Kolumne-Archiv

2012

Liebe ältere Herren des DFB,

In Zeiten, wo der Stadionbesuch eines Bundesligaspiels immer gefährlicher wird, die Fankurven von gefährlichen Schwerstkriminellen und Gewaltverbrechern okkupiert sind, so das ein Marcel Reif sich kaum mehr traut, seine Kinder mit in die V.I.P Logen dieser Republik zu nehmen und die Bundesliga sich von einem Zuschauerrekord zum nächsten quälen muss, bewundere ich Ihre Aufrichtigkeit als „Fels in der Brandung“ im Kampf gegen Wunderkerzen und Gewalt. Mit Abscheu und Trauer habe ich daher die unschönen Ereignisse dieser nach dem DFB-Pokalspiel 1.FC Nürnberg gegen die SpVgg. Greuther Fürth zur Kenntnis genommen. Allerdings vermisse ich bis heute, neben dem entsetzten Aufschrei der Medien, die Meldung über Ihr hartes Durchgreifen und eine harte Bestrafung des Vereins 1.FC Nürnberg, die sich in Anlehnung an ähnliche Präzedenzurteile Ihrerseits in den letzten Monaten ja nur in der Größenordnung eines Ausschlusses vom kommenden Pokalwettbewerb bewegen kann, zumal die „sogenannten Fans“ dieses Vereins ja keine unbeschriebenen Blätter sind. Bitte lassen Sie es nicht zu, dass diese „Unverbesserlichen“ unseren Sport kaputt machen!

Und warum hat der Sportskamerad Hubnik nur ein Spiel Sperre für die Schauspielerei des Herrn de Camargo bekommen? Wo doch der Sportskamerad Raffael für eine vergleichbare nicht begangene Tätlichkeit im Spiel bei der TSG Hoffenheim immerhin 3 Spiele Sperre erhielt. Wo bleibt denn da die Gerechtigkeit? Denken Sie an all’ die Kinder und Jugendlichen, die in Ihrem Verband trainieren! Sollen die eines Tages auf die Idee kommen, Betrug könnte sich etwa nicht mehr lohnen?

Daher mein Appell an Sie! Lassen Sie es nicht zu, dass sich gutgläubigen Anhängern wie mir der Verdacht aufdrängen könnte, Sie würden die Werte, die Sie sich so gern auf Ihre Fahnen schreiben, gar nicht leben und analog der Ahndung von Lizenzverstößen in den letzten 20 Jahren immer noch mit mehrerlei Maß messen!

„… but some are more equal …“

Bitte geben Sie mir meinen Glauben an sportliche Gerechtigkeit & Integrität zurück!

In der Hoffnung auf einen baldigen positiven Bescheid von Ihrer Seite verbleibe ich

Mit sportlichen Grüßen

Krane

Gast | Fr., 10. Feb 2012 | Kolumne

In der folgenden Serie möchte allen Interessierten einmal kurz darlegen, wie wir unsere Seite eigentlich erstellt haben und betreiben. Es klingt ziemlich abgedroschen, aber: Das Wichtigste ist das Konzept! Du brauchst eine klare Vorstellung, wie deine Webseite später funktionieren und betrieben werden soll. Danach richten sich die weiteren Schritte.

Im Falle von VoiceOfCulture (und das soll hier unser Leitfaden sein) haben wir uns für ein Content-Management-System (CMS) entschieden. Das bedeutet, dass die komplette Webseite datenbankbasiert ist. Also alle Inhalte werden in unserer MySQL-Datenbank gespeichert und per PHP ausgegeben. Es gibt die verschiedensten CMS, die sich auch in ihrer Konzeption und Bedienbarkeit unterscheiden. Die bekanntesten sind: Typo3, Joomla, WordPress und Drupal. Diese sind kostenlos verfügbar und es gibt große Communities, welche sie ständig weiterentwickeln und sich einander Hilfe bieten. Mehr zu diesem Thema findest du in den Weiten des WWW.

Wir haben uns für Drupal entschieden und ich möchte im Folgendem kurz darstellen, wie genau wir VoiceOfCulture aufgebaut haben.
Die wichtigste Voraussetzung für das Erstellen und Betreiben einer Seite mittels Drupal und den meisten anderen CMS ist ein eigener Webspace mit PHP und MySQL. Dazu gibt es zahlreiche Web-Hoster, die entsprechende Pakete anbieten. Dort ist dann gleich eine Domain inklusive, unter der man seine Seite im WWW verfügbar machen kann. Unsere Seite läuft bei www.allinkl.com. Das Drupal-Paket kann man sich kostenlos auf www.drupal.org oder als vorgefertigte deutschsprachige Version auf www.drupalcenter.de herunterladen.

    Zusammengefasst brauchst du:
  • ein Konzept
  • einen Web-Hoster (mit MySQL, PHP und Domain)
  • das kostenlose Drupal-Paket

Sobald du alle Voraussetzungen (mehr zu den Systemanforderungen z.B. hier: www.drupalcenter.de/handbuch/319) erfüllt hast, geht es los. Am besten liest du dich dazu ein wenig in die Materie ein. Es gibt sehr gute Bücher und viele Anleitungen im Netz. Zunächst installierst du Drupal auf deinem Webspace und folgst dabei den Hinweisen auf www.drupalcenter.de/handbuch/318 .

Da Drupal modular aufgebaut ist, was auch eins seiner größten Stärken ist, verwenden wir noch zusätzlich zur Standard-Installation folgende Module, die wir ergänzend installiert haben:

  • Views
  • Date
  • Chaos tool suite
  • Reference/ Node Reference

Soviel zu den Voraussetzungen für eine Terminseite, wie sie wir mit Drupal 7 auf VoiceofCulture umgesetzt haben. Im nächsten Teil werde ich kurz darstellen, welche Inhaltstypen wir erstellt haben, um: Konzerttermine einzutragen, mit den entsprechenden Veranstaltungsorten zu verknüpfen und wie wir diese dann automatisch nach Datum sortiert ausgeben.

matthias | Fr., 06. Jan 2012 | Kolumne

2008

Ich hasse es! Da tingelt man ständig zwischen Frankfurt und Berlin, sucht sich einen vermeindlich ruhigen Platz im Regionalexpress aus und versucht ein Buch zu lesen...

...da klingelt ein paar Sitze weiter schon das Telefon. Natürlich versucht der Angerufene nicht irgendwie ruhig den Sachverhalt zu klären und das Gespräch so kurz wie möglich zu halten. Nein, es wird minutenlang schwadroniert, sinnloses Zeug geschwafelt bis....

Das erste Funkloch kommt....

Die Strecke zwischen FF und Berlin erlaubt es einem tatsächlich nur an den Haltestellen zu telefonieren. Dazwischen geht es, weil eben Niemandsland, gar nichts. Das weiß man allerdings wohl nur als Vielreisender.
Denn von nunan wird bis zum Ende der Reise im Minutentakt beiderseits versucht sich anzurufen. Manchmal hält die Verbindung sogar 10 Sekunden. Das ist ja schonmal viel wert. Danach geht aber alles wieder von vorne los.

Ich meine, wenn man merkt, es geht nichts, soll man es doch besser sein lassen, oder? So lange dauert die Fahrt ja auch nicht. Da kann man sich doch einfach mal zurücklehnen und die schönen Seiten des Lebens, fernab jeden Kommunikationszwangs, geniessen. Ich meine, worum geht es schon in den Gesprächen?

Da sitzr wohl die Freundin zu Hause und lagnweilt sich in der Werbepause irgendeine Talk- oder "Talentshow" und muss dies nun jedem mitteilen. Abgesehen, daß diese Freundinnen selbst was anständiges, kreatives, eben sinnvolles tun könnten. Müssen sie ihren Freunden auch noch davon ablenken eben jenes zu tun. Oder eben mich damit stören, jenes zu tun? Denn konzentrieren kann man sich da wirklich nicht mehr.

Ich weiß gar nicht, warum ich überhaupt noch was zu Lesen mit in den Zug nehme... Ich fahr schon immer mit der "Halber-Bahn", die nicht in jedem Nest hält. So versuche ich die Chance so gering wie möglich zu halten, daß irgendwelche Volldeppen einsteigen. Aber irgendwie hilft das alles nichts. Selten vielleicht. Vielleicht Montags früh um vier. Aber da fahre ich eher selten bis gar nicht.

Wer hilft mir eine Masseninitiative zu starten, daß Handys in Zügen und generell für gelangweilte Menschen verboten werden?

mieschka | So., 18. Mai 2008 | Kolumne

2006

Schlagzeugkaraoke wurde mir nur gesagt ... Was sollte das sein, kann das Spaß machen und - machen da wirklich Leute mit?
Meiner eigenen kleinen Leidenschaft (zugegeben, in letzter Zeit ziemlich stark vernachlässigt) für das Schlagzeugspielen brav gehorchend, stolperte ich also völlig unbedarft ins Kato.
Mit dabei einen Kumpel der selbst Schlagzeuger ist, wir hatten uns auf ein gemütliches herum philosophieren eingestellt.

Das Prinzip ist eigentlich ganz einfach, man spielt einfach Schlagzeug und sein Lieblingssong läuft von CD. Jeder hat das schonmal im Proberaum gemacht und nun das Ganze eben auf einer Bühne vor Publikum. Man meldet sich vorher mit seinem Song an oder sucht sich aus einer Liste einen aus.Die Titel werden von CD eingespielt und der Schlagzeuger legt mit Kopfhörern bewaffnet los.

Die Idee dazu hatte Torsten Glade - seines Zeichens Profimusiker. Er spielt z.B. bei der Band Skalitzer und betreibt eine eigene Schlagzeugschule. Er wollte einfach eine Möglichkeit für junge Nachwuchsmusiker und Bands schaffen, sich gegenseitig zu finden. Also mietete er sich kurzer Hand das Kato und stellte das 1. Berliner Drumkaraoke und Luftdrumming auf die Beine. Die Resonanz auf seine Idee war durchgehend gut und so konnte man sogar in der renommierten Sticks darüber lesen.

Einige seiner Schüler brachte er gleich mit und verschaffte ihnen so einen Auftritt unter echten Clubambiente. Dabei waren alle Talentlevel vertreten, doch selbst Patzer wurde vom Publikum verziehen. Im Allgemeinen war einfach eine wunderbare, entspannte Stimmung alle hatten Respekt vor dem Mut, den die Leute aufbrachten, sich auf so eine Bühne zu stellen. Auch die Musikstile wurde bunt gemixt, so erklangen Songs von Robbie Williams, Prince, Frank Zappa, AC/DC uvm.
Es folgten dann auch noch spontan angemeldete Leute aus dem Publikum.

Insgesamt einfach eine lohnende Veranstaltung, nicht nur für Musiker auf der Suche nach Bands/Schlagezeuger, sondern einfach unterhaltend.Also aufgepaßt und beim nächsten Mal einfach hingehen und sich mal die Schlagzeuger von Morgen anschauen oder einer werden. In 4 Monaten soll das ganze dann gleich wiederholt werden. Die aktuellen Termine findet ihr auf der Webseite von Torsten.

www.drumattack-berlin.de

Dort könnt ihr euch auch anmelden und näher informieren.

matthias | Di., 25. Apr 2006 | Kolumne

2005

Vielleicht habt ihr ja schon mal mitbekommen, dass in jeder neuen Ausgabe einer Frauenzeitschrift eine noch nie da gewesene, überaus wirkungsvolle und einfache Diät angepriesen wird. Wie blöd muss man denn sein, um auf den Scheiß reinzufallen und sich deswegen „Brigitte“ oder „Tina“ zu kaufen!? Tsss, also nicht mit mir! Auf gar keinen Fall!

