- und Reggae-Größen, und immer öfter auch Bandmitglieder der jüngeren Generation, die mit ihrer Schallplatten-Sammlung die Freunde der Nacht unterhalten. Aber dass in einer Nacht gleich zwei Größen der Ska/Rocksteady/Reggae-Szene an zwei Orten zusammen treffen, ist schon eine Ausnahme.

Den Auftakt gab kein geringerer als „Mr. Soul of Jamaika“ ALTON ELLIS, der sein bis dato erstes Konzert in Barcelona gab. Da hatten sich die Lokalpatrioten von der Nyahbingi und der Baba Sound Crew ordentlich ins Zeug gelegt, um dieses Konzert zu organisieren. Bekannt für seine unverwechselbaren Rhythmen und Melodien aus der STUDIO ONE-Ära, verlegte ALTON ELLIS seine ersten Platten im besagten Studio von SIR COXONE DODD, und wechselte später zu DUKE REID. Mit der Entstehung des Reggae galt ALTON ELLIS als einer der populärsten Musiker dieser Zeit, dank seines einzigartigen und unverwechselbaren Stils.

Und viel hat sich nicht geändert seit dem. Nach dem Warm-up vom Dancehall-MC BEN JAMMIN aus England betrat der „Rey del Rocksteady“ mit Unterstützung der RANKING SOLDIERS die Bühne und spielte einen Klassiker nach dem anderen, als ob wir in Kingston der 60er wären. Als Special Guest kam noch DR. RING DING unangekündigt hinzu, und gab ein paar Lieder zum Besten. Das Publikum tanzte was das Zeug hielt und verfiel in ein regelrechtes Brüllen, nachdem Ellis nach 1.5 Stunden die Bühne verließ. So etwas gab es weiß Gott noch nicht im Apolo, wo immerhin regelmäßig Konzerte dieser Art stattfinden. Der ganze Saal tobte, bis die erste und zweite Zugabe gespielt wurden. Und auch dann wollte niemand so richtig gehen. Aber im New York wartete immerhin schon die nächste Party vom Up Tight Movement auf ihren Start-Schuß, um dem Abend einen ordentlichen Ausklang zu geben.

Hier tauchte nämlich DR. RING DING wieder auf, diesmal als MC, unterstützt von KING DJANGO aus New York, um die Leute mit seinen neuesten vulgären Dancehall-Hymnen zu unterhalten. Rein qualitätsmäßig gesehen weiß Gott nicht der große Wurf und ich geh mal davon aus, dass der ganze Spaß ironisch gemeint war. Denn Texte dieser Art sind nun mal, wie soll man sagen, eigentlich voll daneben. („I´m the doctor with the needle… I gave her an injection, I push it in, she pushs it out, I push it in, she pushs it out…, Oh doctor you are so terrible, I think you are in the wrong hole…etc.“). Obwohl zu bezweifeln ist, dass auch nur die Hälfte des Publikums die Texte überhaupt verstanden hat. Aber immerhin, wenn etwas deutlich wurde, dann über was für eine Bandbreite DR. RING DING verfügt. Gab er bei „Skanking round the X-mas tree“ noch einen Ska-Klassiker nach dem anderem zum Besten und kommentierte diesen jeweils inklusive der entsprechenden Entstehungsgeschichte , so gab er jetzt den Dancehall-MC in einer Disse. Immerhin, die Party war am Laufen und für einen Freitagabend mal ganz abwechslungsreich.

Anne | So., 27. Mär 2005 | Konzertbericht

2004

16.12.2004 - Sala Apolo - Barcelona

Am 15.12. und am 16.12. fand im Sala Apolo in Barcelona das Barcelona Arts Festival statt, eine Mischung aus Ausstellung, Konzerten und Party. Während beider Tage konnte man sich moderne Gemälde und Bilder vom Künstler SANTOS DE VERACRUZ anschauen, der auch der Haus- und Hofmaler von MUCHACHITO ist, und nebenbei die Konzerte genießt.

Am Mittwoch ging es mit RADIO TARIFA aus Andalusien, den GNOMADAS und DJn MAYMAY des Canibal Soundsystems los. Am Donnerstag schafften es MUCHACHITO BOMBO INFIERNO und die Flamenco-Band EA das Apolo komplett auszuverkaufen. Für die musikalische Unterhaltung danach sorgten DJ XAWARMA von EX-DUSMINGUET und DJ PANKO von OJOS DE BRUJO. Der charismatische Sänger von MUCHACHITO sorgte mit seiner rauhen Mischung aus Rumba und Whiskey-Stimme für ordentliche Stimmung im Saal und der Sängerin von EA lagen alle zu Füßen. Alles in allem eine feine Mischung aus Kunst und Musik, die in der Form eigentlich öfter stattfinden könnte.

Anne | Di., 21. Dez 2004 | Konzertbericht

13.12.04 Sidecar / 14.12.04 Deja Vu - Barcelona

Anlässlich der Veröffentlichung der neuen CD „Haciendo Bulla“ waren unsere Freunde von KARAMELO SANTO aus Argentinien wieder auf Tour durch Europa und zeigten selbst den Spaniern diesmal, was ein ordentliches Konzert ist.
Am 13.12. fand aus Promo-Gründen deswegen ein etwas kleineres Konzert, mit allerdings großer Gästeliste, in Barcelona im Sidecar statt.

Der Laden war gut gefüllt, und KARAMELO SANTO konnten mit ihrer Mischung aus Ska, Rock und Cumbia schnell die Leute für sich begeistern. Was den Jungs letztes Jahr an Live-Qualität noch fehlte, haben sie dieses Jahr um Längen wieder wettgemacht. Ich weiß nicht, ob es letztes Jahr generell an der schlechten Anlage des jeweiligen Clubs lag oder ob KARAMLO SANTO wirklich einen enormen Schritt nach vorn gemacht haben. Auf jeden Fall klingt sowohl die neue Scheibe als auch die Live-Versionen der Songs gleichermaßen gut und äußerst tanzbar.
Nach dem Konzert im Sidecar sorgte Gambit, Ex-Gitarrist von MANO NEGRA, für die weitere musikalische Unterhaltung und die Jungs von CHE SUDAKA rappten Freestyle dazu. Eine feine, kleine Party, die für ein Promo-Konzert äußerst lässig daher kam.
Der Spaß wurde allerdings am nächsten Tag noch getoppt. Und zwar in Form eines Konzert-Spektakles, wie man es leider nur selten zu sehen bekommt.

Allein CHE SUDAKA in Komplett-7-Mann-Formation sind schon abendfüllend. Dann aber noch das Konzert von KARAMELO SANTO obendrauf und zwischendurch und danach MANU CHAO an den Plattentellern, da bleibt kein Körper trocken und niemand nüchtern.
CHE SUADKA gingen gewohntermaßen straight nach vorn. Und dafür, dass sie ja eigentlich nur die Vorband waren, tobte das Publikum wie beim Hauptact. Die Band hat als einzige der Barcelona´schen Bands einen Live-Spirit, der dem MANO NEGRA´s oder MANU CHAO´s sehr nahe kommt. Damit ist wohl klar, dass man bei jedem Konzert mit einer grandiosen Party rechnen kann.
Nach ca. anderthalb Stunden bestiegen dann KARAEMLO SANTO die Bühne und das fast ausverkaufte Deja Vu, mit einer Kapazität von min. 500 Leuten, tanzte was das Zeug hielt. Tja, und was soll man sagen, das Konzert ging bis halb drei, ohne dass der Saal wirklich leerer wurde. Danach versorgte dann MANU die Peña mit einer etwas eigenwilligen Mischung aus Arabischen Klängen, Shaggy, Nirvana und Salsa. Den Leuten gefiel´s und die Party ging weiter bis 6 Uhr morgens, bis die gesamte Belegschaft, bestehend aus den anwesenden Bands und dem Publikum, von den Ordnern rausgeschmissen wurde.
Sowas nenn ich ein ordentliches Konzert Freunde, wofür sich jeder Cent gelohnt hat! Also, beim nächsten Mal nicht verpassen und hingehen!

Anne | Di., 21. Dez 2004 | Konzertbericht

Sidecar (Barcelona) - 16.11.04

Eigentlich war es nur Zufall, dass ich von dem Konzert von MACACO im Sidecar erfahren habe. Um so besser, dass das Ganze eh nicht offiziell war und noch dazu umsonst. So bin ich also auf einen Dienstagabend ins gut gefüllte, kleine Sidecar gestiefelt, um mir die Meister des Ethno-Beats anzuschauen.

Die Show war zu Promotion-Zwecken von EMI Music Spain und dem Radio-Sender „Stage 40“ organisiert und deswegen nicht öffentlich gemacht worden. Kein Wunder, sonst wäre das Sidecar völlig aus allen Nähten geplatzt. Es handelte sich auch nicht um ein normales Konzert der ganzen Band, sondern um ein Soundsystem bzw. Nebenprojekt von Dani, dem Sänger, und einigen der Macaco-Musiker.

Anfangs wurden mehrere Lieder der neuen Platte „Entre Raizes y Antenas“ in der Akkustik-Version gespielt, später kamen dann Rapper dazu, die zusammen mit Dani das Konzert in einen Hip-Hop-Jam verwandelten. Und zum Schluß konnte jeder aus dem Publikum auf die Bühne kommen, der Lust hatte eine eigene Rap-Einlage zu bieten.

Die Stimmung war unglaublich, der Sound und der Abend perfekt. MACACO hatten ja schon bei dem Merce-Konzert bewiesen, dass sie nicht nur gute Musiker sind, sondern auch die perfekte Show zu ihrer Musik liefern, ohne dabei die Interaktion mit dem Publikum vergessen. Auf CD als auch live ist diese Band absolut grandios. Hier stimmt alles vom Remix zur Produktion zur Show. Mehr davon bitte!

Anne | So., 21. Nov 2004 | Konzertbericht

Razzmatazz (Barcelona) - 6.11.2004

Lange angekündigt und schon überall Plakate geklebt, kamen Ojos de Brujo nun also am 6.11. im Razzmatazz zum Ende ihrer Spanien-Tour. Das ganze sollte ein Spektakel werden und die Tour mit Brimborium abschließen.

Als Vorband hatten sie sich daher Muchachito Bombo Infierno mit ins Boot geholt und während des Konzertes sprühte der Niño de las Pinturas aus Madrid ein Graffitti neben der Bühne, die Leute von der Bar Obeja Negra malten ein Anti-Kommerz-Gemälde und bevor Ojos de Brujo die Bühne betraten, wurde das Publikum erst einmal von einem Flamenco-Tänzer angeheizt, der sich sonst immer auf den Ramblas in Trance tanzt.

Dann kamen Ojos de Brujo selbst auf die Bühne des gänzlich ausverkauften Razzmatazz und die Leute klatschten alle Lieder im Takt mit. Marina hatte diesmal einen roten Bauchtanz-Dress mit goldenen Klimperketten dran und um den Hals ca. zwanzig Goldketten geschwungen. DJ Panko mimte wie immer den Ghetto-DJ und versuchte das Publikum durch großzügige Gesten zu animieren.

Der Sound war erstaunlicherweise enorm gut. Ojos de Brujo spielten ihr ganzes Set durch, gaben einige Zugaben, ließen die üblichen Sprüche über: „Kein Mensch und keine Pflanze ist illegal“ ab und hatten das Publikum voll in der Hand. Und dann war es auch schon wieder vorbei. Nun muss sich die Fan-Gemeinde gedulden bis zum nächsten Jahr, bis die neue CD rauskommt.

Anne | So., 21. Nov 2004 | Konzertbericht

Sala Apolo (Barcelona)17.11.2004
Überall wo ich hinkam vor dem 17. November, wurde nur von einem gesprochen: vom El Bicho Konzert. Alle meinten sie: „Geh hin, schau`s dir an, das ist es wert“. Also dachte ich mir, könnt ich ja mal machen. In die CD habe ich vorher reingehört und war nicht sonderlich begeistert. Dafür dass sie Flamenco machen und darin unglaublich gut sein sollten, fand ich Martires del Compas weitaus besser.

Egal, der 17.11. November nahte und ich ging zum Konzert, was tatsächlich restlos ausverkauft war. Das hatten das letzte Mal nur 08001 und Mala Rodriguez geschafft. Die Menschen stauten sich also auf einen Mittwoch wie die Sardinen im Apollo und warteten nur auf einen: Auf El Bicho.

Gegen 22 Uhr ging es dann pünktlich los und das Konzert ging volles Brett nach vorn. Zwischen der CD und der Energie, die die Band live versprühte lagen Welten. Während El Bicho auf CD noch langsam und ruhig wirken, liefern sie live eine Bomben-Show zwischen Speed-Metal und Flamenco, die ihresgleichen sucht. Und zum Schluss machte der charismatische Gitano-Sänger auch noch Saltos und war überhaupt nicht mehr von der Bühne zu kriegen. Das Publikum war natürlich begeistert und tobte. Wo bekommt man sonst schon so etwas zu sehen? Hammersache das. Da können El Bicho gern wieder kommen. Aber an der CD dürfen sie noch mal arbeiten.

Anne | So., 21. Nov 2004 | Konzertbericht

13.11.04 im kato
So läuft es, wenn man sich schlecht (bzw. gar nicht) informiert. Viel zu spät kam ich im Kato an, da ich der Meinung war, es könnte frühestens um 21.00 Uhr losgehen. Ich hätte es wissen müssen. INDIGO hatte ich schon verpasst und die D-SAILORS lagen in den letzten Zügen ihres Gigs.

Acht Euro wurden Eintritt verlangt die man ruhig hätte bezahlen können, aber zum Glück nicht musste (es tut so gut manchmal ein bisschen rum zu prollen). Ich begab mich erst einmal auf die kleine Begrüßungsrunde um mich dann den letzten fünf bis acht Songs der D-SAILORS bei einem kühlen Bierchen zu widmen. Ich weiß nicht genau woran es lag, aber irgendwie gefiel es mir nicht besonders. Alles schön und gut, aber ich hatte deren Pop-Ska-Punk in besserer Erinnerung. Es ist aber auch schon ca. fünf Jahre her, als ich sie das letzte mal gesehen hab. Souverän gespielt, aber gezündet hat es nicht. Als nächstes kamen DELIKAT. Wahrscheinlich die beste Ska-Punk Band Berlins, und das schreibe ich nicht bloß weil das Freunde von mir sind. Bei keiner anderen Band des Abends wurde soviel gepogt wie bei den fünf Schnuckels. Es war daher auch klar, für wen die ganzen Minderjährigen Mädchen da waren. Jedenfalls nicht für mich! Es war halt wie immer, wenn DELIKAT spielen: das Publikum jung, die Band betrunken, Jojo lustig und das Set souverän. Eine großartige Neuerung hatten sie aber im Programm: Carolita hat gelernt zu posen und macht sich dabei gut. Weiter so!

Jetzt kamen die 3 FLASCHEN und ich flüchtete mit einem Kumpel zum Döner nebenan, um dort ein günstiges Bier zu trinken. Die hatten schon zu oft meine Trommelfelle gequält und ich hatte mir versprochen das nicht noch einmal zu zulassen.

Als nächstes HAMMERHAI aus Hannover. Bisher hatte ich sie immer verpasst (obwohl ich für die echt mal nach Hannover gefahren bin, andere Geschichte), aber heute Abend sollte es klappen. Man das warten hatte sich echt gelohnt. Klasse live Band. Auf Platte finde ich ja noch lange nicht alles gut, aber live zündet jeder Song und jeder Spruch. Obendrein kann man mit Fug und Recht behaupten das sie beim hässlichste Band der Welt Contest meiner Meinung nach ganz klar auf ner Spitzenposition stehen, das kann höchstens noch die Keyboarderin rausholen. Allerdings ist das mit dem Aussehen ja höchstens bei Popstars wichtig, hier soll vorrangig die Musik zählen: Ska-Punk der lustigen und politischen Art ohne Bläser, dafür aber (wie gesagt) mit Keyboard. Leider hatte sich das Kato schon merklich gelehrt. Offensichtlich hatte der ein oder andere Delikat Fan schon nach Hause gemusst. Ihr habt echt was verpasst. Als letzte Band des Abends warteten noch Planlos. Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass sie mir bis zu diesem Abend völlig unbekannt waren. Alle meinten, dass ich die nicht verpassen dürfte und da ich immer tue was man mir sagt, hab ich mir die reingefegt. Da hat sich der blinde Gehorsam echt gelohnt. Boah sind die geil. Melodischer Punk mit super Texten und ein gepose (vor allem vom göttlichen Drummer) das einem das Monokel zerspringt. Ein Auftritt und ich bin Fan. Gleich CD gekauft und mich gefreut. Während des Gigs stellte ich fest, dass ich schon einige Sachen von den vier Jungs auf MD besitze, allerdings fälschlich von einer Freundin als Tagtraum beschriftet. Jetzt wo ich den Unterschied kenne, kann ich mir gar nicht mehr vorstellen wie ich das verwechseln konnte. Ja, ja, da ist er wieder der blinde Gehorsam. Was kann man sonst noch sagen? Zum einen ein großes Lob an die Kato Crew. Die waren alle (inklusive Türsteher) so nett, dass man das unbedingt noch mal extra erwähnen muss, das kommt einfach oft zu kurz. Nervbratzen gab es auch. Ein Typ, der der Meinung war Frauen anzugrabschen (ist rausgeflogen), ein Skin, der der Meinung war den Hitlergruß zeigen zu müssen (ist rausgeflogen), ein Kerl, der der Meinung war soviel saufen zu müssen bis er beim Pogo jedem auf den Sack gegangen ist (ist glaube ich auch rausgeflogen) und ein Asselpunk, der der Meinung war ständig beinahe Prügeleien an zu Zetteln (ist leider nicht rausgeflogen). Die üblichen Deppen halt. Kann mir mal einer erklären warum immer Männer mit dem Stress anfangen? Sind wir echt so bescheuert? Normalerweise verderben mir so ne Typen echt den Abend, aber dieser war zu geil um ihn sich verderben zu lassen. Tragische Person des Abends wurde DJ Vogel, der erst so spät mit seinem, wirklich guten, Set anfangen konnte das keiner mehr Lust hatte oder in der Lage war zu tanzen. Echt schade. Fazit: Jede der Gruppen (und auch der DJ) sind auf jeden Fall einen Besuch wert und auch wenn es ein solches Package wohl nicht mehr so schnell geben wird, kann man sich die auch einzeln reinziehen wenn sie bei euch in der Nähe sind!

Autor: Patrick

Gast | So., 21. Nov 2004 | Konzertbericht

vom 11.10. 2004
erster skankabend in berlin im rahmen der popkomm

Es ist die reine Macht der Gewohnheit, dass man sich aus dem Begriff Special Guests nicht mehr viel macht. Jede große Tour, egal von wem, egal welches Genre, wird immer unterstützt von Special Guests.

Dahinter verbirgt sich dann immer nur ein Support aus dem Vorort. Oft eine Frickelband, die die Möglichkeit erhält, vor einem größeren Publikum zu spielen als gewöhnlich. Mittlerweile ist es so, dass die Special Guests als erstes spielten, zu einer Zeit, wo es noch niemand in den Tanztempler geschafft hat. Grover widerlegt an diesem Freitag im SO36 diese Gewohnheit und definiert den Begriff Special Guest wieder neu. So wie es auch einmal angedacht gewesen war.

Im Tipp oder auch in der Zitty konnte man vor geraumer Zeit in der Kategorie Musik, Anzeigen finden, in denen nach einem Musiker mit dem Zeug zum Sänger gesucht wurde. Ein Bandname wurde nie erwähnt, nur „Skaband mit viel Bühnenerfahrung“. Der Absender der Emailadresse waren die Special Guests aus Berlin. Handelte es sich hier um ein Nebenprojekt, oder wurde tatsächlich nach einem neuen Sänger gesucht? Jetzt ist klar, der langjährige Frontman stellt sich neuen Aufgaben und sucht nun sein Glück im Ausland.

Am 01.10.2004 fanden sich das erste Mal in der Berliner Ska-Geschichte, wenn es diese gibt, einige Leute
im So36 ein, um im Rahmen der Popkomm zu skanken. Es war viel los in Berlin und im Umkreis an diesemFreitag. Z.B. luden die Ruffians seit zig Jahren wieder zu einer Release Party in Lindenpark ein. Im Tommy Haus spielten Casino Gitano. Auf dem Gelände der Kulturbrauerei sollten Rotterdamer Ska Jazz Foundation spielen. So war es gar nicht erstaunlich, dass es im Esso nicht so recht voll werden wollte.

12 Euro Eintritt und schon waren die ersten Klänge von Dr.Woggle And The Radio zu vernehmen. Das war das Fundament dieses Abends. So dachte man. Doch er hatte noch viele Überraschungen parat. Dr.Woggle And The Radio waren gewohnt lässig und boten wieder einen relaxten Sound, dem sich nur sehr wenig Leute entziehen konnten. Eine Zugabe gab es nicht, dafür einen rasanten Abschluss mit „10, 9, 8, 7, 6 …“. Da war noch mal vor und auf der Bühne richtig was los.
Nächste Band, The Special Guests! Und wie schon angedeutet mit neuem Sänger. Es war die Premiere für „Mister W." und trotzdem, Klasse! The Special Guests waren nicht wieder zu erkennen. Abwechslungsreich, schnell und der super Sound im Esso machten das Konzert, für mich zu einem noch nie da gewesenen The Special Guests - Konzert. Zugabe, „Speedball“. Schluss!

dr.woggle and tghe radio
Nicht angekündigt, nur klein an der Abendkasse konnte man lesen: „plus Spezial Guest“. Und der eigentliche Special Guest des Abends ließ sich viel Zeit. So war es leider so weit, dass der größte Teil der Leute, die sich im SO36 eingefunden hatten, auch schon wieder den Heimweg antraten, als Rotterdam Ska Jazz Foundation anfingen ihre Instrumente zu stimmen. Viel zu spät!

Stefan | Do., 21. Okt 2004 | Konzertbericht

23.09. - 26.09.2004
Das nenn ich Fiesta!

Jedes Jahr beglücken sich die Barcelonesen Ende September selbst mit der "Fiesta de la Mercé". Da wird gefeiert was das Zeug hält und ein Band-Anfgebot vom Feinsten aufgefahren.

Anlässlich der Schutzgötting Barcelonas, der Mercé, wird jedes Jahr ein riesen Fest mit Feuerwerk, Bands, Theater, Kleinkunst, Infoständen und Konzerten im ganzen Zemtrum für umsonst veranstaltet. Was in Deutschland zu einem feucht-fröhlichen deutschen Volksfest/Saufgelage werden würde, dient hier allerdings dazu, zu zeigen, was für grossartige Künstler Spanien zu bieten hat. Die Hauptacts waren dieses Jahr daher Macaco mit ihrer neuen Show, La Mala Rodriguez auf dem Plaza Catalunya, Fun-Damental und Cafe Tacuba aus Mexico auf der Rambla del Raval, gefolgt oder begleitet von kleineren, aber nicht minder guten Bands wie Che Sudaka, Soma Raza oder Muchachito Bombo Infierno. Das Eröffnungskonzert von La Mala Rodiguez und Macaco hat sich beinahe selbst übertroffen, denn zwei so gute Acts an einem Abend zu sehen war die reinste Freude. La Mala überzeugte durch ihre Texte und ihre einzigartige Mischung aus Flamenco und Hip-Hop, wohingegen Macaco durch ihre grandiose Show aus Capoeira, interaktivem DJ-Battle und Video-Installationen zeigten, dass sie nicht nur wahre Künstler des Elektro-Ethno-Sounds sind, sondern auch perfekt in der Darbietung und so das Konzert zu einem Gesamt-Spektakel werden lassen. Da hat uns die Kreativ-Schmiede Spanien mal wieder gezeigt, wo denn die Messlatte für gute cosmopolite Bands hängt.

Am zweiten Tag ging es weiter mit dem Konzert von Muchachito Bombo Infierno , La Kinky Beat und Xerramequ Tiquis Miquis. Er fing grandios an, mit dem rauhen Sound von Muchachito , trotz anfänglichen Regens, fiel aber leider mit Xerramequ und La Kinky immer mehr ab. Muchachito hätten den Abend auch gut allein bestreiten können. Die Rumberos mit dem sympathischen Whisky-Stimmen-Sänger wissen erstens wie man gute Musik macht und zweitens wie man die Party am laufen hält. Sie haben ja immerhin auch nicht umsonst schon als Vorband von Ojos de Brujo gespielt. La Kinky Beat war dann zwar musikalisch gesehen so schnell wie Muchachito , aber spätestens nach dem dritten Lied verwandelte sich der Sound in einen Klangteppich aus Krach, wo kein Lied mehr vom anderen zu unterscheiden war. Von einer Band die Mitglieder Radio Bemba´s bei sich spielen lässt, sollte man da mehr erwarten können. Bei Xerramequ Tiquis Miquis war es ähnlich, obwohl Joan von Dusminguet mit seinem Akkordeon mit von der Partie war. Gute Anlage, aber leider sehr schlechte Umsetzung. Die CD wirkt noch recht lustig mit der Mischung aus katalischer Folklore, Elektro, Cha Cha Cha und Reggae, aber auf der Bühne wirkten unsere zwei katalenischen Sänger-Kollegen einfach nur lächerlich und etwas zu stark Nase gepudert. Da hat das ganze dann nicht mehr wirklich viel mit Musik zu tun als mehr mit Selbstdarstellung. Dafür gab´s dann am letzten Tag das Konzert von Cafe Tacuba auf der Rambla del Raval. Und weiss Gott, dass das Ding nochmal so voll wird, hätte wohl keiner gedacht. Die Rambla platzte aus allen Nähten und die gesamte latein-amerikanische Community Barcelonas war anscheinend anwesend. Und konnte jeden einzelnen Song im Chor mitsingen.
Das nenn ich Fiesta! Meine Güte! Musikalische gesehen haben die Jungs das Rad zwar auch nicht neu erfunden, aber anscheinend treffen sie genau den Nerv ihrer Lands-Leute mit ihrer Mischung aus Rock und typisch mexikanischen Liedern. Da ist es fast lustiger sich das Publikum anzuschauen als die Band selbst. Grosse Klasse!
Fazit der ganzen Sache: Geiles Dings, ich freu mich schon auf näxtes Jahr!

Anne | Do., 21. Okt 2004 | Konzertbericht

am 4.10.04 im Kesselhaus in Berlin

Irgendwie hatte ich nicht so richtig Lust auf diesen Abend. Das lag an wirklich vielen Faktoren: Kesselhaus (furchtbarer Laden), Popkomm Veranstaltung und die Bones hatten mich als Vorband der Missfits in Dortmund auch nicht wirklich überzeugt, ganz abgesehen von den 15 Euro die das ganze kosten sollte. Scheiß drauf, dachte ich mir, das wird schon.

Leider musste ich auf meine Begleitung ne geschlagene Stunde warten ,so das mein Laune entgültig am Boden war. Kaum drinnen erwartete mich der nächste super Gau (den ich aber durchaus hätte erahnen können), das verdammte Kesselhaus war ausverkauft und platzte aus allen Nähten. Egal, The Bones spielten schon ihren ersten Song, also schnell ein Plätzchen mit genug Armfreiheit zum Zigaretten drehen gesucht und ordentlich abrocken. The Bones überzeugten mich wirklich. Es wirkte fast so als hätten sie in Dortmund einfach nur keinen Bock gehabt (was ich anhand der Location, Westfahlenhalle, wirklich verstehen kann) und würden hier vielmehr aufdrehen. Es wurde gepost und gerockt bis in Schweden die Elche tanzen. Irgendwo im Publikum entdeckte ich ein Rockerpärchen, so von der Sorte vor dem ich normalerweise Angst hätte, genüsslich Arm in Arm den Klängen lauschen und jede Silbe völlig verzückt mitsingen. Echte Rock Romanze. Der Auftritt war wirklich ganz groß. Danach ging es zum Bier holen (2,50 für 0,4) und als man das geschafft hatte, legten auch Mad Sin los. Kurz bevor der Slap-Blass ertönte schrie mir mein Kumpel noch ins Ohr: "Davon wirst du noch deinen Enkeln erzählen" Und er sollte verdammt noch mal recht behalten. Waren die was geil. Eine Stampede des Rock fegte über das Publikum weg und hätte eigentlich zur absoluten Ekstase führen müssen, aber leider tat sich gar nichts. Alle standen mit verschränkten Armen ein wenig mit dem Kopf wippend da. Ich habe echt keine Ahnung was da los war, aber meine Vermutung ist, dass die ganzen Rocker einfach viel zu cool oder zu alt (hähä) waren um ihre Gliedmaßen zu bewegen. Ich habe auch die Theorie gehört das einem nach seinem 4576. Rock-Konzert einfach nichts mehr umhaut. Tja, ich habe erst 1000 auf dem 23 jährigen Buckel und lasse mich von einem wie wild umherspringenden zwei Zentner Punk als Leadsänger der ein Mikro nach dem anderen an seinem Schädel zerkloppt, einem mit Feuerwerk versehenen Slapp-Bass und einem feuerspuckenden Hellvis einfach noch begeistern. Posen konnten die Herren auch und der eine Gittarist sieht aus wie Arthur aus King of Queens. Dazu gab es natürlich noch alle Hits. Um 23.00 sollte, wie sich das für ein echtes Rock-Konzert voller Gestandener Rocker auch gehört, Schluss sein. Mad Sin dachten aber gar nicht dran und auch dem Beleuchtungsmenschen wurde mit einem unmissverständlichen : „Denk bloß nicht daran dass Licht an zu machen ,du Penner.“ klar gemacht das man noch nicht fertig hatte. Gegen zwanzig nach 11 trollten sie sich dann, sichtlich unzufrieden aufgrund des frühen Endes von der Bühne um platz zu machen für das nachfolgende Poppkomm-Techno Event. Wie ich schon sagte: Das Kesselhaus ist ein Scheißladen. Wir gingen noch auf ein Bier nach Kreuzberg und ich rächte mich bei meinem Kumpel für sein zu spät kommen indem ich seiner Freundin Sachen erzählte die sie nicht hören sollte. So Freunde wie mich kann man gut gebrauchen und Bands wie The Bones und Mad Sin allemal. Wer mir jetzt noch sagen kann wie oft in diesem Bericht das Wort Rock vorkommt, der kriegt ein Bier von mir.

