Neueste Platten

Was war das schön! Als „Love & Hate & Politricks“, das lang erwartete Debüt der fünfköpfigen Soulful Reggae Band (fast ganz) aus Berlin, 2010 endlich auf den Markt kam war es wie ein frischer Wind, der wohltuend in die hiesige 2tone-, Rumpel-, und Punkskalastige Szene fuhr. Das klang so gut, das klang so viel versprechend. Die Begeisterung (und zwar nicht nur meine eigene) war von Anfang an groß gewesen und hatte seitdem von Konzert zu Konzert nicht nachgelassen. Dementsprechend enorm waren nun die Erwartungen für den Nachfolger. Apropos warten, deutlich schneller als beim letzten Mal ist es ja gegangen mit der Platte.
Ein paar Wochen ist es schon her, zu Heilig Drei König nämlich, da ließen The Magic Touch nun also ihren zweiten Streich folgen. Und, dem speziellen Tag entsprechend, es ist ein wahrlich königlicher Streich geworden. Die Record Release im Berliner Club Bohannon, zu dem auch eine Stange befreundeter Musiker (von Voodoo Moon, Wood in di Fire und the Floorettes) geladen waren, hatte sich ja schon sehr gut angelassen. Nun endlich liegt mir „Shocks of Lightning“ auch als Platte vor. Und… gleich mit dem Opener haut mir die Platte mit mächtiger Pranke von hinten auf die Schulter und sagt: Here I am, let’s get the party started! Also: Erwartungen erfüllt, meine Herren!
Auch wenn Shocks of Lightning, anders als der Titel vermuten ließe, nicht durchgehend auf die Tube drückt, dazwischen schon mal einen Hauch Melancholie oder einfach zuckersüßen Rocksteady auf die Theke packt, das Album scheint mir als Ganzes gesehen (Vorsicht Kalauer) nicht nur optisch eine sehr runde Sache geworden zu sein.
Und: Wer ab und zu im Wowsville bei Shake-a-Leg, dem regelmäßigen Nighter von Magic Sven und Magic Roger, das Tanzbein schwang, der konnte es schon ahnen: Die musikalischen Interessen der Band sich nach wie vor breit gefächert: Auf der neuen Platte integriert die Band mit Leichtigkeit Anklänge von Boogaloo, Soul und Rub-a-dub in ihr Klangspektrum, was nicht heißt, dass guter alter Bad-Ass Reggae (The way you smile) oder herzwärmende Rocksteadyperlen (It ain’t about me / Dream about you) aus dem Programm gestrichen worden wären.
Übrigens: „Everday Man“ erinnert mich gewaltig an “Precious and few” von den Aggrolites, was großartig ist, weil ich P& F für einen der am stärksten unterschätzten Songs der Kalifornier halte.
The Magic Touch schaffen das Wunder, mal zu klingen wie die Brasilianischen Dubrocker von Firebug, gleich danach den Schalter auf Clancy Eccles-Tributing umzulegen und trotzdem den eigenen Charme und Charakter nie zu verlieren. How does it feel? Great! Wonderful! Don’t stop, that’s our time fi celebrate.
Lobhudelei-Modus aus! Danke. Trotzdem: So kann’s weiter geh’n!