Ich mach jetzt bei den Weight Watchers mit.
Ja so hab ich am Anfang auch geschaut. Skeptisch, mit einem Lächeln auf den Lippen und an Kopp fassend. Eigentlich wollte ich das auch gar nicht machen, ich gehöre ja nicht zu den tausenden Angelikas bei denen sich 130 kg Körpermasse auf 160 cm Körperhöhe verteilen. Aber hier und da gibt es an meinem Körper doch ein paar Stellen die ein wenig schmaler, glatter oder gar ganz weg sein könnten. Und 5 Kilo weniger waren es ja eh schon mal.
Meine Schwester schleppte irgendwann mal eine Weight Watchers Broschüre an und machte da mit. Ich musste auch erst über sie lachen, als sie plötzlich damit anfing, den Reis abzuwiegen, keine Magarine mehr zu benutzen, Cola Light zu trinken und fleißig Sport zu machen.
Aber ich wurde neugierig und so konnte auch ich die Finger nicht von dieser Broschüre lassen.
Dort steht, genau wie in den Frauenzeitschriften, dass es nun ganz einfach ist, die überflüssigen Pfunde zu verlieren. Das funktioniert nach einem einfachen Prinzip. In einer großen Tabelle sind alle gängigen Nahrungsmittel aufgelistet. Jedes Lebensmittel bekommt (entsprechend der jeweiligen Kalorienanzahl und dem Fettgehalt) Punkte zugeordnet. Ein Buttercroissant hat zum Beispiel 8,5 Punkte und ein Knäckebrot 2. Je nach Alter und Gewicht darf man nur eine bestimmte Anzahl von Punkten über den Tag verteilt zu sich nehmen (in meinem Fall 18). Man kann also Essen, worauf mal Lust hat, man muss es sich nur schlau einteilen. Punkte „gutschreiben“ kann man sich auch, indem man zum Beispiel den Rasen mäht, Treppen läuft, Schwimmen geht usw. (dafür gibt es auch eine Tabelle).
Also das Prinzip ist ja eigentlich nicht sonderlich schwer, jedoch muss man echt aufpassen, wovon man wie viel ist. Eine Salamipizza (eigentlich eines meiner Leibgerichte) hat zum Beispiel 20 Punkte und ein Bier 4!!! Das muss man sich mal vorstellen! Dann darf man an einem Tag eigentlich nur 4 Bier zu sich nehmen und sonst nichts, weil die 18 Punkte dann schon fast verbraucht wurden.
Genau aus diesem Grund hab ich das W.W. Programm auch während des Force Attacks nicht beachtet.
Aber wenn man sich vernünftig dran hält und hier und da ein paar kleine sportliche Übungen macht dann läuft es ganz gut. Schon nach wenigen Tagen fühlte ich mich fitter und gesünder. Die Kilos purzelten jetzt nicht, aber ich habe in zwei Wochen zwei Kilo verloren, was eigentlich OK ist.
Natürlich kann man nicht grenzenlos damit abnehmen. Ich merke momentan auch wie sich mein Gewicht einpendelt. Auf mein Idealgewicht. Und dabei musste ich mal wieder feststellen wie verschoben die Vorstellungen der Frauen vom Schlanksein eigentlich sind. Der BMI, alle anderen möglichen Tabellen und Weight Watchers zeigen mir, dass ich Idealgewicht habe und eigentlich sogar leicht zu Untergewicht tendiere. Aber nach meinem Befinden, könnten es glatt noch 10 Kilo weniger sein. Ist es nicht schrecklich, wozu die Gesellschaft und die Medien uns Mädels bringen!? Oder warum fühlen sich fast alle Frauen irgendwie zu dick?
Na auf jeden Fall kann ich Weight Watchers nur empfehlen. Das soll keine Werbung für eine Diät sein, aber es lohnt sich! Man achtet viel mehr auf das, was man isst, weiß wieder Hunger von Appetit zu unterscheiden und geht bewusster mit dem Essen um. So sollte es auch sein.
Ich geh auch nicht zu irgendwelchen W.W.- Treffen oder gib dafür Geld aus, aber die Broschüre hat mich zu einer gesünderen Ernährung mit erfreulichem Nebeneffekt gebracht.
Also ihr Mädels: Lasst euch nicht von „Tina“ verarschen, die euch auf der einen Seite leckere Zitronencreme-Erdbeertörtchen-Rezepte verrät und auf der nächsten Seite von der neusten Methode zum Abnehmen berichtet! Keiner (außer ihr selbst) hat das Recht über euer Gewicht oder eure Figur zu urteilen.

Autorin: Kami

Gast | Di., 04. Okt 2005 | Kolumne

Wer ein fleißiger Konzertbesucher und Skamusik-Liebhaber ist, der wird in den letzten zwei Monaten den Eindruck bekommen haben, der Sommer müsse irgendwo anders stattfinden, aber bestimmt nicht hier. Scheiß Wetter, scheiß Laue und überhaupt nix los. Langeweile machte sich schamlos breit. Man war sogar schon kurz davor, sich mit der aktuellen politischen Lage auseinandersetzen. Was sollte man auch machen. Günter Jauch ging in die Sommerpause, der Confederations Cup hatte noch nicht begonnen…

Aber wie sooft, war die Flaute nur die Ruhe vor dem berüchtigten Sturm. Sehnte man sich vor Kurzem noch nach drittklassigen Konzerten, wird man sich demnächst schweren Herzens entscheiden müssen, auf welches Bonbon verzichtet werden kann. Denn die heiße Phase des Ska beginnt etwa in einer Woche und bricht dann eine ganze Weile nicht mehr ab. Phänomenal: Die Big Jamaican D´s, die frühen Stimmen des Ska Derrick Morgan, Desmond Dekker und Doreen Shaffer kommen alle fast gleichzeitig nach Deutschland. Wer aber eher auf den englischen 2Tone steht, dem wird angesichts der Konzerte von The Selecter und dem The Specials Gitarristen Roddy Radiation das Wasser im Munde zusammenlaufen. Ja und was wäre die Wellentheorie, ohne das große Finale, das neueste Husarenstück: Ladies and Gentlemen, Germany´s ska and rocksteady summer proudly presents: The 3rd Wave! Mit The Slackers , und dem New York Ska Jazz Ensemble ist wohl fast die ganze Skaprominenz aus dem Big Apple hier in Deutschland und zwar zusammen mit dem Besten, was die großartige europäische Szene zu bieten hat: Mark Foggo´s Skasters , Rude & Visser und die Rotterdam Ska-Jazz Foundation aka. Kingston Kitchen 809, Dr. Ring-Ding und Skaos. All das innerhalb von nur fünf Wochen.

Aber damit nicht genug. Denn den Tornado unter den Begeisterungsstürmen habe ich noch gar nicht entfacht. Festhalten bitteschön: Mister Mighty Mighty Upsetter Lee ‚Scratch´ Perry höchstpersönlich kommt auch. Ja, sackelzefix wie ich mich freue. Um´s noch einmal massentauglich zu formulieren: Wir haben hier also gleich zwei Lehrmeister für unsern kleinen Marley Bobby zu Gast, praktisch Prominenz aus allen Kanonenrohren.

Jetzt ist gerade noch Zeit sich bis zur Deadline einen Terminkalender zu kaufen, um ausführliche Reisepläne zu basteln und genau deshalb stellen wir Euch hier noch einmal kurz eine Übersicht über die verschiedenen Festivals zusammen. Ich sag Euch ja, die Entscheidung wird nicht leicht und für manch einen zart besaiteten Rude Boy werden schwierige Zeiten anbrechen. Immer im Hinterkopf jene nervenaufreibenden Gedanken, die sich kaum jemand auszusprechen getraut: Wer weiß schon, wie lange wir noch Gelegenheit dazu haben, die Pioniere der ersten Stunde lebend auf der Bühne sehen zu können.

Aber bevor jetzt die ersten Tränen zu laufen beginnen, schnell noch einmal ein Grund zur Freude. Denn großzügig wie wir sind, haben wir wieder so einiges zu verlosen. Nämlich:

Doreen Shaffer – Adorable (CD)
The Stingers ATX - All in a day (CD)
The Stingers ATX – This good thing (CD)

Zur Teilnahme schickt uns eine Email an SkaSommer@voiceofculture.de und beantwortet die Frage: Bei welcher berühmten Skaband singt Doreen Shaffer seit 1964?

Jetzt aber schnell zum versprochenen Festival Überblick. Klick!

Krizn | Do., 30. Jun 2005 | Kolumne

Wie es scheint bringt das neue Jahr eine ganze Menge guter Dinge mit sich. Wie zum Beispiel die neue Konzert-Reihe „Babylon Street“ im berühmt-berüchtigten New York in der Calle Escudellers. Früher noch bekannt als Kabarett im Rotlicht-Viertel, hat das „New York“ über die Jahre sein Image gehörig verändert. Vor einigen Jahren galt es noch als Anlaufpunkt für die Party-Gesellschaft des Zentrums. Nachdem allerdings die Inhaber gewechselt haben, tauchen immer mehr Black Groove-, Funk-, und eben auch Mestizo-Parties in der Programmation auf.

Die Szene fängt an sich zu bewegen und die kleinen Konzerte der lokalen Ska-, Reggae- und Latino-Bands wandern immer mehr von Bars und kleinen Clubs in Säle wie das „Apolo“ oder das „New York“. Jetzt gibt es nicht nur jeden Mittwoch das „Canibal Soundsystem“ im „Apolo“, sondern auch jeden Donnerstag Konzerte und DJ-Sessions von Funk, Ska, Reggae und Dancehall über Flamenco und Hip-Hop im „New York“.

Die Idee endstand unter Freunden aus dem Barrio, die schon früher mit Manu Chao und Fermin auf Tour waren und mit der interakiven Plattform für Bands www.radiochango.com zusammen arbeiten. In erster Linie war es Karim, der mit der Organisation der Konzert-Reihe anfing. Später gesellten sich Arturo, Gambit, Claudia, Leire und Aitzi hinzu. Der Hauptgedanke ist, den barcelonaschen Bands eine Plattform zu bieten und dem Publikum einen festen Anlaufpunkt für diese Musik-Richtung zu geben. Die Konzerte werden größtenteils durch kleinere Bands oder auch Strassen-Combos und gute DJ´s gestaltet. Und einmal pro Monat wird eine größere Band an Bord geholt.

Los ging´s im Januar mit PALO Q´SEA, LOS BATUQUEROS DE LA CALLE und ALCOHOL FINO, gefolgt von einem grandiosen und restlos ausverkauften Konzert von AMPARANOIA und GAMBEAT, Ex-Bassist der MANO NEGRA, an den Turntables. Als weitere Bands sind OJOS DE BRUJO, FERMIN MUGURUZA, LUMBALU, BLACK BAUDELAIRE, GOLEM SYSTEM, GUANDUL und AISHA u.a. vorgesehen. Wie man sieht, eine Programmation, die nicht zu übertreffen ist. Und die Donnerstage sind gerettet.