Autor: Patrick

Gast | Do., 21. Okt 2004 | Konzertbericht

16.09.2004
>> in concert <<
Sonntag um 5 Uhr früh, mit ein paar Cola-Vodka, oder eigentlich Vodka mit etwas Cola und sehr viel weniger Geld in der Tasche ging mal wieder ein klassisches Wochenende zu Ende. Ein Wochenende im Tommy Haus. Doch fangen wir mal mit dem Freitag an.

Seit langem angekündigt und auch die ganze Zeit im Hinterkopf: Distemper aus Moskau. Der eine Song, den ich zuvor gehört hatte, war vielversprechend. Eine rauhe Stimme, mit viel Trompeten und Posaunen unterstützt. Um dem Abend etwas Besonderes zu verleihen wurden aus Österreich J*A*N feat. UDSSR und die Berliner Rolando Random & The Young Soul Rebels eingeladen. Die Österreicher spielten als erstes und sehr zeitig, so dass man etwas früher hätte da sein müssen. Na ja die letzten Songs waren nicht schlecht. Wer auf Ami-Trompeten-Punk abgeht, sollte sich die Jungs mal geben. Jan feat. UDSSR sind ja des Öfteren in Deutschland und somit auch in Berlin unterwegs. Sie machten dann Platz für Rolando Random & The Young Soul Rebels. Über die relativ neue Band braucht man wohl nicht mehr viele Worte verlieren. Sie sind ja zurzeit so gut wie überall zu sehen und sie machen Ska für den noch keine passende Schublade gefunden wurde. Die eine ist überfüllt, die andere zu schmal, na ja man kennt das ja … Zu mindestens passten sich Rolando Random & The Young Soul Rebels dem Publikum an und gaben sich dieses Mal punkiger als bei anderen Anlässen. Das wurde dann auch glatt belohnt und ein gut gefülltes Tommy Haus feierte die Jungs aus Berlin. Gut gefüllt war auch der Innenhof davor, so dass ich in mir gar nicht sicher bin, wo mehr Leute waren. Irgendwann, mehrere Biere später, gaben sich Distemper die Ehre. Ska. Moscow. Punk. So der Titel ihrer neusten Platte, trifft die Sache eigentlich genau auf den Punkt. Zackiger Punk, Abwechslungsreich und äußert interessant, mit anspruchsvoller Unterstützung von Trompeten und den anderen Blassinstrumenten.
Angefangen haben die Jungs als reine Punk und Hardcore Formation. Dieses bereits 1989 - ja ab diesem Jahr war ja dann alles möglich. Ihren Werdegang im Punk, Hardcore und zu guter Letzt auch im Ska Bereich dokumentiert wohl die Platte „XV“ aus dem Jahre 2004.
Aus 9 bis jetzt erschienen Alben wurden hier nochmals 24 Perlen herausgelesen und auf eine Platte gepresst. Teilweise geht die Soundqualität bis hin zur besten Wohnzimmer Aufnahme, die wahrscheinlich mal als Demo diente … sehr interessant!
Zurück ins Tommy Haus, das Konzert der Russen wurde sehr ausdauernd von einen tanzendem Maskottchen begleitet, welches sehr viel Platz auf der Bühne einnahm und wahrscheinlich ziemlich geschwitzt hat unter seinem überdimensionierten Dog-Kostüm. Zugabe! Schluss! Bierchen!

Es war eine ordentliche Tour durch Deutschland geplant, doch was blieb waren 2 kleine Konzerte. Eins dazu in Holland, also war die Deutschlandtour zusammengeschrumpft auf sage und schreibe ein Konzert. Zwischendurch noch ein Interview beim Musiksender Fritz in Potsdam. So waren Solitos sehr viele Kilometer unterwegs, bevor sie sich auf der Bühne beweisen konnten. „Wir quetschten uns und unser komplettes Equipment in den eigentlich viel zu kleinen aber trotzdem nicht billigen Transit und fuhren erstmal 650 km nach Nijmegen/Holland um ein Konzert im "The Onderbroek", einem besetzten Haus in der Innenstadt zu spielen.“ Das Konzert war wohl gut besucht und die Berliner hatten einen netten Abend mit vielen netten Niederländern. Nächsten Tag auf nach Potsdam, Interview. Alle anderen geplanten Gigs wurden von den Veranstaltern nach und nach gecancelt, so das nur noch das eine blieb. „Das zweite Konzert war innerhalb des ‚Ska-Mania-Festivals´ in Dannenbüttel bei Wolfsburg, im Vereinshaus des Wolfsburger Chapters des ‚Borntobewild´-Motorradclubs. Die Location war gewöhnungsbedürftig, es waren eben Rocker, die da Bier ausschenkten etc. (auf Details geh ich hier jetzt lieber nicht ein).“ Mit dabei waren außerdem Hiccups, Dynamo Ska und Maskapone. „Am nächsten Morgen hab ich mich dann noch von den Bewohnern des örtlichen Hornissennestes stechen lassen und dann ging´s heimi.“
Eine Woche später gab es dann den großen Tourabschluss im Tommy Haus. Doch zuerst mussten die 11 Jungs und Mädels von Venushügel ran und ihre Show vor etwa 8 Leuten beginnen. Nach ein paar Liedern füllte sich das Tommy Haus aber das zweite Mal an diesem Wochenende und das Publikum konnte begeistert werden. Ob es an der Ausstrahlung der 3 singenden Niederländerinnen oder doch an der musikalischen Leistung der Band lag, bleibt wohl ein ewiges Geheimnis. So spielten Venus Hill ihr Set runter und gaben einen netten Einstieg ins noch zuvor stehende Konzert von Solitos.

“es gibt ein Bier namens Salitos, damit wolln wa aber nix zu tun haben, auf spanisch müsste es eigentlich Los Solitos heißen, das hieße "Die Einsamen" oder so was, wußten wir aber auch bei der Auswahl noch nicht. Eigentlich gefiel uns einfach der Wortklang, son bißchen was mit Sonne könnte man denken, hat einfach schön viele Vokale, es ist kein "the" und kein "ska" im Namen, das war uns wichtig“
Solitos sind live einfach immer wieder eine Wucht. Ihr abwechslungsreiches Programm, welches sich zwischen Reggae, Ska und irgendetwas dazwischen, davor und dahinter bewegt, ist immer wieder beeindruckend. Und deshalb ist es auch nicht wunderlich, dass ein Grossteil der Berliner Skagemeinde schon des längeren auf einen Tonträger wartet. Doch die schon vor einer Weile inoffiziell angekündigte CD, wird doch erst im Februar nächsten Jahres fertig sein. Deshalb muss man sich weiterhin mit dem einen Song „Sad Clown“ auf dem „Hauptstadt-Ska“ Sampler zufrieden geben. Doch was lange wärt, wird richtig gut, denn die CD soll ganze 70 Minuten Solitos beinhalten. Super, wir freuen uns drauf.
Ganz so gut besucht war das Konzert im Tommy Haus dann doch nicht, aber für die körperlich aktiven vor der Bühne, ist das auch gar nicht so schlecht. So konnte wenigsten noch ein bisschen unverbrauchte Luft eingeatmet werden. Wobei, eigentlich doch nicht. Eigentlich war es trotzdem tierisch heiß und die Luft verbraucht. Na gut nicht so schlimm, mit Solitos zu feiern macht halt einfach Spaß und da nimmt man so etwas gerne in Kauf. Es war wieder ein gewohnt gutes Konzert und weil der Abend, so gut wie er bis dahin verlaufen ist, nicht einfach so enden sollte, ging die Party für einige im Lauschangriff weiter.

Auf dem Plan stand Noche De Accion mit DJ Pescaito & El Senior Shaqui ñ o. Es brachte zwar eine kleine musikalische Umstellung mit sich, aber man konnte noch mal ganz gemütlich abschwofen. Auch wenn Noche De Accion selber ihre Musikauswahl mit Ska, Reggae, Rumba und Punk bewerben, war vom Punk gar nichts zu hören. Die Musik bewegte sich eigentlich eher in der spanischen und Latein Amerikanischen Ecke. Von Costo Rico über Manu Chao bis hin zu Kaoma mit ihrem Hit Lam Bada und zurück zu Babylon Circus. Eine nette Party für 2 Euro Eintritt, gute Bierpreise und günstige Longdrinks wie Cola-Vodka. Das Geld war trotzdem irgendwann alle und so wankten wir in Richtung Heimat.

Stefan | Di., 21. Sep 2004 | Konzertbericht

Wie ihr sicherlich alle wisst, fand auch dieses Jahr wieder dass legendäre FORCE ATTACK- Festival in Behnkenhagen bei Rostock statt. Diejenigen, die das nicht wussten sollten sich nicht nur in die Ecke stellen und schämen, sondern sich auch nächstes Jahr dorthin begeben! Eines kann ich euch nämlich versprechen: Es war großartig!

Aber erstmal der Reihe nach. Zu erst muss ich euch gestehen, dass es auch mein erstes FORCE ATTACK war... Ich hatte zuvor zwar schon eine Menge drüber gehört, aber richtig gereizt hatte es mich noch nicht...Das lag zum Einen wohl daran, dass ich mir nie die Mühe gemacht hatte mich zu informieren welche Bands dort auftreten werden und zum Anderen hatte ich auch eine Menge gruseliger Geschichten über dieses Festival gehört...

Da wurde einem erzählt, dass man sich nicht waschen und duschen kann, 4 Tage nur besoffen ist (und das auch noch von warmen Bier!) und das man sich möglichst verkneifen sollte die Toiletten zu benutzen, da diese eigentlich nur Dixis sind und auch mal von netten Herrschaften umgeschmissen werden (während man drinnen sitzt!). Ein Kumpel von mir vermied eines Nacht tatsächlich auf Klo zu gehen. Allerdings eher unfreiwillig, da er in seinem besoffenen Zustand nicht mehr aus seinem Zelt fand...Tja und so begab es sich, dass er sich dazu entschloss sein Zelt zuzuköteln..lecker...

Hörte sich also nicht unbedingt nach einem Festival an, auf dem man gerne wäre.
Aber nun gut.. Viele meiner Freunde fuhren auch dieses Jahr wieder zum FORCE und ich konnte dann auch nicht Nein sagen...Eigentlich war dieser Sommer für alle schon ziemlich vergessen, da es ja eigentlich nur regnete...Aber glücklicherweise hatte Petrus doch Mitleid mit uns allen und so schien pünktlich zum Festivalbeginn am 30.7. die Sonne...Die Autofahrt war auch wegen der Hitze anstrengend und ich stand sogar im Stau, aber die Vorfreude auf die Bands (MIMMI´S, KASSIERER, SHOCKS, MUTABOR, RUBBERSLIME, POPPERKLOPPER, BRIEFS, CUT MY SKIN usw.) ließen mich alles vergessen...

Autor: Kami

Natürlich gab es kurz vor dem Festivalgelände eine Polizeikontrolle wo unsere Freunde und Helfer in Grün alle möglichen Autos (einschließlich meins) herauszogen um nach Drogen zu suchen, Punks zu ärgern und Mädels wie mich das ganze schwere Gepäck (aber alles) herauskramen zu lassen. Naja, mit meinem Auto stimmte zum Glück alles, nicht zuletzt, weil ich mir kurz vorher noch einen nagelneuen Verbandskasten zulegte, und schon war ich da! FORCE ATTACK!

Eine Superstimmung! Alle waren ganz locker drauf und die meisten auch schon nachmittags um 4 gut unterwegs. Also schnell das Zelt unter der Fahne meiner Kumpels aufgebaut und ein (lauwarmes) Bier aus dem Auto genommen! War aber besser als nüscht. So wurde dann auch konsequent den Rest des Tages weitergesoffen... Man konnte sich nämlich am Bierstand schön kaltes Bier für nur 1, 50 Euro kaufen (mit Becherpfand), was doch sehr punkerfreundlich ist...

Und grade weil das Bier so kalt und billig war, bekam ich die letzte Band des Abends (RUBBERSLIME) nur noch so halb mit und fiel glücklich und besoffen in mein Zelt...Dann der nächste Morgen. 7.30 Uhr. Ich hellwach. Na schöne scheiße! Es blieb einem aber keine andere Wahl als spätestens gegen 8 aufzustehen, da es irre warm in dem Zelt war und sich alle möglichen Gerüche drinnen sammelten... Puh. Also nichts wie raus und das erste Radler um 10 Uhr getrunken..

Da die Ostsee ja nicht weit entfernt von Behnkenhagen ist (ca. 15 min mit Auto), machten wir ns auf den Weg. Wir waren aber nicht die Einzigen mit der Idee und so brauchten wir (mit Stopp am Pennymarkt, der wohl den Umsatz des Jahres machte) geschlagene 2 Stunden...Als wir ankamen regnete es. Immerhin. Wir waren munter drauf und auch schon wieder angetütert um 14. 30 Uhr. Na das wurde ein Tag sag ich euch! Ein so konstantes Level den Tag über zuhalten ist echt was Feines... An diesem Abend sollten auch die LOKALMATADORE und die MÄCHTIGEN KASSIERER spielen. Alles schien sich drauf zu freuen und so wurde es eine super Party! Die LOKALMATADORE bestachen mit Liedern und Textpassagen wie „In den Arsch" oder „Votze, Votze, Votze" , während die Herrschaften der MÄCHTIGEN KASSIERER das Lied "Komm mach die Titten frei, denn ich will wichsen" zum Besten gaben... Natürlich waren auch noch eine Menge anderer Hits mit bei und Wölfi sah wieder hinreißend aus...

Am nächsten Morgen wieder das gleiche Spiel... Früh aufstehen, weiter trinken...Aber diesmal konnten wir auch den Strand der Ostsee bei schönem Wetter genießen...Superklasse...

Wieder angekommen habe ich mir ein paar Buttons und so nen Kram gekauft...weil es da auch super viele Stände gab mit Platten, Fanzines, Buttons, Nieten… Eben alles was das Punkerherz begehrt.. Es war sogar möglich eine Postkarte zu kaufen (mit exklusivem Force-Motiv) und diese vor Ort zu verschicken (Meine armen Eltern...). An einem Stand konnte man sogar seinen Promillewert erfahren und diesen abgeben, um an der Wahl des "Promille-Königs" teilzunehmen...

Am letzen Abend (Sonntag) spielten die MIMMI´S, die ein wirklich großartiges Konzert lieferten und anscheinend in Topform waren! Auch das Publikum war begeistert... Doch leider gab es da einen Spacken, welcher der Meinung war, er müsse eine Flasche auf die Bühne werfen (und das obwohl, eigentlich Flaschenverbot auf dem Konzertgelände herrscht. Da haben wohl die Einlasser geschlampt). So kam es, das der Lars von den MIMMI´S (seines Zeichens Schlagzeuger) von eben dieser Flasche am Kopf getroffen wurde und blutend, mit Platzwunde am Kopf zusammenbrach...

Das Konzert musste abgebrochen werden und Lars wurde von den anwesenden Sanitätern versorgt... Einige Punks hatten wohl immer noch nicht kapiert, dass Punksein auch bedeutet, zwar SEIN Ding durchzuziehen, aber dabei trotzdem tolerant zu bleiben. Leider gab es da wohl dennoch so einige Mitläufer, die auch der nächsten Band den Auftritt zur Hölle machten und ebenso mit Flaschen auf MUTABOR schmissen! Es wurde zwar keiner verletzt, allerdings ging die Band von der Bühne. Aber MUTABOR wollten natürlich nicht den anderen Tausenden Fans das Konzert vorenthalten, nur weil ein Depp so feige war...Also ging es für die Fans weiter, wieder rauf auf die Bühne! Große Klasse!
Und so ging dann auch der letzte Abend vorbei und ich fiel wieder gut betrunken in mein Zelt....Der nächste Morgen war schon ein wenig traurig, weil man natürlich nette Leute kennen gelernt hatte und die Konzerte großartig waren...

Ach ja, ich hatte euch ja zu Anfang von den Gruselgeschichten erzählt, die man sich so zuplaudert. Ich kann nur sagen, dass man sich waschen kann, wenn man will...es gab ca. 10 Wasserhähne, mit laufendem, frischem Wasser, die auch irgendwie für alle reichten und ein Bad war auch in der Ostsee möglich. Die Klos waren zwar tatsächlich ekelig, und manchmal auch mit Berg (also nix da mit raufsetzen), aber watt mutt datt mutt und ein halbwegs schönes fand man dann doch noch. Man muss sich zwar um Klopapier kümmern (selbst im Backstagebereich), aber es geht schon. Zur Not gibt es immer noch einen Acker und einen Wald. ;-)
Ansonsten war es eher ruhig und man wurde von grölenden Asselpunks halbwegs verschont. Die Stimmung war einzigartig! Die Bands waren sicherlich auch alle toll. Ich muss leider zugeben, dass ich nicht alle (oder die wenigsten) gesehen habe, da ich immer unterwegs war. Bierstand, Shoppen, Ostsee.. oder man war einfach nur zu besoffen um noch viel mitzubekommen...

Ich kann es trotzdem einfach jedem empfehlen sich nächstes Jahr im Sommer dahin zu bewegen! Es lohnt sich!

Gast | Di., 10. Aug 2004 | Konzertbericht

Ken Boothe steht dampfend inmitten wabernder Nebelwolken. Die ganze Bühne leuchtet in Grün, Rot und Gelb. Es ist ruhig geworden im Publikum, aber die Euphorie, die auf den Gesichtern geschrieben steht, schlummert nur, wartet, bereit bei der nächsten Gelegenheit wieder auszubrechen. Der ehemalige Studio One Künstler nimmt Reggae eben immer noch ernst.

Wie ein Prediger, der von den Wurzeln des Ska erzählt, steht er auf der Bühne. Rassendiskriminierungen in Georgia oder die Apartheit-Diskussion sind für ihn längst noch nicht vergessen und so setzt das letzte Konzert des 14. Postdamer Skafestivals am späten Abend des 3. Juli 2004 politische Akzente. „These songs that we´re singing tonight are 30 years old.“ erzählt Ken Boothe. „There are many here that grew up with those songs, there may be some who made love with them, and there maybe some that fell out of love with them the first time.” Und damit ist auch sofort das eigentliche Faszinosum dieses Festivals angesprochen. Eltern sind mit Ihren Kindern anwesend, Jugendliche und vor allem eine Gemeinde Skinheads jeden Alters schwingen alle zusammen mehr oder weniger heftig ihre Ärsche zu den Beats des traditional Jamaican Ska. Geht es nach Ken Boothe, so sollte das gemeinsame Tanzen ein Zeichen sein, ein Symbol dafür, sich gegenseitig Respekt zu zollen und sich gegen Diskriminierungen aller Art einzusetzen und letzten Endes auch der Beweis für die gemeinsame Hingabe an die Musik. So banal diese Botschaft auch klingt und so oft wir sie auch schon gehört haben, ich habe da sofort wieder so meine Zweifel, wenn ich mir z.B. eine Gruppe Skinheads anschaue, die sich ein wenig abseits zu je drei Mann gegenüberstehen, die Fäuste recken und sich abwechselnd „Oberbayern!“ – „Unterbayern!“ – „Oberbayern!“ – „Unterbayern!“ ins Gesicht brüllen. Im Hintergrund spricht Boothe gerade so etwas ähnliches wie: „Doesn´t matter the colour, doesn´t matter the race, let us all stand together…“. Zu „Speak softly love“, der Reggae Version des Themas aus „Der Pate“, tanzt ein Fan auf der Bühne, gibt sich der Musik hin, spürt den Rhythmus und... bekommt von hinten ein Bier über den Rücken. Theorie und Praxis, auch nach 30 Jahren noch. Trotzdem liefert Ken Boothe mit seiner Background Band, die er wie ein Kapellmeister mit spontanen Ideen dirigiert, ein großartiges Konzert ab. Er gibt alles in diesem Moment, ist mit Leib und Seele Sänger, ist die personifizierte Stimme, die fast körperlich wahrnehmbar wird. Und die unglaubliche Atmosphäre dieses Highlights gibt mir die Gelegenheit, auf das zweitägige Festival zurückzublicken.

Bereits zum 14. Mal wurde im Lindenpark e.V. Potsdam eingeladen zu einem Festival, dass sich mittlerweile zu einem der größten seiner Art in Deutschland entwickelt hatte. Organisatorisch, mit dem außergewöhnlichen Konzept - der erste Tag findet im Konzertsaal, der zweite Open Air im Vorgarten des Clubs statt - und mit diesem phänomenalen Lineup, rückt die Veranstaltung mehr und mehr in die Nähe eines Wunderwerks. Ich darf mal eben aufzählen, was man für nur 25 € im Vorverkauf auf den Speiseplan bekommt. Die Berliner Lion´s Club, die Tornados aus Dessau und Yellow Cab aus Görlitz, über deren beeindruckende Livequalitäten wir an anderer Stelle bereits berichteten, sind da eher die Aussenseiter. Außerdem geben sich die Glasgower Amphetameanies die Ehre, die immerhin schon auf dem legendären ersten Skannibal Party Sampler mit von der Partie waren. Skatrek und Kalles Kaviar als Vertreter der altgedienten Bands aus der weiteren Umgebung mit Hingabe an den Jamaican Ska dürften wohl hinlänglich bekannt sein und sind immer für einen schönen Konzertabend gut. Und dann wird´s auch schon teuer. Im line-up des Potsdamer Festivals stehen einfach zu viele Namen, die andernorts als Headliner auftreten könnten, und die ich nicht mit einem einzigen Satz abtun möchte. Wie gesagt wurde das Festival am Freitag, den 2.7. im Konzertsaal des Lindenpark Clubs eröffnet, der mit seinem Roten Omnibus als Raumteiler und der extra erhöhten Bar, so dass man auch beim Bierholen nichts von der Bühnenshow verpasst, wie immer wunderbar gemütlich wirkte.
Aber erst mal heißt es ja dort hin zu kommen. Ich weiß nicht, braucht man um von Berlin nach Potsdam zu kommen eigentlich ein Visum? Ne, Scherz bei Seite, die stundenlange Anfahrt hat sich ja gelohnt, denn spätestens mit Dr. Calypso aus Katalonien, ergibt sich ein gestresstes BVG-Nervenkostüm, zugunsten zweier munter zuckender Fortbewegungsapparate. Ich möchte jetzt aber noch nicht weiter auf die szeneübliche Bio-Motorik eingehen, denn darauf darfst Du Dich, lieber Leser, noch ein paar Zeilen lang freuen. Konnte ich mich auf Platte noch nicht so recht mit den Spaniern anfreunden, so übertrumpfen sie sich, wie so oft bei Mestizobands, die einfach auf der Bühne geboren zu sein scheinen, live selbst um Längen. Anschließend kamen Skatrek mit obligatorischer lebensgroßer Mr. Spock Pappfigur zu ihrem Auftritt, und der Abend wurde später und später, betrunkener und betrunkener, dank des traditionell in Potsdam verkauften Rex Pils.
Das ist so eines dieser Biere, mal nebenbei bemerkt, zu dem man sich eigentlich nie eine Meinung bilden kann. Der erste, rein optische Eindruck stimmt mich immer skeptisch, sieht irgendwie zu sehr nach Billigbräu aus, bestenfalls Provinzbräu. Oh, das ist jetzt schon der zweite lokalpatriotische Ausrutscher, jetzt sollte ich mich mal langsam am Riemen reissen. Aber dann der Name: König Pilsener gibt´s doch schon und wofür zum Geier braucht man ein Bier, das so heißt wie Schäferhunde in der privaten Fernsehunterhaltung? Und ich meine damit nicht Rex Gildo...

Ja jedenfalls wuchs die Zahl des anwesenden Publikums nicht meinem Rausch entsprechend. Noch immer war die Halle nur ein wenig mehr als halb voll. Und das sollte am nächsten Tag nicht besser werden. Vielleicht lag das an dem schlechten Wetter, oder einfach daran, das sich zu viele Fans nicht von den im Garten zum ausruhen aufgestellten Bierbänken losreissen konnten. Oder vielleicht doch am line-up? Hochkarätiger hätte dieses kaum sein können, aber letzten Endes vielleicht doch stilistisch zu eng begrenzt?

War im Jahr davor noch mit Tokyo Ska Paradise Orchestra eine Band für die Hochgeschwindigkeits-Skanker und mit Wisecräcker eine hochkarätige Ska-Punk Band vertreten, so beschränkte bzw. konzentrierte sich das diesjährige Programm doch sehr auf traditionellen Ska, mit Hauptaugenmerk auf die Jamaikanischen Altväter. Und genau da geht es nun auch weiter, denn mit Roy Ellis aka Mr. Symarip betritt nun eine der großen Legenden die Bühne. Einen seltsamen Kleidungsstil zur Schau tragend, hielt er ganz klar, was der Name verspricht. Er lies sich feiern und wurde gefeiert und hätte sich dennoch fast von der Bühne geschlichen, ohne die beiden absoluten Hits zum Besten gegeben zu haben, auf die wohl ausnahmslos jeder Skafan gewartet hatte.
Mit „Banana“ und finally endlich „Skinhead Moonstomp“ als Zugabe und zugleich Höhepunkt des ersten Abends, verabschiedete sich Mr. Symarip, nicht ohne noch ein ellenlanges „Yah yah yah yaaaaah, yeeaah, yeah, yeah, yeah, yeah“ Echo zu hinterlassen. Und das war er endlich, der Klassiker des Skankens! Der Moonstomp-Wettbewerb! Die Ellbogengesellschaft mal anders! Nichts mit leisetreten! Und nichts mit leichtem wippen! Nein, dieser Abend hat Spaß gemacht und bescherte eine viel zu kurze Nacht, bis dann am Samstag, schon vom S-Bahnhof Griebnitzsee aus zu hören, die Show Open Air wieder losging.

Nachdem sich das eine oder andere Gewitterchen so seine Bahn gebrochen und sich kübelnderweise verausgabt hatte, konnte gegen späten Nachmittag endlich trocken bei Grill-Atmosphäre und Riesenbrezen getanzt werden. Und wer landete den Coup des Abends? Meiner Meinung nach The Aggrolites aus San Francisco. Mit Ihrem Dirty Reggae (so auch der Titel der aktuellen und überaus spät erschienenen Platte) in einer wunderbaren Interpretation des legendären Upsetters- Stil und der vor Energie strotzdenden Live-Performance des Sängers, welcher wohl keine zwei Minuten auf der gleichen Seite der Bühne stehen blieb, rockten sie das Publikum und konnten die schwere Aufgabe, im Laufe eines langen Festivalabends, die Zuschauer wieder nach vorne und zum Tanzen zu treiben, locker bewerkstelligen. Der Kontrast hätte aber leider nicht krasser sein können, als mit Rico The-Man-From-Wareika Rodriguez anschließend die nächste Legende die Bühne betrat. Vielleicht auch wirklich im direkten Vergleich mit den Kaliforniern, vielleicht aber auch anlässlich des hoch betagten Alters, im Herbst feiert er seinen 70ten Geburtstag, jedenfalls konnte der weltberühmte Posaunist mich, und wie es den Anschein machte, auch große Teile des Publikums, nicht vom Hosenboden holen. Natürlich ist das schon phänomenal, diesen verdienten Menschen mit dem ernsten Blick noch einmal live erleben zu können, schließlich könnte es gut sein, das der Ska heute ohne Rodriguez, der u.a. schon mit Bob Marley, Prince Buster, Count Ossie und den Specials zusammengearbeitet hat und Schüler der berüchtigten Alpha Boy School unter Don Drummond war, anders aussehen bzw. sich anders anhören würde. Trotzdem, und mir ist bewußt, dass ich gerade hart an der Grenze zur Blasphemie vorbeischlittere, ich denke es gibt eine Grenze, bis zu der es Sinn macht, Livekonzerte, zumindest im Rahmen eines Festivals, zu spielen. Und ein Mensch, der statisch auf der Bühne steht und seine Instrumentalstücke wiedergibt, gehört vielleicht in einen Konzertsaal mit Bestuhlung, aber mich hat das Konzert spätestens nach dem dritten Lied gelangweilt. Schande über mich, bewerft mich mit Eiern, aber ich werde meine Meinung nicht ändern. Und ein guter Teil dieser Kritik, geht leider auch an die Sharp Axe Band, die letztes Jahr noch als Background für Laurel Aitken spielte und von daher eigentlich über genügend Erfahrung verfügen sollte, die selbstverständlich auch eine technisch perfekte Leistung zeigte, aber eben doch mit einem gewaltigen Stock im Arsch. Das lebendigste an dem Auftritt war wohl die Farbgebung auf dem Hemd des Trompeters. Knallig. Echt.

Und schon bin ich zurück bei Ken Boothe, der, ebenfalls mit einem seltsam anmutenden Anzug auf der Bühne steht, mit seiner Musik aber ungleich stärkeren Einfluss auf das Publikum ausübt. Nun ist der Funke übergesprungen, und springt fröhlich hin und her. Plötzlich versteht man wirklich, was Feedback bedeutet. Der ganze Platz tanzt unter dem mittlerweile dunkel gewordenen Himmel, bis zu dem sich die Musik ausdehnt. Das IST Ska und dafür allein lohnt es sich, den Organisatoren des Festivals zu danken. Ken Boothe hat noch einmal einen draufgelegt auf den, bis dahin schon großen Eindruck, den Potsdam dieses Jahr hinterlassen hat.

So langsam drängt die Security schon, den Lärmschutz im Nacken, das Publikum solle im Club weiterfeiern, aber mir reicht das soweit, und es steht ja noch die lange Fahrt zurück durch das nächtliche BVG- Schienennetz an, also zurückgewankt durch die Villen-gesäumten Gassen zum Bhf. Griebnitzsee.