Krizn | Sa., 18. Feb 2012 | SKA

Mr. Review ist nun schon seit 1983 musikalisch aktiv. Eine verdammt lange Zeit, eine wechselvolle Zeit und eine, in der es Dr. Rude und Arne Visser geschafft haben, sich dauerhaft in die Herzen der europäischen Offbeatszene zu spielen. Und wer weiß, vielleicht liegt es auch an diesen verdienten Musikern, dass Ska made in Holland auch heute noch so einen hohen Stellenwert besitzt. Querverbindungen zwischen den erfolgreicheren Bands gibt es ohnehin zuhauf, so gingen einige der ursprünglichen Review-Musiker zu Rude Rich & the Highnotes und so spielte Paul Berding von Mark Foggo’s Skaters das Baritonsaxofon für Mr. Reviews Album XXV ein, um nur zwei Beispiele zu nennen.
Nun gut, seit 2009 sind Dr Rude und Arne Visser mit Ihrer Band wieder unter dem Namen Mr. Review unterwegs und haben anlässlich des 25jährigen Jubiläums ein neues Album aufgenommen. Dieses heißt sinniger Weise XXV und erscheint nun (dank Pork Pie) auch auf dem deutschen Markt. Darauf befindet sich die übliche Palette an hookline-beladenen Offbeat Stompern, treibender 2Tone mit leicht melancholischer Note, dabei aber immer ganz gut tanzbar.
Wenn es nach mir geht, so hätte eine so verdiente Band, das beeindruckende Jubiläum ruhig dazu benutzen können, ein wenig Einkehr zu halten, zu prüfen, ob sich musikalisch da nicht ein bisschen was getan hat in der Zwischenzeit. Stattdessen präsentiert XXV einmal mehr so ziemlich den gleichen Stiefel. Der ist auch gar nicht schlecht, das sicher nicht. Man hat es halt alles nur leider schon oft genug gehört.
Echte Fans kommen aber mit Sicherheit auf ihre Kosten.

VÖ: 03.02.2012

Krizn | So., 22. Jan 2012 | SKA

Die Ping Pongs bringen wieder Platten raus. Brauchts das? Naja, irgendwie schon, denn einerseits ist die deutsche Offbeatszene zur Zeit sowieso relativ einfallslos und andererseits erheben sich die Münsteraner mit „Tag vor dem Abend“ durchaus wohltuend über das Niveau des „Woho-hoho-hohow - Immer nur Ska“ der frühen 90er Jahre. Statt des ursprünglichen 3rd Wave Programms steht jetzt auf den wehenden Fahnen. Vielfalt! Vielfalt! Vielfalt! Jeder Song auf dem neuen Album klingt ein bisschen anders. Ein paar Prisen HipHop, Flamenco-Gitarre, funky Soul, Dancehallbeats alla Seeed, Breakbeat-Drumcomputer, ein Punkrock-Refrain und RocknRoll Attitüde und insgesamt ein viel höherer Reggae-Faktor. Da ist schon ganz schön was auf dem Speiseplan. Interessant, dass ich beim Durchhören wiederholt an Jan Delay denken musste. Aber ja, ich leg mich fest: El Bosso zurück auf den Plattentellern, das braucht es sehr wohl!
Schon seit 2003 ist die Band ja wieder ab und zu live unterwegs. Die Streitigkeiten, die Mitte der 90er zum Split geführt hatten, sind offenbar ausgebügelt worden, und selbst Dr. Ring-Ding konnte sich genügend Zeit frei schaufeln, um für die Ping-Pongs die Posaune zu schmettern. Wie man partytaugliche Straßenfeger komponiert, das wussten sie damals und das stellen sie nun einmal mehr unter Beweis. Dazu gewohnt humorige deutschsprachige Texte und ein Rhythmus bei dem jeder mit muss. Keine Frage, dieses Album hat es in sich. „Mädchenmusik“ nennt die Band das: Massentauglich, gut zum mitsingen und schön, das vor allem, einfach schööööön! Ich gebe ihnen da völlig recht, übersetze aber in Eigenregie: El Bosso schreiben jetzt für das breite Publikum. Ihre Musik wird vielen gefallen, wird (hoffentlich) große Konzerthallen füllen, wird aber der Offbeatpolizei mit dem musikalischen Arsch ins Gesicht fahren. Das sie bei allem Spaß und aller stilistischer Offenheit trotzdem wissen, wo der Rhythmus herkommt, das zeigen die Coverversionen von Desmond Dekkers „Get up Edina“ (Das braucht doch keiner) und John Holts „Man next door“ (Mann von nebenan) sowie die Wiederaufnahme von „One Scotch, one Bourbon, one beer“, das Dr. Ring-Ding zusammen mit den Senior Allstars (Dandimite) schon vertont hatte. Bleibt eigentlich nur die Frage: Wann kommt das lang erwartetet Bob Marley & the Wailers Cover „(ich streich mein) Zimmer braun“?
Übrigens: „Tag vor dem Abend“ wird es auch auf Vinyl geben, nämlich über Grovers Kanal V.O.R.