Anne | Mo., 27. Jun 2005 | Kolumne

Abgesehen davon, daß durch diverse Tauschbörsen dem ´freien´ Download von Musik eh keine Grenzen mehr gesetzt sind, halte ich es, gerade für Punkbands, immer noch für vertretbar, dies weiterhin nicht zu unterbinden ...
Im letzten PLASTIC BOMB (#49), Deutschlands Punkrock Magazin Nr. 1, hat der Micha dazu aufgerufen, ihm mal Ansichten zum Thema Download in Sachen Punkrock zu schreiben. Wie man dazu steht, dass auf diversen Seiten teilweise ganze Alben, incl. Cover, von Punkrockbands zum Download bereit stehen.

Und so weiter. Die Reaktionen darauf waren wohl ganz umfangreich. Das kann man auch besonders im Forum der Website des Magazins nachlesen. Also habe ich mir zu dem Thema auch mal Gedanken gemacht. Was ursprünglich nur als kurze Mail an ihn geplant war, uferte doch ziemlich schnell aus, weil wir mir einfach so viele Sachen zu diesem Thema einfielen. Mein Brainstorming, sozusagen, will ich Euch nicht vorenthalten und Ihr könnt ihn nun im Folgenden nachlesen.

Abgesehen davon, daß durch diverse Tauschbörsen dem ´freien´ Download von Musik eh keine Grenzen mehr gesetzt sind, halte ich es, gerade für Punkbands, immer noch für vertretbar, dies weiterhin nicht zu unterbinden. Ich selbst nutze die Tauschbörsen ausgiebig. Vor allem aber um an alte, nicht mehr erhältliche Sachen heranzukommen. Die Palette ist da breit gefächert. Ob es nun Videoclips von den ADVERTS vom 1978 sind oder SMEGMA mit ´Politik´, worüber man dann bei Parties immer noch herrlich lachen kann. Dazu aber später mehr.
Ich sag mal, ich bin jetzt nicht in der Lage Musik herunterladen zu müssen, weil ich mir die Platten nicht leisten kann. Im Gegenteil. Durch die Arbeit bei Radio und Zine(s) wird man teilweise wirklich mit dem letzten Müll (rein subjektiv gesehen natürlich) zugeschissen, daß man manchmal echt kein Land mehr sieht.

Glücklicherweise trifft das Meiste dann aber doch noch meinen verkorksten Musikgeschmack. Ihr glaubt ja aber gar nicht, was sich Marketingstrategen ausdenken, um einem zu suggerieren, daß „ihr Act“ der Beste überhaupt sei und so was in der Form noch nie da gewesen sei. Kompletter Blödsinn natürlich.

Es kann aber vorkommen, daß dann doch mal ab und zu Bands durch mein „Raster“ fallen, die eigentlich gar nicht so schlecht sind. Verreißt man eine Band, weil man an dem Tag schlechte Laune hatte und/oder sich nicht richtig informiert hat, hat man sich schnell neue Feinde gemacht. Was mir eigentlich egal ist, aber man muss schon im Hinterkopf behalten, daß man auch mehr oder weniger in der Position ist, über Gefallen und Nichtgefallen von verschiedenen Kapellen in der Öffentlichkeit zu entscheiden und das ist manchmal echt schwierig. Mmh, ich schweife ab. Mal schnell zurück zum Thema.
Was ich damit sagen will ist, daß es nun mal 1000e Bands jeglicher Couleur gibt, von denen man einfach nicht alles haben kann und auch nicht muss. Wie sagte Uwe von TOXOPLASMA letztens in einem Interview zu mir: „ Als wir die Platte gemacht haben, war es so, daß im Jahr vielleicht 3 oder 4 Scheiben raus kamen. Heute kommen am Tag 3 oder 4 Scheiben raus. Das ist einfach ´ne andere Vielfalt, die heute da ist. Und das war auch was Neueres zu der Zeit. Das war noch nicht so lange auf dem Markt, einfach, wie es heute ist. Also ich denke, viel lebt heute auch von der Wiederholung. Von dem, was damals ganz neu war“. Für ein zwei gute Stücke kann ich mir nicht mehr die ganze Platte kaufen. Da fehlen einfach die Zeit und letztendlich dann doch das Geld. Heutzutage kann jede x-beliebige Band Ihr Zeug mit einem Rechner im Proberaum aufnehmen, was nicht unbedingt, und gerade mit entsprechendem Mastering, schlechter als eine Studioaufnahme klingen muss. Ja und dann machen sie eben schnell mal 1000 CD´s mit 2 seitigem Booklet fertig und gut ist!? Diese Möglichkeiten stehen ja nun auch mehr Leuten denn je offen. Anzeigen von beispielsweise ELDORADO oder KS-Musik in allen möglichen Zines belegen das ja und servieren dies der geneigten Klientel ja quasi auf einem Silbertablett. Ja klar ist es billig(er) - aber gut?

Fakt ist: Wenn eine Platte gut gemacht ist - sowohl musikalisch, als auch von der Optik - habe ich keine Probleme damit, mir die zu kaufen. Damit meine ich nicht unbedingt farbiges Vinyl - was zwar nett ist - oder ´limitierte´ Platten. Letzteres ist wohl auch meist nur darauf zurückzuführen, daß das eben die kostengünstigste Mindestabnahme im Presswerk war und man nur froh ist, das Ding überhaupt zu verkaufen. Ausnahmen bestätigen natürlich, wie immer, die Regel.

Die neu aufgelegten Platten von WEIRD SYSTEM zum Beispiel sind zwar nicht gerade billig - aber dafür ultraliebevoll aufgemacht. Die TEMPO-Platte, die TOXOPLASMA-Platte, VKJ, Berlin-Punkrock usw… Da steckt wirklich Herzblut hinter. Gut, das sind zwar keine neuen Sachen, und die geistigen Urheber der Platten dürften größtenteils ihre Schäfchen im Trockenen haben, aber sie machen es vor und gut. Und auch wenn man als (junge) Punkband noch nicht so viel für das Booklet aufzuwarten hat - seien es Fotos, Geschichte, ect. - dann sind aber Texte das MINIMUM!
Die Majors sind mir scheißegal und ihre Versuche mit "Basic, Normal und Extended - Versionen", oder wie auch immer man sie nennen mag, sind ja wohl ein Witz. Da ist immer noch eine gebrannte CD ohne Cover billiger als eine Original CD ohne Cover. Was soll das? Oder besser - Wer braucht das? Die haben sich mit dem Müll den sie veröffentlichen und ihrer Preispolitik selbst zuzuschreiben, daß wenige Leute sich noch Original CD´s kaufen. Das ist alles so schnelllebig. Auf den schnellen Euro ausgerichtet.
Und bei Punkbands? Label wie HöhNIE, KNOCK OUT, WEIRD SYSTEM, MAD BUTCHER - alles alteingesessene Label - oder auch neuere Label wie MEUTEREI BERLIN zeigen, daß es anders geht. Und das meist zur Hälfte des Preises, den man bei CD´s in Großhandelsketten zahlen muss. Von den Sonderangeboten mal abgesehen. Ob sie jetzt die ganzen Kosten reinbekommen, kann ich nicht beurteilen.
Gerade für junge Bands lohnt sich die Sache des Filesharings aber definitiv. Im kleinern Rahmen hat man ja sogar noch die Möglichkeit, es selbst zu steuern, was veröffentlicht wird und was nicht. Das ist bei großen Bands schon weitaus schwieriger. Bands wie die WOHLSTANDSKINDER sagen ja auch noch, obwohl längst mit Majorvertrag in der Tasche, daß ihnen das Downloaden der Songs im Internet immer noch hilft. Jetzt vielleicht nicht bei einer Verlängerung des jetzigen Plattenvertrages. Aber so kommen die Leute wenigstens zu den Konzerten. Was jungen Bands überhaupt immer noch hilft, ist Konzerte spielen, Konzerte spielen, Konzerte spielen... Das haben die Provinzrocker übrigens bis zur Perfektion getrieben. Dort kann man seine Platten oder Demos (durch Direktverkauf dann auch günstiger) auch an den Mann respektive Frau bringen. Das tolle daran ist, man lernt seine „Fans“ auch noch persönlich kennen. Devise Nummer 1 bleibt allerdings immer: Gut sein! Da hilft das Jammern einfach nicht. Wenn man scheiße ist, kauft das eben keiner. Das sollte jeder Möchtegernstar dann auch mal einsehen. Auch in der Punkrockszene.

Apropos Konzerte. Durch die fehlenden Einnahmen in den Plattenverkäufen lagert das die Industrie eben auf die Konzert- und Merchandise Preise um. Und da die ja bekanntlich selten mal mit den Preisen wieder runtergehen, auch wenn sich das vielleicht irgendwann mit den CD-Brennereien erledigt hat, kann ich es durchaus verstehen, daß sich die Leute das Zeug weiterhin runterladen. Glücklicherweise sind wir beim Punkrock da noch nicht ganz soweit. Anders ist es, wenn die Leute die Dinger dann verkaufen. Das ist Bullshit. Aber da eh fast jeder selbst in der Lage ist, sich die Musik, die er mag runterzuziehen, kann man das, denke ich zumindest, vernachlässigen.

Auch kann man Leute nicht endlos verarschen. Wenn man Fan einer Band ist und durch News auf deren Homepages weiß, daß die Aufnahmen der Platte längst abgeschlossen sind und der Silberling vielleicht schon vorliegt, die Plattenfirmen dann aber meinen, daß es viiieeel besser ist, wenn das Ding erst 3 Monate später – am Besten zu Weihnachten – auf den Markt kommt, dann sollen sie bitteschön damit leben, daß die Hälfte der Fans, die sich das Album sogar gekauft hätten, es schon im Schrank zu stehen haben. Es gibt immer einen Maulwurf.
Ich habe schon verdammt viel Geld für Platten und Konzerte ausgegeben. Und ein richtiges Cover, am Besten ein schön großes Vinylcover, ist mir immer noch lieber als eine gebrannte CD. Was waren das für Ereignisse, als ich aus diversen Mailordern mit Freunden bestellte und jeden Tag am Fenster stand und schaute, ob das große, gelbe Postauto auch vor meiner Tür hielt. Und wie war ich immer enttäuscht, als es doch nur ein beschissenes Quelle-Päckchen für meine Nachbarin war. Ach schön.

Ich kenne das ganze aber auch von der Bandseite her. Ich hatte nie die Absicht, den Traum vielleicht schon, von meiner Musik leben zu können. Das hatten auch Bands wie TOXOPLASMA & Co. nicht unbedingt. Zur Not kam ja dann die Szenepolizei mit ihren Kommerzvorwürfen. Mal mehr, mal weniger berechtigt. Das ganz große Geld wird man mit PUNK, das ist klar, ewig nicht verdienen können. Von ein paar Ausnahmen mal abgesehen. Wichtig ist, daß es einem - egal ob als Musiker oder "nur" Konsument Spaß macht. Man kreativ ist. Punk ist nicht nur Musik. Und diese "Von der Gesellschaft nehmen, wenn es mir nützt (Gerichte, Streitereien, etc.) - aber auf keinen Fall was geben" - Mentalität geht mir ziemlich auf die Eier.