Ich konnte ja nicht ahnen, dass das letzte Highlight des Abends noch auf mich warten sollte. Friedlich wie nie saß ich im Wagen der S-Bahn als irgendwer ein paar Plätze weiter plötzlich mit Happy Birthday singen anfing. Kurz die Lage überrissen und schon war mir klar, dass ich nicht gemeint sein kann. Der Gesang galt einem Tom, glaube ich, der über Handy verbunden, dem Gegröle lauschen durfte. Es gibt dann manchmal diese Situationen, in denen ergibt eins das andere... Zuerst hat irgendwer eine zweite Stimme gesungen, dann zieht einer eine Gitarre raus, eine zweite Gitarre und der gesamte Waggon grölt und klatscht plötzlich mit. Im Waldschlößchen, so erfahre ich nachträglich, hatten am gleichen Abend Gardens end ein Konzert gegeben. Hab ich noch nie gehört, ist auch glaube ich keine Schande. Die zwei Gitarrenspieler, René und Basti jedenfalls, entstammen dieser Band und hatten wohl Lust, das Konzert noch ein wenig weiterzuleben. Und das war wirklich das Unglaublichste, was ich je gesehen habe.
Zu allseits bekannten Lagerfeuerklassikern spielten und sagen die Beiden spontane Texte, sozusagen Freestyling mit Melodie und das oft zweistimmig. Klar, das der ganze Wagen weiter mitgrölte bei Hits wie „La Bamba“ oder „The Passenger“. Der Text handelte beispielsweise davon, wie schön es doch ist, in der S1 zu fahren und direkt hinter der Kabine des Zuführers aus Leibeskräften so lange zu schreien, bis man rausgeworfen wird. Ja, da hab ich eigentlich noch gar nicht drüber nachgedacht, aber klar, in dem Moment kam mir das auch so vor. Zu Texten wie „Ich bin ja grade ganz arm dran, ich holte mir Malaria, ich war vor kurzem im Sudan, da holt ich sie mir bei Maria.“ rockten die beiden im AC/DC Stil durch den Mittelgang der S-Bahn, sie legten sich schmachtend während des Spielens vor unbescholtene Fahrgäste auf die Bank, und so manch einer war wohl so begeistert, dass er mitten in der Nacht ein, zwei Stationen weiter fuhr, als geplant. Eigentlich lässt sich das Alles gar nicht richtig erzählen, das muss man erlebt haben. Die Berliner BVG als Konzertsaal, das ist einfach die beste Erfindung der letzten Jahre. Und in dem Falle hätte der Weg von Potsdam nach Berlin auch gerne dreimal so weit sein können. Wer sich von den Qualitäten der Musiker überzeugen will, der hat mit großer Wahrscheinlichkeit die Gelegenheit, auf der nächsten Eskapaden Party am 9. Juli 04 ab 22 Uhr in der Kulturfabrik in der Lehrter Straße 35. Denn dorthin wurden die Beiden spontan engagiert. Eintritt 4 € und zusätzlich stehen Minni the Moocher und Eat Less Bread auf dem Programm. Na dann viel Spaß.

Krizn | Mi., 07. Jul 2004 | Konzertbericht

Am 12.6. fand das statt, worauf die Berliner Ska-Szene bis jetzt gewartet hatte. Die Record-Release-Party für den Berlin-Ska-Sampler “Hauptstadt-Ska”. Vertreten auf der Platte sind so gut wie alle bekannten Berliner Ska-Bands, was ja bekanntlich nicht wenige sind. Deshalb lohnt sich der Sampler an sich schon, weil hier ausnahmsweise mal mehr als nur 12 oder 15 Songs enthalten sind, die noch dazu alle von feinster Qualität sind.

Bei der Party zur CD heizten die “Ginseng Bonbongs”, “Tiefenrausch” und “The Ruffians” der zugegebenermassen jungen Meute ordentlich ein. Das Kesselhaus war gut gefüllt und für den Veranstalter, Label-Chef und “Tiefenrausch”-Frontmann Ludwig Westarp hat sich der Abend sicherlich gelohnt. Der Mann ist schließlich nicht von ungefähr dafür bekannt ein Organisations-Talent zu sein. Auch wenn die drei Bands im Kesselhaus nicht meinem Geschmack entsprechen, muss ich doch zugeben, dass hier immerhin der Berliner Szenen ein ganzes Stück weiter geholfen wurde. Und den jungen Konzert-Gästen schien es gefalllen zu haben. Also Hut ab und weiter so, damit die Berliner Bands demnächst nicht nur in Berlin Säle in Grösse des Kesselhauses füllen, sondern auch in ganz Deutschland von sich Reden machen.

Stefan | Mo., 21. Jun 2004 | Konzertbericht

16.04 im Tommy-Weissbecker-Haus
Was hatte mich eigentlich an diesem Tag ins TWH zu Kreuzberg verschlagen.? Ich kannte nur eine Band in der Bekannte von mir spielten und von der ich wusste das sie noch viel an sich arbeiten müssen (die Rede ist von Indigo) und das wars.

Ich schätze mal es war die Tatsache das ein Kumpel von mir das ganze veranstaltete und nachher noch auflegen sollte. Also gut, da auch sonst so ziemlich jeder den ich mag da war, trudelte ich irgendwann gegen zehn dort ein. Indigo spielten schon und es wurde schnell klar das keiner von uns Lust hatte Geld für Eintritt auszugeben, also verlegten wir uns auf Biergenuss im Innenhof, wobei wir mit dieser Entscheidung nicht alleine waren. Die Musik die von drinnen hin und wieder an mein Ohr drang schien aber auch zu bestätigen das ich hier meine Zeit und mein Geld wesentlich besser anlegte. Viel später (bitte verlangt keine genaue Zeitangabe) hieß es man könne jetzt für lau rein und die letzte Band würde noch spielen. Das lässt man sich als blöder Schnorrer nicht zweimal sagen und kurz vor dem letzten Auftritt des Abends war ich doch noch im Konzertraum angelangt. Die Band die noch spielen sollte waren die mir bis dato unbekannten 100% Meskalin aus Wien. Ihres Zeichens eine sechsköpfige Ska-Band mit einer Frontfrau. Leider in Ska Kreisen immer noch eine Seltenheit. Warum eigentlich, muss ich mich nach diesem Abend fragen. Nicht nur das die Dame wirklich gut aussah, sie konnte verdammt noch mal auch singen. Die Band schaffte es innerhalb von zwei, drei Liedern ein Skeptisches Publikum in eine tanzende Meute zu verwandeln. Das will was heißen. Ich für meinen Teil genoss das zügig und ohne viel (und wenn treffendes) Gelaber heruntergespielte Set fast ausschließlich auf der Tanzfläche. Hier entdeckte ich wirklich nur glückliche Gesichter, aber auch die obligatorischen OI`s am Rand schienen zufrieden zu sein. Nach drei Zugaben durften 100%Meskalin dann von der Bühne kriechen und der Abend wurde, leider ohne weiteres DJ Programm, beendet. Super Band, ich werde mich mal um ein Interview und Tonträger kümmern.

Autor: Patrick

Gast | Mo., 21. Jun 2004 | Konzertbericht

Sala Cibeles I 02.04.2004 I Barcelona I
So, endlich hat das stattgefunden, worauf immer alle gewartet bzw. gehofft haben. Die Colifata ist wieder ans Licht getreten und hat mit zwei Argentinischen Bands den Sala Cibeles gerockt und daraus dann gleichzeitig ein nicht extra angekündigtes Manu Chao-Geheimkonzert gemacht.

Am Vortag gab es zu dem Radio-Programm "LT 22 La Colifata" des Neuro-Psychatrischen Krankenhauses "Borda" aus Buenos Aires (siehe unsere Specials) schon kostenlos Filme und Vorträge im Caixa Forum und passend dazu dann als Abschluss am Freitag das Konzert mit den beiden argentinischen Bands Golem System und Alcohol Fino. Los ging es ausnahmsweise schon um 20 Uhr, da der Sala Cibeles ab zwölf seine Pforten für die Party-Gesellschaft Barcelonas öffnen musste. Daher haben Alcohol Fino gegen 21 Uhr, mit Unterstützung mehrerer Mitglieder Guanduls, angefangen zu spielen. Mit ihrer Mischung aus Reaggae-Hip-Hop-Rumba-Rock hatten sie den Leuten schon ordentlich eingeheizt, so dass Golem System mit iheren "Trip Songs in Dub" nur noch das Ruder übernehmen mussten, um die Leute vollends zum Tanzen zu bringen. Bevor Golem System aber so richtig loslegen konnten, kamen noch zwei original argentinische Vertreter des Radio-Programms "La Colifata" aus dem "Borda" auf die Bühne, um selbstgschriebene Gedichte über das Leben als "Verrückter" vorzutragen. Danach legten Golem System so richtig los, waren aber gegen 23 Uhr auch schon wieder fertig, weil sie einen sogennanten "Freund" ankündigen wollten. Und wer konnte da nur auf die Bühne kommen mit seiner Akustik-Gitarre? Manu Chao natürlich, der ja immerhin der Leiter des ganzen Kreativ-Projekts ist. Der brachte den Saal dann, der wohlgemerkt kaum mehr als 300 Leuten Platz bot, zusammen mit den Colifata-Bands Alcohol Fino, Guandul, Golem System, Malaya, Sativa Reggae und Azai-Za vollends zum Kochen.

Das ganze wurde dann zu einer fetten Jam-Session, in der jeder das Mikro bekam und seine Version von "Bobby Marley" sang bzw. alle zusammen sangen oder einfach jeder Teile der eigenen Songs (wie "La Mañanita" von Guandul) zum besten gab. Da wurde also fleissig rumgejammt, bis es dann kurz vor 12 Uhr war, und der ganze Spass auch schon wieder, so schnell wie er angefangen hatte, vorbei war. Schade eigentlich, da ja die Manu Chao-Konzerte sonst immer bis in die Puppen gehen. Dafür ist er dann nach dem Konzert aber wieder lustig locker zwischen dem Publikum umhergelaufen, um sich mit allen möglichen Leuten zu unterhalten. Na wenn das mal nicht ein gelungenes Fest war, meine Herren....

Anne | Fr., 11. Jun 2004 | Konzertbericht

11.04.04 Kesselhaus
Nachdem Costo Rico aus Barcelona am Freitag nun schon gehörig das kleine Supamolly durchgerockt haben und die Party bis 4 Uhr nachts mit der Akkustik-Band „Los Exkisos“ und den Lucha Amada DJ´s weiterging, hatten sie am Sonntag gleich die Chance, ihr Können vor einem weitaus grösseren Publikum zu zeigen.

Und das gehörig! Nachdem sich das Kesselhaus mit seiner Besucherzahl diesmal selbst übertroffen hatte und die Leute sogar bis vor das Soda Schlange standen, um Sergent Garcia aus Paris zu sehen, wussten Costo Rico gekonnt die Meute mit ihrer grandiosen Mischung aus Katalonischer Rumba-Salsa-Reggea-Samba anzuheizen, wie es sonst kaum eine Vorband bei solch einem grossen Publikum schafft.

Nach einer Vorband, die auch genau so gut als Haupt-Gig hätte auftreten können, musste Sergento nur noch das Ruder übernehmen und den Leuten mit seiner gekonnten Mischung aus Show, Salsa, Rumba und äusserst gekonnten Tanzeinlagen einheizen.

Der Laden war am Kochen und es schien, dass sich ausnahmsweise wirklich mal eine Bewegung durch das gesamte Publikum zog. Da sogar der obere Teil des Kesselhauses diesmal auf war, konnte man die grandiose Show auch von oben richtig betrachten, wo ich nur zu sagen kann, dass Bruno Garcia wirklich genau weiss was er macht. Geniale tanzbare Musik, so gekonnt mit einer perfekten Show zu verbinden schaffen nicht viele heutzutage, aber hier stimmte wirklich jeder kleinste Step.

Sergent Garcia und seine Tänzerin plus seine zwei Tänzer zeigten, dass nicht nur das neue Album „La Semilla Escondida“ ein grosser Wurf ist, sondern dass die Band an sich an der Spitze der Latino-Salsa-Welle, die zur Zeit durch unsere Landen geht, steht. Da lohnt es sich auf jeden Fall auch 12 Euro dafür auszugeben.

Anne | Fr., 11. Jun 2004 | Konzertbericht

am 08..02.2004 im Magnet-Club
Skaquadrat beendeten ihre kleine Deutschlandtour am 08.02. im Magnet. Davor hatten sie auf ihrer Minireise 7 Städte besucht und unter anderem auch zusammen mit Spitfire aus St. Petersburg gerockt. Für den Sonntag nun, sie waren von ihrer Wochentour etwas geschwächt, standen Sunday Afternoon und Surfits aus Elmshorn als Support auf der Bühne. Bei einem Eintrittspreis von 5 Euro, war der Magnet-Club für einen Sonntag gut gefüllt.

Viele junge Skafans drängten sich auf der Tanzfläche und erwarteten Sunday Afternoon, die den Abend eröffneten.

Auch hier: Viele junge Leute, diesmal aber als Musiker auf der Bühne. Die 1998 in Königswusterhausen gegründete Band, bezeichnet ihren Musikstil selbst als SkaRockTanzmusik. Bei den ersten beiden Teilen der Beschreibung gebe ich ihnen noch Recht, aber wirklich tanzbar war es für mich nicht. Wie so oft, gab es aber trotzdem genug Leute, die sich der Musik hingaben und die Band sogar zu einer Zugabe auffordern konnten.

Für mich war noch nicht ganz klar, welche Band anschließend an der Reihe sein würde. Immerhin sind Surfits und Skaquadrat musikalisch mindestens auf demselben Level. Schließlich waren es Surfits, die als nächstes die Bühne bestiegen. Als diese Band letztes Jahr in Berlin war, habe ich ihr Konzert im Tommyhaus verpasst. Diesmal aber wollte ich sie mir nicht entgehen lassen. Es dauerte keine Minute bis sich die Leute, die sich für die kurze Umbaupause noch alle im Barbereich befanden, vor der Bühne versammelten und ihren Beinen freien Lauf ließen. Surfits wirkten auf mich sehr kraftvoll, wussten sich auf der Bühne in Szene zu setzen und ich bin der Meinung, das wirkte sich auch aufs Publikum aus. Wem die Surfits noch nichts sagen, der sollte sich folgendes vorstellen: Ska als Hauptelement und zwischendrin wird sich verschiedenster Elemente des Surf, Reggae und Rock bedient. Im Ganzen ergibt dieses dann eine wunderbare Tanzmusik. Schönes Konzert. Ein weiteres Kompliment geht an den Magnet Club für den unglaublichen Sound, der die Lautsprecherboxen verließ. Gut abgemischt, war jedes Element der Bands klar und deutlich zu hören.

Den Abschluss sollte dann also doch Skaquadrat machen. Die wohl jüngste Band des Abends, ist seit dem letztem Auftritt, den ich gesehen hatte sichtlich gereift. Mit schönem klassischen Ska rundeten sie das Konzert wunderbar ab. Zwar gab es noch einige Coverstücke in ihrer Setliste, etwas was ich persönlich nicht nicht immer so mag, doch die Party war in vollem Gange und es wurde bis kurz nach 00.00 Uhr gerockt. Auch wenn sich Skaquadrat jetzt wahrscheinlich eine kurze Pause gönnen werden, gibt es sicherlich noch viele Gelegenheiten diese gute Berliner Skaband in einem unserer vielen Clubs der Hauptstadt zu sehen.

Stefan | Mo., 01. Mär 2004 | Konzertbericht

2003

aus Mexico City waren im RAW-Tempel zu Besuch...

Tja, was soll man zu einer Band, die sich in kürzester Zeit in das Herz der Berliner Subkultur gespielt hat, noch großartig sagen, außer, dass der RAW-Tempel definitiv zu klein war für diese geniale Latin-Mex-Ska-Punk-Band aus Mexiko?

Andererseits ist das wiederum ein Indiz dafür, was für eine tolle Band Panteón Rococó ist. So gut, dass sich zwei Deutsche (Sarah Möckel und Stefan Schulte) dazu entschieden haben, einen Film über die Band und die Zapatisten- und Ska-Bewegung in Mexiko zu drehen, der dann vor dem Konzert zu sehen war (für diejenigen, die es geschafft haben, sich rechtzeitig einen Platz zu sichern und die angesichts der stehenden Luft im Ambulatorium nicht einen Hitzeschlag erlitten haben). Eine gute Einstimmung auf die Band, die sich 1995 zu fünft in Mexiko City gegründet hat und mittlerweile auf 11 Personen inklusive Bläser-Sektion angewachsen ist. In der Stenzer-Halle selbst wurde dann gefeiert und getanzt bis zum Abwinken und bis kein Tropfen Schweiß mehr den Körper verlassen wollte. Denn Panteón Rococó wissen die Massen zu mobilisieren. Und wer bei der Musik noch still stehen kann, hat keinen Rhythmus im Blut. Da der Ansturm allerdings so groß war, wurden aus dem darauf folgenden Konzert kurzerhand zwei gemacht und die Band spielte um 22.30 Uhr und 0.30 Uhr vor ausverkaufter Hütte (die Menschenmasssen schlängelten sich regelrecht durchs gesamte RAW Gelände, dass man hätte meinen können, das Konzert wäre umsonst gewesen, aber 6 € ist ja auch kein Preis)
Es war allerdings fast unmöglich der Show zweimal beizuwohnen, da die Einlasser ihren Job so Ernst nahmen, als wenn es gelte, die Stenzer-Halle vor Terroristen zu schützen. Und das, obwohl die Halle letztlich in Anbetracht der Massen vor, um und im RAW-Tempel gar nicht so voll war. Aber mit ein wenig krimineller Energie kommt man ja letztlich überall rein. Also, Jungs und Mädels, auf zum nächsten Konzert!

Autor: Anne

matthias | Mi., 31. Dez 2003 | Konzertbericht

vom 18.12.2003

Ahhh....so gefällt mir das. Gleich fängt das Konzert von The Bullocks und Peter and the Testtubebabes an, und ich pflanze meine Hintern erstmal auf den Stuhl meines Dönermanns des Vertrauens. Schöne Sache das. Während ich genußlich mein Bier öffne, frage ich mich: "Ob dit voll wird? Is ja immerhin dit Kesselhaus. Naja, is schon janzschön groß und der Eintritt, wie imma janzschön heftig!! " Zum Glück fängt ja kein Konzert pünktlich an, also kann ich mir noch gemütlich den Bauch vollschlagen.

Nun aber wirklich, ich schiebe meinen Schädel zum Eingang, der Rest wird schon folgen. Na dann mal rein, Bier ist hier teuer, also nicht gleich zur Bar.

THE BULLOCKS photo von www.thebullocks.de
Jetzt kommen die Bullocks. auf CD fand ich sie ja nicht vollkommen überzeugend, aber siehe da: Es gefällt mir doch. Bloß schade das hier nur halbe Auslastung an Zuschauern anwesend sind. naja, der Preis. immer das selbe Lied. Die Bullocks spielen sauber ihr Set. Immerhin seh ich da auch etwas Bewegung im Publikum - Wunderbar, scheint ja nen schönes Konzert zu werden. Immer nur meckern macht ja auch keinen Spaß.

Also mal abwarten, dann halt doch noch nen Bier von der Bar. Hat ja auch irgendwie was gemütliches so´n halb voller Konzertsaal. Heute ist freie Bewegung möglich. Nun kommen die Testtubebabes mit ihrem Peter. Beim Umbau konnte man schon ihre Verkleidungen bewundern. Passend zum Tournamen (the gayclub tour) hatten die Herrschaften ihr bäuche in Matrosen-, Hawai-, Mönchs- und was auch immer klamotten gezwängt. Schon witzig aus, aber ob das hilft?

Leider hats nicht geholfen. Das gefällt mir alles ganz und gar nicht. Neben einem gewöhnungsbedürftigen Rumkrakelen ins Mikrophon, hat der Sänger nur noch blöde Bemerkungen über die Fußballmacht England auf Lager. Auch das ständige Generve, ob denn nicht alle mal endlich ihre Weihnachtsgeschenke für ihn auf die Bühne werfen wollen, überzeugt die Augenzeugen nicht wirklich. 20 Leute tanzen (vermutlich hätten die auch zum Testton des Ohrenarztes gefeiert) und der Rest steht gelangweilt rum. Oder versucht vielleicht doch noch gefallen an diesem Auftritt zu finden. Ich habs auch versucht,...ging aber nicht. Schade! Fazit: The Bullocks alleine gerne, aber so brachte es einfach nicht viel.

matthias | Sa., 20. Dez 2003 | Konzertbericht

04.12.2003 / Sala Apolo / Barcelona

Am Donnerstag hatten 08001, das derzeit jüngste Kind der Barcelonischen Musikszene, zur Record Release Party ihres Erstlings "Raval Ta Joie" in den Sala Apolo geladen. Und in Anbetracht der endlos langen Gästeliste, die sämtliche"Berühmtheiten" der Barcelonischen Szene enthielt, war natürlich mit einem Konzert erlebnis vom Feinsten zu rechnen.

Vor dem Sala Apolo stauten sich die Leute trotz des Regens, so dass man meinte der nun weiss Gott nicht all zu grosse Saal müsste danach aus allen Nähten platzen, was sich allerdings dann doch in Grenzen hielt. Den Auftakt zum Konzert gab eine Hip-Hop Ghetto-Truppe, zu der sich dann kurzerhand auch noch die Sängerin von Ojos de Brujo dazugesellte, die sich ebenfalls im Publikum befand. Wie gesagt, die lange Gästeliste gegen 22.30 Uhr ging´s dann endlich mit dem los, worauf alle gewartet hatten. Die zwei eigens für das Konzert installierten Leinwände wurden angeworfen und liessen zuerst einmal Zahlenreihen durchlaufen, die schließlich auf 08001 stehenblieben, dann erneut zu RAVAL umschlugen, um danach auf TA JOIE anzuhalten. Und dann ging es auch schon mit voller Wucht los, leider ohne die zwei Hauptsänger, die allerdings halbnackt über die Leinwände flimmerten, da zu jedem Song Sequenzen der Sänger und Bilder aus dem Raval eingespielt wurden. Ein Hammer live Konzert. Was mich bei 08001 immer wieder beeindruckt ist, wie die an die 20 Mitglieder es schaffen, die unetrschiedlichsten Stile so gekonnt in einen absolut einzigartigen Klangteppich zu verwandeln. Gerade wo Flamenco, Rai, Trip Hop, Ragga und Dub nicht gerade Stile sind, die etwas mit einander zu tun haben. Aber hier fügt sich alles, auch die verschiedenen Sprachen (Spanisch, Französisch und Arabisch), perfekt zusammen. Lässt sich nur hoffen, dass die Jungs, nachdem sie in Spanien immer mehr Publikum anziehen, ihren Weg auch bald nach Deutschland finden.

Autor: Anne

mieschka | Mi., 10. Dez 2003 | Konzertbericht

im Hebbel Theater am 31.10.2003
Leningrad, die zweite Pleite?

Vielleicht kann sich ja noch jemand erinnern, ja damals vor noch nicht allzu langer Zeit, am 9. Mai diesen Jahres standen Leningrad schon einmal im Programm der gepflegten Berliner Unterhaltungswelt. Das Konzert wurde damals ohne Begründung abgesagt. Nicht unbedingt zu unserem Schaden, denn die Mad Caddies spielten zufällig am gleichen Tag. Wir hatten darüber berichtet.

Nun ist ein anderer Tag, ein anderer Ort aber die gleiche Band. Sollte dieses Stück gemäß den strengen Regeln des aristotelischen Theaters auch mit gleicher Handlung spielen? Es sieht fast so aus, denn wieder werden uns jede menge Steine in den Weg gelegt, bei dem Versuch, die wahnwitzigen St. Petersburger Ska-Polka-Punker endlich doch noch live zu erleben. Eingeladen zu einem offenbar kunstvoll geplanten Abend hat das Hebbel Theater am Halleschen Ufer. „Was?“ wird jetzt ein geistiger Aufschrei durch das Internet hallen, „Theater?“, „Wo soll das sein?“ usw. Ja der szeneerfahrene Musikfan wird die Gegend wahrscheinlich nur des Tommyhauses wegen kennen. Wer hätte schon gedacht, dass sich quer gegenüber, in direkter Linie hinter der Berliner SPD Zentrale verborgen, ein Theater versteckt, dass obendrein noch dabei ist, Musikgeschmack zu beweisen.

Leider macht bereits früh das Gerücht die Runde, das Konzert sei ausverkauft, was uns natürlich mitnichten davon abhält, unsere nun wieder so greifbar gewordene Chance am Schopfe zu fassen und trotzdem dort aufzukreuzen. Was müssen meine Augen leiden... Ein roter Teppich vor dem Eingang verursacht bereits die ersten Magenkrämpfe, dann die Bestätigung der Hiobsbotschaft vom Ausverkauf an der Abendkasse und als dann plötzlich die Türen aufschwingen und einen Cocktailkleidchen und Krawattennadel bewehrten Mob auskotzen, ist mir fast zu selbigem zumute. Wegen denen? DIE kaufen mir meine Karten unter dem faulen Hintern weg? Na das kann ja schön werden. Klar eigentlich, wer sonst besorgt sich Tickets für ein Punkkonzert im Vorverkauft, ohne dass die Band Namen wie „Die Ärzte“ oder „Die Toten Hosen“ (nur der Gerechtigkeit halber erwähnt) trägt. Die Intellektuellen und Kulturfuzzis also! Dazwischengestreut einige recht betrunkene russische Jugendliche, die sich alle Mühe geben, mithilfe selbst mitgebrachter Spirituosen noch betrunkener zu werden. Natürlich ist auch niemand zu finden, der noch Karten übrig hat, um diese im last minute Angebot noch anzubieten. Letztendlich ist man aber doch nicht ganz doof und schmuggelt sich irgendwie durch die Türkontrollen, (wer das genauer wissen will, kann ja mal per mail anfragen, ich mach dann gern ne Zeichnung) um in den edel wirkenden Theatersaal vorzudringen. Gerade noch kämpft man gegen den Drang an, sich einen Sitzplatz zu suchen und mit gedämpfter Stimme um eine Zigarette zu beten, da bemerkt man, dass erstens gar keine Sitzplätze da sind (immerhin) und außerdem Rauchverbot (Häh? Ach ja :Theater) herrscht. Und wo man schon gleich dabei ist: Es gibt außerdem nur draußen Toiletten, jenseits der Kartenkontrollen. Das ist aber gar nicht so schlimm, denn zu Trinken gibt’s auch nur draußen, das gleicht sich ja dann wieder aus. Nachdem es in diesem sog. kulturellen Etablissement aber wahrscheinlich sowieso nur Prosecco gibt, schließt sich der Kreis und wir bleiben einfach wo wir sind: bleiben nüchtern, rauchen nicht, stören das Showbiz nicht durch penetrantes aufs-Klo-rennen und sind auch sonst ein gepflegtes und vor allem gesundes Mitglied der Gesellschaft.

Bald schon geht das Konzert los und unsere russischen Freunde vom Einlass sind von den ersten Tönen an sofort auf Starkstrom gestellt. Irgendwie ein seltsames Bild. Leningrad, deren Mitglieder sich teilweise aus der Skapunkband Spitfire, ebenfalls aus St. Petersburg, rekrutieren, bringen insgesamt mindestens 13 Musiker auf der Bühne, inklusive der für die Balkanrocker charakteristischen Tuba und Pauke.Davor stehen ein paar wehrte Herren in schwarzen secret service Anzügen, die sämtliches Haar, dessen sie noch habhaft werden konnten, mit Literweise Gel getränkt tragen. Dann eine bunt durcheinandergewürfelte Gruppe Zuschauer: Eine Horde wild gestikulierender Jugendlicher, zum größten Teil der russischen Sprache mächtig, ein immerhin noch ansehnlicher Teil müßig mit der Hüfte wippender Erwachsener, denen die Hornbrillen unter der kritikverrunzelten Stirn festgefroren zu sein scheinen, und ein paar unverbesserliche Veteran-Intellektuelle, die völlig unpassend, krampfhaft versuchen, ihren von ansatzweise pogenden Jugendlichen bedrohten, angestammten Stehplatz in der dritten bis fünfen Reihe zu behaupten. Diese Zeitgenossen (oder sagt man da schon fast Lebensabschnittsgenossen) stammen offensichtlich von der Sorte Homo Sapiens ab, die sich gewöhnlich wochenlang damit brüsten, mal wieder eine neue Dauerkarte in dieser oder jener renommierten Lokalität ergattert zu haben und die auch ernsthaft Willens zu sein scheinen, genau DEN Stehplatz mit allen Mitteln zu verteidigen, über dem sich bei „regulären Veranstaltungen“ ihr extra reservierter Sitzplatz befindet. Einer dieser Sitzplätze mit eingebauter Rückenheizung, gegen das Rheuma... Jedenfalls hat es besagter Opa nicht leicht, angesichts des immer dichter werdenden Gedrängels, weiterhin einen souveränen Eindruck auf seine um Jahre jüngere Begleitung zu machen. Spätesten nach drei Liedern ist der sauber entfusselte Rollkragenpulli verrutscht, das Lächeln wirkt nur noch gequält und Sprüche die eigentlich Insiderwissen suggerieren sollen, verfehlen ganz offensichtlich ihre Wirkung: „Es gibt durchaus Rockmusik, die mir gefällt. Aber meine Musikerfahrung bezieht sich ja mehr auf Klassik und Jazz...“ Was macht er dann hier, frage ich mich. Allein wie dieser Altjuppie das Wort „Rockmusik“ betont, klingt es nach zwei Wochen alten „Dritten“ ohne Kukidentbehandlung. Ein Wunder dass er Jazz als „Tschäß“ ausspricht und nicht wie geschrieben „Jazz“ wenn ihr wisst was ich meine. Trotzdem bewahrt seine Altmodischkeit Haltung und bleibt bis fast zum Schluß unbequem aber trotzig vorne stehen.
Der jüngere Rest des Saals hat in der Zwischenzeit so viel Spaß wie möglich. Dirigiert durch das hölzerne Samurai Schwert von Sänger Sergey Shnurov ("Shnur") wird gehüpft, gepogt, gefeiert, bis ... Ja bis die Band nach 30 Minuten plötzlich die Bühne verlässt. Irritierte Ruhe macht sich breit. Mal wieder so ein Theater gag? Pause während des Konzerts? Dann betritt ein Anzug die Bühne. Die buschig nach Hinten geföhnte André Rieu Frisur soll wohl künstlerisch wirken. Er geht ans Mikro.

Wahrscheinlich kennen einige von Euch das Dilemma bei vielen Konzerten vor dem angeblich so wählerischen Berliner Publikum: Ein riesen Konzertsaal, eine tolle Band und trotzdem stehen die „Zuschauer“ irgendwo hinten im Halbdunkel oder gleich an der Bar und beschäftigen sich eindringlich mit diversen Bierflaschen anstatt zu tanzen. Meist versucht eine Band diese Tanzfaulheit dann mit den immer gleichen Sprüchen wie „Kommt doch mal näher, wir beißen nicht“ zu übertölpeln.

