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Kaum zwei Jahre ist das furiose letzte Album „The Money & the Time“ der Lover’s Choice Steady Rockers jetzt alt und schon trägt der erfrischende Nordwind aus Kopenhagen neue, frohe Kunde an mein Ohr: „Let it come, let it go“ heißt das bereits vierte Album von Babylove & the Van Dangos und erscheint dieser Tage bei Pork Pie Records.
Die Rocksteady- und Swinging-Ska-Klangperlen sind wie immer in dem unvergleichlichen Stil komponiert, für den die Dänen zurecht europaweit gefeiert werden, dem Stil, der so viel Soul in die Waagschale wirft, dem Stil, der gleichzeitig immer wieder fast jazzartige Glanz-Kapriolen schlägt und schließlich dem Stil, der die Jamaikanischen Wurzeln nie vergisst, dabei aber nie Gefahr läuft, durch puritanische Selbstbeschränkung auf der Stelle zu treten. All das zelebrieren Babylove & the Van Dangos einmal mehr mit der ihnen gegebenen Leichtigkeit auf ihrem neuen Album.
Sie laden den Hörer dabei ein auf eine Reise in Carrols Wunderland. Denn „Let it come, let it go“ hegt in vielerlei Hinsicht geradezu literarische Ambitionen und ruft die großen Geschichten und Geschichtenerzähler zurück in unser Gedächtnis. Darauf spricht und singt eine ewig rastlose, eine getriebene Seele auf der Suche nach einem Ort, wo sie bleiben, wo sie sich frei entfalten darf. Vielleicht ist das eines der ureigensten Themen der Band: Unterwegs zu sein, bzw. sich auf den Weg zu machen, mit einem offenen Herzen, mit dem Wind im Gesicht und einem Lied auf den Lippen. So fügt mein gegenwärtiger Lieblingssong „The Road was made for walking“ ein weiteres Kapitel zu der Story hinzu, die 2005 mit „The road ahead“ auf dem Debütalbum der Band begann. Mit dem nach wie vor unvergleichlichen Soul in der Stimme erzählt Daniel „Glengali“ Broman mit seinen Texten von Kenneth Grahams großem Traum von der offenen Landstraße, dem Traum von einer anderen Welt, voller Abenteuer und Geschichten, voller Freiheit und Fantasie, voller Gefahren und Intensität. Dazu passt übrigens die kuriose Nachricht, dass die Band kürzlich einen bengalischen Tiger adoptiert habe …
Das geniale Artwork von John Kenn Mortensen, das mich an die grotesken Abenteuer eines Philip Ardagh, eines Roald Dahl oder auch an die überbordende Fantasie eines Walter Moers erinnert, trägt übrigens nicht unwesentlich zur Atmosphäre der Platte bei. Deshalb meine lieben Leser schlage ich vor: Vergesst mir nicht, den Thoreau zu lesen und dann aber auf, auf, hinaus in die Welt, das Bündel geschnürt! Macht euch auf den Weg, um in Innerste des Daseins einzutauchen und dem Leben das Mark auszusaugen!

Weitere Anspieltipps: „City Lies“, „Bathhouse, so sweet“, „Didn’t we tell you so“

VÖ: 27.4.2012

Krizn | Sa., 21. Apr 2012 | SKA

VÖ: 17.02.2012

Da ist es nun das zweite Soloalbum des Saxofonisten von Rude Rich & The Highnotes aus Holland. Tommy ist zweifelsohne einer der begnadetsten Saxofonisten der europäischen Szene und kann sich sicherlich sogar mit Dave Hillyard die Hände reichen. Seine Platte zeugt ebenso von Experimentierfreude wie Szenebewusstsein. Das allein, bzw. die stimmige Kombination aus beidem würde die Platte schon empfehlenswert machen. Darüber hinaus ist sie aber auch schlicht sehr, sehr, seeehr entspannt, enthält jede Menge virtuose Instrumentals und ist dabei immer stilsicher jamaikanisch. – Roots, Dub und Ska-Jazz mit Prädikat! Besonders wertvoll für einen entspannten Abend. Auch das Cover der Platte ist (vor allem verglichen mit dem Vorgänger) deutlich schicker ausgefallen.
Einzig, und ich kann es nicht verschweigen, so manche Gesangseinlagen hätte man sich auch schenken sollen. Tommy Tornado hat für sein neues Album nämlich fleißig Gäste ans Mikrofon gebeten. Nur bleiben die vor dem Hintergrund der herrlichen Instrumentals deutlich blass. Die Performance von Ebou Gaya Mada auf Track vier, die mit zunehmender Songdauer ebenso unschön wie abwechslungsarm daherkommt, nervt bis zum Ende sogar gewaltig. Mr. T-Bone dagegen gefällt mir schon wesentlich besser. Und überhaupt: Lassen wir uns das Wässerchen nicht trüben. Insgesamt ist das doch ein feines Scheibchen geworden.

Krizn | Fr., 23. Mär 2012 | SKA

VÖ: 28.10.2011

Und so geht Soulful Ska and Reggae wirklich!!! Die Grover Hausband, the Moon Invaders aus Belgien ist längst eine verlässliche Bank im NeoTraditional Geschäft. Das vierte reguläre Studioalbum stellt das einmal mehr unter Beweis. Herrlich grooviger Ska, Rocksteady, Reggae und Soul. Es mag sein, dass die Herren es in den vergangenen Jahren ein klein wenig übertrieben haben mit den Liveauftritten, es mag aber auch an der inzwischen mangelnden Konkurrenz an richtig guten Livebands liegen, auf jeden Fall habe ich die Moon Invaders geradezu inflationär oft über die Bühne toben sehen. Und… jetzt wo ich das Album höre, reißt es mich innerlich geradezu durch die Gegen vor Vorfreude auf das nächste Konzert! Genial: The Fine Line kombiniert den massiven Drive von innovativen Bands wie The Dualers mit dem absolut stilechten Klang der Jamaican Sixties. „Why“ ist zum Beispiel so ein Knaller, den die Blues Busters nicht besser hätten einsingen können. Und dann legt „Bet your Bottom Dollar“ einen schweineheißen Soul aufs Pakett, da fragt sich nur „Why?“ gibt es soo viel Soul with my Reggae nur so selten? Die Moon Invaders können aber auch à la Pioneers („Love Come easy now“) oder astreinen Ska-Jazz („Pick up the Pieces“). Ein großartiges Album, mit dem sich die belgische Band meiner Meinung nach ganz nach vorne spielt.