Es wird auch immer Leute geben, die sich CD´s lieber brennen (damals auf Tape kopiert haben) und immer solche Leute wie mich, die Plattensammler vor dem Herren sind und selbst wenn man schon dies oder jenes auf Festplatte hat, sich trotzdem so weit es geht das Original holen. Zur Not eben bei eBay. Einige Platten, so viele sind es mittlerweile, werde ich wohl in meinem Leben nicht mehr hören. Verkaufen werde ich sie deshalb aber trotzdem nicht.

Dafür brenne ich aber immer noch (und liebend gern) vielen Leuten mal eine CD mit Musik, die sie evtl. interessieren könnte und da ist es nicht selten, daß die Person sich auch mal eine Platte von einer Band kauft, die Ihr gefallen hat. Hat jemand von Euch schon mal NICK HORNBY´s ‚High Fidelity´ gelesen / gesehen? Ich kann da ein Lied von singen… Glücklicherweise sind aber die Leute, die punkmässig was auf die Beine stellen, da noch immer keine Minderheit. Das Thema ist endlos und wahrscheinlich bin ich in meiner Erörterung oft von einem Punkt zum anderen gehüpft. Das ginge jetzt weiter bei Leuten, die die Sachen in ihren Mailordern verkaufen bzw. darauf sitzen bleiben. Ich könnte auch noch weiter ‚Pro-Argumente´ in Sachen Download anbringen. So sind ja mittlerweile viele CD´s kopiergeschützt. Da nutze ich dann gern auch wieder Tauschbörsen, daß ich einzelne Songs auf meine Mix-CD´s bekomme. Sachen, die ich auf Vinyl habe, sind mir ebenfalls zu stressig, sie in den Computer einzuspielen. Also lade ich davon auch gern mal Stücke herunter. Dass es auch ohne Kopierschutz geht, zeigen die großartigen ÄRZTE. Oder WIZO - mit ihrem USB-Stick. Alles geniale Einfälle. Nette Gimmicks zu CD´S kann man nicht einfach mitbrennen. Die TERRORGRUPPE mit ihrem Buch (kopiert sieht das bestimmt scheiße aus), EISENPIMMEL mit ihren Wundertüten... Göttlich. Das sind Sachen, die einem, zumindest mir, den Kauf von Platten schmackhaft machen. Jammern hilft nicht. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt und was gut ist, wird auch gekauft.

mieschka | Mo., 27. Jun 2005 | Kolumne

Gesehen hat es jeder schonmal, aber: "Wo kommt es her und wie ist es endstanden?" Matthias hat mal versucht, die wichtigsten Fakten zusammenzu tragen und präsentiert uns hier das Ergebnis.

Wer kennt das nicht - man bewundert mal wieder eine wunderbare Band bei einem Konzert. Als verkappter Musiker schaut man natürlich genauer hin. Wie machen die das, wie oft verspielen die sich usw. und manchmal steht man auch nur einfach da und fragt sich: "Hä .. wasn das??" Dann hat mal wieder jemand ein anderes Instrument als Bass, Gitarre oder Schlagzeug benutzt. Besonders gerissen sind in dieser Kategorie, die Percussion Spezialisten. Da liegen, stehen und baumeln allerhand interessante "Exoten" mit mehr oder weniger großen Nutzen durch die Gegend. Der besonders talentierte Beobachter merkt sich dann manche Gerätschaften und erkundigt sich später in seinem Lieblingsmedium Internet oder auch wahlweise bei dem ausdauernden Gehörapparat des geneigten Instrumentenberater/Fachverkäufers des lokalen Instrumentendealers (ausbeuters), nach dessen Namen, Preis und Herkunft. So geschehen bei einer auf den ersten Blick sehr unscheinbaren Holzkiste. Womit ich schon mehrere talentierte Musiker bewundern durfte. Für alle, die das gleiche Schicksal ereilte, hier nun meine gesammelten Informationen.

Die Holzkiste nennt sich CAJON

Dabei handelt es sich um ein Schlaginstrument. Cajones (span. caja = Kiste) sind Handtrommeln mit einer Schlagfläche aus Holz. Ursprünglich stammen sie aus Lateinamerika und dienten dort den Sklaven als Ersatz für ihre traditionellen Trommeln, deren Benutzung von den Weissen verboten wurde.
Der genaue Ursprungsort ist nicht mit Sicherheit festzustellen. Zweifellos ist allerdings der afrikanische Background. Wie bei so vielen Dingen, führte auch hier der Erfindungsreichtum der Sklaven zur heutigen weiten Verbreitung von "Holzkisten".

Aus dieser Zeit stammt die "Rumba de Cajon", bei der der Basspart auf einer Fischkiste, die zweite Stimme auf einer Tabakkiste und die Solostimme mit Teelöffeln auf einer Zigarrenschachtel gespielt wird. Diese Spielweise ist heute noch ein Hauptbestandteil der kubanischen Musik.

Als Ende des letzten Jahrhunderts die Sklaven frei wurden, breitete sich die Idee, anstelle einer Trommel eine simple Holzkiste zu bespielen, rasch über Lateinamerika, Afrika und Europa aus. Vorallem Kuba und Peru gelten als die Länder der Cajones. In der traditionellen, als auch in der modernen Musik sind sie verwurzelt. Hergestellt wird das Cajón, das aussieht wie eine simple Holzkiste, aus zwei verschiedenen Holzarten: Der Corpus besteht aus mehrschichtigem Furnierholz, für die beiden Spielflächen verwendet man ein spezielles Sperrholz. So erhält das Cajón seinen außergewöhnlichen und interessanten Klang.

Mitte der siebziger Jahre begann Paco de Lucia (einer der bedeutendsten Flamencogitarrristen) die traditionelle Flamencomusik zu erneuern. Er führte das Cajon als zentrales Rhythmusinstrument ein.

Das Cajon wird heute gerne für sogenannte "unplugged sessions" genutzt, außerdem ist es aus der Percussion nicht wegzudenken. Die Weiterentwicklung der "Kiste" setzt nicht aus. So haben sich mittlerweile verschiedenste Ableger herausgebildet. Mit Loch oder ohne, groß, klein usw. Jeder namenhafte Hersteller hat seinen eigenen Typ hervorgebracht.

matthias | So., 26. Jun 2005 | Kolumne

Mieschka hat uns wieder einen Haufen feinster Müll geschickt. Das erste The Rembrandts ist Gitarrenheulerei mit netten Melodiechen. Erinnert irgendwie an Trecker fahren in Kentucky. Totaler Scheiß.

Nächste. I-J. Hä? Ein Bild von einem Spaten mit Mütze. Musik: Schlechter Bryan Adams mit dünnem Sound. Möchtegernmodern mit möp möp in Hintergrund. OK, nächster: Supercrush. Beschissene Limp Bizkit-Imitation. Aufm Bild drei Typen mit Hackfressen, die ihrer Sonnenbrille aber keine Ehre machen. Nach drei Stücken ist dann auch schon Schluss, kann man sich nicht antun. Zum Glück kann man bei der nächsten CD keinen Namen erkennen. Boh, totaler Dreck. Radioscheiße im Quadrat, und das sogar noch schlecht. Mirode of 86 heißen die, und siehe da, die klingen sogar so. Würg.

Nächste CD: Rockt sofort los im Nashville Pussy Style. Alte Gitarren, schrammel, versoffene Stimme, cool. Columbian Neckties mit hervorragenden Titeln wie Tits n Ass und Hot Butt Love. Gewonnen.

Four Square, Plattenname Hitmaker. Müdes Achselzucken im Hintergrund von meiner Frau. Bisschen lahm. Frank meint Radiomusik. Unter den Kritiken hier kann sich keine Sau was vorstellen, ist mir aber auch egal. Wir brauchen ja auch nur eine Beschäftigung beim Bier trinken. Franks Kommentar: Totaler Hippiedreck.

Jetzt, sagt der Frank, kommt was zum abfeiern: Die neue Entombed. Hat angeblich Eier. Hm...Frank hat recht, Songtitel Nummer fünf kann alles: That´s when I became a satanist. Ziemlich gut, super Death N Roll. Dreckgitarren, Drecksstimme, Dreckssongs, alles geil.

Jetzt die großen Megakerls mit dem großen Hitalbum Wir stören auch nur kurz. Ich hasse die Megakerls, von vorne bis hinten. Die Reime sind Scheißpeinlich, die Musik ist ein Brechmittel und die Frisur von diesem dreckigen, schwulen Vollspaten gehört offiziell verboten. Irgendwie teilweise wie Extrabreit vor zwanzig Jahren. Messen, vergessen, Hilfe. Schon, Operation. Maus, Klaus, raus. Der Titel ist Programm, die Platte war auch nur eine Minute im CD-Player, die haben echt nur kurz gestört.

Nächste CD, Stadionrock im Bon Jovi Style. 40 ft. Ringo. Boh, die Fressen auf dem Cover laden ja herzlich zum reinschlagen ein.

Langhorns. Scheiß Name. Eine Sekunde, Hawaii Gitarren, igitt. Wollen klingen wie Tito and Tarantula. Kann man sich nicht anhören. Nicht mal im Spaß. Doch, jetzt ein Schuss Euroboys. Gesang gibt’s scheinbar nicht, so lange haben wir nicht reingehört.

Slashs neue Band, mit Duff und Matt. Velvet Revolver. Mit diesem Scheißedämlichen Stone Temple Pilots Abfallsänger. Drei Sekunden und es gefällt Frank jetzt schon nicht. Nach 34 Sekunden schon verloren. Schade, schade.

Hard Ons. Cooler Name. Und? Die Stimme, igitt, das kannste keinem vorsetzen. Die Anfänge sind recht cool. Nächstes Stück ist n bisschen cool. Na ja, so Skate Surf keine Ahnung Zeug. Ne, doch nicht. Komisch. Kein fester Stil. Guter Name, Scheiß Band.

Labelsampler von Tapete Rec. Gähn. Sauwitzig. Ein Label, das man nicht empfehlen kann. Eine Band heißt Hidalgo. Genug Tapete. Wie kann man bloß so eine Scheiße fabrizieren.

Core. Selten so gelacht. Komischer Gesang, so behindert. Postmoderner, lahmer Rock. Core sind im übrigen drei Mann. Wäre es keiner, wäre wahrscheinlich was besseres rausgekommen.

Phillip Boa. Typisch. Darf man ja eigentlich nichts schlechtes drüber sagen. Darf man nicht, muss man aber! Totale Scheiße.

Roadrunner Labelsampler. Müsste ja eigentlich ein bisschen was können. Einleitung, Dauer...Wollen die uns verarschen? Ein Stück nach dem nächsten verliert in den ersten Sekunden. Kommt Jungs, hört auf. Plärren können andere besser! Und Tschüss. Was setzen die uns für eine Scheiße vor? Frank denkt, das große Namen für Qualität stehen. Falsch gedacht.