Tja, im Hebbel Theater nicht! Im Gegenteil: „Ich bitten einen Moment um Ruhe“ schallt es aus dem Pinguin heraus „Wenn Sie tanzen wollen, gehen Sie bitte 4 Meter von der Bühne zurück!“ Das hat die Welt noch nicht gesehen. „Wenn sie Tanzen wollen, gehen Sie zurück oder wir müssen Absperrgitter verwenden.“ Müssen sie dann selbstverständlich auch! Wieder was zu tun für die Security. Wo die wohl so schnell die Absperrgitter her haben? Nur zur Erklärung: Die Veranstalter hatten während des ersten Teils des Konzerts offenbar bemerkt, (schlau!) dass die vordersten Reihen auf dem mit einer Platte abgedeckten Orchestergraben (ja, so was gibt es halt in einem Theater) standen und hüpften, der logischerweise zu vibrieren begann. Nun hat wohl irgendein findiger Mitarbeiter die Theatereigene Versicherungspolice durchgelesen, um zu sehen, wer haftet, wenn die Platte einbricht und die Konzertbesucher abstürzen. Daraufhin hat wohl jemand richtig Kopfschmerzen bekommen und befohlen, diese leichtsinnigen Jugendlichen da runter zu holen. Tolle Idee. So langsam frage ich mich, wie die Veranstalter sich wohl ursprünglich dieses Konzert vorgestellt hatten: Proseccoglas tragende Diskussionsrunden im Zuschauerraum??? Jedenfalls hätte sich das Theaterteam ruhig vorher mal eine Platte machen können oder die schon vorhandene Platte über dem Orchestergraben einfach verstärken können. Immerhin begreift sich das Hebbel Theater nach der Wiedereröffnung in drei Häusern ja großkotzig als „Kreativ-Pool“ in dem alle möglichen Künstlergruppen voneinander lernen sollen und gemeinsam aktiv werden sollen. So steht es auf der neuen Internetseite. (www.hebbel-am-ufer.de) Matthias „Lilienthal, [künstlerische Leitung des Hebbel Theaters] der zuletzt das internationale Festival ´Theater der Welt´ 2002 in Köln, Bonn, Duisburg und Düsseldorf leitete, hat mit seinem damaligen Credo, dass er ´eine hysterische Sehnsucht nach Realität´ habe, den Horizont seiner Arbeit umrissen.“ Na dann herzlich willkommen!!
Nach der Pause geht das Konzert dann mit professionellem Security-Bereich vor der Bühne weiter und es wird trotzdem noch ein richtig lustiger Abend. Irgendwann trete ich Wladimir Kaminer auf den Fuß, der sich unbemerkt neben mich gestellt hatte. Er hat sich übrigens nicht entschuldigt. Die Zweite Pause kann dann nach einer weiteren halben Stunde auch niemandem mehr die Laune verderben. Auch nicht, die nach ewigen Applaustiraden nach dem dritten Teil doch verweigerte Zugabe. Als dann am Ende eine Leinwand heruntergelassen wird und ein mit lustiger Musik unterlegter unlustiger Film gezeigt wird, löst sich die Versammlung langsam auf und weicht wieder den mit künstlerischem Anspruch gesegneten Jan-Uwes, Maltes und Kunigundes. Für uns wird es auch langsam höchste Zeit: Wer hält das schon aus, einen dreiteiligen Konzertmaraton ohne einen einzigen Schluck zu trinken, aber glücklicherweise ist die Linie 1 ja nicht weit weg, und da gibts Bier, endlich.

Krizn | Do., 20. Nov 2003 | Konzertbericht

Sidecar in Barcelona am 22.10.03

Wie jeden Mittwoch war Wagner Pa (letztes Jahr auch bei der Popdeurope in Berlin zu bewundern) im Sidecar, einem kleinen Club am Placa Reial, anzutreffen. Hier erfreut er regelmässig die Leute mit seinem Rumba-Samba-Afro-Techno aus der Dose.

Diesen Mittwoch gab es aber ein besonderes Highlight, denn diesmal legte Wagner nicht nur auf, sondern rockte auch gleich noch mit seiner Band Brazuca Matraca das kleine Sidecar. Und wie! Was als Jam-Session eher ruhig anfing, ging in Reggae, Funk, Rumba, Rock bis letzlich in eine fette Samba-Session über. Wagner Pa verschwand zwischendurch ab und zu im Publikum, um sich einen neuen Joint zu besorgen, und um dann wieder mit seiner unverkennbaren Stimme die Leute mit seinen Hymnen zu erfreuen. Anlässlich der neuen Platte gab es natürlich viel neues Material zu hören, aber die Hits der letzten Platte "Brazuca Matraca" setzten die Leute natürlich vollends in Bewegung und es wurde kräftig mitgesungen. Erstaunlich, was der Mann so alles drauf hat! Auf jeden Fall steckt in ihm ein weitaus grösseres Potenzial, als sich auf seinen Platten abzeichnet. Denn trotz seines Bekanntheitsgrades, den er mittlerweile schon hat, ist er überaus sympathisch und kein bisschen menschenscheu. Und ein Kozert für 5 Euro spricht ja für sich. Also, wer die Möglichkeit hat, sich Wagner Pa in irgendeiner Form anzuschauen, der sollte die Gelegenheit beim Schopfe packen. Der Mann weiss wirklich, was Musik ist!

Anne | Do., 30. Okt 2003 | Konzertbericht

am 24.10.2003 im Zapata
Meuterei im Tacheles.

Schätzungsweise 250 Leute tummeln sich im Zapata, dem kleinen Café im Erdgeschoss des 1989 besetzten Hauses. Mittlerweile ist die Künstlergemeinde aus dem Tacheles nicht mehr wegzudenken. Genau wie die Damen, die sich die Füße in die Westerntaille stehen, gehört das Künstlerhaus zum Erscheinungsbild der Oranienburger Strasse. Das Café ist gut besucht. Durch die Bevorzugung der Frauen, die einen Euro weniger bezahlen brauchen, kommt es zu einer ausgeglichenen Mischung zwischen Männchen und Weibchen.

In dem Café befinden sich ein paar Monitore, die teilweise in alte Flipperautomaten eingebaut sind. Mit den Rechnern kann der Besucher kostenlos ins Internet gehen. Über der Bar ist ein aus Metall gefertigter Drache montiert, der in unregelmäßigen Abständen Feuer über die tanzende Menge sprüht. In dem hohen Raum sieht man weit oben dicht unter der Decke die DJ`s und Techniker stehen, die ihre eigene Party feiern.

Auf der Bühne stehen Plan9 und erzählen eine Geschichte über einen Gestrandeten, der - auf der Suche nach seiner Liebe - durch die Gegend irrt. Musikalisch wird das ganze untermalt durch akkurate Surfmusik, der - subjektiv gesehen - etwas mehr Abwechslung gut tun würde. Doch den Gästen gefällt es und so erzählen Plan9 aus Berlin ihr Geschichte weiter. Surfmusik à la Pulp Fiction, Ska-Einlagen und zwischendurch wieder ein neues Abenteuer des Gestrandeten. Als sich das Konzert dem Ende neigt, lassen die Musiker sich nicht lange bitten und geben eine Zugabe.

Nun gilt es die Bar zu stürmen. Die Leute regenerieren sich etwas und es wird weiter gesurft, jetzt aber im Internet.

Lange, leider viel zu lange, lassen Yellow Cap auf sich warten. Dann geht’s los. Die Tanzfläche des Tacheles wird nun vollständig ausgenutzt.

Die Leute sind sofort aus dem Häuschen. Erstaunlich individuell zeigen sich die Görlitzer bereits in ihrer Liederwahl. Die Songliste wird nicht wie gewohnt runtergerasselt. Es wird sich Zeit genommen, um experimentelle Musikeinlagen zu präsentieren. Die 9 Musiker machen sowohl live als auch auf ihrem Debutalbum einen souveränen Eindruck. Die 3 Bläser im szeneüblichen Dress bieten Blasmusik vom Feinsten. Der Sänger beweist sehr viel Geschick im Umgang mit seiner Stimme. Die schwungvollen Lieder lassen einen das Scheißwetter vergessen. Außerhalb der Bühne wird getanzt, wo Platz ist. Es hat schon etwas von einer Après-Skiparty. Wie in einem R`n`B Video versuchen zwei Paarungswillige ohne jegliches Rhythmusgefühl auf der Bar zu tanzen und werden auch noch von anderen angefeuert. Wie peinlich! Doch das schadet nicht der Stimmung vor und auf der Bühne. Jetzt springen die Leute hoch in die Luft. Denn mittlerweile spielen Yellow Cap „Mr. Brown.“... Und anscheinend habe nicht nur ich auf das Lied gewartet. Der Song schlägt ein, wie eine Bombe! Die Leute schwitzen, verkippen ihre Biere und verbrennen andere Leute sogar mit ihren Zigaretten. Doch das scheint niemanden zu stören. Es gibt keine Meinungsverschiedenheiten im Publikum, keine Pöbeleien, wie man es bei anderen Konzerten leider immer wieder erleben muss. Bei dem Auftritt von Yellow Cap ist das anders. Es herrscht eine ausgeglichene und trotzdem aufgeheizte Atmosphäre. Die Stimmung befindet sich auf dem Höhepunkt, als die Band zum Abschluss des Abends eine Endlosversion des Klassikers „A Message To You“ bringt. Die Bläser steigen von der Bühne, laufen durch die tanzende Menschenmenge und spielen immer weiter auf ihren Instrumenten. Währendessen animiert der Sänger auf der Bühne das Publikum zum Mitsingen. Immer wieder verlangen die Leute nach weiteren Zugaben und auch die Band möchte gar nicht mehr aufhören. Doch irgendwann geht jedes Konzert mal zu Ende. Für mich steht fest, dass Yellow Cap mit ihrem Auftritt ihre Message 100%ig vermittelt haben.

Autor: Uta

Gast | Do., 30. Okt 2003 | Konzertbericht

03.10.2003, Kalkscheune

Mit großer Plattenfirma im Rücken und im Rahmen einer Newcomervorstellung der selbigen war es also wieder mal soweit, daß sich die Jungs aus Köln und Umgebung in unserem schönen Städtchen blicken ließen. Ursprünglich sollte das Konzert im Kesselhaus stattfinden - ohne ETWAS. Ursprünglich sollte aber auch ihr neues Album DEZIBELKARATE am 6.10.2003 in den Läden stehen. Durch widrige Umstände ist der Releasetermin aber nun auf Mitte Januar verschoben worden und um die Fans in der Hauptstadt aber nicht ganz im Stich zu lassen, kam man also trotzdem nach Berlin.

Auf der Homepage stellte man im Vorfeld gleich klar, daß es sich um eine Veranstaltung der Plattenfirma handele und man voraussichtlich nicht länger als 45 Minuten spielen könne. Egal. Konzerte der Wohlstandkinder sind immer ein Erlebnis & so ließ ich es mir nicht nehmen, mich auf den Weg in die Kalkscheune zu machen. Kalkscheune!? Ob das passen würde? Vor ein paar Jahren habe ich dort einmal die Show BUKOWSKI WAITS FOR US gesehen. Also Texte von CHARLES BUKOWSKI und Musik von TOM WAITS. Immer abwechselnd. Ein Ort, den ich in Erinnerung hatte, wo man schön am Tisch sitzt, Wein bzw. Bier trinkt und alles etwas ruhiger angehen lässt. Dort ein Rockkonzert? Aber da habe ich die Räumlichkeiten der Kalkscheune wohl ein wenig unterschätzt. Später stelle ich nämlich fest, daß es dort noch mindestens einen Partykeller und eine weitere Etage gibt. Nun gut.

Etwas
Draußen stehen schon die ersten bunthaarigen Teenager und meckern über den Eintrittspreis von 7 Euro. Dass es noch eine weitere Vorband geben sollte wusste ich, aber wer das sein sollte nicht. Also rein ins Vergnügen und „OHA“ - aus dem Raum kann man ja einen richtig schönen Konzertraum machen. Nicht schlecht. Erstaunlich jung das Publikum, welches dort durch die Gegend watschelte - ja und dann erzählt mir auch jemand warum.Also Vorband sollte ETWAS fungieren.

Vorher noch nie etwas (Huhu, wie lustig! - Anm. d. T.) von denen gehört . Da ich ja aber keinen Fernseher besitze und schon gar nicht MTVIVA schauen würde, konnte ich das auch gar nicht. ETWAS sind schon etwas (Hehe, ich hau mich weg - Anm. d. T.) bekannter. Sie haben gerade einen Hit namens „Ich zieh mich vor Dir aus“, der auf besagten TV-Stationen momentan auf Rotation läuft. Ich lasse mir erzählen, daß es sich bei der 16-jährigen Frontfrau, sagen wir besser Frontmädchen, um die Tochter eines PRINZEN-Mitglieds (die „Band aus Leipzig“) handelt. Naja, was Beziehungen so alles so ausmachen können. Aber egal. Man soll ja nicht vorschnell urteilen & so war ich gespannt wie ein Flitzebogen, was da auf mich zukommen mochte.
O.k., es ging los. Kurzbeschreibung gefällig? Sie - im punkigen Outfit und durchaus bemüht, das Publikum durch Ansagen und Showeinlagen zu unterhalten. Er, der 1. Gitarrist, sieht aus wie ein Gymnasiast der 12. Klasse, was er wahrscheinlich auch ist, macht Bewegungen und einen Eindruck, als würde er bei einer Schulabschlussfeier oder in seinem Dorf in einem Jugendclub auftreten. Ja und während ich mir das so überlege, denke ich, daß die Band dort auch zweifelsohne besser aufgehoben wäre. Gitarrist Nummer 2 und der Schlagzeuger rocken eigentlich ganz gut zusammen, hauen mich aber nicht unbedingt vom Hocker. Gegenüber den anderen beiden, sind sie in etwa 2 Jahre weiter und haben bestimmt schon mal in einer Band gespielt. Das Gefühl habe ich zumindest. Ob das aber ausreicht, im Fernsehen rauf und runter gespielt zu werden? Man sagt mir, daß die beiden eigentlich auch gar nicht wirklich zur Band gehören und eingekauft wären. Was soll denn das jetzt? Da sieht man schön die Wege der Marketingabteilungen in den Plattenfirmen. Will man hier einen auf WHITE STRIPES machen? Oder SPILLSBURY? Ein Mann plus eine Frau gleich Rock, gleich Erfolgsgarant? In der DSDS-Gesellschaft sicher nicht undenkbar. Leider.
Dem Publikum scheint das nicht viel auszumachen. Sie tanzen, haben Spaß. Naja. Sollen sie ihn haben. Der Gymnasiastengitarrist schnappt sich noch mal kurz einen Barhocker und trällert auf einer Akustikgitarre mit Bandbegleitung ein Liedchen herunter, um zu zeigen, daß man auch ruhige Töne anschlagen kann, dann der vermeintliche Hit, dann noch ein paar Lieder und dann ist Schluss. Ich bin mir sicher, die Band wird genauso schnell in der Versenkung verschwinden, wie sie aufgetaucht ist.

Wie lieb sind mir da die Bands, die sich über Jahre ein Publikum erspielt haben. Die können dann auch spielen. Sowohl ihre Instrumente als auch mit dem Publikum. Mit einem Augenzwinkern Dir Lügen erzählen. „Ehrliche Lügner“ sozusagen. Unterhalten. Und das können die WOHLSTANDSKINDER richtig gut. Und deshalb haben sie es verdammt noch mal auch verdient, einen Majordeal bekommen zu haben. Ob das aber ihre neuen „Chefs“ auch zu schätzen wissen, wird sich wohl erst noch herausstellen. Vor allem, wenn sie mitbekommen, daß sie sich eine Band geholt haben, die sie nicht großartig formen können. Wenn überhaupt. Die eigenständig ist und weiß, wo sie hin wollen. Hoffentlich bricht ihnen das aber nicht das Genick.

Denn zurück können und wollen sie wahrscheinlich auch nicht mehr. Aber warten wir erstmal ab. Noch steht man ja am Anfang einer, hoffentlich fruchtbaren Zusammenarbeit. Mitarbeiter des Labels waren an diesem Abend sicher auch anwesend, schließlich hatten sie diesen Abend hier auch organisiert. Nicht nur das Konzert. Im Discoraum im Keller gab es später noch Previews für demnächst erscheinende DVDs zu sehen. Unter anderem von BLINK 182 usw. Und ihnen gaben die WOHLSTANDSKINDER eine gute Visitenkarte ab.

Los ging es mit einem schicken Intro vom Silberling und die Show begann. Ja was soll ich jetzt großartig dazu sagen? Jeder, der schon mal ein Konzert mit ihnen erlebt hat, weiß was jetzt kam. Bunt gemischt, wurden von jedem, bis auf das erste, Album Songs gespielt, wobei natürlich die der letzteren Alben den größeren Teil ausmachten. Das schöne an einem WSK-Konzert ist, daß die Songs jedes Mal anders klingen. Sänger Honululu Silver variiert mit seiner hervorragenden Stimme, daß es eine wahre Freude ist. Der Mann KANN singen. Und Caddy KANN Schlagzeug spielen. Türk KANN Gitarre spielen und Raki KANN Bass spielen. Und allesamt KÖNNEN posen. Und alles zusammen SIND sie eine Band.
Der gute Sound und die witzigen Ansagen ergaben ihr übriges. Eigentlich dachte ich, daß sie zum „Festtag“ mal wieder in ihrer Uraltklamottenkiste gekramt hätten und dem Publikum den Song „Tag der deutschen Einheit“ präsentieren würden. Kam aber leider nicht. Schade. Hätte gepasst. Oder vielleicht auch nicht.
Auf jeden Fall wurden aus den ursprünglich gedachten 45 Minuten fast 80. Das zeigt doch, daß die Band ihren Spaß hatte. Genau wie die werte Zuhörerschaft. Zu hören gab es unter anderem auch schon mal einen Song vom neuen Album. Nämlich „Kein Radiosong“. Ein Lied, welches die erste Singleauskopplung sein soll. Ein bisschen ruhig fand ich. Nicht schlecht. Aber der Hit isses für mich noch nicht. Mal sehen. Kommt vielleicht noch. Muss man wahrscheinlich noch mal genauer hören. Bis Januar oder November, wenn die Single erscheint, ist ja noch ein wenig Zeit. Zum Schluß dann das übliche „Wir sehen uns in Las Vegas wieder“ und dann musste ich mich auch schon wieder auf den Weg machen. Ein wenig Schlaf kriegen, denn um 6 Uhr früh war „Working Class“ angesagt.
Beim putzen, kurz vor Dienstschluss lief nebenher MTV und was sehe ich? ETWAS! „Ich zieh mich vor Dir aus….“ Hehe, doch lustig, wie sehr einen doch so etwas freut, wenn man die Band am Abend zuvor noch live gesehen hat. Hoffentlich passiert das mit „Kein Radiosong“ auch. Denn erstens macht das putzen dann bestimmt doppelt so viel Spaß und zweitens, wie gesagt - gönnen würde ich es ihnen.

mieschka | Mo., 20. Okt 2003 | Konzertbericht

Das dritte Konzert in einer Woche. Sowas ist wohl fast nur in Berlin möglich. Eigentlich nicht schlecht. Wenn man aber einen Job hat, bei dem man früh aufstehen muss, nicht immer vorteilhaft. Ich hatte in den letzten Tagen doch schon so wenig geschlafen. Eigentlich wollte ich auch gar nicht erst hin. Nach dem MOVEMENT-Konzert in der letzten Woche meinte aber Archi von der TERRORGRUPPE, daß man sich SCHROTTGRENZE unbedingt anschauen müsse, weil sie mächtig rocken. Im Jahre 1997 waren sie schon mal gemeinsam auf Tour.

Die TERRORGRUPPE mit ihrem 2. Longplayer und SCHROTTGRENZE mit ihrem Debütalbum „Auf die Bärte, fertig, los!“. Ein Album, welches vor (vor)pubertären Texten nur so strotzt. Nichtsdestotrotz sind aber auch einige Hits auf der Platte vertreten. Allerdings besaß ich eben nur diese Platte und ihre erste (auch nicht umwerfende) Single und muss zugeben, nicht unbedingt DER Fan der Band gewesen zu sein.

Seit 2000 in etwas, glaube ich, war es dann eine Weile ruhig um die Jungs aus Hamburg. Unter anderem auch deshalb, weil Gitarrist Timo nach Berlin ging, beim Major UNIVERSAL als A & R anheuerte und dort u.a. die die befreundeten WOHLSTANDKINDER unterbrachte. Ja, ja, Vitamin B. Es geht nicht ohne. Als es aber Umstrukturierungen innerhalb der Plattenfirma gab (Klar, Einsparungen…) wurde Timo gefeuert und er ging zurück nach Hamburg. Eine Prima Basis also, mit der Band weiter zu machen. Und Anfang dieses Jahres platzte dann die Bombe, daß SCHROTTGRENZE zurück seien. Überall wurde ihr neues Album „Vaganten und Renegaten“ in den Himmel gelobt und gleich wurden auch wieder ein paar Konzerte gespielt u.a. auch mit der TERRORGRUPPE. Da schließt sich also der Kreis.
Neben der interessanten Tatsache, daß bei SCHROTTGRENZE die meisten Lieder vom Drummer gesungen werden, was ich mir eigentlich unbedingt anschauen musste, lockte auch der leckere, einzigartige, unvergleichliche Frozen „Waldfrucht“ Margherita, den es im WILD AT HEART gibt. Wenn Ihr je in der Nähe des Clubs seid, dann geht nicht dran vorbei. Erstens kann man bei den dort spielenden Bands fast nie etwas falsch machen & zweitens müsst Ihr unbedingt diesen Drink probieren. Ihr werdet ihn lieben. Aber Vorsicht, er macht süchtig. Noch auf dem Rückweg vom Radiosender überlege ich mir also, ob ich überhaupt dort hingehen sollte. Letztendlich siegt dann aber doch die Neugier und ich mache mich auf den Weg ins Wild at Heart.

Es ist Donnerstag & nicht so viel los. Auf der Bühne rocken schon die XARECROWS. Eigentlich eine gute Band. Nur spielen sie mir in letzter Zeit zu oft in Berlin. Die sollten mal raus kommen. Dann könnte durchaus etwas Großes aus ihnen werden. Das Potential haben sie. Nur was ich aber von ihnen und ihren Manageraktivitäten gehört habe, finde ich nicht so toll. Das gehört hier aber nicht her und wer weiß, was da Wahres dran ist. Dem überwiegend jungen Publikum scheint es auch zu gefallen. Es wird ordentlich das Tanzbein geschwungen. Nach den 4 Liedern, die ich noch mitbekomme ist es aber auch schon vorbei. Noch aktuell ist übrigens ihr Album „Kaffee, Bier und Schokoküsse“. Das kann man auf ihrer Homepage bestellen oder auf ihren Konzerten erwerben. Es ist nicht schlecht.
Dann aber SCHROTTGRENZE. Und wahrhaftig. Es geht unheimlich ab. Leider verpasse ich die ersten 3-4 Lieder, weil ich mich mit Lea fest quatsche. Im November soll der erste Teil der WILD AT HEART –LIVE RECORDING SESSION herauskommen. Soweit ich weiß mit ADAM WEST und ZEKE. Letzte Woche wurden ja auch THE MOVEMENT und die LURKERS aufgenommen, welche dann auch irgendwann erscheinen sollen. Haltet also die Augen auf. Ihr unterstützt den Club und bekommt auch noch saugute Musik.
Aber zurück zum Konzert. Eine gewisse musikalische Stilverwandtschaft zu den WOHLSTANDSKINDERN kann man nicht ganz abstreiten. Wobei bei SCHROTTGRENZE etwas weniger Wert auf Entertainment legen und eher durch ihre „Einfachheit“ überzeugen. Das tut der Band aber gut. So stehen sie nicht als Kopie der Band aus Köln dar. Unglaublich, wie es Alex, der Drummer, schafft, bei dem Tempo so zuckersüß zu singen. Ab und zu übernimmt auch Timo den Part als Sänger und einmal ist der Rest der Band auch ganz Still als Alex nur zur Gitarre von Timo einen Song singt. Es passt einfach und klingt gut. Das hätte ich nach dem ersten Album und der ersten Single, welche ich bis heute auch nur kenne, nicht erwartet. Schön zu sehen, daß es Bands, mit denen man aufgewachsen ist, mit denen man zusammen gespielt hat immer noch gibt.

Nach etwas mehr als einer Stunde ist dann aber auch Schluss und ich unterhalte mich noch ein wenig mit Timo. Er erzählt, daß die große „Reunion“ gar nicht geplant war. Man hatte einfach noch so viele Stücke gehabt und diese wollte man unbedingt noch veröffentlichen. Dann kam das erste Konzertangebot… Tja und dann ging es immer weiter.
Mal sehen, was die Zukunft bringt. Neue Platte? Neue Tour? So lange SCHROTTGRENZE aber nicht in Richtung HAMBURGER SCHULE mutiert, werde ich immer wieder kommen. Wie man sich täuschen kann. Die Band hat jetzt einen Fan mehr.
Morgens ging es dann natürlich mit entsprechenden Klüsen zur Arbeit. Aber es hat sich gelohnt. Ein prima Abend.

mieschka | Mo., 20. Okt 2003 | Konzertbericht

vom 04.10.2003

Power-Mod-Punk-Rock Massenauflauf !

Regen, Regen, Regen. Ein Hoch auf die BVG!! Man muß es ja mal festhalten, die Jungs unterstützen all meine Konzertgehambitionen. Der Bus hielt direkt vorm Wild at Heart, wunderbar! Also schnell rein, bevor die Haare klitschnaß an der Stirn kleben. Power ohne Ende versprach alleine die extrem überfüllte Atmosphäre des feinen Wild at Heart.

Als Vorband gastierten die sympatische
Curlee Wurlee (60’s Powerpop/Solingen). Feine Musik, die wirklich Spaß macht. Leider war einfach kein Platz für irgendeine Körperbewegung. Naja, auf jedenfall konnte ich vom Barhocker aus was sehen. Auch der Rest des Publikums schien ganz angetan zu sein. Die sicherlich Man-sieht-die-super-aus! Bekundungen spar ich mir, immerhin weiß die Musik zu begeistern. Danke! Die neue 4 tracks Picture Disc SOS Mesdemoiselles gibts bei:
Butterfly-Records.

Nun waren die berühmten Umbauminuten an der Reihe und ich bekam das seltsame Vergnügen die bisherige Tanzleistung der Leute direkt feststellen zu dürfen. Auf Grund des absolut ausverkauften und überfüllten Ladens quetschten sich die Massen an einem vorbei. Irgendwie war der Gang zu schmahl oder die Bäuche zu ausladend, jedenfalls sammelte mein Rücken mindestens 50 verschiedene Schweißproben. Wunderbar! Toll! Das ist einfach lecker!

Egal, nun kamen The Movement.

Punk-Rock-Mod mit Ska - Elementen aus Kopenhagen (Dänemark) mit politischer Aussage und Sinn für die Arbeiterklasse, ohne sich vor irgendeinen Karren irgendeiner Partei oder Organisation spannen zu lassen. So definieren sich die 3 Dänen selbst. Kann denn bei solchem Anspruch die Musik noch einfach Spaß machen??
Jupp, funzt!!! Sogar wunderbar.

Da war einfach richtig Kraft und Begeisterung auf der Bühne und die Meute feierte auch ordentlich dazu. Leider ziemlich beengt. Die Band muß auf der Bühne im puren Schweiß gestanden haben. Das waren einfach unmenschliche Temperaturen, jede Laborratte wär befreit worden, aber wer Punk-Rock-Mod macht, muß da wohl durch. Großen Respekt dafür. Jede Nummer paßte und die Temperatur stieg. Gute Stimmung, feine Musik - was will man mehr?!?
Es wurde sogar beobachtet, das der Weg von der Bühne am Ende des Konzerts nicht wirklich erleichtert wurde. Da schienen wohl manche nicht genug bekommen zu haben.

Ansonsten war es ein einfach wunderbares Konzert, das richtig Spaß gemacht hat. Das Wild at Heart ist seinem guten Ruf mal wieder voll gerecht geworden.

mieschka | Mo., 20. Okt 2003 | Konzertbericht

Ska mal anders
im Kurt Lade Klub am 19.09.2003

Nach unserem Interview mit Radium 3000 waren wir schon etwas neugierig auf ihre Show zwei Tage später. Daraufhin fuhren wir also am 19.09. nach Pankow in den Kurt Lade Klub.

Der Kurt Lade Klub an sich ist eigentlich eine sehr gemütliche Einrichtung. Jedoch nerven die an allen Ecken und Enden angebrachten Hinweisschilder, die den Clubbereich als antifaschistisches Sperrgebiet ausweisen. Das wäre eigentlich keine schlechte Sache - nicht das wir uns da falsch verstehen - aber die penetranten Slogans auf den Plakaten sind teilweise etwas übertrieben.
Trotzdem ist der Kurt Lade Klub ein sehr angenehmer Ort für kleine Konzerte und Partys. Neben dem einladenden, kleinen, bunten Haus, das in dieser doch sehr noblen Gegend heraussticht, gibt es auf dem Hof eine schöne, große Bar - irgendwie urig anzusehen, mit ihrem hölzernen Design, wie bei Hans dem Holzfäller zuhause, aber ohne Flanellhemd - an der man sich zwischen billigem Bier oder etwas warmem zu essen entscheiden kann. Natürlich ginge auch beides. Der Raum für das Konzert fällt zwar relativ klein aus, aber solange an Werbung gespart wird, ist der völlig ausreichend.