Krizn | Fr., 23. Mär 2012 | SKA

VÖ: 17.2.2012

„Rainbow“ ist dritte Album der Band aus Rennes, sieht man mal von dem bei Mad Butcher erschienenen Best Of von 2010 ab.
Die französische Band versteht ihre Musik als Tribut an die Soullastigen Spielarten des jamaikanischen Rocksteady und Reggae. „Rainbow“ ist dabei das dritte Album der Band. Immer noch wehen die 60s schwer durch das Werk. Das heißt musikalisch klingen sie nach der wilden Ära des jamaikanischen Offbeats, gesanglich eher nach 60 Kerzen auf dem Geburtstagskuchen. Immerhin ein gemischtes Doppel hinter dem Mikrofon, aber für meinen Geschmack mit deutlich zu wenig Feuer eingesungen, so plätschert das Ganze vor sich hin. Am ehesten erinnert das noch an die Gesangsexperimente von Mister Judge Dread. Dafür fehlt aber der Humor. Komische Platte. Tempo bitte!

Krizn | Fr., 23. Mär 2012 | SKA

Da komm ich heute mit dem Fahrrad an einer kleinen Sitzbank vorbei, die komplett aus Büchern zusammengeleimt ist. Tolle Idee, denk ich mir und schau mir das genauer an. Die Bank gehört zu einem kleinen niedlichen Buchladen mitten in X-Kölln, der auf den Namen "Die Buchkönigin" hört. Spätestens als mir im Kinderbuchregal „Der Reggaehase Boooo“ entgegenblinkte, hatte ich mich in den Laden verliebt. Geht dort unbedingt mal hin, wenn ihr in der Nähe seid! Hier soll es aber jetzt um das Buch gehen, dass ich mir gleich habe einpacken lassen. Der Reggaehase Boooo ist ein herrlich illustriertes Bilderbuch dem eine CD beiliegt. Darauf befindet sich dieselbe Geschichte noch einmal liebevoll aufbereitet als Kinderhörspiel mit Reggae-Einlage von Yellow Umbrella. Der Text stammt von YU-Sänger Jens Strohschnieder und wurde für die Hörfassung ziemlich genial eingebrummt von niemand geringerem als Dr. Ring-Ding. Was kann Ritchie eigentlich nicht, frage ich ein klein wenig neidisch.
Kurz zur Handlung: Der König des Landes hat sich zum Musikmuffel entwickelt. Und wenn ER keine Lust auf tanzen hat, dann soll sein Volk gefälligst auch die Füße stillhalten. So ungefähr wird er wohl gedacht haben als er den Proberaum des Waldes schließen lies. Dies ruft nun Boooo auf den Plan, dessen Lieblingsbeschäftigung es war, den Proben der Reggaeband „Green Rainjacket“ (zwinker) zu lauschen. Also macht er sich, immer heimlich gelenkt vom mystischen Skavogel, auf den Weg in die weite Welt, um irgendwo Musik aufzutreiben, die den König wieder zum tanzen bringt...
Man kann den Reggaehasen Boooo auf vielerlei Weisen lesen. Zu allererst ist es natürlich eine spannende und witzig erzählte Kindergeschichte, und zwar eine, die Kinder nicht nur unterhält sondern ihnen gleichzeitig spielend viel Interessantes über jamaikanische Musik beibringt. Wo kommt das her? Wie klingt das? Wie tanz man das? Und so weiter. Man kann das Hörspiel aber auch als eine Art Best-Of von Yellow Umbrella hören, denn die CD vereint die meisten Hits der Dresdner Band. Gleichzeitig könnte die Kindergeschichte auch auf einer metaphorischen Ebene als Steckbrief von Yellow Umbrella gelten. Wer die Band nicht kennt, (der arme Tropf) trotzdem aber ein gutes Bild von deren musikalischer und thematischer Bandbreite bekommen möchte, der höre sich aufmerksam das Hörspiel an: Reggae goes World! Bzw. kosmopolitischer Reggae, das ist das Programm, für das Yellow Umbrella stehen. Und wenn alle zusammenhalten, dann verliert am Ende nicht nur der alte König seine Muffellaune, sondern dann kann aus gegenseitiger Hilfe und Rücksichtname etwas wirklich Großes entstehen. Dann tanzen alle gemeinsam und alle haben Spaß! Ist das nichts? Probiert’s aus!

Krizn | Di., 06. Mär 2012 | SKA

Und noch ein so genanntes Digital Release… Aber wenn ich schon mal dabei bin, kann man das ja gleich noch mal mitmachen…. Lange habe ich von der Band aus Norwich nichts mehr gehört und ich bin etwas überrascht, dass die „Platte“ jetzt bei HULK raus kommt. Waren die nicht lange bei FAT WRECK unterwegs? Mmmh, immerhin kündigt FAT auf seiner Homepage an, dass das Album erst mal „nur“ digital bei HULK erscheint. Ob es noch mal eine „richtige“ Platte zum anfassen gibt, ist eher fraglich…
Tja, und irgendwie hatte ich GP auch etwas härter in Erinnerung. So eher punkrockmäßig. Aber ich war ja auch eine längere Zeit „draussen“… Vielleicht hab ich da ja was verpasst. Hier gibt es jedenfalls eine feine Reggae-Platte, die sogar richtig gut gelungen ist. Es scheint so, als ob die Mitglieder richtig Spaß daran gehabt haben, diese Platte aufzunehmen. Hier und da mal eine Art Instrumental eingestreut und der Rest sind tolle, tanzbare Songs mit teils witzigen Texten, die eine abgeflaute Party noch mal richtig zum kochen bringen könnten. Wurde da Tommy Goober etwa bei seiner Tour mit Olga und den TOY DOLLS beeinflusst? Nee, doch. Auch hier kann ich eine klare Downloadempfehlung abgeben.