Harmful. Frank kriegt spontan Lust, das direkt wieder auszumachen. Na ja, geht so. Wir halten es doch eine Minute aus. Verloren.

Noch ein Tapete Rec Sampler. Besser heißt eine Band. Die Vorfreude wächst ins Unermessliche. Klaviergeklimper mit Scheißsound. Hat ja jetzt schon keine guten Karten. Am besten zurück in die Hülle, damit wir das gleich fein in die Tonne kloppen können. Dreckslabel, wir können das nur noch mal wiederholen.

Staind. Wie immer. Schwule Hippiekotze. Jammer. Dabei finde ich die Rumhampelei vom Gitarristen auf der Bühne gar nicht mal so langweilig. Aber hampeln hilft nicht gegen Scheiß Songs. Leider. Emodreck.

Elke. Mit rotem Stern. Live. Hm, mal gespannt. Möchtegern Tocotronic Scheiße. Dabei versprechen die Hackfressen mit Sonnenbrillen mehr. Abfall!

Ace Sounds-Still Hungry. Der Titel erinnert an Twisted Sister. Aber davon haben diese Scheiß Banausen wahrscheinlich überhaupt keine Ahnung! Stimme vom A-Sänger, Songs aus der Mülltonne. Auch diese Platte hat es unter die eine Minute Marke geschafft. Die Leute haben echt verkackt.

Erdmöbel. Die sind auch auf Tapete Rec. Großartiges Label, beste Voraussetzung. Oh ja, geht auch direkt voll nach vorne los und schafft es mühelos unter zehn Sekunden im CD-Schlitz zu verweilen.

Rolf Stahlhofen. Stahlofen wär auch witzig, egal. Oh ja, bing bing. Jammer, jammer. Braucht echt keine Sau. Sascha auf Deutsch. Hilfe!

Dabei fällt uns gerade ein, das der Mieschka ne ganz arme Sau ist, wenn der andauernd Tonnenweise so ne Scheiße geschickt kriegt.

Bloodbrothers. Sollte man ja meinen, die können was. Hektische Pep-Mucke mit leisen, sanft angezerrten Gitarren. Klingt wie ein Soundtrack zu Itchy und Scratchy. Die Schlümpfe besoffen auf Pep.

Zeromancer, oh Gott! Die brauchen wir eigentlich gar nicht hören, aber trotzdem fährt die Scheiß Schublade in den CD-Player. Watt mutt, datt mutt. Und, Überraschung: Saulustig. Wieder mal schwules Geplärre. Meine Herren.

Weser Label. Mit Planlos, Massendefekt und weiteren. Planlos klingen wie die Hosen, haben mal früher mit den Kindern gespielt, und deshalb kennt der Frank die. Müssen wohl nette Jungens sein, und mittlerweile schreiben die sogar eigene Songs. Nächste Band: Meinen die das ernst? Ellenlanges Klavierintro. Stimme was komisch. Na ja. Seltsam. Nächste: Ska und Tuten. SFH, cool! Fast so cool wie die mächtigen D-Sailors. Erinnern an Less Than Jake. Nächste: Massendefekt. Drumcomputer? Minuspunkte! Husch, und wieder raus.

Jetzt kommen wir zu den wichtigen Sachen: SEPULTURA! Geil, aber die sind auch älter geworden. Hm. Oh oh oh. Nicht unbedingt die mächtigen Sepultura. Zweiter Song, ein U2 Cover. In meinen Augen absolut unverantwortlich! Keine Diskussion! U2 waren, sind und werden in alle Ewigkeit ein kleiner, stinkender Haufen Scheiße sein! Ende! Und das ausgerechnet die mächtigen Sepultura diese Scheiße covern trägt nicht gerade dazu bei, das die uns überzeugen!

Gut, Abschlussbewertung von der kompletten Kiste, die uns der Mieschka geschickt hat:

Wir können ruhigen Gewissens alles komplett der Mülltonne übereignen. Prost.

Autor: the Kollege

Gast | So., 26. Jun 2005 | Kolumne

Was ist die Colifata?

LA COLIFATA "Siempre fui loco", ist eine mehr ein musikalisches Experiment als eine Compilation, welches im im Herzen des Raval (einem kosmopoliten Viertel in Barcelona) entstand. In die Compilation flossen die künstlerischen Arbeiten und die Musik des Viertels ein, welche sich durch ihre vielfältigen Einflüsse aus aller Welt auszeichen.

Die Ursprünge des Projekts

Die Ursprünge des Projekts "La Colifata", der Name als auch der Inhalt, haben ihre Wurzeln in einem Radioprogramm, welches seit 10 Jahren im neuro-psychiatrischen Hospital "Borda" in Buenos Aires (Argentinien) ausgestrahlt wird. Dort hat eine Gruppe von Internierten die Möglichkeit, unter Aufsicht von Supervisern, ein alternatives Radio namens "LT 22 Radio La Colifata", frei zu gestalten. Dieses Radio-Programm, welches den internierten "Verrückten" und Personen, die sonst nicht zu Wort kommen, eine Stimme verleiht, ist Vorreiter in aller Welt und diente als Beispiel für verschiedene Länder Latein-Amerikas als auch Europas.
Carlos, welcher seit einigen Jahren im Raval wohnt, faszinierte sich so für die Geschichte der Internierten, dass er beschloss, einen mehrere Stunden dauernden Dokumentarfilm über die Internierten des "Borda" zu drehen. Dafür liess er sich zwei Monate selbst dort einweisen, um die Nächte und Tage mit den Internierten zu teilen. Zurück in Barclona zeigte er den Film seinen Musiker-Freunden, welche sich sofort für die Kreativität und die Redefreiheit der Verrückten begeisterten. Die Musiker, zum Grossteil Bands die auf der Strasse spielten, hatten zwar musikalisches Material, wie Demo-Tapes, aber viele von ihnen hatten niemals zuvor ein Album herausgebracht. Auf Grundlage der Schwierigkeiten, die die Internierten des Borda z.T. haben gegen ihr Aussenseitertum, in das die Gesellschaft sie drängt, anzukämpfen und um in Barcelona die Geschichte dieser "gar nicht so" Verrückten an die Öffentlichkeit zu bringen, entschieden sich die Barcelonischen Bands eine Compilation als Hommage an die Verrückten des Hospital "Borda" heraus zu bringen. Auf dieser befinden sich die Lieder der Strassen-Musiker vereint mit den Stimmen der Hospital-Bewohner. Das Wort "Colifata" bedeutet übrigens "verrückt" im argentinischen Slang .

Wir waren immer schon verrückt...

Irgendwie sind wir ja alle ein bisschen verrückt in diesem Leben, angefangen bei den Musikern - Heiler beschädigter Seelen der egoistischen Gesellschaft. Wer, wenn nicht die Strassen-Musiker selbst, die täglich im positiven als auch im negativen Sinne die Spannungen und Freuden der Stadt erfahren, könnte am ehesten nachempfinden, wie sich die Verrückten des Hospital "Borda" fühlen.
Mit grosser Unterstützung von Manu Chao, der sich in gewisser Weise an die Spitze des Projektes, als grosser Bruder und experimenteller Musiker im Zentrum des Ganzen, gestellt hat (auf ihn geht auch die Produktion der CD zurück), kam es letzlich zur Entstehung der Compilation, deren Verteilung und Vekauf exclusif nur durch die Musiker stattfindet.
Deshalb kann man auf der CD auch lesen "Verkauf in Geschäften verboten". Die CD hat mit ihrer Iniziierung nicht nur dazu beigetragen, die Lage der Musiker, die sie verkaufen, zu verbessern, sondern sie hat auch gezeigt, dass eine CD zu produzieren und erst recht sie zu verkaufen, gar nicht so schwer sein muss . Als Beweis dafür reicht allein schon die Resonanz, die der Verkauf der "Colifata" hatte: bis jetzt wurden 2500 Kopien in Spanien und Argentinien verkauft, woran sich auch die Gruppe der Internierten des Hospital "Borda" seit Weihnachten beteiligt hat.

Der Erfolg der Compilation erklärt sich auch dadurch, dass das die CD´s direkt von den Musikern an die Fans verkauft werden, ohne zwischengeschaltete Vertriebswege. 80% des Verkaufs-Preises geht an die Band, die restlichen 20% teilen sich in die Kosten der Produktion und in Geld für weitere Projekte des Kollektivs "La Colifata" auf. Da kann man gespannt darauf sein, was als nächstes alles noch so kommt. Von den Bands der "Colifata" werden wir in nächster Zeit mit Sicherheit noch viel hören. Einige haben ihren Weg ja sogar schon nach Deutschland gefunden.

Anne | So., 26. Jun 2005 | Kolumne

13.04.05 SO36, Berlin

Manchmal bin ich auch unterwegs, um für andere Zeitschriften Fotos zu machen. Von Konzerten versteht sich. Diese Ausflüge sind musikalisch selten interessant für mich. (neulich war ich z.B. bei Kettcar, aber nie vergessen werde ich die Qualen die ich bei Stereo Total über mich ergehen lassen musste) Aber ab und zu gibt es diese überraschenden Momente.

So auch an diesem Abend. Wobei so überraschend war es gar nicht. Ich hatte natürlich schon einiges gehört von La Vela Puerca. Gesehen hatte ich sie bis jetzt jedoch noch nicht. Letztes Jahr habe ich sie ganz knapp verpasst, als sie auf der ZionCityStage (fête de la musique) spielten. Dann habe ich mal irgendwann gelesen, dass sie mit den Ärzten durch die Welt touren und natürlich auch in Deutschland spielen. Aber auf einem Konzert von den Ärzten wird man mich wohl auch nicht mehr so schnell sehen, es besteht ja auch keine Nachfrage.

Als ich das So36 betrat, versuchten sich gerade Aztekanayas als Vorband. Ist nicht so zu empfehlen. Auf ihrem Tausend Quadratmeter großen Banner stand außer Aztekanayas noch Latin Freestyle. Und das gab es dann auch. Aber was zählt schon meine Meinung, dass zahlreiche Publikum feierte bereits ab.

Ich traf dann erste vertraute Gesichter; „Der blonde Typ von den Ärzten ist auch hier“ Aha, natürlich. Ich hatte mir vor kurzem erst überlegt, warum man in Berlin eigentlich so selten irgendwelche Prominenten sieht? Meine Chancen, jemanden zu sehen, schrumpfen natürlich auch ins Unermessliche, da ich mir eigentlich so gut wie kein Gesicht aus Film und Fernsehen merken kann. Oder diese angeblichen Berühmtheiten gingen deshalb unbemerkt an mir vorbei, weil ich sie einfach noch nie gesehen habe. Nun gut, ab diesem Moment, als das Gerücht aufkam, dass sich eventuell Farin Urlaub im Publikum befände, war ich voll und ganz damit beschäftigt, Ausschau zu halten. Und auf einmal sahen alle aus wie kleine Farins oder Rods.