Es hatte etwas von Wohnzimmer Atmosphäre. Nach endlosem Soundcheck, O.K. vielleicht waren wir auch ein paar Stunden zu früh da, begann Hans Der Kleingärtner. Gehört hatte ich bereits von der Band, gesehen hatte ich sie noch nicht. Aber mit dem Namen assoziierte ich mehrere Vorstellungen, bis hin zu einem Einzelkämpfer, der entweder alle Instrumente selbst bedient, oder sich aller bis auf seine „full-riddim- Heckenschere“ entledigt. Doch meine wüsten Phantasien gingen fehl.
In das rauchige Zwielicht des Abends trat eine ganz normale Combo, mit 3 Bläsern und allem anderem, was eine komplette Band ausmacht. Ein sehr jung aussehender, mit Zahnpiercing bestückter Sänger eröffnete das Konzert ...
und überzeugte mich ab dem ersten Lied. Da hatte mich mein erster Eindruck aber wieder ganz schlitzohrig hinters Licht geführt. Der Sound fegte mich annähernd von den Socken. Ich liebe es, wenn Bands versuchen Ska, Reggae und auch Dancehall unter einen Hut zubekommen. Und zum größten Teil haben sie das auch geschafft.
Bedenkt man, dass es die Band erst seit 2000 gibt, stellt man fest, dass der Auftritt dafür überdurchschnittlich gut war, und ich gehe davon aus, dass wir noch viele gute Konzerte, auch in größeren Locations von ihnen erwarten können.

Kaum hatte ich mich an die filigranen Klänge gewöhnt, fiel quasi der Vorhang und die Pausenglocke läutete. Aber hinsichtlich der billigen Bierpreise, war es kein Problem diese zu überbrücken.

Wer sich des öfteren auf einem Skakonzert einfindet, dem sei gesagt, Offbeat gibt es bei Radium3000 auch, doch, und das ist wohl das ungewöhnliche, statt Blechblasinstrumenten werden hier Klarinetten eingesetzt. Daraus ergibt sich ein sehr angenehmer Sound. Aber Radium bietet nicht nur simplen Offbeat - das wäre der Band wohl auch etwas zu einseitig - man bekommt auch Reggae und sogar Rock geboten.
Ein Konzert von Radium 3000 sollte sich auf jeden Fall keiner entgehen lassen, der aufgeschlossen ist für neue Einflüsse und nicht allzu sehr auf seinem altbackenen, traditionellen Ska-Sound besteht. Denn es ist schon ein Ska-Konzert der etwas anderen Art. Zumindest den etwa 150 feiernden Leuten, die damit den Laden bis zum Limit füllten, hat es gefallen. Eine professionelle Bühnenshow haben sich Radium längst angeeignet. Bei der vielen Empahtie, die sie in die Texte und in das ganze, schon als Zeremonie zu bezeichnende Konzert legen, nehmen sich nicht zu ernst, um mit lustigem Fähnchen auf dem Kopf und ausgefallenen Bühnenrequisiten eine Art von Kostümzauber hinzulegen. Nach zwei Zugaben und spontanen Auftritten ehemaliger Bandmitglieder, verließen alle die Tanzfläche durchgeschwitzt und vor Durst lechzend. Aber dagegen gab es ja billige Bierpreise.

Stefan | Mo., 20. Okt 2003 | Konzertbericht

So 36 am 07.10.03, SO 36
Wieder mal viel zu spät mache mich mit meiner Sendungspartnerin Beate auf den Weg. Dieses Mal wollten wir eigentlich unbedingt pünktlich sein, um auch mal was von den „Vorbands“ mitzubekommen. Doch wie immer kam was dazwischen.

„Hausparty“ war angesagt. Unser Vermieter, meiner WG, lud alle Bewohner des Hauses ein, um sich zu bedanken, daß die Umstellung von Ofen- auf Fernheizung vor ca. 3 (!!!) Jahren so gut geklappt hat. Schon des Öfteren lag dafür eine Einladung im Briefkasten, doch immer wurden diese kurzfristig abgesagt, wegen irgendeinem Mist. Dieses Mal aber jedoch machte er seine „Drohung“ war. Dieser Typ kommt aus Bayern, ist angeblich Orthopäde und hat einen ziemlichen Dachschaden. Da er aber zum Grillen (Anfang Oktober !!!) und Freibier lud, durfte ich mir das natürlich nicht entgehen lassen. Was soll´s, schaue ich mal kurz vorbei, dachte ich mir. In einer leer stehenden Wohnung im 4. Stock sollte es um 19.00 Uhr losgehen. Ich muss anmerken, daß wir gerade dazu 2 neue Mitbewohnerinnen bekommen haben & wir daher ein wenig im Umzugsstress waren. Außerdem will man seine neuen Mitbewohner ja auch ein wenig kennen lernen. Daher blieb ich eh schon länger als geplant. Um halb acht ruft dann unser Vermieter in unsere offen stehende Wohnungstür, daß es in einer Viertel Stunde losgeht. Aha. Super. Danke für die Information.

Unsere neue Mitbewohnerin Nummer 1 „glüht schon seit 4 Uhr nachmittags vor“, weil sie bei ihrem neuen „Zeitungspromotionjob“ in 4 Stunden 8 Euro verdient hat. Da ist der Frust verständlich. Egal. Also, kurz hoch gehen, schauen, dann aber weg…
Wir kommen hoch und stellen fest, daß die Raucher vor der Tür bleiben müssen. Super. Dabei riechts drin doch aber so schön nach leckerem, E-gegrilltem Essen. Obwohl, na ja, die Freude wird getrübt als so ein Balg immer wieder die Wohnungstür auf macht, uns anbrüllt, wieder zu macht usw. usf. Aber cool, hey, das Fass Bier steht auch draußen und so schenken wir uns erst mal kräftig ein. Dann siegt aber doch der Hunger und ich bitte das Balg mich doch ein zu lassen. Er ist so gnädig und tut es. Ahh, drinnen gibt es auch Bier. Aus Flaschen. Der Mann denkt an alles. So schlecht ist unser Vermieter gar nicht… Schön, auch mal den Rest des Hauses kennen zu lernen. Aber nach weiteren 20 Minuten stelle ich fest, daß sie auch nichts Interessantes zu erzählen haben. Naja, wenigstens kann ich jetzt los. Gut gestärkt mache ich mich also auf den Weg ins SO 36. Unterwegs stößt noch Beate zu mir. Also sollte einem gepflegten Punkrockabend nichts mehr im Weg stehen.
Das erste Mal nach der Fußbodensanierung stehe ich nun im SO 36. Naja, es ist dunkel und so viel Veränderung kann ich nicht feststellen. Gut so. Aber es geht ja auch um die Sicherheit des Konzertbesuchers. Vor ein paar Jahren ist wohl bei einem Konzert im „Esso“ ein Mädel bis zu den Knien in den Boden eingebrochen. Gab bestimmt ein lustiges Bild ab. Da fühlt man sich als Band bestimmt doppelt so gut, wenn man den Laden im wahrsten Sinne des Wortes zu Kleinholz rockt.

Billig war das fürs SO 36 sicher nicht. Aber in der Zwischenzeit hatte man ja viele Benefizkonzerte zu Gunsten der Sanierung gemacht und so sollte die Aktion auch nicht zu sehr den Geldbeutel geschröpft haben. Hoffe ich jedenfalls. Denn im „Esso“ habe ich viele geile Konzerte erlebt. Wäre schade, wenn ein Club mit so viel Tradition wegen so etwas irgendwann dicht machen müsste.

Aber das scheint ja momentan nicht der Fall zu sein. In Berlin weiß man ja nie…
Heute Abend standen also NO USE FOR A NAME auf dem Programm. Dazu noch ein paar Vorbands, deren Namen ich bis zu meinem Eintreffen im Club noch nicht wusste. Dazu aber später mehr.
Wir also rein. Hier und dort wieder mal ein paar bekannte Gesichter. Lange nicht gehabt. Schön. Die teilen uns auch gleich mit, daß wir bereits zwei Bands verpasst haben. An sich nicht so schlimm. Als ich aber am Merchstand sehe, wen ich verpasst habe, hätte ich mich schon wieder in den Allerwertesten beißen können. Die PLANET SMASHERS aus Kanada waren schon vorbei. Ihr letztes Album, welches auf dem Schweizer Label LEECH herauskam, hatte mir so richtig gefallen & live im (Na Ihr wisst schon…) Wild at Heart waren sie vor 2 Jahren, glaube ich, auch richtig gut. Warum steht so was nicht in den Ankündigungen??? Die zweite Band, die wir verpasst haben war eine irische Band, deren Namen ich bisher nicht kannte. Da ich ja aber im Allgemeinen ein großer Irlandfan bin, ärgerte mich das auch schon wieder maßlos. Kann man wohl nichts machen. Wer zu spät kommt… Ich schwöre, beim nächsten Mal komme ich früher.

Dafür wurde ich aber wenigstens ein wenig mit dem nun Folgenden entschädigt. Die Bühnenumbau-maßnahmen schienen soweit abgeschlossen zu sein und neben dem Schlagzeug, rechts und links, brannte aus kleinen Schalen ein kleines Feuer. Nicht schlecht. Ließ schon mal Gutes vermuten. Doch halt. Das waren ja gar keine Feuerschalen. Das waren die BECKEN!!! Himmeldonner-wetter, wie geil ist das denn.

Lange Zeit zum überlegen hatte ich nicht, da legten BIG WIG auch schon los. Eine Hardcorekapelle der Güteklasse 1a. Ordentliches Geknüppel, ohne die Melodie zu vergessen. Und auch den Zuschauern wusste die Band aus New Jersey zu gefallen. Ich schätze mal, eine dreiviertel Stunde dauerte ihr Set und mir wurde nicht ein einziges Mal langweilig. Klasse. So hinterlässt eine Band einen guten Eindruck. Am Stand wollte ich mir noch eine CD von ihnen zulegen. Die CD´s seien aber schon seit ihrem Gig in Amsterdam ausverkauft, teilte man mir mit. Schade. Nicht nur mir haben sie also gefallen. Wenn Ihr die Chance habt, die Band irgendwo mal zu sehen, dann lasst es Euch nicht entgehen. Später lasse ich mir vom Drummer den „Feuertrick“ erzählen. Der bleibt jedoch geheim & bald werde ich diesen bei mir auch anwenden. Hehe. Rock´n´Roll!!!
Und nun zum Hauptact des Abends. Nach der beeindruckenden Show von BIG WIG konnte ich mir nur schwer vorstellen, daß eine Band das toppen konnte. Und siehe da, ich sollte Recht behalten. NO USE FOR A NAME spielten gekonnt ihr Set herunter. Auch beeindruckend. Aber es gab keine großen Überraschungen. Der Vorteil von NUFAN ist, daß man sich auf ihre Qualitäten, sowohl im Studio, als auch live, verlassen kann. Andererseits ist das eben im Vergleich zu ihrem Support auch ihr Nachteil. Fast gelangweilt, trotz der geilen Songs, nahm ich den Auftritt von NUFAN wahr. Der gewohnte Film lief vor meinen Augen ab. Rucksacktragende Gymnasiasten mit langen Loden kreisen anständig aus. Stagediven, was das Zeug hält, aber immer schön im Flug sich auf den Rücken drehen, um den „Fängern“ den Rucksack ins Gesicht zu pfeffern. Yeah. Das ist Punkrock. Also jeden anderen würde ich auffangen. Bei denen würde ich maximal 3 Schritte beiseite gehen.
So schlimm wie es sich anhört fand ich den Auftritt aber nicht. Es war schön und für einen Dienstagabend auch eine gute Stimmung. Sie können gerne wieder kommen und ich bin auch bestimmt wieder dabei. Ab und zu zuckte sogar mein Tanzbein. Für überschwängliche Freudentänze reichte es aber nicht.
Zu Hause angekommen schläft unsere neue Mitbewohnerin Nr.1 schon tief und fest. Man erzählt mir, daß man sie die Treppen runter und das Hochbett rauf tragen musste. Cool. Wo war denn jetzt mehr Punkrock los? Hier oder dort?

mieschka | Mo., 20. Okt 2003 | Konzertbericht

am 23.09.2003 im Columbiafritz
Dienstag ist irgendwie ein blöder Tag für Konzerte, finde ich. Die Erholung vom Wochenende ist längst verflogen & an das nächste Wochenende kann man noch gar nicht so recht denken. Schlimmer sind eigentlich nur noch „Sonntagskonzerte“. Aber egal. Die DONNAS waren in der Stadt.

Vor knapp 2 Jahren landeten sie mit dem Album „Turn 21“ das erste Mal in meinem CD-Player und ich war relativ schwer begeistert von den 4 Damen aus Kalifornien. Mit Texten über Boys, Sex und „um die Strassen ziehen“ hielt das Album alles, was der Name versprach. Kann man in Amiland doch erst mit 21 Jahren all das tun, was wir hier mit 16 Lenzen auf Klassenfahrten, spätestens aber mit 18 Jahren jedes verdammte Wochenende tun. Erschienen ist das Ding damals auf LOOKOUT RECORDS, einem schon etablierten Indielabel. Das Label, welches auch GREEN DAY zum großen Erfolg verhalf.
Der Uli I von den D-Sailors (www.d-sailors.de) hat dort vor einiger Zeit mal ein Praktikum gemacht. Fand das Umfeld dort aber nicht so klasse, weil man sich eben gerade nur auf diese Sachen beschränkt. Also sich teils auf dem GREEN DAY – Erfolg ausruht, andererseits sich voll auf Bands wie die DONNAS konzentriert und dabei die kleineren Bands des Labels vernachlässigt hat.
Denn die DONNAS haben mittlerweile das Label gewechselt und haben ihre neue Platte „Spend the night“ im April diesen Jahres beim Major ATLANTIC herausgebracht. Die fünfte ist es bereits. Weitere Informationen erspar ich Euch an dieser Stelle aber mal. Es geht ja schließlich um das Konzert. Wenn Ihr mehr über sie erfahren wollt, durchsucht mal ein wenig das Netz. Da findet man schon eine Menge über sie.

Ein bisschen BLACK REBELL MOTORCYCLE CLUB, ein bisschen SOCIAL DISTORTION

Ich musste schon ein wenig früher zum Ort des Geschehens, dem Columbiafritz, da ich mit den Damen noch ein Interview führen wollte. Selten war ich aber so verpeilt, wie an diesem Tag. Ich wohne ja nun schon eine Weile in Berlin und müsste mich eigentlich mit dem ÖPNV auskennen...
Erst stieg ich aus der S-Bahn eine Station zu früh aus. Dann, an der richtigen Haltestelle angekommen, rannte ich einen halben Kilometer zur U-Bahn, um dann feststellen zu müssen, dass ich nur mit der S-Bahn vom gegenüberliegenden Gleis hätte weiterfahren müssen. Also, den halben Kilometer wieder zurück, S-Bahn vor der Nase weg, 10 Minuten warten...
Schließlich komme ich doch noch genau zum Interviewtermin an. Ein Vorgespräch mit meiner Co-Moderatorin Beate, vom uniRadio (www.uniradio.de/mainstream) fällt deshalb aber leider aus.
In den Kellerräumen des Columbiafritz muss ich verhältnismäßig auch gar nicht lange warten und werde mit Beate zu Donna A. (voc) und Donna R. (git) geführt. Die anderen beiden Donnas sind genauso mit Interviews beschäftigt, trotzdem scheinen die Damen noch recht fit zu sein. Dies ist ja nicht immer der Fall. Und wenn einem immer wieder dieselben Fragen gestellt werden, kann man schon verstehen, dass die Musiker dann oft keine Lust mehr haben, Rede und Antwort zu stehen.
Wie gesagt. Sie waren den Umständen entsprechend noch gut drauf & wir unterhielten uns über Gott (Bush) und die Welt und es kam ein schickes Interview heraus, welches Ihr demnächst hier nachlesen könnt. Als wir fertig waren, war es so um halb acht. Um zehn sollte es mit den DONNAS erst losgehen. Was also die ganze Zeit machen? Glücklicherweise habe ich mich um acht mit Stefan verabredet, der beim Konzert für diesen Bericht hier gleich ein paar Fotos schießen wollte. Ihm waren die DONNAS bis dato völlig unbekannt. Ich versprach ihm aber, er solle sie sich unbedingt anschauen, denn es würde mit Sicherheit einfach nur klasse werden. Dachte ich zumindest.
Vorerst vertrieben wir uns die Zeit, indem wir ein paar Bier tranken. Die unverschämten Bierpreise, sowohl im Columbiafritz als auch in der Columbiahalle, dürften ja jedem bekannt sein. Als wir so gegen 21.00 Uhr die Halle betraten, spielte schon die erste Band. WHITE LIGHT MOTORCADE. Oh je. Was war denn das? Später wies mich unsere VoiceofaCulture-Anne auf ein Wortspielchen hin, wie vielleicht der Bandname entstanden sein könnte. Ein bisschen BLACK REBELL MOTORCYCLE CLUB, ein bisschen SOCIAL DISTORTION (Remember: White Light, White ….). Aber irgendwie traf es das auch nicht so ganz. Die ersten Töne, die sich in meine Ohren verirrten, ordnete ich erstmal so in die Richtung Schwuchtelrock ein. So Hamburger Schule, nur auf Englisch. Auch der milchgesichtige Sänger konnte der ganzen Sache nicht wirklich einen Hauch Authentizität verleihen. Zwar wurde es zum Schluss doch ein wenig rockiger, ein bisschen STROKESlike, ein bisschen HIVESlike dann war es aber auch schon vorbei. Bis auf wenige Ausnahmen, gaben mir die, relativ spärlich erschienenen bekannten Gesichter des anwesenden Volkes in dieser Hinsicht wenigstens recht.

Überhaupt. Was für ein Publikum? Ich glaube fünfzig Prozent der Zuschauer waren dickbäuchige, barttragende Männer, denen ständig ein Grinsen im Gesicht stand. Wahrscheinlich weil sie gleich, endlich, ein paar leicht bekleidete „Rocktussies“ zu sehen bekommen werden, die vielleicht nicht unbedingt gut spielen konnten, dafür aber umso besser aussahen. Wie auf einem Rockertreffen. Womit wir wieder beim Namen der Vorband wären. Der Rest? Naja. Irgendwie von allem etwas. Schüler, Pärchen, jung, alt usw. Ja und das war dann vielleicht auch ein Grund dafür, dass bei den darauf folgenden DONNAS nicht so recht Stimmung aufkam.
Straight rockten die Damen ihr Set runter. Spieltechnisch perfekt. Die Schlagzeugerin rockte was das Zeug hielt und sah teilweise so aus, als würde sie direkt auf einem Wespennest sitzen und sogar ein bis zwei mal gestochen worden sein. Und auch der Rest machte, posertechnisch, eine gute Figur. Ja man versuchte sogar mit dem Publikum zu spielen, welches mit den Sprüchen und Späßen der Band allerdings nicht so recht etwas anzufangen wusste. Und immer wieder die grinsenden, alten Daddys…
Gespielt wurden vor allem neue Songs. Natürlich auch die Hitsingleauskopplung „Take it off“ und zwischendurch immer wieder auch ein paar ältere Songs. Quasi für die Fans der ersten Stunde.
Nach gerade mal 40 - 45 Minuten war aber Schluss. Und trotz lauter Zugabe-Rufe kamen die Damen nicht wieder, was mit einem ordentlichen Pfeifkonzert honoriert wurde. Als das Pfeifen nach ca. 5 Minuten aber noch immer nicht verklungen war, erbarmte sich ein Roadie oder der Tourmanager oder was weiß ich und teilte den noch verbliebenen Gästen erst auf Englisch, dann ein anderer auf Deutsch, mit, dass die Drummerin gesundheitliche Probleme hätte und die Band einfach nicht weiterspielen konnte. Mmhh. Sah man ihr gar nicht an.
14 Monate sind sie nun wohl schon fast ohne Unterbrechung auf Tour. Das da Ermüdungserscheinungen auftreten ist klar nachzuvollziehen. Und sie haben auch bestimmt schon bessere Konzerte gespielt. Aber ein bisschen mehr hatte ich schon erwartet.
Ein wenig hat es sich vielleicht gelohnt, gerade für die jüngeren Fans, aber auch für den Geldbeutel, zumal der Eintritt an der Abendkasse immerhin bei 16 EUR lag. Aber vielleicht war es auch mal gut, dem verwöhnten Berliner Publikum zu zeigen, dass man nicht alles (oder in diesem Fall gar nichts) mit einer Band machen kann. Jedes Publikum kriegt die Band, die es verdient. Wenn es nicht will. Dann eben nicht.
Was bleibt ist ein Für und Wider. Immerhin bekam ich seit langem mal wieder, von einem Konzert kommend, innerhalb der Woche, ohne große Anstrengungen eine gute Bahnverbindung nach Hause. Wenigstens das hat dann an diesem Tage also noch geklappt. Ja, ja. So Dienstagskonzerte sind schon so eine Sache…

mieschka | Di., 30. Sep 2003 | Konzertbericht

Frank hat ungebeten ein Taxi für mich organisiert. Ich weiß nur das in einer Reithalle gefeiert wird und SKASOZIAL spielen. Das reicht mir als Info und ich steige ein und lasse mich überraschen wohin die Reise geht. Allerdings setze ich mich nicht alleine auf die Rückband mit Silkes Köter, dem halben Pferd. „Charly ist ganz lieb“ hin, „der tut nix“ her, ICH NICHT!

Angekommen: Tatsächlich, ne Reithalle mit Bühne. Geil! Bier fuffzich Cent und schon fangen SKASOZIAL an und der Sound ist echt OK. Erich mittlerweile mit sexy Ring in der Unterlippe und wie er da so spielt mit den ewig langen, verfilzten Haaren aufm Kopp möchte ich ihn am liebsten sofort heiraten!

Mit Bläser und Bläserin die immer schön fleißig ihre Tuten tuten klingt die ganze Sache mächtig amtlich, paar Licks dabei und schon ist der Ska prima abwechslungsreich. Beide Daumen wieder ganz weit hoch!

Dann SANE (www.areyousane.de) ausm Ruhrpott. Drei Typen, singender sieben-Saiter-Gitarrist. Ich komme nicht um den Primus-Vergleich rum. Zum einen spielen die auch so funky Zeux, zum anderen tanzt der Sänger genau wie Les Claypool. Dann werden die Ansagen auch noch im übertriebenen Ruhrpott – Dialekt gebracht: „Misthaufen hinter der Scheune, auf der Bühne Mist, passt ja.“ Der Gitarrentyp spielt fast nur Akkorde bei denen man sich die Finger bricht und das Set dauert in etwa hundert Jahre. Aber trotzdem schon schwer amtlich. Natürlich find der Frank die Scheiße. Ich nicht.

Dann die Band vom Rögeberg RETARDED CHAMBER DOGS. Meine Herren, hätte ich nicht gedacht. Vier Leute, amtlicher Ska, Sänger fleißig am bewegen. Natürlich schwer zu bewerten mit mächtig einen im Kahn aber schien sehr rund zu sein, Glückwunsch.

Frank macht schon wieder eine Fahrgelegenheit klar, diesmal die Freundin von Täsch Naitböög. Rubbel die Katz sitzen wir bei den Haags an der Theke. Siggi latscht noch zu Fuß nach Hause, irgendwann verpissen sich alle, es werden noch 80er-Jahre-Kracher von Platte gehört und ich kann unmöglich sagen wer hier die Lampen nicht am leuchten hat.
Am nächsten Tag bin ich nach einem kleinen Nickerchen doch tatsächlich schon um 19 Uhr zu Hause, meine Frau ist äußerst erfreut. Deshalb mache ich auch nicht das, was Täsch vorgeschlagen hat: Nach Hause kommen, nicht guten Tag sagen sondern: „Ich muss sofort das Sodom – Live – Video gucken. Na gut, bis zum Schlagzeugsolo kann ich vorspulen, aber das muss!“

...obwohl ich die Idee irgendwie saulustig finde!

Autor: the Kollege

Gast | Di., 30. Sep 2003 | Konzertbericht

Die Bühne wäre sonst auch aus allen Nähten geplatzt
Katumbi Express/ Rubi - Place de Football/ 06.09.2003

Rubi ist ein Arbeitervorort im Norden Barcelonas, in dem normalerweise nichts weltbewegendes passiert. Aber da kleine Vororte ja gerade deshalb manchmal den Bonus geniessen, von grossen Bands besucht zu werden, hatte auch Rubi die Ehre, Austragungsort des letzten Konzertes des legendären Katumbi Express sein zu dürfen. Manu Chao, Fermin Muguruza, O Jarbanzo Negro und La Carrau gaben sich die Ehre und rockten den kleinen Fussballplatz Rubis bi in die Puppen. Von der Atmosphäre her wirkte es wie ein kleines Open-Air-Festival in irgendeinem Ghetto, umringt von Arbeiterplattenbauten, auf denen die Leute die Show vom Balkon aus betrachten konnten.

Wie auch schon die übrigen Konzerte des Katumbi Express war der Eintritt mit12 Euro wieder mal unschlagbar. Da lässt der gute Manu sich echt nicht lumpen, solange er sich in seinen vertrauten Gefilden aufhält. In Deutschland hätte der Spass dann wohl gleich mal das dreifache gekostet. Aber in Deutschland hätte ein Konzert auf einem Fussballplatz in irgendeinem x-beliebigen Vorort gar nicht erst stattgefunden. Und schon gar nicht bis drei Uhr nachts. Aber das ist wieder eine andere Geschichte.
La Carrau betraten pünktlich gegen 20.30 Uhr die Bühne und machten den Anheizer, wobei sie mit ihrer Mischung aus Polka, Folklore und spanischen Rythmen die Masse gut in Schwung brachten. Gefolgt von Oh Jarbanzo Negro, die es mit ihrer ebenfalls Folklore/Ska-lastigen Mukke leichte hatten, die Meute am Tanzen zu halten. Es erstaunt mich immer wieder, dass hier die Vorbands schon immer wie der Hauptact hochgejubelt werden.Gegen 23.30 Uhr ging es dann mit Manu Chao samt Radio Bemba weiter. Und da ging die Party richtig los! Gespielt wurde alles volle Breitseite, und zwar doppelt so schnell wie auf Platte, so dass man aus dem Pogen gar nicht mehr heraus kam. Nach einigen Songs kam dann auch Fermin Muguruza dazu und der Fussballplatz verwandelte sich in eine einzige Staubwolke.

Als Special Guest kamen letztlich, man glaubt es kaum, auch noch Zebda aus Toulouse mit auf die Bühne. Was für ein Fest! Und wie nicht anders zu erwarten wurde über zwei Stunden durchgespielt was es bei so vielen grandiosen Musikern auf einem Fleck halt so zu spielen gab. Gegen 1.30 Uhr neigte sich aber auch diese Konzert dem Ende zu und die Leute wurden durch hardcore-Techno vom Platz vertrieben. Wer die Idee dazu hatte ist mit schleierhaft, aber Techno wird in Spanien auch anders gehandhabt als bei uns. Die meisten Leute waren also schon gegangen, als plötzlich noch einmal eine bis dahin eher unspektakuläre Akkustik-Gruppe die Bühne betrat. O.K., ein Konzert nach dem Konzert hab ich zwar auch noch nicht erlebt, aber hier ist ja alles möglich, dachte ich mir, um nochmal gucken zu gehen. Tja, und wer saß da an der Trommel? Der Manu persönlich.

Die Bühne füllte sich langsam auch wieder mit den übrigen Musikergesellen, und es wurde lustig drauflos gejammt. Was für eine Session! Dann kamen auch noch immer mehr eifrige Fans aus dem Publikum dazu, und die Bühne fungierte als neuer Festplatz. Nachdem aber alle Übriggebliebenen mitfeiern wollten, stellte sich die Security quer und liess keinen mehr rauf. Die Bühne wäre sonst auch aus allen Nähten geplatzt. Aber wo kann man bei uns schon bei voller Lautstärke bis nachts um 3 mitten in einer Wohngegend feiern? Und das auch noch gänzlich ohne Bullerei? Mit den Musikern zusammen? Und noch dazu habe ich Fermin Muguruza am nächsten Tag ganz privat in der Stadt gesehen. Sowas passiert einem aber auch nur hier!

Anne | Di., 30. Sep 2003 | Konzertbericht

bei ihrer Berlintour / Xarecrows, 07.09.03, H.O.F. 23
Ja, wo will die Terrorgruppe denn noch hin?

Wie oft kommt es schon vor, daß sich eine Band, und eine gute dazu, direkt, na ja fast direkt, vor Deiner Haustür spielt?
Nachdem im letzten Jahr der erste Teil der Berlintour für die TERRORGRUPPE ein ziemlich großer Erfolg war, für die sie ziemlich viele dankbare Gesichter ernteten, stand bzw. steht in diesem Jahr nun der zweite Teil an, wo sie nun Stadtteile besuchen, die sie beim ersten Teil nicht berücksichtigen konnten. Ja, und dann kann es schon mal vorkommen, daß eine Band direkt, na ja fast direkt, vor Deiner Haustür spielt.

Diesmal sollten die Konzerte in Köpenick (ABC-Club), Weißensee (H.O.F. 23), Mitte (Schokoladen) und Tempelhof (Columbiafritz) stattfinden & gleichzeitig war oder ist es wohl so etwas wie eine kleine Promotour zum Erscheinen Ihres neuen Albums „FUNDAMENTAL“ (VÖ: 6.10.03) bzw. Ihrer neuen Single „ANGELA/HUNDSGEMEIN“ (VÖ: 8.9.03), die übrigens sehr sehr geil ist, einiges verspricht und einen gespannt auf das neue Album warten lässt. Mal sehen, was uns da erwartet. Immerhin ist es ja bereits ihr 7. Album und nach einem Major-Ausflug, Livealbum und unzähligen Konzerten ist es bestimmt nicht einfach, sich selbst noch mal zu toppen.

Ja, wo will die TERRORGRUPPE denn noch hin? In die Charts? Vielleicht. So unwahrscheinlich ist das gar nicht. Ich hab mir sagen lassen, so schlecht wie es der Musikindustrie geht, reicht es ja schon, wenn man in der ersten Woche des Erscheinens so um die 500 bis 1000 Singles verkauft, um in eben jene zu kommen.
Und in Sachen Werbung, auch unkonventionell, sind die Herren aus Kreuzberg ja wahre Meister.