Web: Band, Label
mieschka | Mi., 29. Feb 2012 | SKA

SPY KOWLIK ist eine Ska(punk)-Formation aus Trier. Die Band besteht schon seit über 10 Jahren und hat dementsprechend was auf dem Kasten. Dass sie sich in dieser Zeit schon des Öfteren mit international bekannten Acts die Bühne teilte versteht sich da von selbst. Auf ihrem mittlerweile 4. Longplayer präsentiert sie eigenständigen, sehr tanzbaren Ska mit deftig rockenden Gitarren. Jau, das geht gut ins Ohr. Das Cover ist etwas gewöhnungsbedürftig und kann leicht mit langweiligem Psychedelic Rock verwechselt werden. Daher hatte ich anfangs auch ein bisschen Schiss, überhaupt rein zuhören. Gott sei Dank hab ich mich dann aber doch überwunden, denn Spaß macht die Platte allemal.

Web: Band
mieschka | Di., 28. Feb 2012 | SKA

Zweites Album der Ska´n´Roll Combo aus dem Norden. Ich bilde mir ja ein, von den Jungs schon einmal was gehört zu haben. Aber beim Durchforsten meines Plattenschranks hat sich dann doch nichts angefunden… Mmmh. Naja macht nichts. Die Band gibt es jedenfalls bereits seit 7 Jahren und man merkt ihnen ihre Reife durchaus an. Spielerisch haben sie Einiges drauf und sie halten sich nicht unbedingt an die engen Grenzen des Genres. Denn in ihren „Trompetenpunk“ mischen sich durchaus auch härtere Elemente des Hardcore und vielleicht ein bisschen Metal. Ich kann mir vorstellen, dass auf deren Konzerten in kleinen, schweißgetränkten Clubs so einiges abgeht. Und die 10 Songs sind so schnell vorbei, dass man eigentlich nur noch gewillt ist, das Brett / die Platte nochmal von vorn zu starten. Fleißig sind die Jungs auch, denn für das kommende Jahr ist schon die nächste Platte in Planung. Macht wirklich Spaß. Und da die Platte unter der CREATIVE COMMON LIZENZ erscheint, macht es die Band durchaus sympathisch.

Web: Band
mieschka | Di., 28. Feb 2012 | SKA

Was war das schön! Als „Love & Hate & Politricks“, das lang erwartete Debüt der fünfköpfigen Soulful Reggae Band (fast ganz) aus Berlin, 2010 endlich auf den Markt kam war es wie ein frischer Wind, der wohltuend in die hiesige 2tone-, Rumpel-, und Punkskalastige Szene fuhr. Das klang so gut, das klang so viel versprechend. Die Begeisterung (und zwar nicht nur meine eigene) war von Anfang an groß gewesen und hatte seitdem von Konzert zu Konzert nicht nachgelassen. Dementsprechend enorm waren nun die Erwartungen für den Nachfolger. Apropos warten, deutlich schneller als beim letzten Mal ist es ja gegangen mit der Platte.
Ein paar Wochen ist es schon her, zu Heilig Drei König nämlich, da ließen The Magic Touch nun also ihren zweiten Streich folgen. Und, dem speziellen Tag entsprechend, es ist ein wahrlich königlicher Streich geworden. Die Record Release im Berliner Club Bohannon, zu dem auch eine Stange befreundeter Musiker (von Voodoo Moon, Brass, Wood & Wire und the Floorettes) geladen waren, hatte sich ja schon sehr gut angelassen. Nun endlich liegt mir „Shocks of Lightning“ auch als Platte vor. Und… gleich mit dem Opener haut mir die Platte mit mächtiger Pranke von hinten auf die Schulter und sagt: Here I am, let’s get the party started! Also: Erwartungen erfüllt, meine Herren!
Auch wenn Shocks of Lightning, anders als der Titel vermuten ließe, nicht durchgehend auf die Tube drückt, dazwischen schon mal einen Hauch Melancholie oder einfach zuckersüßen Rocksteady auf die Theke packt, das Album scheint mir als Ganzes gesehen (Vorsicht Kalauer) nicht nur optisch eine sehr runde Sache geworden zu sein.
Und: Wer ab und zu im Wowsville bei Shake-a-Leg, dem regelmäßigen Nighter von Magic Sven und Magic Roger, das Tanzbein schwang, der konnte es schon ahnen: Die musikalischen Interessen der Band sich nach wie vor breit gefächert: Auf der neuen Platte integriert die Band mit Leichtigkeit Anklänge von Boogaloo, Soul und Rub-a-dub in ihr Klangspektrum, was nicht heißt, dass guter alter Bad-Ass Reggae (The way you smile) oder herzwärmende Rocksteadyperlen (It ain’t about me / Dream about you) aus dem Programm gestrichen worden wären.
Übrigens: „Everday Man“ erinnert mich gewaltig an “Precious and few” von den Aggrolites, was großartig ist, weil ich P& F für einen der am stärksten unterschätzten Songs der Kalifornier halte.
The Magic Touch schaffen das Wunder, mal zu klingen wie die Brasilianischen Dubrocker von Firebug, gleich danach den Schalter auf Clancy Eccles-Tributing umzulegen und trotzdem den eigenen Charme und Charakter nie zu verlieren. How does it feel? Great! Wonderful! Don’t stop, that’s our time fi celebrate.
Lobhudelei-Modus aus! Danke. Trotzdem: So kann’s weiter geh’n!