Als sich die Freestyler verabschiedeten, konnte ich mich so langsam mal auf in Richtung Bühne machen. Da die Umbaupause gewohnter Weise immer etwas dauert, wechselte ich noch mehrmals meine Position. Bis ich mich auf einer 1,50 m hohen Box, die direkt vor der Bühne stand wieder fand. Von hier aus hatte ich eine super Perspektive und eine gute Aussicht. Farin Urlaub mitten im Publikum! Eine Coole Sau, aber wie gesagt auf ein Konzert von den Ärzten werde ich mit Sicherheit nicht mehr gehen …(Die Ärzte werden hier eigentlich nur so oft erwähnt, damit unsere Zugriffe wachsen.)

Achso, La Vela Puerca waren ja auch noch da. Und wie! 8 Leute stark ist die Band und was die für eine Energie rüberbringen, ist eigentlich (mal wieder) nicht in Worte zu fassen. Die beiden Sänger waren natürlich total aufgedreht und konnten dem Publikum so richtig eins in die Rippen drücken. Alle die sich in meiner Sichtweite befanden, waren komplett aus dem Häuschen. Obligatorisch wurde das teure Bier verspritzt, ein Mädel schlug mit ihrem Pullover nach einem der Sänger und bereits bei den ersten Lied kletterten die Leute auf die Bühne, um die Band zu begrüßen und danach in das Bad von Menschen zu springen.

Um La Vela Puerca in ein paar Worte zu fassen, Lateinamerikanischer Skapunk. Aber sie sind natürlich mehr als das. Wie die Band auf der Bühne abgeht, ist wirklich sehenswert (natürlich nichts gegen die Garlicboys aus Japan, wer die mal gesehen hat, weiß was ich meine). Ich hätte wirklich viel Spaß haben können, hätte ich nicht mit meinem Fotoapparat auf dieser besagten Box gesessen.

La Vela Puerca ist auch schon 10 Jahre dabei und ist in ihrem Heimatland Uruguay ein Erfolgsgarant. Aber auch hier zulande sind sie gern gesehen. Schätzungsweise waren 700 Leute an einem Mittwoch im SO36, das sagt doch einiges aus!

Die guten Fotos könnt ihr euch dann in der nächsten Wahrschauer anschauen.

Stefan | Do., 14. Apr 2005 | Kolumne

2004

über eine kleine cd, eine große szene und eine lange geschichte ~ by VOGEL
Lange habe ich darüber nachgedacht, ob es sinnvoll wäre, einen eignen Artikel über den „Hauptstadt-SKA-Sampler“ und generell „Berlin-Ska“ zu schreiben. So wichtig nehme ich persönlich die Bands aus meiner Heimatstadt nicht (mehr). Rein subjektiv betrachtet gibt es zurzeit gerade einmal eine aktuelle Berliner Skaband, deren Songs ich gerne in Dauerrotation höre oder wo ich einem Konzert Monate lange vorher entgegenfiebere.

Das ist SOLITOS nach dem Ende von MOTHER´S PRIDE . In Berlin herrscht zurzeit mehr Quantität als Qualität vor. Dementsprechend konnte mich natürlich so ein „Berlin-Ska-Sampler“ nicht sofort aus den Latschen kippen, sondern nur staunen lassen. Die Stilvielfalt und Qualitätsunterschiede der Bands überraschen einen garantiert, wenn man den Sampler zum ersten Mal hört. Kommentarlos möchte ich diese CD jedoch nicht so stehen lassen, weil es an einigen Punkten etwas zu kommentieren gebe. Vor allem stellt sich die Frage,was sich durch diese Scheibe nun konkret verändert hat. Die CD ist nun seit fünf Monaten im Handel erhältlich. Laut Skaro Rec.-Inhaber Ludwig Westarp, sonst der Sänger von TIEFENRAUSCH bekanntlich, sollte die CD ja dem Ska aus Berlin zum „Durchbruch“ verhelfen, heraus aus dem Nischen-Dasein.

Fangen wir erst einmal historisch an. Die Idee einen reinen Berlin-Ska-Sampler herauszubringen, ist keineswegs neu. Das alte Skintonic-Fanzine unter Herrn Filthy McNasty hat 1992 in bewährter Mixtape-Manier eine Art Vorreiter mit der „Ska - Made In Berlin“-MC herausgebracht. Dort versammelte sich die damalige Hauptstadt-Szene. Von MOTHER´S PRIDE über BLECHREIZ, YEBO bis zu solchen Exoten wie SKAMPIS , die heute keiner mehr kennt, war alles vertreten. Dieses Tape dürfte mittlerweile schon eine gesuchte Rarität trotz bescheidener Qualität sein. Diese Kassette kann jedoch trotzdem keineswegs als Vorläufer zum „Hauptstadt-Ska“-Sampler durchgehen. Im Unterschied zu der aktuellen CD war diese Compilation ganz gewiss nicht für einen großen Käuferkreis gedacht, sondern eh nur für den Freundeskreis von Herrn McNasty. Innerhalb dieser 12 Jahre hat sich die Berliner Ska(Band)-Szene extrem vergrößert, verändert und vernetzt – siehe nur die einzelnen Homepages der Bands im Internet. Es entstanden zwar auch Ska-Portale wie www.BerlinSka.de oder www.FlyingSka.tk , aber wirklich stark genutzt wurden sie von der breiten Berliner Ska-Fangemeinde nur selten. So verblüfft es auch nicht sehr, dass Ludwig den
Sampler ganz ohne die Hilfe der beiden Internetseiten zusammenstellen konnte,wo er normalerweise alle Informationen recht komfortabel zusammengefasst
gefunden hätte. Stattdessen hat er sich einfach der „Visitenkarten“ der Bands, ihren eignen Homepages, bedient, um mit den einzelnen Combos Kontakt aufzunehmen und eine Vorauswahl zu treffen. Dies hatte natürlich Folgen...

In Berlin kann man wohl grob vier Ska-Generationen bei den Bands unterscheiden. Die Erste bildet eine Gruppe fast allein - die traditionelle Jamaica Ska-Jazz-Gruppe YEBO . Seit 1979 sind die Herrn in leicht wechselnder Besetzung schon aktiv. Hinzu kommen vielleicht noch ihr Nebenprojekt JAZZ-BO , welches jedoch erst wesentlich später Ende der 90er Jahre gegründet wurde, und das Cover-Ska-Trio SKA-LITZER , welches sich zwar auch erst 2001 gegründet hat, aber nur aus Leuten besteht, die schon sehr lange auf Ska-Konzerte in Berlin gehen. Merkmal aller drei Bands ist, dass die Mitglieder größtenteils alle schon über 40 Jahre alt sind und sich auf das Covern von Ska- oder Jazz-Standards aus den 50er oder 60er Jahren verstehen. Bezeichnend auch, dass alle drei Bands sehr aussagekarge bis gar keine Internetauftritte haben. Von den drei Bands sind nur YEBO auf dem „Hauptstadt-Ska“-Sampler vertreten.

Der Gitarrist von SKA-LITZER stellt quasi das Verbindungsglied zur zweiten Generation dar. Diese trat Mitte bis Ende der 80er Jahre in Erscheinung. Stark beeinflusst sowohl von den 2Tone-Skagruppen aus England wie THE SPECIALS oder MADNESS als auch teilweise von der Punk-Energie von Combos wie THE CLASH oder COCKNEY REJECTS gründeten sich in West-Berlin BLECHREIZ, die BUTLERS und MOTHER´S PRIDE , in Ost-Berlin MICHELE BARESI in der damaligen DDR. Daneben gab es noch zahlreiche, kleinere Bands, die es des öfteren zu Auftritten, aber keinen vorzeigbaren Aufnahmen brachten. Nach der Wiedervereinigung 1990 tourten MICHELE BARESI und BLECHREIZ auch miteinander, der Grundstein für die dritte Generation vielleicht. Als Merkmale für die Zweite kann man gelten lassen, dass sie selbstgeschriebene Songs hatten, zu Anfang stark 2Tone-geprägt waren und regional noch sehr auf einen Stadtbezirk festgelegt waren. Der Gitarrist von SKA-LITZER war „Gründungsmitglied“ bei BLECHREIZ , stieg aber noch vor der ersten Platte aus. Von der zweiten Generation sind MOTHER´S PRIDE , die BUTLERS sowie ihr Nachfolgeprojekt LION´S CLUB auf der „Hauptstadt-Ska“-CD. Gerade bei dieser zweiten Generation hätte ich mir für den Sampler alle vier Hauptvertreter gewünscht, weil man heutzutage einfach bei den aktuellen Bands viele Einflüsse dieser prägenden Combos heraushört. Bei MICHELE BARESI mag man das noch verschmerzen können, war ihre reine Ska-Phase doch nur sehr kurz, so ist es bei BLECHREIZ ein echtes Manko, wenn nicht eine Schande, dass sie fehlen. Obwohl BLECHREIZ damals 1989 auf dem gerade frischgegründeten Berliner Ska-Label Pork Pie selbst keine eigne Platte veröffentlichte, profitierten sie ungemein von dem Erfolg der SKAndal-Samplerserie auf Pork Pie international wie national. In Berlin hatten sie sich sowieso schon eine treue Fangemeinde erspielt, die ohne Probleme Clubs wie das alte Trash, das SO 36 oder natürlich das Quartier Latin füllten. Das „Skin Up“-Fanzine wurde zur Leib- und Magenpostille sowie zum inoffiziellen Sprachrohr der Herrn aus dem Bezirk Steglitz. Welche Ska-Band, nicht nur Berliner, hatte so einen Einfluss auf die damalige Szene wie BLECHREIZ ?

Die dritte Welle im Laufe der 90er Jahre vermischte stark Ost und West sowie Bezirksgrenzen. Bands wie THE SPECIAL GUESTS , das SKATOON SYNDIKAT , GINSENGBONBONS , DE RUTHS oder auch die Nachbarn aus Potsdam, die RUFFIANS , orientierten sich in ihren ersten Jahren deutlich an den Gruppen der zweiten Generation. Nebenbei blühte langsam die Inzucht mit Nebenprojekten und Nachfolgecombos in Berlins Skagemeinde auf. ENGINE 54 waren zwar eine traditionelle Cover-Skagruppe, waren jedoch stark mit den BUTLERS besetzungstechnisch verbunden. TIME TOUGH hingegen waren der Mix aus ENGINE 54 sowie THE SPECIAL GUESTS -Leuten. WOOD IN DI FIRE ist eine ähnliche Band, die für reine Jamsessions gestartet wurde, aber mittlerweile eine feste Besetzung besitzt. Die Skaszene wurde größer und unübersichtlicher. Die Chartserfolge der MIGTHY MIGHTY BOSSTONES in den USA brachten uns zwischenzeitlich auch einen Haufen Skacore-Kapellen, die sich jedoch recht bald wieder auflösten. Lediglich die GINSENGBONBONS , BRAINLESS WANKERS und DE RUTHS blieben als Eckpfeiler dieses Sounds grob stehen. Die drei Bands verarbeiteten jedoch auch weitaus mehr härtere Einflüsse in ihrer Musik, was es den Gruppen Ende der 90er Jahre wesentlich erleichterte, sich eine eigne Fangemeinde aufzubauen. SKATOON SYNDIKAT , RUFFIANS und THE SPECIAL GUESTS hingegen standen jahrelang im Schatten der BUTLERS und MOTHER´S PRIDE , bis sich beide Bands auflösten. Erst danach wurden THE SPECIAL GUESTS zu einem Berliner Ska-Markennamen. Aus dieser dritten Ska-Generation sind fast alle Bands auf dem Sampler: RUFFIANS , THE SPECIAL GUESTS , DE RUTHS , GINSENGBONBONS , ENGINE 54, WOOD IN DI FIRE und SKATOON SYNDIKAT . Lediglich kleinere, aber auch wirklich schlechte Gruppen fehlen.