Man denke nur an den ganzen Medienrummel zum Erscheinen Ihres Livealbums „BLECHDOSE“.
Hinzu kommt, daß im Titeltrack der neuen Single die CDU_Chefin ANGELA MERKEL nicht gerade gut bei weg kommt, was ja schon nach Einstweiligen Verfügungen und dergleichen schreit. Und das wiederum ist ja dann auch keine schlechte Werbung.
Aber kommen wir mal zum musikalischen Teil des Abends. Ich habe mich dazu entschieden, mir den 2. Tag anzusehen, wo es TERRORGRUPPE in den Stadtteil Weißensee verschlug, was ja praktisch bei mir um die Ecke liegt. Also schnell das Fahrrad geschnappt & losgedüst. Beim „Dönermann“ das erste Bier geholt, denn das ist ja im Allgemeinen billiger als selbiges Gebräu aus den Zapfhähnen der jeweiligen Veranstaltungsorte, egal wo nun wer spielt. Und wie bei einem Dieselmotor, kann ja „Vorglühen“ nicht schlecht sein.
Relativ wenige, nein eigentlich gar keine bekannten Gesichter lungern schon am, noch verschlossenen, Eingang herum und ich stelle fest, daß ich mit T-Shirt, Pullover und Lederjacke temperaturtechnisch doch ein wenig „overdressed“ bin und beschließe, noch mal kurz nach Hause zu düsen, um mich wenigstens des Pullis zu entledigen.
Kaum zurück treffe ich Anna (ex- DIE PLANLOSEN, ex-SPANX), die mir sagt, daß heute die XARECROWS den Abend eröffnen sollten. Cool, dachte ich. Lange nicht gesehen die Jungs. Das letzte Mal war das so 1998, glaube ich. In Frankfurt (Oder) auf dem Rathausplatz zusammen mit NO EXIT und uns (Die Bockwurschtbude). Und damals haben sie mir auch recht gut gefallen. Mittlerweile haben sie sogar den EMERGENZA-Wettbewerb gewonnen. Aber trotzdem oder gerade deshalb kann mich Ihr aktuelles Debütalbum „KAFFEE, BIER UND SCHOKOKÜSSE“ nicht wirklich überzeugen. Später erfahre ich auch, daß von der ursprünglichen Besetzung nur einer übriggeblieben ist. Und daher finde ich es auch nicht schlimm, daß ich die Band biertrinkenderweise beim, na klar, Dönermann verpasse.

Kaum zurück in der Halle, die ich übrigens recht nett finde, legt die TERRORGRUPPE auch bald los. Das Berliner Publikum, recht jung übrigens, macht seinem Ruf alle Ehre und steht eine ganze Weile erstmal fast regungslos da. Für eine Band, die eigentlich anderes gewöhnt ist, sicherlich eine schwierige Situation. Aber die TERRORGRUPPE ist ja nunmal in Berlin beheimatet und kennt die hiesige Szene.

Sie kann sehr wohl damit umgehen. Sollte sie zumindest und haben sie auch. Sie haben doch schon ihren Spaß auf der Bühne und spielen ein abwechslungsreiches Set, das auch schon einige neue Songs vom demnächst erscheinenden Album enthält, welche sogar schon von einigen Leuten mitgesungen werden, die wahrscheinlich schon tags zuvor im ABC-Club Köpenick anwesend waren. Es gab ja so ein 4-Tagesticket, das einem den Eintritt für alle Gigs der Berlintour gewährt(e). Die 160 bereits im Vorfeld verkauften Tickets reichen für einen vollen SCHOKOLADEN, hier im H.O.F. 23 gerade mal für knapp die Hälfte des Hauses, wenn nicht sogar weniger. Langsam bessert sich die Stimmung aber zusehends und wurde nur noch einmal getrübt, als beim letzten Lied ARCH seine Hose fallen ließ und ganz im TURBONEGRO-Stil eine Arschrakete zünden lassen wollte.

Dies ging jedoch fast buchstäblich in die Hose, denn irgendwie wollte das Ding nicht zünden. Peinlich, peinlich. Aber eigentlich doch nicht so sehr. Was tut man nicht so alles als Band, um seine Fans „zu Hause“ zu besuchen und ihnen den Weg nicht all zu schwer zu machen. Und bei 6 EUR Eintritt kann man sowieso nicht meckern. Wäre gern noch bei den anderen Konzerten dabei gewesen. Aber leider zieht es mich ja selbst auf Tour.
Später auf dem Heimweg beschließen Anna und ich auch noch im nächsten Jahr eine neue Band zu gründen. Und begießen das bei einem Bier beim Dönermann. Eigentlich also alles in Allem ein gelungener, runder Abend, auch wenn es jetzt ein wenig abgegriffen klingt.
Und: Wie oft kommt es schon vor, daß eine Band, und eine gute dazu, direkt, na ja fast direkt, vor Deiner Haustür spielt?

mieschka | Sa., 20. Sep 2003 | Konzertbericht

Die Punkrocklegenden G.B.H. waren im Wild At Heart zu Gast

Muss man eigentlich noch jede Band sehen, die in Deiner Stadt spielt? Nein, ich glaube nicht. Auch nicht, wenn es sich um eine „Punklegende“ wie G.B.H. handelt, deren Name in Punkerkreisen ja gern als Abkürzung für „Geh´ Bier holen!“ steht.

Trotzdem machte ich mich an einem Montagabend nach meinem Radiojob auf den Weg ins Wild at Heart um eben jene Band zu sehen. Warum? Keine Ahnung. Eigentlich war ich nach den vergangenen Tagen wieder mal viel zu fertig und unausgeschlafen und zudem sollte es am nächsten Morgen auch noch früh raus gehen. Punklegenden haben ja aber doch immer noch etwas Reizvolles und gesehen hatte ich sie zuvor auch noch nie. Auf dem FORCE ATTACK im letzten Jahr hatte ich sie biertrinkenderweise verpasst. Fehlen durfte dabei nicht, der obligatorische Gang in die Stehpizzeria, schräg gegenüber vom WäH, wo es Berlin beste Minipizza für 1 Teuro gibt, die man sich nach Lust und Laune auch noch mit Pamesan & Oregano verfeinern kann. Ein Tip für alle, die es ab und zu mal zu einem Konzert in Kreuzbergs besten Laden zieht.

So gegen 9 Uhr betrat ich dann den Laden, der noch nicht ganz so prall gefüllt war. Das lag aber wohl an dem spätsommerlichen, guten Wetter, was einige Leute doch noch auf den Bänken vorm Club fest hielt.
Mein Gott, wie lange war ich nicht mehr im Wild at Heart. In den Sommermonaten ist ja auch meist nicht so viel los. Egal welchen Club man nun in Berlin favorisiert. Und gabe es doch mal ein paar gute Konzerte, war ich selbst unterwegs. Naja, so hatte es doch wenigstens etwas Gutes an sich, wieder mal hier vorbei zu schauen.
So ließ ich es mir auch nicht nehmen, endlich mal wieder ein Glässchen „Frozen Margherita – Waldfrucht“ zu trinken. Das Beste Gesöff, was es für mich auf Erden, na ja zumindest in Kreuzberg, gibt. Da kommt nicht mal ein guter Caipirinha ran. Oh ja, wie hatte ich den vermisst.
Bald darauf legte auch schon die erste Band los, dessen Namen mir entfallen ist. OBWOHL ich den recht jungen, ich schätze mal, 17 Jahre alten, Gitarristen nach dem Gig extra noch mal danach fragte. Manchmal isses echt blöd. Als Band muss man schon darauf achten, sich einen relativ einfach zu behaltenen Namen zu geben. Aber trotz intensiver Recherche im Netz kam ich zu keinem weiteren, zufrieden stellenden Ergebnis. Nur, daß es einigen anderen auch so erging.
Jedenfalls kamen sie ebenfalls aus England, verbrachten schon die letzten Tage mit G.B.H. und spielten lupenreinen, energie- und hassgeladenen Hardcore, so daß man schon beim zugucken Hass, auf was oder wen auch immer, bekam. Der Sänger tobte auf gleicher Ebene wie das Publikum durch den, mittlerweile doch schon recht gut gefüllten Konzertraum, während die Band auf der Bühne ordentlich abrockte. Ich staunte, einige der Konzertbesucher sangen ihre, für mich akustisch nicht verständlichen, Texte lautstark mit. Da es sich dabei aber um vornehmlich gut durchgestylte, englisch sprechende Nietenkaiser und Punketten handelte, gehe ich mal davon aus, daß es sich dabei um mitgereiste Fans der Band handelte.
Nach gut einer Stunde war dann aber Schluss und man räumte das Feld für G.B.H..

Keine Ahnung! Irgendwie ging G.B.H. immer an mir vorbei. Zudem war ich noch nie so ein Freund vom Inselaffenpunk. SEX PISTOLS – ja, EXPLOITED – zur Not auch, COCK SPARRER – auf jeden Fall, aber G:B:H., nee, dafür war oder bin ich wohl noch zu jung.
Überhaupt, war das Durchschnittsalter des anwesenden Publikums relativ hoch.
Wenigstens traf ich aber einige Bekannte.

Zum Beispiel Ben von AN´NA NADEL RECORDS, der auch nur gekommen war, weil bei ihm momentan die ARGIES wohnten, die wohl G.B.H. gut kannten & sehen wollten.Am Wochenende zuvor hatten sie hier in Berlin mit DISTEMPER aus Russland gespielt und ich könnte mir in den Arsch beißen, daß ich nicht da war. Aber erstens weilte ich an diesem Wochenende sowieso nicht in Berlin und zweitens war ich von den Tagen und Wochen zuvor auch zu geschlaucht, so daß ich, wenn ich einen freien Tag gehabt hätte, ihn sicher auch genutzt hätte, um frei zu MACHEN.
Ich schaute mir das Schauspiel so an, trank ab & zu ein Bierchen und fand das ganze recht nett. Die Songs wussten durchaus zu gefallen. Aber mehr auch nicht. Das restliche Publikum hatte aber durchaus seinen Spaß und bitteschön, ich gönnte es ihnen auch.
Abgesehen von der, wie gesagt, guten Vorband, hätte es für mich an diesem Abend aber keinen Unterschied gemacht, in eine normale Kneipe zu gehen und mich dort aus der Konserve mit G.B.H. beschallen zu lassen. So ging ich guten Gewissens nach Hause, mal eine „Punklegende“ gesehen zu haben. Aber wenn ich nicht spätestens heute diesen Bericht geschrieben hätte, wäre es mir sicherlich auch bald egal gewesen. Schaut Euch lieber des Öfteren mal junge, frische, unverbrauchte Bands an. Dann kann es passieren, daß Ihr interessantere Sachen zu hören bekommt, als das was „Originale“ heute so machen.

mieschka | Sa., 20. Sep 2003 | Konzertbericht

am 23.08.03 beim Dippach-Open Air

Gerade mal eine Nacht war ich nach meinem „Erholungsurlaub“ in Form einer 14-tägigen Jugendfreizeit bzw. Ferienlager, wie wir Ostdeutschen sagen, als BetrOi!er in Holland zurückgekehrt und schon sollte es gleich wieder in die Vollen gehen. Wie sollte ich das bloß überstehen. Wenn es hoch kam, hatte ich in den vergangenen Tagen gerade mal 6 Stunden geschlafen. Meistens waren es doch eher nur zwischen 3 und 5. Und König Alkohol war dabei fast immer mein Begleiter. Klar. Anders kann man 80 Kinder wohl auch nicht über diesen Zeitraum ertragen… Oder vielleicht doch?

Dann wäre ich wohl aber wenigstens etwas fitter gewesen. Aber egal. Jammern hilft nicht. Zu sehr hatte ich mich auch auf dieses Event gefreut. Auch schob ich beiseite, daß mein Chef mich gleich nach der Rückkehr aus Holland anrief, daß ich die kommende Woche gleich 5 Mal die Frühschicht machen sollte, was also gleich wieder wenig Schlaf bedeutete. Das durfte man nicht verpassen.

So richtig daran glauben mochte ich noch immer nicht. Erst als man mir auf dem FORCE ATTACK einen Flyer, dieser Veranstaltung in meine ungewaschenen Hände drückte war ich mir halbwegs sicher, daß an dem Gerücht FUCKIN´ FACES würden noch mal live spielen etwas Wahres dran ist.
Soweit alles in Ordnung. Nur sagte mir just an dem Tag meiner Rückkehr aus Holland meine Mitfahrgelegenheit nach Dippach, wo das ganze stattfinden sollte und in der Nähe von Eisenach liegt ab, so daß ich mir doch irgendwie einen Kopf machen musste, wie ich da nun am Besten runter kam.
Meine Rettung fand ich in Nuffe (Danke noch mal – und Du hast bei mir nun was offen!!!), der mich mit 2 anderen Leutchen 450 km nach „unten“ chauffierte und wohlbehalten auch wieder zurück brachte. Aber dazu später. Die Strecke stellte sich als länger heraus als ich dachte. Glücklicherweise war das Auto aber so klein, daß der Kasten „Frankfurter Pilsener“ auf die Rücksitzbank verfrachtet werden musste und wir somit genügend Proviant für die Fahrt hatten – außerdem stand ich ja auch noch gut im Training. Wer weiß wie lange die Fahrt noch gedauert hätte. Nur Nuffe hat sich das ursprünglich bestimmt anders vorgestellt. Denn immerhin hat er auch einen, nicht unerheblichen Betrag zum köstlichen „Nass“ beigesteuert und musste nun mit ansehen, wie sich der Kasten zusehends leerte (Auch dafür noch mal Danke – Du hast noch was bei mir offen!). Aber einer muß ja nun mal den Fahrerarsch machen & irgendwann triffts jeden. Und immerhin blieben für ihn ja auch 3 Biere übrig ;-)
Nach mehreren Pinkelpausen kamen wir dann auch endlich irgendwann am Ort des Geschehens an. Wir hatten zwar keine Ahnung, wo das ganze nun genau stattfinden sollte. Aber direkt kurz nach dem Ortseingangsschild tummelten sich bereits so viele Punks auf den Strassen, daß man ihnen einfach nur folgen musste. Das Wetter war nicht so toll, aber immerhin sollte das ganze in einem großen Bierzelt stattfinden, so daß man den Wettereinflüssen nicht all zu sehr ausgesetzt sein sollte. Gut so.
Also rein. Während wir ein blaues Armbändchen bekamen liefen die meisten allerdings mit roten Armbändchen durch die Gegend. Was sollte das? Gab´s am Eingang ´ne Gesichtskontrolle, durch die wir gnadenlos durchfielen? Bekam man damit irgendwo das Bier billiger? Haben sie damit unseren physischen Zustand eingeschätzt?
Nein. Man erzählte mir später, daß man gar nicht mit so vielen Leuten gerechnet hatte. Und nachdem 2.000 (!) Leute Ihr Armbändchen bekommen hatten, waren die roten einfach alle und man verteilte von nun an blaue Bändchen. Puh! Glück gehabt
Generell waren die Veranstalter sehr, sehr zufrieden. Kein Wunder.
Richtig schön haben sie das gemacht. Fressbuden, Bierstände, wie auf so einem kleinen Volksfest. Wenn ich’s mir recht überlege, war es das ja auch fast.
Keine Ahnung mehr wie lange, hatten FUCKIN´ FACES nicht mehr gespielt. Damals hatten sie sich, als die Kommerzvorwürfe immer lauter wurden und schließlich Flaschen auf die Bühne flogen, getrennt & hatten seitdem nichts mehr gemacht. Bis zum Anfang des Jahres. Der ursprüngliche Schlagzeuger (kurz vor Auflösung der Band spielten sie eine Weile schon ohne ihn, soweit ich mich erinnern kann) DROPS arbeitet mittlerweile in einem Fitnessstudio in Dippach und hat durch seinen Job jemanden von SONNE OST kennen gelernt. Die machen auch Musik, wenn auch nicht soooo punkig. Aber immerhin schien der Kontakt so gut zu laufen, daß sich auch die „FACES“ mal wieder im Proberaum trafen und ein wenig musizierten. Anscheinend kam bei den Proben wieder so viel Spaß auf, daß man sich dachte, wieder mal live zu spielen. Und wenn das nicht schon genug gewesen wäre. Nebenbei schrieb man sogar noch neue Songs, die dieser Tage auf NASTY VINYL in Form eine Split-CD mit SONNE OST erscheinen. FALSCHER FILM heißt die übrigens. Davon erfuhr ich aber auch erst während des Konzerts.
Und dies war der Hammer. Die ersten 3 Bands, darunter SONNE OST, haben wir leider verpasst & so schenkten wir erstmal DRITTE WAHL unsere volle Aufmerksamkeit. Ich glaube, die Jungs aus Rostock habe ich in den letzten Jahren so oft wie keine Zweite Band gesehen. Musikalisch fahren sie je ein volles Brett auf & das nur mit einer Gitarre auf der Bühne. Im Studio kann man ja immer viel rumtricksen. Aber, daß sie das noch gut live umsetzen können spricht sehr für die Klasse dieser Band. Allein um die Live-Variationen und die kompromisslose Umsetzungen zu hören, lohnt es sich mal ein DW-Konzert zu besuchen. Da ich sie aber schon so oft sah, fand ich sie diesen Abend nicht sooo klasse. Sie hatten wohl arg mit dem Bühnensound zu kämpfen, was einer Band ganz schnell den Spaß an einem Konzert vertreiben kann. Das Publikum sah es aber nicht so eng und feierte die Band knapp 80 Minuten gnadenlos ab. Einen guten Eindruck eines solchen Konzertes kann man sich auf der LIVE-Platte von DRITTE WAHL namens „ROGGEN ROLL“ verschaffen, welches im letzten Jahr erschienen ist. Eine weitere Überraschung in Form eines Silberlings erwartete mich dann aber beim Besuch des DW-Merchandise-Stand. Denn dort gab - und gibt es in Zukunft auch nur dort und auf der Homepage der Band - einen zweiten Teil der Liveplatte zu erwerben. Diese nennt sich „MEER ROGGEN ROLL“ und enthält weitere Livestücke, die auf dem ersten Teil nicht enthalten waren und ist, soweit ich weiß, erstmal auf 1.000 Stück limitiert. Also haltet Euch ran.
Die Leute feierten & das Bier floss in Strömen. Unglaublicherweise wurde das, halbwegs gut schmeckende, Fassbier an die Leute in Gläsern (!) ausgeschenkt. Sowas habe ich auf Punkrockkonzerten noch NIE erlebt. Dass die da keine Angst hatten?! Aber so was kann man wohl wirklich nur in Sachsen / Thüringen machen. Dort herrscht fast immer eine friedliche Stimmung.
Und dann kam die Band auf die alle gewartet hatten. Die FUCKIN´ FACES. Machten sie anfangs doch misstrauische Gesichter so wichen die Gesichtszüge bald einem freundlichen Lächeln und man spielte sich durch die gesamte Schaffensphase inklusive aller 3 Studioalben der Band. Selbst die neuen Songs brachte man gut ins Programm ein, ohne jetzt aber großartig auf die Neuerscheinung der Splitplatte groß rumzureiten. Selbst ich war überglücklich, noch mal ein Stück meiner „Jugend“ erleben zu dürfen. Schließlich waren sie die Band, die mir auf dem ersten Teil der SICHER GIBT ES BESSERE ZEITEN…. – LP-Reihe auf HÖHNIE RECORDS positiv aufgefallen sind und mich später lange Jahre begleiteten. Überhaupt begleiteten mich die „FACES“ bei einigen Geschichten meines, na ja, doch noch jungen Lebens. Auf diesem Sampler war der Song „Wir wehren uns“ drauf, den sie an diesem Abend jedoch nicht spielten. Ich glaube, weil sie nicht mehr sooo hinter dem Text stehen und ihn teilweise für pubertär halten. Das war jedenfalls die Begründung, als sie das letzte Mal, daß ich sie sah, den Song nur nach mehrmaliger, lautstarker Aufforderung und nur unter schärfsten Protest spielten. Das tat der Stimmung jedoch keinen Abbruch. Das Dauergrinsen biss sich in meinem Gesicht fest und als sie nach über eineinhalb Stunden die Bühne mit dem Satz verließen: „Vielen Dank Leute, kommt gut nach Hause. Macht nichts kaputt, dann können wir das nächstes Jahr vielleicht wiederholen…“ war ich doch glücklich diese Band noch mal gesehen zu haben. Von jemanden aus dem Umkreis der Band erfuhr ich, daß die FUCKIN´ FACES ein paar Tage zuvor schon mal so eine Art „Testkonzert“ in einem Jugendclub in der Nähe von Eisenach machten. Hoffen wir also mal, daß sie wieder so viel Spaß an diesen Konzerten gefunden haben und uns in Zukunft wieder des Öfteren beehren.
Nach etwas Plauderei und dem dazugehörigen Bierkonsum ging es nach wieder mal nur 3 Stunden Schlaf zurück in Richtung Heimat. Dort angekommen ging es erstmal ins Bett und auch noch nach dem Aufstehen war ich Glücklich. Und wenn es tatsächlich noch mal ein weiteres Konzert dieser Art gibt bin ich auf jeden Fall wieder dabei.

mieschka | So., 31. Aug 2003 | Konzertbericht

in der Alten Kantine am 21.08.2003

Ska, Reggea, Salsa, Punk, Cumbia und Rock ...

Nun ja, Karamelo Santo spielten also nicht im RAW-Tempel, sondern in der Alten Kantine. Der Eintritt betrug demzufolge nicht 6 Euro, sondern 8 Euro. Und anstelle von DJ Pepe legte ein Mister Namenlos auf, der anstatt heißer Latino-Sounds erst einmal Beck spielte nach dem Konzert. Aber sei‘s drum. Was nimmt man nicht so alles auf sich, um eine gute Band zu sehen (unter Umständen auch super-inkompetente Tourmanager, wenn man neben dem Konzert auch noch ein Interview von der Band haben will).

In Anbetracht der Location verlief in der gut organisierten und schick sanierten Kulturbrauerei natürlich alles sehr geordnet und ruhig ab. Nix da mit anarchischen Zuständen wie beim Panteón Rococó-Konzert im RAW. Obwohl das ja eigentlich ideal zu der Musik passt. Aber was soll’s, Konzertveranstalter haben ja auch ihr Kreuz zu tragen. Da ist man lieber einmal mehr auf der sicheren Seite mit einer Location, die wahrscheinlich per se schon einige Besucher abschreckt, dafür aber ein gut organisiertes Konzert verspricht. Und gut war das Konzert, immerhin.

Die Alte Kantine war gut gefüllt, wenn auch nicht ausverkauft, und das Publikum unterteilte sich in Rastas, einige Berliner Szenegestalten, erstaunlich wenige La-tinos und einige Schicksen. (Ob das nun an der Location lag, bleibt wohl reine Spekulation). Die Argentinier Karamelo Santo, die auch schon mit Manu Chao zusammen gespielt haben, betraten gegen viertel nach zehn die Bühne, rockten volle zwei Stunden durch und erfreuten das Publikum mit ihrer Mischung aus Ska, Reggea, Salsa, Punk, Cumbia und Rock.

Wie auch schon im Lindenpark im Juli, wurde bei “El Reo” soviel Publikum auf die Bühne geholt, wie raufpasste ( in diesem Fall waren das nur drei Pärchen, aber wie gesagt, wir waren ja in der Alten Kantine...). Alle anderen tanzten munter vor und neben der Bühne weiter und bei der Zugabe wurde nochmal ordentlich gefeiert. Alles in allem ein gutes Konzert, obwohl mir das gewisse etwas gefehlt hat. Irgendwie gefällt mir die Band auf Platte besser als live, aber vielleicht lag das ja auch an dem schnöseligen Umfeld, in dem das Konzert stattfand. Manche Bands passen halt besser in Subkultur-Ecken als in Styler-Viertel.

Autor: Anne

matthias | Do., 21. Aug 2003 | Konzertbericht

vom 19.08.03

Nachdem man sich zuletzt den spanischen Bands widmete
(vgl. Dusminquet / Ojos de Brujo Bericht), wurde heute die französische Ecke im Europamix des Popdeurope Festivals eröffnet. Das, wie auch schon in den vorrangegangenen Veran-staltungen, gut besuchte "Haus der Kulturen der Welt" stellt seine Dachterrasse allen Herbeigeströmten zur Verfügung. Die für heute angekündigten Unterhaltungsfachleute sind fabulous trobadors und massilia soundsystem

Fabulous Trobadors - das sind die beiden stimmgewaltigen und sprachgewandten Claude Sicre und Jean-Marc Enjalbert. Die zwei werden vom dem obligatorischen Tamborin, einem Keyboard und einer genial eigenwilligen Gitarre begleitet. Als Gesangsverstärkung stehen drei Frauen zur Verfügung. Der Mix aus verschiedenen Stilen wird in Französisch, Arabisch und Okzitanisch präsentiert. Den diesen Sprachen mächtigen Besuchern wird so der Kampf für eine bessere, demokratischere und pluralistische Gesellschaft nahegelegt.
Dabei beeindrucken die Zwei durch immens schnellen Sprechgesang, der jeden Rapper den Angstschweiß auf die Stirn zaubern würde. Leider litt die musikalische Untermahlung des ganzen ein wenig. Etwas mehr an rhytmischen Abwechslungsreichtum hätte ich schon erwartet. Das kann allerdings das beeindruckende Gesamtkonzept der Toulouser nicht mindern.

Nach dem üblichen Rumstehen und Warten, enterten dann Massilia Soundsystem die Bühne. Das riesige DJ-Pult erfüllte auch gleich seinen Zweck und es wurden einem fette Rhytmen direkt durch den Körper gedrückt. Geil! Die sympatischen Männer aus Marseille bewiesen, dass sie das Ganze schon seit zwanzig Jahren betreiben und hatten das Publikum auch gleich in ihrer Hand. Weniger schnell als fabulous trobardors, aber dafür mit viel Inbrunst knallten sie ihre Texte durchs Mikro. Ebenfalls mit viel Zündstoff. In ihrer Heimat sind sie bekannt für ihr Engagement gegen die Front National und für das Aufgreifen der aus der multiethnischen Gesellschaft Marseilles resultierenden Probleme.

Doch wer Inhalt und Anspruch mit Spaßlosigkeit verwechselt, liegt bei Massilia Soundsystem falsch. Das erste Konzert in Deutschland nutzen sie, um klar zu machen, wie viel Spaß man haben kann. Da tanzte die ganze Menge, genoß die Freirunde Pastis und endließ die Band erst nach ordentlichen Zugaben. Auch ihr schauspielerisches Talent präsentierten sie, ist nur die Frage wer denn kapiert hatte das da nicht wirklich mitten im Konzert auf der Bühne mit dem Handy telfoniert wurde. Wäre der Umstand der Kanzlernähe und der gesetzlichen Deadline nicht gewesen, wären wohl noch weitere Lieder erklungen.

Wer Musik mit Anspruch sucht und trotzdem ordentlich feiern möchte, ist hier genau richtig. Außerdem kann wohl keiner dem Flair der französischen Sprache entfliehen.

matthias | Di., 19. Aug 2003 | Konzertbericht

Taubertal Open-Air / 10.08.2003

Der Mastermind der Ärzte mit seinem Racing Team

Ab und an kommen ja viele Musiker bekannter Bands auf die glorreiche Idee, von nun an auf Solopfaden zu wandeln, um zu zeigen, dass sie auch alleine Musik machen können und um möglicherweise noch mehr Platten zu verkaufen. Bei den wenigstens geht das gut, siehe die Spice Girls oder Evan Dando von den Lemon Heads, die dann das untere Drittel der Charts bevölkern. (Ausnahmen bestätigen die Regel: Robbie Williams). Nicht so bei Farin Urlaub, denn der Mann weiß was es heißt, Musik zu machen. Und er hat die nötige Selbstironie, sich selbst nicht zu ernst zu nehmen und seinen Songs trotz musikalischen Könnens einen ordentlich lustigen Text zu verpassen.

So kam es auch, dass das Konzert im ausverkauften Taubertal zu einem Highlight des Festivals avancierte. Angereist kam der Mastermind der Ärzte mit seinem Racing Team, einer (fast) reinen Frauenband inklusive drei Backing Vocals plus den Bläser der Busters, die bei Farin Urlaub durchaus besser aufgehoben schienen als bei ihrer Stammcombo. Vor dem Konzert war das gesamte Team für eine ganze Stunde am Festival-Planer-Stand aufzufinden, wo fleißig Autogramme geschrieben wurden und sämtliche Fans dahin schmolzen, bei so viel Freundlichkeit und positiver Ausstrahlung. Der Mann war gut drauf, ohne Frage, denn offensichtlich schien ihn sein Racing Team zu musikalischen Höhen zu beflügeln (was möglicherweise auch an seiner weiblichen Begleiterinnen lag). Und das war auch beim Konzert deutlich zu merken. Vor dem Konzert wurde die Meute mit alten 60‘er Jahre Klassikern und traditionellen griechischen Stücken in Schwung gebracht, bis dann das Konzert mit voller Wucht über die Leute hinweg rollte.

Farin, ganz in seinem Element, überzeugte nicht nur musikalisch, sondern auch durch smarte Sprüche ans Publikum. Endlich mal wieder ein Konzert, wo die Band nicht nur platt die Playlist runter, sondern mit dem Publikum spielte. Eine Kunst, die er mittlerweile durch das lange Touren mit den Ärzten sicher beherrscht. Logisch, dass da die obligatorischen BH’s auf der Bühne nicht ausblieben. Es scheint fast, dass Farin mit seinem Racing Team’s endlich da angekommen ist, wo er mit den Ärzten nie hinkommen wird. Bei ihm haben die Solopfade zur vollen kreativen Entfaltung geführt, was ja schon an den Song-Titeln „Wunderbar“, „Jeden Tag Sonntag“ oder „Glücklich“ zu sehen ist. Das Konzert bewies, wie schon die Platte, dass Farin Urlaub weitaus mehr kann als einfach nur Spaß-Punk zu spielen. Hier wurde Musik gemacht und zwar volle Breitseite. Von Ska über fette Gitarren, ironische Texte und Liebeslieder war alles vertreten. Ein Fest, dem sich keiner des Publikums entziehen konnte, so dass zum Schluß wirklich jeder durchgeschwitzt und glücklich den Platz verließ. Schade nur, dass das Racing Team und Farin wahrscheinlich erst im übernächsten Jahr wieder zu sehen sein werden. Wer weiß - aber das nächste Konzert wird mit Sicherheit wieder ein Fest.

Autor: Anne

matthias | So., 10. Aug 2003 | Konzertbericht

Budapest, das Zelt beherbergt schätzungsweise 600 Leute, Kondenswasser tropft von der Zeltdecke. Lautstark und exzessiv feiern die Anwesenden. Auf der Bühne rocken "Dusminguet".