Krizn | Sa., 18. Feb 2012 | SKA

Mr. Review ist nun schon seit 1983 musikalisch aktiv. Eine verdammt lange Zeit, eine wechselvolle Zeit und eine, in der es Dr. Rude und Arne Visser geschafft haben, sich dauerhaft in die Herzen der europäischen Offbeatszene zu spielen. Und wer weiß, vielleicht liegt es auch an diesen verdienten Musikern, dass Ska made in Holland auch heute noch so einen hohen Stellenwert besitzt. Querverbindungen zwischen den erfolgreicheren Bands gibt es ohnehin zuhauf, so gingen einige der ursprünglichen Review-Musiker zu Rude Rich & the Highnotes und so spielte Paul Berding von Mark Foggo’s Skaters das Baritonsaxofon für Mr. Reviews Album XXV ein, um nur zwei Beispiele zu nennen.
Nun gut, seit 2009 sind Dr Rude und Arne Visser mit Ihrer Band wieder unter dem Namen Mr. Review unterwegs und haben anlässlich des 25jährigen Jubiläums ein neues Album aufgenommen. Dieses heißt sinniger Weise XXV und erscheint nun (dank Pork Pie) auch auf dem deutschen Markt. Darauf befindet sich die übliche Palette an hookline-beladenen Offbeat Stompern, treibender 2Tone mit leicht melancholischer Note, dabei aber immer ganz gut tanzbar.
Wenn es nach mir geht, so hätte eine so verdiente Band, das beeindruckende Jubiläum ruhig dazu benutzen können, ein wenig Einkehr zu halten, zu prüfen, ob sich musikalisch da nicht ein bisschen was getan hat in der Zwischenzeit. Stattdessen präsentiert XXV einmal mehr so ziemlich den gleichen Stiefel. Der ist auch gar nicht schlecht, das sicher nicht. Man hat es halt alles nur leider schon oft genug gehört.
Echte Fans kommen aber mit Sicherheit auf ihre Kosten.

VÖ: 03.02.2012

Krizn | So., 22. Jan 2012 | SKA

Die Ping Pongs bringen wieder Platten raus. Brauchts das? Naja, irgendwie schon, denn einerseits ist die deutsche Offbeatszene zur Zeit sowieso relativ einfallslos und andererseits erheben sich die Münsteraner mit „Tag vor dem Abend“ durchaus wohltuend über das Niveau des „Woho-hoho-hohow - Immer nur Ska“ der frühen 90er Jahre. Statt des ursprünglichen 3rd Wave Programms steht jetzt auf den wehenden Fahnen. Vielfalt! Vielfalt! Vielfalt! Jeder Song auf dem neuen Album klingt ein bisschen anders. Ein paar Prisen HipHop, Flamenco-Gitarre, funky Soul, Dancehallbeats alla Seeed, Breakbeat-Drumcomputer, ein Punkrock-Refrain und RocknRoll Attitüde und insgesamt ein viel höherer Reggae-Faktor. Da ist schon ganz schön was auf dem Speiseplan. Interessant, dass ich beim Durchhören wiederholt an Jan Delay denken musste. Aber ja, ich leg mich fest: El Bosso zurück auf den Plattentellern, das braucht es sehr wohl!
Schon seit 2003 ist die Band ja wieder ab und zu live unterwegs. Die Streitigkeiten, die Mitte der 90er zum Split geführt hatten, sind offenbar ausgebügelt worden, und selbst Dr. Ring-Ding konnte sich genügend Zeit frei schaufeln, um für die Ping-Pongs die Posaune zu schmettern. Wie man partytaugliche Straßenfeger komponiert, das wussten sie damals und das stellen sie nun einmal mehr unter Beweis. Dazu gewohnt humorige deutschsprachige Texte und ein Rhythmus bei dem jeder mit muss. Keine Frage, dieses Album hat es in sich. „Mädchenmusik“ nennt die Band das: Massentauglich, gut zum mitsingen und schön, das vor allem, einfach schööööön! Ich gebe ihnen da völlig recht, übersetze aber in Eigenregie: El Bosso schreiben jetzt für das breite Publikum. Ihre Musik wird vielen gefallen, wird (hoffentlich) große Konzerthallen füllen, wird aber der Offbeatpolizei mit dem musikalischen Arsch ins Gesicht fahren. Das sie bei allem Spaß und aller stilistischer Offenheit trotzdem wissen, wo der Rhythmus herkommt, das zeigen die Coverversionen von Desmond Dekkers „Get up Edina“ (Das braucht doch keiner) und John Holts „Man next door“ (Mann von nebenan) sowie die Wiederaufnahme von „One Scotch, one Bourbon, one beer“, das Dr. Ring-Ding zusammen mit den Senior Allstars (Dandimite) schon vertont hatte. Bleibt eigentlich nur die Frage: Wann kommt das lang erwartetet Bob Marley & the Wailers Cover „(ich streich mein) Zimmer braun“?
Übrigens: „Tag vor dem Abend“ wird es auch auf Vinyl geben, nämlich über Grovers Kanal V.O.R.