Die vierte Generation wird von einer Zwitterband angeführt, die normalerweise zur Dritten dazugehören müsste: TIEFENRAUSCH . Die Band beruft sich zwar auf eine Band wie MOTHER´S PRIDE als Vorbilder, aber im Prinzip sind das doch zwei verschiedene paar Schuhe. Während sowohl die Gruppen der ersten, der zweiten als auch größtenteils der dritten Generation unter Begriffen wie „Public Relations“, „Marketing“ oder „Medienkontakten“ höchstens die persönlichen Kontakte zum Skin Up-Fanzine oder zu einzelnen Ska-Fans, die zufällig in Redaktionen saßen, die auf die Bands selbst zugingen und die über sie freiwillig schrieben, verstanden, änderte sich dies bei TIEFENRAUSCH völlig. Die SPECIAL GUESTS hatten es ansatzweise durch ein ausverkauftes Kesselhaus mit 900 Gästen vorgemacht, was man durch Radio-Werbung bewegen kann, wenn man jedem Sender Freikarten zum Verlosen zur Verfügung stellt. TIEFENRAUSCH setzten dieses Prinzip noch viel konsequenter um, indem sie zuerst jedes Medium, sei es der Uni-Radiosender, das Fanzine „Der Wahrschauer“, aber auch auflagenstarke Berliner Tageszeitungen oder Mainstream-Radiosender solange nervten, bis sie im Vorfeld (!) der Konzerte über sie berichteten. Als nächsten Schritt bauten sie einen großen Newsletter –dank E-Mail-Technik – auf und banden ihre Fans in die Promotion ihrer Gigs ein. Wer Flyer verteilte oder Poster klebte, kam und kommt auch immer noch umsonst zu TIEFENRAUSCH -Gigs hinein. Eine simple Idee, die jedoch bis dato keine Berliner Skaband so konsequent umgesetzt hat. Innerhalb von knapp drei Jahren haben sie es mit diesem Prinzip zur bekanntesten Berliner Skaband geschafft.

Am vergangenen Samstag, der 30.10.04, waren phänomenale 2.000 Besucher in der Columbiahalle, um die Record-Release-Party ihres neuen Albums „Heut´ ist alles so perfekt“ zu feiern. Keine zweite Berliner Skaband hat so eine Masse an Leuten vorher zusammengetrommelt. Keine zweite Berliner Offbeat-Combo, insbesondere ihr Sänger Ludwig, hat jedoch ihr Leben so dermassen auf ihre Band ausgerichtet. Der Gig in der Columbiahalle wurde mit allen zur Verfügung stehenden humanen wie finanziellen Ressourcen betrieben. Dazu muss man erst einmal bereit sein, sein Leben komplett der Band nach auszurichten.

Musikalisch wirklich verbessern taten sich TIEFENRAUSCH hingegen höchstens im Laufe des vergangenen Jahres. Bei ihrem Debütalbum „Roboterrevolution“ aus dem Jahr 2003 sind sie auch selbstkritisch: Das war (noch) keine Glanzleistung, sondern ein dahingerotztes Punkska-Debüt. TIEFENRAUSCH muss man jedoch anerkennend zugestehen, dass sie den Berliner Ska neudefiniert haben. Auch wenn unser auflagenstarkes Mainstream-Stadtmagazin „TIP“ bei jedem Offbeat-Artikel den gleichen 08/15-Satz verwendet: „Ska fristet in Berlin ein Mauerblümchen-Dasein“, so zeigen TIEFENRAUSCH das genaue Gegenteil. Wer seine Record-Release-Party allen Ernstes in der Columbiahalle selbstveranstaltet, spielt in der Charts-Liga a la GENTLEMAN oder 2RAUM-WOHNUNG , die sind nämlich demnächst dort zu Gast. Und die Herren „Schlagschnitzel“ haben mit dem Uncle Sally´s ein ganzes Hochglanz-Musikmagazin als reines Werbemittel, die ÄRZTE als Fürsprecher sowie ein paar Jahre mehr Bandgeschichte auf dem Buckel – TIEFENRAUSCH hingegen haben das alles aus eigner Kraft geschafft. Das verdient vollen Respekt, auch wenn ihre Texte grauenhaft sind.... Also machen wir den Ska in Berlin nicht kleiner, als er ist.

Dieses neue Selbstbewusstsein haben sich nämlich die ganz jungen Skabands, die ab dem Jahr 2000 in Erscheinung getreten sind, zueigen gemacht. SOLITOS, SKAQUADRAT, MARYCONES oder HANS, DER KLEINGÄRTNER haben überhaupt keine Probleme mehr an Auftritte zu kommen. Sie organisieren sich mittlerweile schon selbst eigne große Konzerte im 300-500er Rahmen und schielen ohne rot zu werden, als Stätte für ihre jeweiligen Record-Release-Partys gleich auf das SO 36 oder den ColumbiaClub mit respektablen 800-900 Leuten Kapazität. Die vierte Welle an Berliner Gruppen hat natürlich nur eine Gemeinsamkeit, dass ihre Bandgeschichte noch recht kurz ist, sie aber schon eine beachtliche Fanschar hinter sich haben. Von diesen Gruppen sind SOLITOS, MARYCONES, ROLANDO RANDOM & THE YOUNG SOUL REBELS und natürlich TIEFENRAUSCH auf dem Sampler vertreten.

Als Exot ist auf der Scheibe –leider- auch MUTABOR gelandet, weil sie zwei, drei Ska-Stücke im Programm haben. Einmal abgesehen davon, dass die Band an sich zurzeit schon schlechten Hippie-Punk-Folkrock macht, hat sie höchstens zu 1% eine Bindung zur Skaszene, weil sie einmal auf einem Ska-Festival vor dem Berliner Club „Die Insel“ aufgetreten ist und als einen ihrer Booker Kristof, den Ex-Saxofonisten der THE SPECIAL GUESTS , hat. Das war es dann schon in Sachen „MUTABOR & Ska, dudei, dudei, hey“. Nichtsdestotrotz ist ihr Beitrag „Lisa“ eine gute Folkska-Partynummer, die wohl auch Andere ohne Schwierigkeiten auf den Sampler genommen hätten, wenn sie es zu entscheiden

Rolando Random And The Young Soul Rebels
gehabt hätten. Doch wenn das Motto lautet „Hauptstadt-Ska“, dann müssen
MUTABOR einfach wegfallen. Auch andere Berliner Bands haben sich ein-, zweimal an Skastücken versucht. Die TERRORGRUPPE bei „Katholiken-Ska“, die ÄRZTE bei „WarumSka“, FEELING B oder sogar SEEED , aber alle sie zählen nicht als Skabands und bezeichnen sich von ihrem Selbstverständnis her auch nicht als eine. Stattdessen hätte man einer jungen, reinen Offbeatcombo den Platz geben soll. Doch für eine Aufnahme von Gruppen wie SKAQUADRAT, BANDYLEGS oder KNATTERTONES , die alle auf diesem Silberling fehlen, wäre es vielleicht tatsächlich doch noch ein Jahr zu früh gewesen – qualitativ in Sachen Studioerfahrung gesehen.

Beim Thema MUTABOR wären wir auch bei den experimentellen Hauptstadt-Bands am Stil-Tellerrand. DE RUTHS z.B. haben sich in den vergangenen zwei Jahren stark vom Ska entfernt. Ihre ironischen „Fuck Ska“-T-Shirts waren ja noch sehr lustig. Selbst ich wollte mir eins kaufen, bevor sie schon ausverkauft waren. Aber als sie dann ein Jahr später verkündeten, dass sie keine Lust mehr haben, auf den „Skalympics“, dem Berlin-Ska-Festival, zu spielen, weil dies „nicht mehr ihr Publikum“ sei, kamen doch leise Zweifel auf. Schuld daran ist, dass die Berliner Ska-Bandszene von Jahr zu Jahr stärker wird und sich ihr Profil verschärft. Zurzeit fallen viele Skapunk-Bands durch den Rost. Die BRAINLESS WANKERS, FINISHIT, 5 BUGS oder DE RUTHS suchen sich ein neues Publikum, weil der Trend unter den jüngeren Skafans zurzeit eher in Richtung (Roots-)Reggae geht – der SEEED- Einfluss. Der Skapunk hat es in der Stadt schwer, aber ruhigere Bands wie HANS, DER KLEINGÄRTNER, WOOD IN DI FIRE, COOL BREEZE oder natürlich CULCHA CANDELA können sich vor Konzertanfragen gar nicht mehr retten.

Es war erst der zweite, reine Stadt-Ska-Sampler, den ich überhaupt in den Händen hielt. Bis jetzt kenne ich nur einen aus New York City – „NYC Ska Mob“ hieß er. Für den Kölner Raum soll es wohl auch einmal so ein Projekt gegeben haben. Am Ende freue ich mich natürlich, dass es für meine Heimatstadt so ein Sampler zusammengestellt wurde, auch wenn ich bis auf die Stücke der MARYCONES und SOLITOS alle Songs von alten Alben der Bands schon kannte und ich ein wenig Hintergrund-Infos im Booklet vermisse. Stattdessen gibt es die Songtexte sowie jeweils ein Bandfoto mit Verweis auf die Homepages der Bands, was ja auch völlig in Ordnung geht. Zu viel darf man nun auch nicht von diesem Sampler erwarten.

Mit dem Abstand von fünf Monaten seit Veröffentlichung der „Hauptstadt-Ska“-CD kann man behaupten: Er hat überraschend viel bewegt!!! Bands wie SOLITOS, die keinen eignen Tonträger haben, kommen an Gigs außerhalb Berlins leichter heran. Radio Fritz! widmet dem Ska in Berlin Sondersendungen!!! Radio MultiKulti spielt Songs öfters. Skaro-Chef Ludwig gilt mittlerweile für viele Medien wie Radio Eins oder das Tip-Magazin als Ska-Experte und muss Ausgehtipps empfehlen. Die Plattenbesprechungen des Samplers in Fanzines und auf diversen Homepages sind durchweg positiv. Was er jedoch vor allem bewegt hat: Die Berliner Ska-Szene ist noch viel mehr vernetzt als vorher.