VÖ (CD): 20.01.2012

Krizn | So., 22. Jan 2012 | SKA

Nach 4 Jahren Pause gibt´s mit “Fuck the consent” ein neues Album der Nürnberger. RJ sind ja eigentlich schon eine Institution in Sachen Punkrock, deshalb brauch man auch nicht mehr so viel zu ihnen zu sagen. Außer vielleicht das ich finde, daß sie sich noch mal ein Stückchen gesteigert haben. Hat mir bei den vergangenen Alben immer noch so der letzte Funke gefehlt, überzeugen sie mich mit der neuen Platte nun vollends. Schön gespielter, melodischer Streetpunk, der jetzt immer öfter an OXYMORON & Co. erinnert.
14 Songs, wie immer mit durchdachten Texten voll auf die 12, gibt es in schöner Papphülle und Sticker. Vinyl gibt es natürlich auch, und zwar in grün - allerdings limitiert auf 500 Stück.

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mieschka | Mi., 18. Jan 2012 | PUNK

SKA from the Alps… Der Stempel lügt nicht. Aber da ist doch eigentlich eher Krizn der Experte… Mmmh, naja, wie dem auch sei, dann muss ich eben ran. Also die 8 kurzhaarigen Jungs spielen, wie bereits erwähnt, eingängigen SKA, bei dem man schön das Tanzbein schwingen kann. Soweit ich das beurteilen kann, ist das hier eher am traditionellen SKA orientiert, als am neumodischen „Stampfska“. Also etwas mehr Reggaelastig. Keine Ahnung, Krizn kennt da sicherlich den richtigen Fachbegriff für. Aber alles o.k. und dazu gibt es auch noch eine Message dahinter und das gefällt mir besonders gut.. Aus der antifaschistischen Szene Tirols entstanden, wird hier eine perfekte Verbindung zwischen tanzbaren Rhythmen und politischem Inhalt geboten. Ähnlich wie bei NO RESPECT damals. Aber musikalisch kann man das hier nicht ganz vergleichen. Vergleiche fallen mir gerade sowieso etwas schwer. Ich kann mir nur gut vorstellen, die Band zusammen mit BANDA BASSOTTI im Tommy Haus zu erleben. Wäre sicherlich ein unvergesslicher Abend, wenn Ihr in so etwa ahnt, was ich damit meine…

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mieschka | Di., 17. Jan 2012 | SKA

6-Track-Mini-CD der Band aus Luxemburg. Ist eigentlich schon im Juni letzten Jahres erschienen, traf aber erst die letzten Tage mit der Post ein. Ein netter Brief mit TOT4 – Kalender für 2012. Danke! Schön, dass sich die Leute doch manchmal etwas Mühe machen, statt nur nen Downloadcode für irgendwas per Mail zu schicken. Ich wollte gerade schreiben – der Grund dafür, dass die Platte jetzt auch nach Deutschland geschickt wurde ist, dass die junge Band jetzt auch international durchstarten möchte… Aber da ja Luxemburg nicht soooo riesig ist, wäre eine nationale „Karriere“ wohl auch etwas eintönig.
Aber zur Platte: Die ist nett aufgemacht im Digipack und es gibt 6 Songs zu hören, die mal schneller, mal langsamer sind und sich insgesamt eher am poppigen Amipunk orientieren. Dazu gibt´s n Aufkleber und ja, es hat tatsächlich was. Zumindest, sollten Konzerte im Saarland, Baden Württemberg und etwas weiter hinaus möglich sein. Da geht in den kommenden Jahren sicher noch was. Aber Lokalmatadore sind die 4 Jungs sicher bereits heute.