VÖ (CD): 20.01.2012

Krizn | So., 22. Jan 2012 | SKA

SKA from the Alps… Der Stempel lügt nicht. Aber da ist doch eigentlich eher Krizn der Experte… Mmmh, naja, wie dem auch sei, dann muss ich eben ran. Also die 8 kurzhaarigen Jungs spielen, wie bereits erwähnt, eingängigen SKA, bei dem man schön das Tanzbein schwingen kann. Soweit ich das beurteilen kann, ist das hier eher am traditionellen SKA orientiert, als am neumodischen „Stampfska“. Also etwas mehr Reggaelastig. Keine Ahnung, Krizn kennt da sicherlich den richtigen Fachbegriff für. Aber alles o.k. und dazu gibt es auch noch eine Message dahinter und das gefällt mir besonders gut.. Aus der antifaschistischen Szene Tirols entstanden, wird hier eine perfekte Verbindung zwischen tanzbaren Rhythmen und politischem Inhalt geboten. Ähnlich wie bei NO RESPECT damals. Aber musikalisch kann man das hier nicht ganz vergleichen. Vergleiche fallen mir gerade sowieso etwas schwer. Ich kann mir nur gut vorstellen, die Band zusammen mit BANDA BASSOTTI im Tommy Haus zu erleben. Wäre sicherlich ein unvergesslicher Abend, wenn Ihr in so etwa ahnt, was ich damit meine…

Web: Band, Label
mieschka | Di., 17. Jan 2012 | SKA

”Will that be enough” so heißt das dritte offizielle Studioalbum der neun Herren aus dem Pfäffikon in der Schweiz. Mit dem Debüt beanspruchten sie offiziell einen Teil des europäischen Offbeatkuchens für sich, mit „Something in between“ eröffneten sie die Tortenschlacht so richtig. Begeisterungsstürme waren die Folge, die Band von da an nicht mehr (freiwillig) wegzudenken von den Bühnen dieses Kontinents und jetzt der nächste Streich. Als wäre die neue Alaska Platte als Frage, ja als Möglichkeit auf den Weg geschickt worden. Wird das nun endlich genug sein? Genug um die Szene auf den Kopf zu stellen, genug um gestandene Skinheads mit Gekreische und „Ich will ein Kind von euch“ Schildern ganz nach vorne vor die Bühne zu treiben und genug um beim nächsten worldwide Ska Summit in den ganz fetten Lettern auf den Plakaten zu stehen? Ja, als wär das so. Aber Vorsicht meine Damen und Herren, da ist weit und breit kein Fragezeichen auf dem schicken Digipack zu finden! Und das ist auch gar nicht nötig, wenn Sie mich fragen. Denn wenn Sie schon am fragen sind, dann schüttel ich gleich noch ein paar andere Wahrheiten aus dem Ärmel. Zum Beispiel diese: Alaska ist zurzeit eine der entspanntesten und gleichzeitig spannendsten Bands im europäischen Offbeatbereich. Kaum eine aktuelle Platte bringt derzeit so viel Seele in ihren Rocksteady, Trad. Ska, Ska’n’Roll, Reggae something, präsentiert einen Song nach dem anderen mit so unvergleichlichen Melodien ohne kitschig oder eintönig zu werden. Nein, ganz groß meine Herren! Auch das neue Album ist wieder ein enormer Hoffnungsträger geworden. Mir ist das lääängst genug, um den Hut vor euch zu ziehen, aber für euch (gefälligst) niemals genug, um ab jetzt die Hände in den Schoß zu legen. Macht weiter so und beschert uns weiter solch herrliche Klagperlen. Und vor allem geht mehr auf Tour! Das kann doch nicht sein, dass ich euch immer noch nie live gesehen hab. Jetzt aber hurtig auf die Schlitten! Am besten hängt ihr euch gleich dran, wenn demnächst Babylove & the Van Dangos und Mr- T-Bone & the Young Lions jeweils ihr neues Album präsentieren. DAS wäre mein persönliches worldwide Ska Summit für 2012! Geschüttelt nicht gerührt! Ach ja, bevor ich das vergesse: Ein extra Fleißbienchen an euren Backgroundgesang. DER ist schick. Zum Beispiel auf „Composition 42“, auch die Orgel-Parts sind immer wieder ein Vergnügen. Vielleicht ist mir die Hauptstimme (so gut sie auch ist) beim Mastering einen Tick zu sehr in den Vordergrund gerutscht? Ob da King Django der die Platte höchstpersönlich in seinen berüchtigten Version City Studios in New York abgemischt hat ein bisschen geschlafen hat? Na, wurscht! „Will that be enough“ ist trotzdem eine gewaltige Scheibe geworden und das ist entscheidend.

Krizn | So., 18. Dez 2011 | SKA

Tanz Du Hund! Ich liebe diese Szenen aus alten Westernfilmen (oder aktuellen Simpons-Folgen), wenn der Revolverheld seinen Rivalen schurkenstark und mit rauchendem Colt auf schnellen Sohlen hält. Die Quicksteps schaffen selbiges Phänomen ganz ohne Blei und martialisches Kraftprotzen, und das schon seit den 90ern!! Seit 1999 nämlich wuchten die Herren aus Aaachen ihre treibenden Bässe und fetzigen Bläsersätze unter die Tanzbeine dieser Welt. Das Ergebnis ist deutlich beeindruckender als dasjenige von Jesse James - weil die Tänzer auf Quicksteps Konzerten einfach besser aussehen. Das mag vielleicht auch daran liegen, dass ihnen ganz klar Spaß macht, was sie tun. Denn die Uptempo Desperados verstehen ihr Handwerk, bringen präzise Offbeats und spannende Melodien zusammen und stehen damit nach wie vor in feinster 2Tone und 3rd Wave Tradition. Das beweist auch das dritte offizielle Studioalbum der Herren, das dieser Tage in Eigenregie erschien. Das äußerst ansprechende Digipack ist, ganz modern, über die gängigen Internetrohre oder per Direktbestellung auf der Bandhomepage zu haben. Und ich schlage vor schleunigst zu bestellen. Immerhin war die Wartezeit von sieben Jahren seit dem letzten Quicksteps-Album nun wirklich lange genug. Ach ja, und keine Angst, die Band ist zwar inzwischen eine Portion erwachsener, dafür aber kein Stück langweiliger geworden. Lediglich das Gaspedal wird nicht bei jedem Track bis zum Boden durchgeknallt. Wenn ihr mich fragt, eine großartige Idee, denn erstens sind die altbewährten Tanzbomben nach wie vor im Programm und zweitens: wie sonst hätten so fantastisch groovende Hymnen wie der Ska-Jazz-Stomper „Do it Right“ entstehen sollen. Anspielbefehl!!!!