Musiker werden wie Gummibärchen untereinander ausgetauscht, wenn einer nicht auftreten kann. Egal, ob THE SPECIAL GUESTS und LION´S CLUB, SKAVACHE und NANO FISH DIPPERS, SKAVACHE und REKKORD, MARYCONES und TIEFENRAUSCH oder TIEFENRAUSCH und ROLANDO RANDOM & TYS. Berliner Ska-Bands organisieren ganze Festivals für 800 Leute in Eigenregie zusammen. Der Kontakt zwischen den Gruppen ist so dermaßen stark, dass die Zeit der großen Organisatoren in Berlin eh abgelaufen sein wird. Das SKAlympics-Festival-Konzept wird dabei leider auf der Strecke bleiben oder ist es eigentlich schon – ein Auslaufmodell. Das ApoSKAlypse-Festival hat dies Jahr nur dank des starken Supports der regionalen Bandszene den finanziellen Kollaps verhindert. Offbeat-Bands von auswärts haben es trotz des Berlin-Ska-Booms nämlich bei uns keineswegs leichter, eher schwieriger. Für INTENSIFIED , eine britische Skacombo erster Qualitätsklasse seit über 15 Jahren schon, interessierten sich unterirdische 80 Leute im Roten Salon – im Touristenbezirk Nr. 1 Mitte. Berlins Skaszene ist quantitativ wohl mittlerweile die Stärkste weltweit. Schön, wenn es auch qualitativ bald soweit ist. Große Hoffnung besteht bei der Fülle an Bands und ihren Stilen auf jeden Fall!!!

Autor: DJ Vogel

Gast | Do., 18. Nov 2004 | Kolumne

Berlin-Ska: This is the dawning of a new era
Ruffians - Horrorfilm
The Special Guests - Waiting
Lionsclub - Inspector Gadget
De Ruths - Madagaskar
Ginsengbonbons - Heavy Traffic
Mother´s Pride - The Surfer King
Marycones - Wellenreiter
Solitos - Sad Clown
Tiefenrausch - Ska-Vampir
Mutabor - LISA
The Butlers - Fight like a lion
Rolando Random & The Young
Soul Rebels - Las Vegas
Engine54 - Traffic Jam
Wood in di Fire - koo koo
Yebo - One step beyond
Skatoon Syndikat - Le Barbare

Mit »Hauptstadt-Ska« bekommt der Berliner Ska endlich ein Album, das die sprudelnd lebendigen Ska-Szene in dieser Stadt angemessen vorstellt. Der Pate (www.berlin-ska.de) stellt den Mann vor, der diese Platte gemacht hat.

Das Klischee ist so billig wie perfekt: Ludwig Westarp, Abitur 1998 an einem evangelischen Gymnasium zieht aus dem bildungsbürgerlichen Elternhaus in Charlottenburg in den ach so hippen Prenzelsberg ins heitidei richtig szenige LSD-Viertel in eine Hinterhauswohnung mit IKEA-Kellerregal in der Küche und buntbemaltem Bauernschrank. Er beginnt ein Gesangsstudium an der HdK, fliegt wieder raus, dann studiert er Musikwissenschaft, Philosophie und Germanistik an der HU. Er spielt autodidaktisch Gitarre und singt in einer Band, die „irgendwie mehr als den üblichen Rock“ machen wollen, (was meistens 100% genau das ist, was alle Rockbands machen wollen.). Ein ruhiger, nachdenklicher, Mensch, der vorsichtig, fast schüchtern wirkt und genau überlegt, was er sagt. Er kifft nur ab und zu, „eigentlich eher nur bei Partys“, nimmt keine härteren Drogen, trinkt nur gelegentlich. Das ist nicht Punk. Das ist nicht Rock´n´Roll. Das ist nicht Rudeboy style. Rio Reiser ist sein großes Vorbild, „wegen den Texten“, von Lindenberg und Nina Hagen hat er viele Platten. Skabands, die ihn beeinflusst haben sind hauptsächlich die Butlers und Mother´s Pride „aber mehr so als Liveband, weil da immer so eine irre Stimmung bei den Konzerten war“, auch Madness und Laurel Aitken kennt er gut. Dass mit Sir Coxson Dodd quasi einer der Gründerväter des Ska jüngst gestorben ist, sagt ihm erst mal nicht soviel und „Studio one“, ja, hat er schon mal was von gehört, aber so ganz genau weiss er da jetzt auch nichts, aber so seid einiger Zeit hört er jetzt ja auch mehr so den alten Ska.

Doch das Klischee hat dicke Risse. Es lügt: Westarp verkauft für viele völlig überraschend mit seiner SkaRockPunk-Band »Tiefenrausch« (www.tiefenrausch-ska.de) das legendäre S036 in Berlin-Kreuzberg aus (womit er eine Wette gegen den „Pork Pie“-Chef um eine Flasche Chamagner gewinnt). Für Oktober 2004 mietet er die Columbiahalle für die Record Release seiner Band, wovon sämtlich anderen Berliner Ska-Bands nicht mal träumen würden. Und mit SKARO Rec. gründet Ludwig Westarp ein Label, das 2004 endlich den seit Jahren fälligen Querschnitt-Sampler der Berliner Ska-Szene für den Beginn des neuen Jahrtausend herausbringt: das Album »Hauptstadt-Ska«. Das Handwerkszeug für das Label dazu holte Westarp sich zum Beispiel durch Praktika bei Pork Pie, dem legendären Berliner Label, das vor Ewigkeiten mal mit den »SKAndal«-Samplern an der Ska-Geschichte mit schrieb, sich aber schon seit Jahren nicht mehr um den Nachwuchs kümmert, sondern leider nur noch scheinbar sichere, altgediente Pferde im Stall behält. Der Sampler »Hauptstadt-Ska« wird in Zusammenarbeit mit Buschfunk deutschlandweit sowie international professionell promotete und vertrieben und soll den Ruhm der Berliner Skabands auch überregional verbreiten helfen. Die Startauflage von 2000 Stück wird von Westarp privat finanziert, unterstützt vom Vertrieb. Die Verträge mit den Bands seien fair und branchenüblich, sagt Westarp, was auch die Bands bestätigen. Hier soll nicht nur mit einem besseren Mixtape die schnelle Mark gemacht werden, sondern vielmehr gehe es darum, dass viele der vertretenen Skabands in Berlin bereits sehr erfolgreich seien, überregional sei es jedoch immer schwierig, weil eine Skaband aufgrund der Grösse immer teurer sei als eine Drei-Mann-Punker-Combo. Veranstalter ausserhalb Berlins seien so immer eher vorsichtig mit dem, was sie und ihr Publikum noch nicht kennen. Hier will der »Hauptstadt-Ska«-Sampler Aufbauhilfe leisten, den Leuten im Land zeigen, was es Geiles in Berlin gibt und so den Berliner Ska-Kapellen ein bisschen mit zum Durchbruch verhelfen. Auch, aber sicher nicht nur, für Westarps eigene Band »Tiefenrausch«

Die Ska-Szene in Berlin hat sich in den letzten zwei, drei Jahren markant gewandelt.
Zum einen durch Bandauflösungen-und Neugründungen, zum anderen aber auch, weil einfach neue Leute nachgewachsen sind. „Skinheadtum“, „Renee“ und „Rude boy“ wird weniger in der Ska-Szene. Dreads ersetzen den Iro und Trainigsjacken kommen immer mehr dazu. Und es scheint, als wächst zu dem neuen Gesicht der Ska-People auch ein neue Generation von Machern heran, die die diesem neuen Gesicht des Ska die nötige Infrastruktur in Form von frischen, mutigen Labeln, Vertrieben, Bookingagenturen liefern, um vielleicht die ganze Show richtig gross und fett werden zu lassen. Leute wie Ludwig Westarp. Also, vorwärts, keep on skanking und die Wurzeln nicht vergessen! Wir wünschen viel Glück!

Autor: Der Pate

Gast | Mo., 13. Sep 2004 | Kolumne

2003

ein kleiner Einblick in die Mestizokultur in Barcelona

Spanien, was für ein Land. Katalunien, was für eine Region. Barcelona, was für eine Stadt. Wo das Bier in Literflaschen kommt und an jeder Ecke Typen mit Bier für 1 Euro stehen, und am Strand zum Cola, Agua, Cerveza auch “hachis” verkauft wird, lässt es sich gut und gerne leben.

Und dass hier die Musikszene floriert, versteht sich von selbst. In gewisser Weise iniziiert von Manu Chao und dem beachtlichen Zustrom von Menschen unterschiedlichster Herkunft und Couleur, hat sich in den letzten Jahren in Barcelona eine Musikszene entwickelt, die nichts zu wünschen übrig lässt. Hier trifft sich Franzose mit Spanier mit Araber mit Katalane mit Argentinier mit Brasilianer. Und genau das spiegelt sich in der Musik wieder. Bands wie Cheb Balowski, Oh Jarbanzo Negro, Dusminguet, Ojos de Brujo oder Wagner Pa, um nur eine Bruchteil zu nennen, prägen seit einigen Jahren diese Szene, und schaffen gekonnt die Stile ihrer Herkunft miteinander zu vermischen. Hier fliessen Flamenco, katalanische Rumba, Cumbia, Ska, Reggae, Raggamuffin, Latino-Sounds, Hip-Hop aber auch Techno zusammen. Gespielt wird alles was gut klingt und zusammenpasst, um den Leuten bei jedem Konzert eine Party der Sonderklasse zu bieten. In der bei uns mittlerweile als Mestizo bekannten Musik (ein Begriff, der zum ersten Mal bei der Invasion Fernando Cortes´ in Mexiko auftauchte, wo sich spanisches mit indigenem Blut vermischte) wird das ausgedrückt bzw. unterstützt, was in der Welt vor sich geht: soziale Probleme, politischer Aktivismus, Probleme der Herkunft und das Leben in einem fremden Land, das Leben im Barrio, Culture Clash, als auch soziale und politische Ausbeutung und Unterdrückung (wie z.B. In den Chiapas). Nichtsdestotrotz ist diese Musik aber Musik, die zum Tanzen gedacht ist. Denn trotz der Probleme, die es auf der Welt gibt, muss man dem Ganzen lachend entgegentreten. Denn: weine und du machst die Welt nur nass, lache und die Welt lacht mit dir.

Was bei uns nun also immer mehr den Weg in die Clubs findet, ist hier allerdings überwiegend nur live zu erleben. Clubs die Mestissatge-Sounds spielen sind rar gesäht in Barcelona. Statt dessen findet man allerorts Techno, Break-Beats oder Elektro-Pop.

In einem Club allerdings ist ein Vetreter dieser Szene selbstpersönlich hinter den Plattentellern anzutreffen. Der aus Brasilien stammende Wagner Pa, dessen neue CD auch bei uns überall zu finden ist und der letztes Jahr bei der Pop deurope im HKW zu Gast war, legt jeden Mittwoch im Sidecar am Placa Reial Techno Afro, Rumba Beat, Samba, Funk, Electro-Ragga, Drum´n´Bossa und Hippie Hop auf. Und das auch noch äusserst gekonnt. Hier werden alte Madness-Klassiker mit Breakbeats gemixt, um dann wieder den Bogen zu treibenden Samba-Rythmen zu spannen. Nebnebei ist Wagner Pa auch noch mit seiner Gruppe Brazuca Matraca auf Konzerten im Umland Barcelonas anzutreffen. Und einem der Konzerte der barcelonischen Bands beizuwohnen ist immer die reinste Freude. Denn gespielt wird oft, bei speziellen Anlässen wie der Feier zum 20-jährigen Bestehen des katalanischen Fernsehens oft auch umsonst, oder zumindest zu äusserst günstigen Preisen (siehe Manu Chao).

Denn das wichtigste ist immer noch die Party, und die Party vor der Party und die Party nach der Party....

Autor: Anne

matthias | Mi., 31. Dez 2003 | Kolumne
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