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mieschka | Di., 17. Jan 2012 | PUNK

2. Album des Trios aus Leipzig um Frontfrau Susi. Vor ein paar Jahren habe ich sie mal in einem kleinen Münchener Schuppen gesehen. Und genau das ist es, was sie machen: Proben, Platte aufnehmen und losrocken. Und zwar überall dort, wo es geht. Über 120 Konzerte haben sie in den vergangenen 4 Jahren seit ihrer Bandgründung gespielt und nebenher noch 2 ½ Platten veröffentlicht. Ihr Erstlingswerk war eine Splitplatte, auf der ihr allererster Gig aufgenommen wurde… Beachtlich. Anschließend gab es die Debüt-CD auf Wanda Records und hier kommt nun das Neueste. Gegenüber dem letzten Album machen sie einen Riesenschritt nach vorne und es macht zu jeder Sekunde Spaß, ihnen zuzuhören. Eingängig, melodisch, manchmal gar mit Klavier /Keyboard im Hintergrund und viele Chöre….
Die „Verstärkung“ mit El Fish von den LOKALMATADOREN beim Titelsong ist ganz nett und eher was für´s Poesiealbum der beiden. Insgesamt ist es aber einer dufte Platte und fetzt von vorn bis hinten.

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mieschka | Di., 17. Jan 2012 | PUNK

Eine neue BAMBIX-Platte. Jawollja. Auch schon wieder 4 Jahre her, seitdem das letzte Album erschienen ist. Der Split-CD mit JOHNNIE ROOK aus Berlin hat ja schon mal einen guten Vorgeschmack auf das Album abgeliefert. Aber was bei diesen 12 Songs zu hören ist, ist einfach nur der Hammer. Kein einziger Ausfall! Ehrlich. Von den letzten beiden Alben war ich nicht ganz so überzeugt gewesen. Muss ich ehrlicherweise ja mal sagen. Vielleicht konnte ich mich aber auch nicht so richtig rein hören oder wollte es nicht. Aber man sollte eine Band nie aufgeben. Dass es an der „neuen“ Besetzung liegt (mit Caddy an den Drums, was bei mir wohl immer gleich einen Pluspunkt geben wird – und bei Song 5 höre ich irgendwo weit entfernt auch die WSK raus, möchte ich meinen), glaube ich nicht, denn Wick konnte schon immer tolle Songs schreiben. Keine Ahnung, woran es liegt – es passt einfach. Und wunderschön ist die Ballade am Ende!!!
Das letzte Konzert in Berlin auf nem Dampfer ist ja leider ausgefallen. Anfang März schauen sie aber wieder vorbei und das wird ich mir nicht entgehen lassen. Und Ihr solltet das auch nicht tun. Wirklich eine tolle Platte!!!

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mieschka | Di., 17. Jan 2012 | PUNK

Herrje, was soll ich bloß schreiben. Da habe ich so lange keine regelmäßigen Reviews mehr geschrieben, dann kam der gute Vorsatz für´s neue Jahr, das wieder des Öfteren zu tun und dann kommt so eine Scheibe… Ein Verriss für den Anfang wäre ja nicht schlecht gewesen. Dann hätte man schreiben können, dass es gute Gründe dafür gäbe, so lange nichts mehr gemacht zu haben. Aber wie schon geschrieben – so einfach geht das eben nicht…
Fangen wir mal bei der Labelauswahl an – BSC-Music… Was irgendwo im Entferntesten mit unserer Berliner HERTHA zu tun hat – und sei es nur der Name – kann ja nicht schlecht sein. Finde ich jedenfalls. Außerdem schlägt es eine Brücke der Annäherung, denn leider hat das Ganze rein gar nichts mit Berlin zu tun. Sondern – ironischerweise – mit dem uns nicht gerade wohl gesonnenen München. Aber als Schreiberling muss man über solche Dinge einfach mal hinwegsehen. Besonders, dann wenn man richtig schön positiv überrascht wird.
Eine weitere positive Überraschung – die Promoleute kümmern sich um das leibliche Wohl des Rezensenten und packen der CD auch noch einen bayrischen Leberkäse bei. Danke! Ich stehe ja auf solche Gimmicks. Aber bevor Ihr denkt, das wäre Bestechung gewesen n… - Nein – die vorliegenden Zeilen entstammen einem satten, zufriedenen Menschen, der sein Urteilsvermögen durch nichts und Niemanden beeinflussen lässt. Meistens jedenfalls…
Die Vermutung liegt nahe – ich dachte zuerst an irgendeine x-beliebige RAMONES-Coverband. – oder zumindest eine Band, die versucht, den Stil zu kopieren – Aber: FEHLANZEIGE!!! Dann – auch dies kann einem leicht in den Kopf kommen – RamonAS + etwas Pink im Cover – das ist eine All-Female-Band, was ich ja eigentlich mag – jedoch auch: FEHLANZEIGE!!!
Also CD eingelegt und was kommt??? 3 Herren spielen richtig geilen, dialektgefärbten Deutschpunk der direkt aus den 80er Jahren kommen könnte. Keine übermäßige political correctness, Witz, Spaß und schnörkellos gespielter Punkrock. Ich hätte nicht gedacht, dass dies heute noch funktioniert, ohne peinlich zu wirken. Man nimmt den 3 Herren einfach nichts übel und hat richtig Spaß, wenn sie sich selbst nicht ganz so ernst nehmen. Manchmal hab ich das Gefühl, dass man in Bayern um einiges kreativer sein muss, um bestehen zu können. Nicht immer das Hardcorerumgeboller, nicht immer diese Rock´n´Roll-Attitüden. Das ist einfach nur Spaß mit bayrischem Herz und Humor. Ganz großartige Platte und ein hervorragender Start ins neue Jahr. Danke!!!