Krizn | So., 18. Dez 2011 | SKA

Yellow Umbrella ist eine Liveband, keine Frage. Ihre Shows bringen Fans unterschiedlicher Alters- und Genrezugehörigkeit zusammen und lassen den Saal toben. Spaß und Freude garantiert, egal ob auf oder vor der Bühne. Mit ihren inzwischen breit gefächerten musikalischen Interessen (Ska, Reggae, Dub, Gypsie, Jazz, Worldbeats…) sprengen sie so manchem festgefahrenen Szene-Hardliner den Toleranzbereich, aber beim Livekonzert sind alle wieder mit im Boot, denn ein Yellow Umbrella Konzert ist ein ganz eigenes Erlebnis.
Höchste Zeit diesem Phänomen eine eigene Platte zu widmen. Seit November 2011 gibt es jetzt also ein Livealbum der Dresdner Band, aufgenommen mit Heimvorteil in einem klasse Laden – nie werde ich das sensationelle Konzert der Aggrolites dort vergessen – der Groovestation in der Neustadt. Grundsätzlich bin ich ja kein Fan von Livealben, aber bei der Präzision mit der Yellow Umbrella inzwischen auf die Bühne gehen, und bei dem wirklich perfekt abgemischten Sound der Platte klingt das Livealbum im Grunde wie ein „Best of“ der letzten Jahre. Beeindruckend! Wer also die beiden letzten Alben „Little Planet“ und „A Thousand Faces“ verpasst hat (Schande über ihn und sie), der hat jetzt die Chance, sich mit dem Livealbum die besten Stücke davon auf einen Streich zu sichern, angereichert mit den alltime-YU-classics „You never cared for me“ und „Modern Slavery“.

Krizn | So., 18. Dez 2011 | SKA

Im Hause Fat Wreck erschien dieser Tage das Debüt Album der Kalifornischen Band Ellwood. Obwohl – eigentlich möchte ich hier lieber nicht von einem Debüt sprechen. Denn im Grunde handelt es sich dabei um ein waschechtes Nebenprojekt der allseits wohlbekannten DixieSkatePunk Großmeister von den Mad Caddies. Und das hört man auch!

Bei Ellwood hat Chuck Robertson mit seiner Truppe (ohne Bläserfraktion) lediglich ein, zwei Gänge heruntergeschaltet, hat die verzerrten Gitarrenparts im Schrank gelassen und dafür die Terrassenflügeltüren weit aufgestoßen. Herein strömt eine geballte Ladung savoir vivre, die glutrote Kalifornische Sonne, eine schäumende Brandung und alles, was das Leben an der Küste so angenehm macht. All das haben die Musiker auf die Platte gebannt und so lässt es sich wunderbar relaxen beim Hören von Lost in Transition – vorausgesetzt man ist in der Lage, ein wenig Zeit, gute Laune und eine gute Portion Lässigkeit aufzutreiben. Mit minimalistischer Besetzung, ein wenig Orgel und dem längst bekannten Händchen für eingängiges Songwriting hat Ellwood ein schönes und überaus entspanntes Album geschaffen. Viel mehr allerdings auch wieder nicht. Musikalisch und thematisch gibt es wenig Überraschendes, dafür aber eine wiederum meisterliche Umsetzung des altbewährten Stoffes: California-Reggae, Surfer-Ska, ein bisschen Sublime, (sehr) leichte Anklänge an Hepcat aber unbedingt reizvolle Singalong Refrains. Im November wird sich zeigen, ob die derart geschrumpfte Bandbesetzung auch live zu überzeugen weiß, vor allem aber, ob jemand die Punkrockparts vermissen wird.

Web: Band, Label
Krizn | Mo., 03. Okt 2011 | SKA

Musikalisch bleiben sich No Life Lost aus Hamburg auch auf ihrem inzwischen fünften Studioalbum treu: Schweißtreibender Uptempo 2tone-Punkrock mit musikalisch versierten Kurztrips in verschiedenste Randgebiete von Pop bis Heavy Metal, aber alles gut gewürzt und auf straßentauglich gebürstet. Was mich allerdings schwer irritiert, sind die Texte der Leute aus St. Pauli.