Ojos De Brujo

Knapp eine Woche später findet der dritte Veranstaltungstag der Popdeurope statt. Wieder wie vor einer Woche auf dem Szigetfestival in Budapest sind "Dusminguet" und "Ojos De Brujo" angekündigt. Durch große Bemühungen seitens der Popdeurope verschiedenste Musikrichtungen wie z.B. HipHop, Dancehall, Mestizo, R`n`B an einem Ort zu vereinen, findet im „Haus Der Kulturen Der Welt“ seit dem 25.07.03 ein Festival statt. Popdeurope befindet sich bereits im 2. Jahr. Durch günstigere Eintrittspreise als im Vorjahr und Gäste wie „Patrice“ ist die Popdeurope in diesem Jahr weitaus besser besucht. Im Abstand von 7 Tagen, verteilt über 6 Wochen sind verschiedenste Interpreten aus der ganzen Welt, die in ihrer Heimat stark angesagt sind, auf der Dachterrasse des HKW zu sehen. Wie z.B. „Massilia Sound Sytem“ die am 15.08. gemeinsam mit „Fabulous Trobadors“ für eine weitere gute Party sorgen sollen.

Den Abend des 09.08.03 wird "Ojos De Brujo" aus Barcelona eröffnen. Auf der Dachterrasse des HKW bildet sich langsam einem Teppich aus Menschen und die Leute werden ungeduldig. Die Hürden des Soundchecks werden mit Verzögerung gemeistert und die Band die gerade mit Verspätung aus Kolumbien eingetroffen ist, beginnen ihre Bühnenperformance unter Beweis zu stellen. Die Band bezeichnet ihren Musikstill als „Jip Jop Flamenquillo“. Ich würde es als flamenco-beträufelten Mestizo bezeichnen, was nicht abwertend, sondern vorstellbar klingen soll. Ihre Show ist gut fürs Auge und animiert zum nachahmen. Drei Frauen bewegen geschickt ihre Körper zu Sounds von Flamenco, gekreuzt mit HipHop und Funk. Ausserdem besteht die Band aus einem DJ, drei Leuten die an Perkussions sitzen und es gibt drei Gitarristen. Insgesamt sind es 10 und jeder darf mal zeigen das auch in ihm der Rhythmus lebt.
„Auge Des Hexers“, so die wortgetreue Übersetzung des Bandnamens zieht ein breitgefächerte Publikum an, von jung bis alt und vom Punk bis zum Schlipsträger. Obwohl die tanzendende Menge nicht genug bekommen kann, wird die Show um 22.00 Uhr beendet, da im Nachbargarten des HKW unser Bundeskanzler schlummert und viel nachzudenken hat.
Musikalisch war "Ojos De Brujo" perfekt, doch wer nicht die ganz Zeit in die Hände klatschen und sich zu Flamenco die Hüfte ausrenken will, dem sei die Band nicht all zu sehr empfohlen. Wobei das Auge eine schöne Party feiern kann.

Dusminguet

Da eigentlich "Dusminguet" als Vorband agieren sollte, doch ebenfalls durch eine Verspätung des Fliegers verspätet eintrafen, wurde das Konzert zeitlich nach hinten verschoben und in das Innere des HKW verlegt. Da der Ausstellungsraum des HKW nur eine Kapazität von 1000 Leute zulassen soll, konnte man im vornherein sich bereits für eine der Bands entscheiden oder beide für 12 Euro sehen. Ich bin aber der Auffassung dass sich die meisten für Ojos De Brujo entschieden haben. Der Ausstellungsraum war angenehm gefüllt, schöne Lichteffekte und eine Klimaanlage sorgten ausserdem für eine entspannende Atmosphäre.
Nachdem mir "Dusminguet" auf dem Szigetfestival in Budapest ein einzigartiges Konzerterlebnis lieferten, erhoffte ich mir an diesem Abend wahrscheinlich etwas zu viel. Meiner Ansicht nach war die Band weniger gut gelaunt als eine Woche zuvor, ausgeschlossen sei hierbei natürlich der Bassist, der sichtlich Spass hatte und am Ende des Konzerts auch noch mal seine, an „Buena Vista Social Club“ erinnernde Stimme präsentieren durfte. Aber auch alle anderen Bandmitglieder, 6 an der Zahl, schienen nicht ausschließlich ihr eigenes Instrument zu beherrschen.

Obwohl ich nicht das Feeling der Vorwoche vernehmen konnte, war ich wieder von der sehr tanzbaren Musik begeistert.
Ihr Musikstil ist wie so oft schwer mit einem Wort zu beschreiben. Sie verbinden in ihrer Musik Katalanischen Rumba, Karibischen Reggae und Latin-Grooves. Sie wird begleitet durch ein Akkordeon, Perkussion, einem Keyboard, Gitarre, Bass und einem Schlagzeug.
Es macht wohl wenig Sinn noch näher auf die Bühnenperformance einzugehen. Wer mit den erwähnten Musikstilen was anfangen kann und auf abwechslungsreiche Musik abfährt, ist bei dieser Band richtig. "Dusminguet" rockten mehr als "Ojos De Brujo", das Publikum war begeistert und die Getränke teuer.

www.dusminguet.com
www.ojosdebrujo.com

Autor: Stefan

matthias | Sa., 09. Aug 2003 | Konzertbericht

aposkalypse die fünfte und 900 zahlende gäste

Es war einmal ein Randbezirk namens Köpenick, welcher für Ska und Reggae Fans nicht gerade interessant war. Doch das war einmal. Seit nunmehr fünf Jahren findet im Naturtheater Friedrichshain ein Event statt, das die Veranstalter als Ska Skunk & Reggae Festival bezeichnen.

Seit 1999 steht die „Aposkalypse“ für wenig Eintrittsgeld und ein Lineup, was sich sehen lassen kann. Im Laufe dieser verhältnismäßig kurzen Zeit waren schon Größen wie "Skaos", "Spitfire", und "The Slackers" sowie zahlreiche Berliner Ska- und Punkbands auf dieser Bühne zu sehen. Auch die Humpakönige “Eläkeläiset" waren im Jahr 2000 mit von der Partie.

Auch dieses Jahr wurden anscheinend keine Mühen und Kosten gescheut, um der Skagemeinde ein ordentliches Programm zu bieten. Wie gewohnt, begann die 5. Aposkalypse um 15.00 Uhr. Den Startschuss gaben die Berliner „Cool Breeze“, dicht gefolgt von „Ska`t“. Als ich mit etwas Verspätung die Arena des Naturtheaters betrat - die ersten beiden Bands hatten bereits ihr Soll erfüllt - konnte man nicht gerade von Menschenmassen reden, doch das sollte sich noch ändern. Wahrscheinlich waren an diesem heißen Nachmittag noch viele Leute von der Hitze abgeschreckt.

Also kamen die ersten Klänge, die ich an diesem vielversprechenden Abend vernahm, nicht von einer Band, sondern von DJ Cosmic Frog. Mal abgesehen davon, dass die Dancehallnummern nicht gerade zu den bevorstehenden Bands passten, hatte er schöne Stücke dabei, die Lust auf mehr machten.

Nach schätzungsweise einer halben Stunde Umbaupause, beglückte uns die Aachener Band "Jogit Beat“ mit ihrer Reggaemusik, die perfekter nicht zum Sonnenschein hätte passen können. Mit Reggae allein wird man dem Stil der Band aber sicherlich nicht gerecht. Vielmehr handelt es sich um ein gelungenes Zusammenspiel der außergewöhnliche Stimme, die sich mit der Bezeichnung „the roots of reggae“ kaum besser beschreiben lässt, mit schnellen Offbeats und rhythmischen Blasklängen in feinster Skamanier.
Die Tanzfläche, die bis dahin nur von etwas übereifrigen Kameraleuten genutzt wurde, schien nun mehr und mehr ihrem eigentlichen Dasein gerecht zu werden. Das, von der Sonne geplättete und somit noch etwas tanzfaule Publikum, sollte ihren Auftrieb aber bald durch Lieder wie "Who Declared That War“ oder auch "Chicken Swing“ bekommen.

Während DJ Cosmic Frog seinen Musikgeschmack wieder unter Beweis stellen konnte, wuchs die Spannung. Denn als nächstes standen "Maroon Town“ aus Great Britain auf dem Plan. Mit ihren zwölf Jahren Banderfahrung ließ die Gruppe auf Großes hoffen. Dass die Band in der ganzen Welt zu Hause ist, lässt sich wunderbar ihrer Musik entnehmen. Für eingängigen Skasound, den ich erwartete, hatte "Maroon Town" aber nicht viel übrig. Vielmehr dominierte ihre Musik der Soul. Dazu versuchte sich der Sänger im Hip Hop, die Sängerin brachte uns ein paar afrikanische Riddims mit. Für mich war es nicht gerade die Band, auf die es sich sehnlichst zu warten lohnte, aber dem Rest der Festivalbesucher gefiel es anscheinend doch ziemlich gut. Immerhin beschränkte sich das Tanzfieber mittlerweile nicht mehr nur auf die die viel zu kleine Tanzfläche, sondern breitete sich stetig die Zuschauertribune hinauf aus.

Was ich bei "Maroon Town" vermisst hatte, verabreichten mir "Mark Foggo`s Skasters" endlich in gewaltiger Portion. Dass Mark Foggos Anfänge unter anderem auch vom Punkrock beeinflusst sind, lässt sich bei seinem Showtalent nicht verbergen. Mit groß aufgerissenen Augen fegte er die Bühne auf und ab und infizierte auch die letzten Tanzfaulen mit Bewegungsdrang. Mit ihrer eingängigen Skamusik erreichte die Band wohl fast jeden Anwesenden. Wobei ... dem Typen, der bereits mehrere Stunden hinter’m Bierwagen lag und schlief, konnte die Musik wohl auch keine Gefühlsänderungen mehr abgewinnen. Als Höhepunkt gab es ein Feuerwerk, gefolgt von der lange befürchteten Rausschmisskundgebung und dem damit verbundenen Hinweis, die Location zu wechseln.

Nun ging es ab zur Indoor-Veranstaltung, wo ich mich auf „Furillo“ freuen durfte. Doch die Band ließ lange auf sich warten. Nach langem Ausharren, kündigte Meyer, der Moderator der Aposkalypse und seines Zeichens Ex- Sänger der Lokalmatadore "Mother´s Pride" nun endlich "Furillo" an. Gewohnt lässig, zeigte sich die Combo und versuchte gleich das Publikum für sich zu gewinnen.

Wie geschaffen für die Skapunkrocker aus Kopenhagen schien mir die Größe des ABC-Clubs. Doch leider war nur noch ein sehr geringer Teil des ursprünglichen Publikums anwesend. Sehr schade für die Band, die sich, meiner Ansicht nach, sehr große Mühe gaben, dem Zuhörer und -schauer etwas zu bieten. Es gelang den „Furillos“ einfach nicht, die Masse, die vor dem ABC-Club saß, in die Hütte zu bewegen. Vielleicht lag das auch an dem viel zu schlecht abgemischten, übersteuerten Sound, denn wenn man nicht direkt vor der Bühne stand oder selbstgebaute Ohrstöpsel benutzte, war die Lautstärke im ABC-Club eine Qual! Nichts desto Trotz gaben die sieben Dänen alles und brachten das Konzert mit gewohnt genialer Show über die Bühne.

Wie schon im letzten Jahr wird es eine Aposkalypseaftershowparty geben. Wann genau ist noch nicht klar. Man kann sich aber auf August / September freuen.

mehr Infos unter www.aposkalypse.de

Autor: Stefan

matthias | Fr., 01. Aug 2003 | Konzertbericht

am 25.07.2003

Record Release Party von Skatoon Syndikat
Am Freitag, den 25.07. hatte das Skatoon Syndikat in den Mudd Club zur Record-Release/ Sunsemilla-Party mit Konzert, Open Air Buffett und DJ-Marathon geladen.

Sie kamen um das Volk
mit vier neuen Stücken zu erfreuen und die neue limitierte Vinyl unters Volk zu bringen.
Angesichts des diesmal betriebenen Guerilla- Marke-tings (der gesamte Weg zum Mudd Club war mit Plakaten und Flyern regelrecht ge-pflastert) war mit einer guten Masse an Menschen zu rechnen, die dann auch zunehmendst den Club bevölkerten.

Ab 18 Uhr gings draußen auf dem Hof los, wo ein fast orginal getreuer weißer Jamaikaner mit fast orginal getreuen Dreadlocks an der Mütze Jerked Chicken verkaufte und die Leute sich trinkenderweise auf den Couchen rum lümmelten. Angesichts des guten Wetters erfreute sich der kleine Hof größter Beliebtheit und der schummerige Mudd Club selbst blieb bis zu Beginn des Konzerts so gut wie leer. Irgendwann gegen 23 Uhr hatte sich die Band dann zusammen gefunden, so dass der Hof schlagartig leer wurde und der kleine Mudd Club schlagartig voll. Die Leute schwitzen, der Schweiß tropfte von der Decke (wie das halt in Kellergemäuern so ist) und überhaupt erfreute sich das Syndikat mal wieder größter Beliebtheit bei den Fans.

Die neuen Reggae- und Skastücke kamen gut an und das Publikum konnte sich erst nach der zweiten Zugabe zufrieden geben. Danach wurde lustig munter auf dem Hof und im Club weiter gefeiert, aufgelegt und alte Platten versteigert. Die Skatooner selbst feierten bis in die Puppen und machten der Party alle Ehre. Denn eins muss man ihnen lassen, abgesehen davon, dass sie wirklich gute Musiker sind.

Wie man Partys organisiert haben sie inzwischen gelernt. Im Vergleich zu dieser Party sieht man, dass die Record-Release-Party des letzten Jahres im Tommy-Haus noch lange nicht dem Potential der Band entsprach.

www.skatoon-syndikat.de

Autor: Anne

matthias | Fr., 25. Jul 2003 | Konzertbericht

am 05.07.2003 in Berlin / MUDD-Club

„Gipsy-Folk-Rock-Punk-Band“, das klingt doch schonmal interessant und ne Band aus Seattle, deren Mitglieder serbisch, kroatisch, bulgarisch oder amerikanisch sind, verspricht eine interessante Mischung. Also hieß es: „Auf in den MUDD-CLUB!“ Man glaubt es kaum, auch im Yuppie-Bezirk Mitte gibt es also klasse Läden von denen man noch positiv begeistert werden kann.

Die Ausrichtung des Ladens auf Rußland machte sich im leckeren „BALTIKA“ Bier, der Plattenauswahl des DJs und dem Großteil des Publikums deutlich bemerkbar. Konsequenter Weise war auch die Vorband „Zwei Flugzeuge“ aus Russland. Der sehr gut besuchte MUDD-CLUB begann beim ersten Ton an ordentlich abzufeiern. Die sympatischen Jungs gaben sich auch ordentlich Mühe und kündigten ihre Songs sogar für die Nicht-des-Russischen-Mächtigen auf Deutsch an. Nach einem wunderbaren und die Massen begeisternen Gig der Russen kamen dann KULTURSCHOCK auf die Bühne. Sie schafften es mit dem ersten Song, die begeisterten Leute, noch eine Stufe höher zu schrauben. Die Lieder knallten direkt in die Gliedmaßen und man war gezwungen einfach abzufeiern. Die Decke des Clubs feierte auch ordentlich mit und ließ es sich nicht nehmen die Hitze des wie willt tanzenden Publikums direkt durch jede Menge Kondensationstropfen (jajaaaaaa ich hab nen Fremdwort benutzt) zu begleiten. Stimmung total!!! KULTURSCHOCK verstehen es echt eine vom allgemeinen Allerlei abweichende, direkt ins Herz und dem lächerlichen Rest des Körpers gehende Musik zu kreieren. Selbst gelangweilte Spaßbremsen hatten keine Chance. Vielleicht sollten sich die Jungs mit nem Physiotherapeuten-Team (mensch schon wieder nen Fremdwort) umgeben, das geht doch echt auf die Gelenke!!! Und den Grinsekiefer wieder einrenken, ist doch eher was für Experten. Jedenfalls hätten es alle sicher nötig gehabt. Wer dort nicht, nach jedemenge Krachern und wunderbaren Zugaben, begeistert rausgegangen ist, muß taub und blind gewesen sein. Das geilste am ganzen ist, das die Band auch noch ne Menge zu sagen haben. Viel Spaß mit viel Aussage, was will man mehr!?!
Mehr dazu gibt’s in Annes Interview mit KULTURSHOCK zu lesen.

Fazit: CD kaufen, auf dauer Rotation stellen und hoffen das man Kulturschock bald wieder live erleben darf!!

matthias | Sa., 05. Jul 2003 | Konzertbericht

vom 26.06.03 im SO 36

Als ich die Ankündigung zum Konzert las, konnte ich es eigentlich gar nicht glauben. Jedoch gehören irgendwelche Reuniontouren von abgewrackten Inselaffen oder Amis ja aber schon zum Alltag, so daß es mich eigentlich gar nicht hätte wundern dürfen. Und doch, die ANGRY SAMOANS sind was Besonderes. Auf meiner Odyssee durch die Punkrockwelt begegneten sie mir relativ früh, als sie auf einem Sampler, den ich wegen zweier, unveröffentlichter, CANALTERROR Songs gekauft hatte, auf dem sie ebenfalls mit 2 Songs vertreten waren. Die gingen ab, wie Schmidt´s Katze und brannten sich unweigerlich, da es die ersten beiden Songs des Albums (welches sich übrigens „UNDERGROUND HITS 2“ nennt) waren, in meine Gehirnwindungen ein. Das muss so 1994 gewesen sein.

Für die einen ist es ja Pech. Die, welche die Bands schon vor 20 Jahren, womöglich noch die SEX PISTOLS in der Garage beim rumklimpern, gesehen haben und beim gepflegten Bier schön rumprollen können, wie lange sie schon in der Szene sind. Glück ist es aber für die anderen, die Spätgeborenen, den ein oder anderen Klassiker noch mal live erleben zu dürfen. So ging es mir schon einmal vor ein paar Jahren, 1998, als ich das Glück hatte, die großartigen NEUROTIC ARSEHOLES im Thommyhaus sehen zu können. Ein Konzert, welches bis heute noch ganz oben in meiner AllTimeFave-Liste steht.
Was konnte man aber nun erwarten? Ich wusste es nicht. Zur Not, wenn es ganz schlimm kommen sollte, gab es ja aber immer noch die anderen 3 Bands, die man wenigstens, so glaubte ich, einzuschätzen vermochte.
Ich kam verhältnismäßig spät. Das aber auch absichtlich, denn erstens war so schönes Wetter und zweitens war ich allein. Leute darauf angesprochen, ob sie mitkommen wollten, konnten mit dem Namen gar nichts anfangen und nachdem ich meine Geschichte runtergeleiert hatte, gab man mir freundlich aber bestimmt zu verstehen, daß man doch lieber den schönen Tag genießen wolle bzw. schon was vor hätte. Zum Beispiel zu den REAL MC KENZIES zu gehen, die am selben Abend im, na wo wohl, im Thommyhaus gastierten. Die kommen aber doch noch mal wieder….
Hoffe ich doch.
Da ich also keine Lust hatte mir 4-5 Stunden allein die Beine in den Bauch zu stehen, trudelte ich so gegen halb 10 ein.
Erfahrungsgemäß geht ja doch alles immer etwas später los und X Vorbands wollte ich mir angesichts der Hauptacts auch nicht antun.
Ein Fehler. So betrat ich das SO 36 und bekam gerade die letzten Töne von USE TO ABUSE mit. Toll. Auf die hatte ich mich auch gefreut. Irgendwie wurde wohl die Running Order geändert, denn eigentlich sollten sie laut Presseankündigungen als Vorletztes spielen.
Nach verhältnismäßig kurzer Umbauphase waren nun SIDEKICK dran. Da man das „SO“ ja nicht, ohne die Gültigkeit der Karte zu verlieren, so einfach verlassen kann, musste ich mir nun das Grauen, keine Ahnung mehr wie lang, voll antun. Langweiliger Amipunk ohne Ecken und Kanten und einem Sänger, der mit einem eigenen Sidekick-T-Shirt ständig selbige den Leuten unterjubeln wollte, in dem er nervig oft auf den Merchstand hinwies. Das mag ja eine Weile lang lustig sein und irgendwie will man ja auch was verdienen - vom Eintrittspreis von 10 Oi!ro werden sie sicher wenig abbekommen haben - aber irgendwann wird’s dann doch lästig. Ich muss mir ja so was auch oft anhören, aber SO OFT habe ich das bestimmt nicht auf einem unserer Konzerte getan. Das schlimme ist, auf Ihre CD´s haben sie gar nicht hingewiesen & eigentlich sollte doch die Musik im Vordergrund stehen. Wenn sie darauf aber genauso langweilige Mucke spielen, kann ich schon verstehen, daß er die gar nicht erwähnte. Die würde ja niemand kaufen.
Erstaunlich, wie wenig Leute man kannte. Das SO 36 war zwar gut gefüllt. Aber außer den „Üblichen Verdächtigen“ sah ich kaum bekannte Gesichter. Komisch.
Irgendwann kamen dann aber RASTAKNAST und ich hoffte, daß sich meine Laune wieder halbwegs bessern würde. Zu denen brauch ich ja nicht mehr viel zu sagen. Die Zwistigkeiten zwischen der jetzigen Band und Höhnie/Konrad gehören nicht hierher und sollten von den Beteiligten untereinander geklärt werden. Wenn es denn noch was zu klären gibt. Fakt ist, daß RASTAKNAST nur Topalben abgeliefert hat und eine der besten Bands sind, die es momentan in deutschen Landen gibt. Letztes Jahr im Thommyhaus waren sie großartig und nach und nach fragte ich mich, was sich denn seitdem geändert hat. Irgendwie kamen sie mir total lustlos vor. Spielten die Songs routiniert herunter. Ein bisschen Showeinlage hier ein wenig Wechsel am Gesang dort. Aber sonst? Vielleicht war es aber auch das Publikum, daß sich erst nach ca. dreiviertel des Gigs mal ein bisschen bewegte und so was wie Tanz hervorbrachte. Ehrlich gesagt viel mir das aber auch selbst ein bisschen schwer. Lag´s am Wetter oder was? Nein, ich glaube nicht. Es gibt wohl manchmal Tage, da kommt Band und zahlende Gäste nicht auf einen Nenner. So verwehrte man der Hörerschaft (zumindest mir) den Hit „Ostberlin“, der ja eigentlich hier hingehört hätte, spielte dafür aber andere gute Songs aus dem letzten Album und denen zuvor. Naja, es hat nicht sein sollen.
Und langsam, aber sicher hatte ich arge Befürchtungen, daß ich heute überhaupt noch mal was Vernünftiges zu Gesicht bekomme. Es folgte eine endlos lange Umbauphase, die irgendein Typ damit versuchte zu verkürzen, indem er Späße mit dem Publikum machte, und einen Klodeckel mit der Aufschrift ANGRY SAMOANS in die Lüfte hielt. Dazu zählte er Countdown im Minutentakt, bis die Show beginnen sollte. Und als diese anfing, staunte ich nicht schlecht, daß es sich bei eben jener Witzfigur – Dafür konnte man sie glatt halten, mit seitlich gedrehtem Netzbasecap, Klobrille und seinen Bewegungen – um den Sänger der Angry Samoans handelte. Da standen sie nun also, die Prototypen des Amifunpunks. Auf den Tourplakaten hatte man witzigerweise vermerkt, daß sie das erste Mal außerhalb ihrer Heimat SAMOA (!) nun nach Deutschland gekommen seien.
Die Jungs stammen aber aus Kalifornien und schienen nicht so sehr in die Jahre gekommen zu sein, was man an ihrer vitalen Bühnenshow, wenn auch ohne Schnörkel, sehen konnte. Mittlerweile wurde dann auch endlich das ein oder andere Tanzbein geschwungen und man hatte nicht das Gefühl, irgendeinem Fake aufgesessen zu sein. Dass sie nur 3 Shows in Europa bzw. Deutschland (auch Essen und München) spielten und dabei zu sein war zwar was Besonderes. Aber weder von der Band noch vom Publikum ging irgendetwas aus, als daß es etwas Großartiges gewesen wäre. Die Jungs hatten Spaß und das Publikum auch. Das war es, worauf es ankam. Zuvor absolvierte man wohl einige Shows in England und laut Ansage waren sie froh, endlich von dort weggekommen zu sein. Es ist zwar nicht vergleichbar, aber Holgi von den TOWERBLOCKS erzählte mir mal, daß es ziemlich hart ist, in England zu touren. Gönnen wir es ihnen. Schön auch, daß sie eines der Lieder spielten, die ich kannte. Nämlich HOT CARS. Aber auch die anderen Songs wussten zu gefallen. Ja und dann war es irgendwann zu Ende.
Ich kann jetzt natürlich nicht sagen: „Wenn Ihr diese Band seht, dann schaut sie Euch unbedingt an…“. So schnell wird diese Möglichkeit nicht noch mal kommen. Aber eine Platte kann man sich schon von ihnen zulegen. Und dann könnt Ihr vielleicht fühlen, was Ihr verpasst habt.

mieschka | Do., 26. Jun 2003 | Konzertbericht

vom 23.06.2003 in Berlin im Kesselhaus

So rockt also Mexico!!!
Zu meiner Schmach muß ich leider zugeben, das ich LOS DE ABAJO vorher gar nicht kannte. Trotzdem hatte Anne es geschafft mit einer Kurzbeschreibung mir das Konzert schmackhaft zu machen. Also hetzte ich nach der Probe direkt zum Kesselhaus. Nagut hetzen kann man U2 fahren wohl nicht nennen, aber anstrengend war es schon die ganze Zeit sinnlos in der U-Bahn herum zu starren. Leider schaffte ich es nicht mehr vor Beginn des Konzerts vor Ort zu sein. Egal, so war der Eingang wenigstens leer und ich konnte gleich rein.

Drinnen mußte ich mich durch die tanzenden Massen zwängen. Respekt, so viele begeistert tanzende leute hab ich selten gesehen. Also nahm ich meine Konzerthaltung ein. Kippe ins Maul und Bier in der Hand. Hmmmm.....die Musik war geil, aber so blöd hier rumstehen???? Also der holden Weiblichkeit die Kamera überreicht und beide ab nach vorn, Fotos machen. Gabs auch genügend Bewegung auf der Bühne. Wenn meine Erinnerung nicht täuscht feierten dort 11 gut gelaunte Musiker ab. Die ersten paar Lieder zwangen mich schon zu leichten Tanzbewegungen. Naja, bin halt nen ruhiges Gemüt. Doch LOS ABAJO knallten mir einen Kracher nach dem anderen um die Ohren und ma ehrlich wer kann sich gegen Latino-Rythmen schon wehren. Nun wars geschafft, selbst ich tanzte nun mehr schlecht als recht, aber mit viel Spaß. Es wurde einem ja auch allerhand geboten, viel Abwechslung ne wahnsinnig abfeiernde Band und obendrauf noch ne begeisterte Meute. GEIL!!!!!

Nun floß der Schweiß, das Grinsen ging gar nicht merh aus dem Gesicht und das Ganze ging immer weiter. Nun holten sie auch noch ihren special guest auf die Bühne. Irgendwie Dingsbums und Bazooka oder so. Auch egal HipHop halt, aber geil!!! Der Rest der Musiker ging von der Bühne um kurz danach wieder zu kommen und mitzumachen. Nach diesem überaschenden und gleichzeitig guten Intermezzo, gings dann flott weiter. Man sah den Gitarristen oder Bassisten...hhmmmm.....keine Ahnung, jedenfalls jemand der auf Saiten haut, plötzlich mit na Wrestling-Maske über die Bühne flitzen. Der Saxophonist feiert ebenfalls mit akrobatischen Höchstleistungen. Irgendwann gabs noch nen Trommel-Rhythmus-Teil wo er plötzlich wie ein Besengter über die Bühne sprang.GEIL!!! Diese Band wußte echt wie man feiert. Auch Zugaben gabs natürlich in Massen und mit super Stimmung. Geiles Konzert, geile Band und ein wie verrückt feierndes Publikum.
Ich glaub das sind die perfekten Konzerte, man kennt die Band nicht, geht mit na hübschen Frau hin und wird einfach mitgerissen von der wahnsinnigen Stimmung auf und vor der Bühne. Danke LOS DE ABAJO.

Also wer die Möglichkeit hat diese Band zu sehen, ist völlig daneben, wenn er das verpaßt.

matthias | Mo., 23. Jun 2003 | Konzertbericht

vom 23.06.03, im Columbiafritz

War es ein Kräftemessen? Wenn ja, dann haben die MIGHTY MIGHTY BOSSTONES eindeutig den Kampf gewonnen. Den ganzen Tag über konnte man die Unwetterwarnungen verfolgen & alle warteten gespannt darauf, wann dieses denn nun endlich über Berlin hinweg, oder noch besser vorbeiziehen würde.