Klar, nach wie vor geht es viel um Fußball, immer tauchen am Rande die üblichen Seitenhiebe auf Sex- und Fleischisten auf, die beim irgendwie links-politischen Rundumschlag nicht fehlen dürfen. Einige der witzigen Einfälle in diesem Zusammenhang gefallen mir sogar ganz gut. Aber dann gibt es Songs wie „Respekt an mich“, bei denen ich nur hoffen kann, dass mein auf Ironie gesetzter Wetteinsatz nicht hoffnungslos verloren ist. Alles Andere traue ich dieser Band auch eigentlich nicht zu; einer Band, die vom Derby-Rivalen The Skatoons ins Hauslabel geholt wurde, und die uns in der Vergangenheit so viele Ska-Punk Hymnen geschenkt hat. Andererseits, meine Herren Musiker: Wo kommt eigentlich plötzlich der ganze Hass und die Haudrauf-Mentalität der Songtexte her? Vielleicht deutlich „zu viel Kopfball“?
Im Ernst: Was No Life Lost auf dem aktuellen Album so alles gegen den Strich geht und was deshalb brachial-kategorisch mit Ablehnung überschüttet wird, das geht mir nicht nur auf die Nerven, davon möchte ich mich in aller Deutlichkeit distanzieren!!!
Ich gebe zu, ich verstehe sie auch nicht, die Radio-Pop Hörer, die schon seit Jahrzehnten auf Abenteuerland, Life ist Life und Wolfang Petri stehen. Wenn es aber nach No Life Lost ginge, würden diese einfachen Gemüter des Musikkonsums mit zertretenen Brillen aus der Halle geprügelt werden. Egal, mit welch humoristischem Grundgedanken solche Zeilen formuliert wurden, bei mir erzeugen sie heftigen Brechreiz. So etwas kann man eigentlich nur hinnehmen, wenn man der Band im Vorfeld schon eine ganze Menge Vorschuss-Kredit in Sachen politisch korrekter Einstellung einräumt - was ich im Grunde auch tue. Dennoch: Die Zeilen für sich genommen, zählen zur finstersten Sorte.
Was der Band noch alles nicht passt: altmodische DJs, Rockfans mit billigen Dave Grohl Haarschnitten, Metallicafans, eBay-Nerds, Menschen mit schlechtem Humor, plumpen Sprüchen und arrogantem Auftreten und was weiß ich noch alles. Mag sein, vielleicht kann man über viele der kritisierten Phänomene nachdenken. Sicher schadet ein gut gesetzter Scherz über so manchen eingebildeten Zeitgenossen nicht. Da geh ich voll mit. Und ich steh auch auf schwarzen Humor, keine Frage. Was No Life Lost hier aber textlich als Gesamtbild abliefern, die miese Laune und die Lust an roher Gewalt, die aus ihren Zeilen sprechen, das alles ist zeitweilig so garstig, dass mir das Grausen kommt. Wie kann man sich aufregen über die Arroganz der Mainstreamer, die ihren Geschmack zum Maßstab der Gesellschaft erheben und auf dem gleichen Album einem DJ den Verkehrsunfall an den Hals wünschen, weil sein Musikgeschmack nicht genug hergibt. Nein Danke! Das ist kein Punkrock, das sind intolerante Stoffwechselprodukte! Den Song „Einfach mal die Fresse halten“ hätten sich No Life Lost besser selber zu Herzen genommen. Argumentativ feinsinniger als die von ihnen angegriffene Klientel gehen sie selbst jedenfalls auch nicht vor.

Krizn | Mi., 14. Sep 2011 | SKA

Es war einmal…: In einem „Szeneladen“ in einer süddeutschen Großstadt wurde ich vor vielen Jahren angesprochen, ob ich nicht Lust hätte, beim Videodreh für einen neuen Song von Smokie mitzumachen. In spontaner Empörungswallung lehnte ich entschieden ab.
Und die Pointe der Geschichte: Tatsächlich weigerte ich mich hauptsächlich deshalb so vehement, weil ich im Eifer des Moments Smokie schlichtweg mit der sich damals gerade in einem Nerven zerfetzenden Reunion Feldzug befindlichen Band „Blondie“ verwechselt hatte.

Inzwischen hat sich mein musikalischer Horizont gewaltig verändert. (Hört, Hört!) Vieles habe ich dazu- und lieben gelernt. Trotzdem ist auch Manches gleich geblieben. (Wie beruhigend.) Die 80er Jahre z. B. lehne ich musikalisch gesehen nach wie vor kategorisch ab, und wer mir hinterrücks und ohne Vorwarnung ein gehauchtes „Mariiiiiiiiii-aaaaaah“ in den Gehörgang säuselt, der bekommt immer noch die überaus seltene Gelegenheit, mich im Blutrausch zu erleben.
Das ist eine dieser kleinen Wahrheiten, die im Wirbelsturm dieser mäandernden Welt feststehen, eine Insel der Ruhe und Sicherheit in einer verwirrenden Zeit, etwas, an dem man sich festhalten kann: Nein! Ich mag sie nicht, diese Blondie! So simpel aber auch so selbstbewusst dachte ich noch bis vor wenigen Tagen.
Aber dann kamen ein paar Skinheads aus Finnland und veröffentlichten ein unscheinbares Scheibchen namens „Punkrocksteady“ – darauf eine Art Chronik musikalischer Sozialisation, ein Who is Who aus der Plattensammlung eines Punks der ersten Stunde. Vierzehn Coverversionen von Szenevätern wie The Clash, Buzzcocks, Joy Division, Sham 69, Elvis Costello und Cock Sparrer. Und gleich als Opener: Ein Cover von Blondies “Heart of Glass”! Aber WAS für ein Cover? Noch bevor ich in meinen imaginären Kragen beißen kann, bin ich schon vollkommen gefesselt und ich gebe den Labelchefs von Pork Pie überwältigt recht: Endlich mal ein Album mit Coverversionen, die die Welt tatsächlich braucht!
Street Credibility hatten sich ja The Valkyrians in der Skawelt inzwischen ohnehin erarbeitet. Auf ihrem dritten regulären Studioalbum stellen sie diese gleich in zweifacher Weise unter Beweis. Einerseits durch ihr zur Schau gestelltes Wissen, nämlich darum, welchem Punk in der Musikhistorie tatsächlich die Dankesblumen zustehen. Andererseits zeichnen sie mit der geballten Kraft ihrer Schweineorgel die überzeugendsten Reggae Rhythmen dieser Tage nach. Gut, die Stimmlage des Sängers muss man mögen, aber die Rocksteady Version vom Misfits Song „Astro Zombies“ und natürlich die Dirty-Reggae Variante von „Heart of Glass“ sind absolute Raketenstücke und machen das Album in meinen Augen zur Pflichtveranstaltung! Immerhin schaffen es die Finnen, mich bis zu einem gewissen Grad sogar mit Blondie zu versöhnen. In einem Musikvideo würde ich deshalb aber noch lange nicht mitspielen…

Web: Band, Label
Krizn | So., 21. Aug 2011 | SKA

Es ist ein seltsames Phänomen: Bei manchen Bands liegen zwischen der Performance auf ihren Platten und derjenigen auf der Bühne ganze Welten. Die Aggrolites beispielsweise überzeugen mich mit jeder Platte mehr, ihre Bühneshow dagegen nimmt mich stetig weniger mit. Genau umgekehrt verhält es sich bei den anderen „Superstars“ der Szene.

Die Slackers heizten (man möchte fast sagen erwartungsgemäß) dem Yaam beim Release von „The Great Rocksteady Swindle“ dermaßen ein, dass die Platte zuhause im Vergleich dazu von vornherein auf verlorenem Posten stand. Dort steht sie dann aber leider auch sehr konsequent, wie der Autor dieser Zeilen an geeigneter Stelle deprimiert feststellen musste. Die letzten Veröffentlichungen der New Yorker standen unter keinem guten Stern. Mühsam musste sich der geneigte Fan die erhaltenswerten Rosinen aus einem mehr oder weniger mürben Teig zusammensuchen. Unumstritten genial war meines Erachtens zum letzten Mal: „Close my eyes“ aus dem Jahre 2003. Aber halt! Da hätte ich fast diese kleine, unscheinbare Sammlung mit dem Titel „Lost and Found“ vergessen. In limitiertem Gewand, und hier fast ausschließlich als Japan-Import zu beziehen, ist es aber auch ein Leichtes, diese letzte Slackers-Publikation zu übersehen. Das jedoch, meine Freunde, wäre ein fatales Missgeschick. Denn „Lost and Found“ versammelt zwar fast ausschließlich, zumindest für den akribischen Sammler, bekannte Songs der New Yorker. Die Zusammenstellung enthält aber absolute Klangperlen, bzw. Neuauflagen aus der Geschichte der Band, die man sich nicht entgehen lassen sollte. Schon das Cover verdeutlicht es: Hier finden sich Versatzstücke aus allen bisherigen Slackersplatten: J’s Schnautzer von „Peculiar“, die Magazine vom Tisch auf „Close my eyes“, der blutrünstige Militärköter von „International War Criminal“, die gehörnte Ehefrau von „The Question“, um nur wenige Details des munteren Suchbildes zu nennen. Ähnlich kreativ haben sich die Slackers auch musikalisch an ihre alten Aufnahmen gemacht und präsentieren nun: frühe Aufnahmen im aktuellen Dirty Reggae Gewand, Songs aus diversen Soloprojekten mit Bandbegleitung oder bekannte Klangbilder mit neuer (Sänger-) Rollenverteilung. Die neuen Varianten von „Two Face“ und „Tonight“ sind Kilometerfett. Der, so weit ich es sehe, komplett neue Song „If you see my Baby“ allein lohnte schon den Kauf des Albums. In jedem Fall ist „Lost and Found“ eine herausragende Sammlung kompositorischer Ideen, die über das in letzter Zeit etwas unglückliche Händchen der Band bei der Zusammenstellung neuer Alben locker hinwegtröstet. Hier lohnt sich das schnelle Zuschlagen, vor allem weil niemand weiß, wie lange die limitierte Auflage der Platte noch zu haben sein wird.

Krizn | Do., 26. Mai 2011 | SKA

Auf jeder Platte gibt es diesen gewissen Stomper, den einen Track, den Song bei dem man sich sicher ist, dass die Bude tobt. Beim Debüt der One Droppers aus Mailand ist das gleich der Opener. Und der zweite Titel. Und der Dritte auch. Und…das hört ja gar nicht mehr auf!

Und wie das klingt und wie das groovt! Auf „The Big One“ geht das Konzept der Band voll auf: Shout-along und Shake-a-leg, 3rd Wave Ska und Neo Traditional, sweet Soul Music und Backgroundrockers, so wie es einfach immer sein sollte.
Längst ist es Zeit, Italien wieder ernst zu nehmen. Gut, jetzt vielleicht nicht beim Fussball und (Staats)politisch sowieso schon gar nicht, aber was den Ska angeht, ist dieses wunderbare Land schon lange nicht mehr zu vernachlässigen. The One Droppers treten nämlich beispielsweise nicht einfach nur das Erbe der (in der Region und international) schmerzlich vermissten Arpioni an, sondern reichen sich musikalisch ebenso selbstverständlich die Hände mit Giuliano Palma und Mr. T-Bone. Ja, der Offbeat lebt in Italien und das ist sehr gut so, denn sind wir uns doch mal ehrlich: Wie viele wirklich spannende Projekte gibt es denn zurzeit in Europa? Nur eine schlappe Handvoll würde ich sagen. Deshalb bin ich ja so glücklich über die Hammerscheibe von The One Droppers. Und deshalb also aus voller Überzeugung von meiner Seite einen musikalischen Verdienstorden für die Band, und zwar nicht einfach irgendeinen, nein, sondern von mir aus gerne gleich „The Big One“.
Das einzige was Skafans mit gewisser Vorbildung evtl. irritieren könnte: Die Mailänder schlagen nicht den zurzeit äußerst beliebten Hohen Pfad der heißen Orgel ein, bieten weniger Dirty Reggae und dafür mehr Soul-Ska mit viiiiel Stimme, mit Rhythmus und jeder Menge Bass. Aber wer will schon ewig und 50 Jahre ein und dieselbe Coverband hören? Ich nicht! Und deshalb darf hier gelobhudelt werden was das Zeug hält. Für das Debüt der One Droppers und nebenbei für noch eine andere Novität. „The Big One“ ist nämlich gleichzeitig die Erstveröffentlichung eines neuen ambitionierten deutschen Labels, dass sich mit Leib und Seele dem Offbeat verschrieben hat: Rocking Records heißt es, im malerischen Bamberg ist es zu Hause und auf den Weg gebracht wurde es von kreativen Menschen um das Rocking Steady Online Magazin. Für dieses Jahr sind bereits weitere hochgradig spannende Projekte geplant, also wünschen wir von unserer Seite hiermit Olly und seinen Mitstreitern recht herzlich viel Erfolg.

Krizn | Mi., 18. Mai 2011 | SKA

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