Ja und dann war es endlich soweit kurz vor 20 Uhr verdichteten sich die Wolken & es brach ein Schauer und Gewitter los, daß man meinen konnte, die Welt würde untergehen. Glück für den, der jetzt nicht gerade draußen rumlaufen musste. Ich hatte dieses Glück, denn ich saß zu diesem Zeitpunkt noch im Auto, bekam keinen Ast auf den Kopf und, oh Wunder, genau vorm COLUMBIAFRITZ konnte ich dem Automobil trocken entsteigen denn der Regen hatte gerade aufgehört. In dieser Region hatten die Bosstones ihren Kampf wohl schon gewonnen. Doch wie würde es innerhalb der Halle ausgehen? Ehrlich gesagt, machte ich mir darüber keine Sorgen. Zu oft konnte ich mir im Vorfeld anhören, was für eine fantastische Liveband die Jungs seien.
Vor dem Club sah man schon einige bekannte Gesichter, man trank noch schnell ein, zwei Bierchen, denn sowohl die Columbiahalle als auch die das Columbiafritz sind ja nicht gerade bekannt dafür die günstigsten Bierpreise zu haben. Langsam zuckte es aber doch schon in den Beinen, denn neben den Bosstones habe ich mich auch noch auf eine andere Band gefreut. Nämlich CAPDOWN aus England, dessen Debüt-CD „Civil Disobedients“ schon oft einige Ehrenrunden in meinem CD-Player drehte. Drinnen angekommen stand also nun eine Band auf der Bühne, die gerade einen Song spielte, der mir auch irgendwie bekannt vorkam. Aber das konnten doch nicht CAPDOWN gewesen sein. Sie rockten ganz gut ab und hatten sichtlich Spaß auf der Bühne und vereinzelt sah man auch einige Leute den Fuß, aber leider auch nur den Fuß auf und abwippen. Nee, so hatte ich mir die nicht vorgestellt. Also ging ich noch mal zum Einlass und fragte, wann denn nun wer spielen würde und bekam zur Antwort: „Ja, zuerst Capdown, dann einen Namen, den ich nicht verstand und dann eben die Bosstones…“. Toll. Am Merchstand schaute ich nach, ob es sich vielleicht um eine andere Kapelle, gleichen Namens handelte. Und tatsächlich fand ich meine CD dort nicht wieder und dachte schon, tja schade, dann eben nicht. So kam die erste Band auch langsam zum Ende & verabschiedete sich auf deutsch, was für mich bedeutete, daß es doch nicht DIE Capdown waren, die ich sehen wollte. Sie waren nicht schlecht und waren recht kurzweilig aber nach, ich denke mal, 30-40 Minuten langte es auch.
Es folgte eine Umbaupause und ich ließ mir doch noch ein Bier im Biergarten schmecken. Ach und die Würste rochen so lecker, die man dort grillte. Aber schließlich war ich nicht zum Essen gekommen.
Ja, und dann…
Schon bei den ersten Tönen wusste ich, DAS waren die Capdown, auf die ich gewarrtet hatte. Die hätten da echt mal ´ne Running Order aufhängen sollen. Aber schön ist es ja doch, wenn man so überrascht wird. Die Tanzfläche füllte sich auch zusehens und die Band rockte, was das Zeug hielt. Die Stücke ihrer ersten CD wussten genauso zu gefallen, wie die, die ich noch nicht kannte und sich wohl auf der neuen Platte befinden. Und, sie hatten auch was zu sagen. Nämlich, daß ihr Premierminister Blair ein ziemliches Arschloch sei. Das wurde vom anwesenden Publikum natürlich mit Beifall honoriert und überhaupt gaben sich die 4 jungen Briten sehr sympathisch, was auch die Tanzfläche immer voller werden ließ.
Wenn man sich so umblickte war das Columbiafritz übrigens nicht sooo voll, was mich doch schon ein wenig wunderte. Aber das Wetter war ja mittlerweile besser geworden und vielleicht machten sich ja doch nach einige Leute auf den Weg.
Ja, und genauso war es dann auch. Nach dem wirklich guten Set von Capdown, und ich rate Euch, sie Euch unbedingt mal anzusehen, falls sie mal bei Euch in der Nähe auftauchen, und der obligatorischen Umbaupause, die ich natürlich wieder im Garten des göttlichen Gebräus verbrachte, war der Laden doch schon um einiges voller, als man vorher annehmen konnte. Wo kamen die denn plötzlich alle her?
Na gut, einige saßen ja noch draußen im Biergarten und deren Anzahl hatte ich doch wohl ein wenig unterschätzt.
Ich also auch wieder rein in die Mitten des Geschehens und der Saal hatte sich auch schon in, ja wie soll ich sagen, einen Freudentempel verwandelt. Überall grinsende und glückliche Gesichter und vor, aber vor allem AUF der Bühne eine fette Party.
Ich muss ja gestehen, daß ich nicht so viele Songs dieser 1985 gegründeten Skacorekapelle kenne, und wenn dann wahrscheinlich nur die „Hits“ aber ich musste schnell feststellen – DIE BAND HAT JA NUR HITS. Und das bei diesem Sound, der übrigens bei allen 3 Bands gleich gut war. Ein großes Lob an dieser Stelle mal an der Mischer des Columbiafritz. Bei dieser Band kann man eigentlich gar nicht still stehen. Sie haben ja sogar ihren eigenen Tänzer auf der Bühne. Finde ich eine geile Idee. Das sollte jede Band haben. Obwohl, na ja, bei einigen (Deutsch)Punk, Oi! - oder Metalbands sieht das bestimmt ganz schön bekloppt aus Hehe. Aber dann hat man wenigstens mal bei manchem Schrott an Musik noch was zu lachen…
Zurück zum Geschehen. Auch ich ließ mich vom Tanzfieber anstecken und verbrachte 90% Zeit der Show auf der Fläche, wo eine netter, fairer Pogomob sein Unwesen trieb – ja selbst die Rucksackspinner hielten sich diesmal zurück und auch Stagediver gab es nicht so viele, daß man, wie so oft, mehr Zeit damit verbringt, irgendwelche Typen aufzufangen, als das man etwas von der Band mitbekommt. 5% verbrachte ich am Rande, um Mitgefährten zu suchen bzw. die gnadenlos gute Show zu bewundern, 2% auf dem Klo 3% am Merchstand – und das hat folgende Geschichte.
Zwischen 2 Songs beteuerte Sänger Dicky Barret, wie sehr er es liebt in Deutschland zu spielen und in Berlin zu sein, und man die Shirts heute statt der angegebenen 20 Teuro für 15 verkaufen würde… - Ach, nein, sagen wir doch besser 10 Euro….
Sofort bildete sich am besagten Stand eine Schlange. Blöderweise hat das nur die deutsche Verkäuferin nicht so ganz mitbekommen bzw. wusste nicht so genau, ob sie diese Ansage nun ernst zu nehmen hatte. Als aber dann doch immer mehr Leute nachfragten, was es denn nun mit dem Angebot auf sich hatte, schickte die arme doch jemanden los, der die Sache aufklären sollte. Als der dann wieder kam und ihr die Ansage bestätigte gab es für einige Leute kein halten mehr. Neben mir kaufte einer gleich 7(!) Shirts. Braucht der für jeden Tag in der Woche eins? Oder will da eine mal den schnellen Euro machen?!
Ich jedenfalls lies mir das Angebot natürlich auch nicht entgehen und besorgte mir ein kleines Souvenir von diesem schönen Abend.
Nach 2 lautstark eingeforderten Zugaben war dann auch kurz nach 12 Uhr Schluß und es hatte sich wahrlich gelohnt, an einem Montag sich noch einmal aus dem Haus zu wagen.
Das nächste Mal bin ich bestimmt wieder dabei & dann kenne ich auch alle Songs…

mieschka

mieschka | Mo., 23. Jun 2003 | Konzertbericht

am 19.06.2003 in Berlin im Kesselhaus

Es ist kaum zu glauben, aber es gibt sie immer noch. Am 19.06. hat uns die wohl älteste Skaband der Welt mal wieder im Berliner Kesselhaus besucht. Erstaunlich, dass es die Herren nach 40 Jahren immer noch auf die Bühne schaffen, aber dafür werden leider von Tour zu Tour auch immer mehr Musiker (zwangsweise) durch Jungblut ersetzt. Helden bleiben nun mal Helden, auch (oder erst recht) nach 40 Jahren.

Vorband waren die Special Guests aus Berlin, die der einschlägigen Szenen mittlerweile mehr als bekannt sein dürften. Meinen Geschmack treffen die Jungs zwar nicht unbedingt, da mir ihre Musik zu austauschbar klingt. Aber egal, dem Publikum schien es ganz gut zu gefallen und der Saal wurde zunehmend voller. Nach ungefähr einer dreiviertel Stunde Berliner Ska gab es dann erst mal eine Pause, bei der sich der Saal schlagartig in eine Wüste verwandelte und der Hof der Kulturbrauerei zeitweise aussah
wie bei einer Open-Air Veranstaltung. Nachdem dann alle wieder ausgekühlt waren, ging es zurück und der Saal verwandelte sich in einen Ska-Hitze-Herd vom feinsten. jung und alt, Skinhead und Hippie, Alternative und Schickimickis vermischten sich und tanzten was das Zeug hielt. Die Skatalites arbeiten brav ihre Klassiker ab und holten nach einer halben Stunde sogar noch eine Sängerin auf die Bühne (leider nicht Doreen Schaffer, sondern das bereits erwähnte Jungblut). Nach einer weiteren Stunde gab es noch einen Ska-Oldtimer zu sehen: Lord Tamano höchst persönlich begab sich auf die Bühne, um uns ein paar Ständchen zu singen. Zusammen mit Lloyd Brevett am Bass gab das ein Bild ab, was einen an sonnige Zeiten in Jamaika denken ließ. Alles in allem eine runde Sache, da die Skatalites auch schon damals mit Lord Tanamo zusammen gespielt hatten. Die Party war also am Laufen und trotz des fortgeschrittenen Alters der Herren, wurde eisern bis halb eins gespielt. Keine schlechte Leistung, würde ich mal sagen.

Autor: Anne

matthias | Fr., 20. Jun 2003 | Konzertbericht

am 14.06.2003 in Brüssel

Endlich hatte ich die Möglichkeiten, meinen persönlichen Helden mal live zu erleben. Manu Chao befand sich nämlich auf Tour durch Spanien, Frankreich und Belgien. Und da hab ich kurzerhand meine Sachen gepackt und bin am 13.6. nach Brüssel abgedüst um Manu Chao sowie einige andere Bands der spanischen bzw. belgischen ska-mestizo Szene am nächsten Tag live zu erleben.

Anlässlich der fortwährenden Öltanker-Unfälle vor den Küsten Europas hatte die Aktionsgruppe nunca mais (never again) einen Aktionstag mit Demo und Konz in Brüssel organisiert, an dem Manu Chao natürlich nicht fehlen durfte. Tagsüber versammelten sich also Spanier, die den weiten Weg anscheinend ohne Probleme auf sich genommen hatten, und einige Belgier in den Strassen Brüssels, um mit Freude “nunca mais” zu rufen und abends gings dann zum ausverkauften Konzert in die Halles de Schaerbeek. Nach ewigem Anstehen und Beten, Gott möge mich doch auch an dem Spaß teilhaben lassen, bekam ich noch eine Karte für schlappe 15 Euro und los gings. O Jarbanzo Negro aus Spanien hatten gerade angefangen zu spielen (pünktlich um 20 Uhr) und der Saal tobte bereits. War auch keine Wunder, da auch beim Konzert mehr Spanier waren als irgendetwas anderes, die wissen ja bekanntlich wie man feiert. Die Pausenansagen waren übrigesn dreisprachig (Französisch-Flämisch-Spanisch), wobei sie sich Flämisch und Französisch eigentlich auch hätten schenken können, da ich immer mehr den Eindruck bekam, die einzige nicht Spanisch-sprechende Person zu sein. Danach spielten die ebenfalls spanisch-sprachigen Ialma aus Brüssel, eine Frauen-Band die in Richtung folkstümlicher spanischer Gesang ging. Auch sie wußten die Masse am Tanzen zu halten (und den Männern schöne Augen zu machen). Nach einer erneuten kurzen Umbaupause und ein paar Bier für sage und schreibe 1,50 Euro (bei 20 gesammelten Bechern gabs sogar noch eins obendrauf, das nenn ich Sauberkeitspolitik...) gings dann mit Jaune Toujours, ebenfalls aus Belgien, weiter, die die Masse mit einer spritzigen Mischung aus französisch-belgischen Ska erfreuten. Nach einer dreiviertel Stunde mußten aber auch sie die Bühne verlassen, um Platz zu machen für den Meister. Und dann tobte der Saal erst recht. Manu Chao spielte so gut wie das gesamte Repertoire durch, unterstützt durch Radio Bemba und Fermin Muguruza, dessen Band zur Zeit eine Pause einlegen muss, sodass er sich kurzerhand mit Manu Chao zum Katumbi Express zusammen geschlossen hat. Die Party schien endlos zu sein, doch nach einem schweißtreibenden Konzert und drei Zugaben war dann gegen 2 Uhr irgendwann auch dieses Konzert zu Ende. Aber wie gesagt, ich war zwar in Belgien, aber umringt von Spanier, sodass die Party natürlich noch lange nicht zu Ende war. Draussen vor den Toren der Halles gings noch lustig weiter (ich hab sogar noch zwei Spanier aus Berlin getroffen). Nach einer Stunde erschien dann sogar Manu Chao höchstpersönlich, um sofort von jungen Spaniern umringt zu werden. Bis dann auch der letzte Tourbus abgefahren war und Manu Chao mit zwei Bandkollegen seinen Heimweg antrat (zu Fuß wohlgemerkt), gefolgt von einem Grüppchen Spanier.

Autor: Anne

matthias | So., 15. Jun 2003 | Konzertbericht

am 07.06.03 – Eberswalde im Exil

Es gibt kein Bier auf Hawaii…
…bzw. auf dem Weg zwischen Eberswalde und Frankfurt (Oder). Oder noch besser gesagt, auf dem direkten Weg, an der Strasse zwischen Eberswalde und Frankfurt.
Wie kommt man zu so einer Aussage. Nun. Zugetragen hat sich das alles Anfang Juni beim CHEFDENKER-Konzert im Exil zu Eberswalde.

Schon Tage zuvor habe ich versucht, jemanden zu finden, der mit mir, auf Grund fehlenden Autos zusammen nach Eberswalde fährt, um diesem Konzert beizuwohnen. Und noch tags zuvor, abends in der MuFa beim Konzert der unsäglichen SOIFASS, dafür aber sehr genialen NOXON sah es sehr schlecht aus, daß ich jemanden finden würde, der den lästigen Job als Fahrerarsch übernehmen wollte. Dabei hätte ich diesen sogar übernommen, wenn eben jemand, wie gesagt, ein Auto zur Verfügung gestellt hätte.
Ich weiß nicht, warum es immer so schwer ist, jemanden in Frankfurt zu überzeugen, wenn es darum geht, mal raus zu kommen. Am besagten Abend sollte es eigentlich, außer schönem Wetter – und damit vielleicht die Möglichkeit baden zu fahren – nur eine der seltenen Tequilla-Parties geben. Grund genug also, diesem tristen Ort mal zu entfliehen.

Doch plötzlich, auf einmal meinte Schrüppe von der Beatrausch (www.beatrausch.de.vu), daß sie durchaus Lust hätte, mit mir dort hinzufahren. Das war doch endlich mal was. Bezeichnend ist, daß Schrüppe natürlich NICHT aus unserem kleinen Oderstädtchen stammt. So ging der Abend zu Ende, ich pfiff mir schnell noch 1-2 Bierchen rein, trank mit TeleMichel, seines Zeichen Schlagzeuger Frankfurts Asselpunkband Nr. 1: TELEKOMA, Brüderschaft und ging in Erwartung eines coolen Folgetages schlafen.
Am frühen Morgen dieses Tages weckte mich mein Telefon, am anderen Ende TeleMichel und die Worte: „Ey, ick hab´n Auto. Ick komm mit.“. Höre ich richtig? Gibt es doch noch Frankfurter, die es wagen, sich in ein Abenteuer stürzen? Oh, ich vergaß, Micha hat ja eine ganze Zeit in Fürstenwalde gewohnt. Naja, auf jeden Fall eine gute Gelegenheit unsere frisch geschlossene Brüderschaft ordentlich zu feiern. Aber was mach ich nun mit Schrüppe? Wenig später erledigte sich dieses „Problem“ von selbst, weil ich mich nach Schrüppes Ansicht zu spät meldete und sie stattdessen lieber – na was wohl – baden fuhr. Ein Glück aber auch, daß man „Geschwister“ hat.
20.00 Uhr wollten wir uns auf den Weg machen. Eine gute Gelegenheit, mal unter „Brüdern“ den Rest der Welt zu erkunden, denn die restlichen Frankfurter hatten „zu tun“ und so würden wir alleine fahren. Die Zeit verging recht schleppend. Und so wurde es halb 8, dreiviertel 8… Und plötzlich à SMS von Michel: „Du, es dauert noch etwas, ich beeile mich aber…“. Super. Das kann ja heiter werden. Chefdenker sind als einzige Band angekündigt und ich befürchte, daß wir gerade den letzten Song mitkriegen und das war´s. Zu allem Überfluss sollte ich auch noch am Sonntagmorgen bei meinem neuen Job in BERLIN um 7.30 Uhr auf der Matte stehen zum Teller waschen im, wie ich neulich erfahren habe, Deutschlands größtem Hostel. Ja, ja ich höre Euch schon: „Vom Tellerwäscher…“. Hoffentlich klappt´s dann auch irgendwann.

Schließlich traf er dann doch ein und es konnte losgehen. Im Auto stellten wir klar, daß an der ersten Tankstelle angehalten und Bier gekauft wird. Außerdem wollte ich nicht, daß Micha, wenn er schon das Auto stellte, nichts trinken kann und bot ihm an, an der besagten Tankstelle das Steuer für die Hinfahrt zu übernehmen.

Aber erstmal los. Scheiße. Nur eine Kassette bei. 4 Promille. Aber egal, wenn das Bier erstmal da ist…
Scheiße aber auch. Die ersten 10-20 Kilometer kann man ja noch mit quatschen überbrücken. Aber langsam sollte doch endlich mal so eine blöde Tankstelle auftauchen. Außerdem ist es höllisch heiß und im Radio läuft „So schmerzt der Winter“. Bin ich hier im falschen Film?! Kilometerstein Nr. 40. Immer noch keine Tankstelle. Dadurch, daß wir das Rauchverbot im Auto von Micha´s Freundin komplett ignorieren wird auch die Kehle auch nicht gerade feuchter. Naja, egal. Wir ham trotzdem Spaß. Unerwartet findet sich plötzlich auch noch ein Song von Knochenfabrik auf dem Tape wieder. Und das ist doch mal ein hervorragender Brückenschlag. Knochenfabrik gibt´s nicht mehr und Sänger und Gitarrist Claus´ neue Band heißt: CHEFDENKER. Die beiden anderen KF-Mitglieder Hasan und Achim sind mit Sicherheit nicht unwichtig. Aber ich glaube, Claus´ unverwechselbare Stimme macht einen Großteil des heutigen und damaligen Knochenfabrik-„Kults“ aus. Und natürlich auch die Texte, die oft vom Denker Claus persönlich stammen. Nun hat er, nach einem kurzen Intermezzo mit Türk und Caddy von den WOHLSTANDSKINDERN bei CASANOVAS SCHWULE SEITE (www.casanovasschwuleseite.de) eine neue Band. CHEFDENKER. Weiterhin sind noch dabei: Graf Disco, der Knüllerkönig und der Kollege (auch Gitarrist bei den ATOMAREN ÜBERMENSCHEN), der seit neuestem auch witzige Berichte auf www.bockwurschtbude.de verfasst. Eine offizielle Platte ist von ihnen noch nicht erschienen. Dafür aber ein Demo mit 10 Liedern, welches man auf ihren Konzerten, oder direkt auf ihrer Homepage (www.chefdenker.de) erwerben kann. Ob aber auch jemals ein Album von Chefdenker erscheint ist offen, denn Claus hat da eine ganz eigene Philosophie entwickelt, wie man seine Songs an den Mann bringt. Nämlich übers Internet und eben auf Konzerten. Ob sich diese Idee durchsetzt, wird sich zeigen. Immerhin ist es eine Alternative. Aber wenn man sich das mal so überlegt, kommt man an einer, überall erhältlichen CD wohl nicht vorbei, wenn man weiter kommen will. Aber wie gesagt, das wird sich zeigen.
Mittlerweile sind wir tatsächlich in Eberswalde eingetroffen, ohne auch nur ein einziges Mal eine Tankstelle zu Gesicht bekommen zu haben. Kaum aus dem Auto ausgestiegen, treffen wir auch gleich den Kollegen und Claus. Der Kollege versucht gerade noch eine „Einstellige“ (Infos dazu unter www.duschenistkeinheavymetal.de/verschiedenes_Bierskala.html) und ihre Freundin über die Gästeliste einzuschleusen. Und Claus trinkt Tee und versichert, daß er das vor einem Konzert bisher noch nie gemacht hat. Sie haben also noch nicht angefangen. Gott sei dank.

Endlich können Micha und ich endlich unsere trockenen Kehlen befeuchten & dann ging es auch schon bald los. Man schnürt sich noch ordentlich die Schuhe auf der Monitorbox und die Show beginnt. So geläufig sind mir noch nicht alle Tracks der Demo CD, so kann ich nicht sagen, welcher Track nun der Opener war. Der Sound war o.k., nur der Gesang war, kaum zu verstehen. Oft ein Problem auf Konzerten. Aber es geht, wenn man will. Leider besserte sich das auch nicht viel bis zum Ende des Auftritts. Gerade auch wegen der Stimme haben wir uns doch auch auf den Weg gemacht. Hmhh.

Meines Erachtens haben sie die komplette Demo-CD sowie einiger andere Lieder gespielt. Darunter auch die Hits DAGOBERT FUCK, SCHWIERIGE ZEITEN, DER SINN DES LEBENS; NICHTS, die man sich allesamt auf ihrer Homepage www.chefdenker.de herunterladen kann. Meine persönlichen Favoriten MEINE HEIMAT DIE ERDE und DIE EINSAMKEIT DES PROFESSORS NACH DER VORLESUNG befinden sich allerdings bisher nur auf der angesprochenen Demo-CD. Alle geben alles und die Show vom Kollegen sucht nach wie vor seinesgleichen.

Was nach dem Konzert abgeht aber auch. ICH werde ernsthaft, trotz mehrmaliger Hinweise, daß ich NICHT zur Band gehöre, die eben gespielt hat, gebeten auf einer, von einem Fan gerade frisch gekauften, Chefdenker-Demo-CD (!) ein Autogramm zu hinterlassen. Sachen gibt´s. Eilt mir etwa der Ruf eines Rockstars voraus?

Jedenfalls unterhalten wir uns noch eine Weile und bewerten wild durch die Gegend herum, als wir uns schon wieder auf den Weg machen müssen. Auf dem Rückweg, diesmal eine andere Strecke, sehen wir natürlich gleich eine Tankstelle, die wir aber nun aus Prinzip schon nicht ansteuerten. Lieber noch auf ein Bier in die MuFa.

Nun wurde es aber höchste Zeit, daß mich jemand zum Bahnhof bringt. Schließlich wollte ich wenigstens noch ein Stündchen eine „Komaliege“ machen. Micha erledigte den letzten Teil seines Fahrerjobs und brachte mich zum Bahnhof. Die dortige Fahrplananzeige mich jedoch auf die Palme. Mal eben den Zug um eine (!) Minute verpasst musste ich eine geschlagene Stund auf dem schönen neuen Bahnhof zu Frankfurt (Oder) verbringen. Klar, hab ja auch nichts Besseres zu tun. Dass ich anschließend nicht meinen Ausstieg in Berlin verpasste, ist mir heute noch ein Rätsel. Kann ja nicht angehen.

Also habe ich auch erstmal eine Stunde verschlafen und mich dann auf den Weg zu Arbeit gemacht. Working Class Heroes! Trotzdem sollten solche Wochenenden keine Ausnahme sein.

mieschka | So., 08. Jun 2003 | Konzertbericht

am 09.05.2003 im SO36

Mad Caddies wider Willen?
In der X-berger Oranienstrasse steht ein kaum auffälliges Blindenwohnheim. Als ich an diesem Freitag dort vorbeikomme, sind schon die Lichter aus. Das wäre im Normalfall gar nicht mal erwähnenswert, wahrscheinlich brennt da drin sowieso nie Licht. Ich möchte jetzt aber nicht weiter über eine evtl. Absurdität von Lichtschaltern in den diversen Gebäuden Berlins diskutieren.

Genaugenommen interessieren mich zu dieser Stunde überhaupt nur ein einziges Paar Lichtschalter dieser Welt: Die im Kesselhaus. Und zwar auch nur deshalb, weil sie wider Erwarten an diesem Tag zweckentfremdet wurden. Sprich: Sie wurden nicht benutzt. Das bis zum Vormittag desselben Tages noch auf der hauseigenen Homepage, die nach langem Baustellendasein endlich wieder online gegangen ist, angekündigte Konzert der punk/ska/polka Truppe Leningrad (die sinnvollerweise aus St. Petersburg kommen und nicht aus Moskau! Liebe Kesselhaus Redaktion: Es gibt sie noch, die andere russische Stadt außer Moskau. Zur Information: Zwischen Februar 1924 und July 1991 hieß das heutige St. Petersburg Leningrad! Ja, es soll schließlich keiner behaupten man könne auf unserer Seite nicht auch was lernen) fällt kurzerhand aus. Ohne jede Erklärung! Um aber einen letzten Rest an guter Laune zu bewahren, und so arm ist das Kulturprogramm unserer Stadt auch wieder nicht, begebe ich mich genötigter Maßen zum nächsten Termin. Das heißt: Druck gemacht und schnell quer durch die Stadt geheizt, denn das SO 36 bildet sich ein die fünf Bands des Abends (The Lawrence Arms, The Flipsides, Alkaline Trio, Rise Against, Mad Caddies) schon ab 19:30 Uhr, kurz nach dem Sandmännchen, einem größtenteils erwachsenen Publikum zu präsentieren. Und das wiederum heißt: endlich am SO angekommen noch schnell zwei Sturzbiere eingefahren, zum Trinken kommt man ja unterwegs in der Hektik gar nicht und schließlich will man ja noch eine Karte ergattern. -Sag mal, haben die Mad Caddies nicht letztes Jahr noch im Knaack gespielt, und das Konzert damals war doch nicht mal ausverkauft oder? Scheinbar hat sich einiges verändert seitdem: Da ist zum Beispiel die neue CD "Just one more" (siehe review), die seit kurzem auf dem Markt ist. Sie scheint wesentlich dazu beigetragen zu haben, die Caddies auf der Beliebtheitsskala der deutschen Fans nach oben zu katapultieren. Prompt macht sich der Wohlstand breit, und zwar "breit" im wörtlichen Sinne: der Sänger warf doch letztes Jahr noch nicht so einen breiten Schatten... Jedenfalls ist es jetzt schön voll und stickig. An dieser Stelle möchte ich auch den Türstehern vom SO gratulieren, die sich dazu hinreißen lassen, ihre sonst so strenge Türpolitik zu mäßigen und dem einen oder anderen zu erlauben, eine nötige frische Brise zu schnappen. Umso wichtiger ist es, sich erst so spät wie möglich ins Gedrängel zu stürzen, sprich: scheiß auf die Vorbands!

Die kann man sich immerhin noch auf dem Gratis Fat- Wreck- Sampler anhören, der großzügig verteilt wird. Und das Warten hat sich gelohnt. Spätestens ab dem zweiten Akkord der Caddies, verwandelt sich der Hühne vor mir in ein Schweißstrotzendes Ungetüm, und wenn ich´s mir genau überlege, nicht nur er. Es ist heiß, es ist feucht, es ist tropisch, der erste hat schon sein T-Shirt ausgezogen und rückt mir im Takt der Musik mit seinen schwitzigen, unrasierten Achseln regelmäßig auf den Leib. Irgendwer in der Menge hat sich einen Nietengürtel nicht verkneifen können und rammt mir jenen, eigentlich ein Wunder der Physik, in die Hüfte. Jeder Tritt ein Gegentritt und von oben hagelt es Stagediver, besonders ein Mädel mit schwarz gefärbtem Pony kommt so ca. alle zwei Minuten geflogen. Etwas abseits legt gerade eine einen glatten Salto hin, bevor sie fast ungebremst in eine Pogolücke stürzt. Eigentlich, und die in Deutschland beträchtliche Rentnerschaft mit auf dem Rücken verschränkten Armen würde mir sicherlich geschlossen zustimmen, eine perverse Betätigung, geradezu unvernünftig, bescheuert. Aber nehmt ´s mir ruhig übel wenn ihr wollt Hansens und Ernas dieser Welt und wie ihr alle heißt: Ich steh drauf. Zum Tanzen oder auch Bierholen kommt man während des Konzert aus Platzmagel kaum aber das pralle Set mit allen Dixiepunkgrößen (Monkeys, Road Rash, Weird beard, Villains, Just one more, Contraband, Falling down u.a.) entschädigt für alles. Schubsen und geschubst werden, so bilden wir ein zuckendes Kollektiv, das notgedrungen auch ab und zu mal gegen die von einem Panzer von Frau bewachte Notausgangtür schleudert. Tut uns leid, aber das ist Punkrock, da muss man nicht gleich die Laune verlieren. Schließlich leben wir in einer Dienstleistungsgesellschaft, und als Veranstaltungsort sollte das SO ganz erheblich mehr dienstleisten. Freibier für alle, anstatt grimmiger Gesichter. Dann hätte das sowieso schon ziemlich geile Konzert noch ein wenig entspannter werden können. Vielleicht hätte es auch eine kleine Zugabe getan, aber die Caddies hielten sich anscheinend darüber erhaben. Schade, aber ein T-Shirt war `s trotzdem wert. Bis nächstes Jahr.

Krizn | Sa., 10. Mai 2003 | Konzertbericht

am 06.03.2003 im Kesselhaus

Nach einiger Verwirrungen um die Vorbands, wer denn nun spielt und so, begann das Konzert in der bis zum get-no gefüllten Kesselhaus. Hier waren auffällig viele, den Zenit der dreißig weit überschrittende, Menschen.

Diese für die meisten Konzerte in der Ska-ecke untypische Mischung des Publikums erwies sich allerdings als ziemlich stimmungsvoll. Alle Jung- und Altsemester feierten tierisch ab. Leider mußte die Vorband sich damit zufrieden geben, daß der wirkliche Held der Massen auch eindeutig der Urvater Laurel Aitken war. So war zwar bereits gute Stimmung bei ihnen, doch als dann Laurel sein können präsentierte merkte man, daß das Publikum zu waren Begeisterungs- und Tanzstürmen in der Lage war. Doch wollte man seine Energie scheinbar ausschließlich für MR. AITKEN aufsparen. naja, angesichts des betagten Alters auch verständlich. Bei aller Begeisterung für die wirklich klasse performance des Haupt-acts, bleibt leider der Wehrmutstropfen, das es einfach verdammt voll war. Man konnte sich kaum bewegen, Bier holen dauerte undenkbar lange 30 min und jeder versuch eines Schrittes war ein Kampf. Trotz solcher Unanehmlichkeiten und einiger besoffener Labertaschen, war das ganze Konzert ein voller Erfolg. Man merkte wirklich, das da ein erfahrener Musiker der ersten Stunden vor einem stand und trotz seines Alters oder gerade deshalb eine wunderbare Party schmiß. Respekt, und Mitleid mit allen die das nicht mit ansehen konnten. Wer weiß wie oft man diese Chance noch bekommt.

matthias | Fr., 07. Mär 2003 | Konzertbericht
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