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mieschka | Di., 17. Jan 2012 | PUNK

Vergesst Californian BubbleGum Punk, vergesst die Planet Smashers und hört auf, den guten Zeiten von Millencolin nachzutrauern. Schluss mit Trübsal! Zurück in den Moshpit! Denn jetzt kommt der neue heiße Scheiß! Und zwar aus einer Himmelsrichtung, die bisher viel zu wenige auf dem Schirm hatten.
Direkt aus Cape Town, Südafrika kommen die neuen Helden des Melodycore Ska-Punk: Hog Hoggidy Hog gibt es schon seit 1995. Trotzdem fanden sie bisher in Europa meiner Meinung nach viel zu wenig Beachtung. Denn die Songs der Band sind laut, sehr eingängig, perfekt für eine rauschende Pogoparty, zum Mitgrölen, zum Tanzen oder für einen beschwingte Autofahrt durch die sommerlichen Lande. Wer möchte der Band anlasten, dass sie ab und zu Freude daran haben, die empfindlichen Nerven des zarten Geschmackes ein wenig zu provozieren, wenn die Musik dabei so verdammt gut bleibt. Sogar schweinisch gut, würde ich sagen. Method to the Madness heißt das aktuelle (und damit vierte) Studioalbum der sechs Trompetenpunker, hat mit der britischen Band Madness musikalisch aber recht wenig am Pork Pie. Stattdessen vereint es 14 rasante Tracks, die die großen Nos (NoFX, No fun at all, No use for a name) nicht besser hätten schreiben können.
Eher schon die Mad Caddies oder Less than Jake... Jetzt aber Schluss mit dem Namedropping! Langsam sollte klar geworden sein in welcher Gewichtsklasse sich Hog Hoggidy Hog bewegen. Wer also in seinen alten Knochen noch nicht ganz eingerostet ist: auf, auf in den Plattenladen oder in die Konzerthallen! Hog Hoggidy Hog, den Namen sollte man sich merken.

Krizn | So., 18. Dez 2011 | PUNK

”Will that be enough” so heißt das dritte offizielle Studioalbum der neun Herren aus dem Pfäffikon in der Schweiz. Mit dem Debüt beanspruchten sie offiziell einen Teil des europäischen Offbeatkuchens für sich, mit „Something in between“ eröffneten sie die Tortenschlacht so richtig. Begeisterungsstürme waren die Folge, die Band von da an nicht mehr (freiwillig) wegzudenken von den Bühnen dieses Kontinents und jetzt der nächste Streich. Als wäre die neue Alaska Platte als Frage, ja als Möglichkeit auf den Weg geschickt worden. Wird das nun endlich genug sein? Genug um die Szene auf den Kopf zu stellen, genug um gestandene Skinheads mit Gekreische und „Ich will ein Kind von euch“ Schildern ganz nach vorne vor die Bühne zu treiben und genug um beim nächsten worldwide Ska Summit in den ganz fetten Lettern auf den Plakaten zu stehen? Ja, als wär das so. Aber Vorsicht meine Damen und Herren, da ist weit und breit kein Fragezeichen auf dem schicken Digipack zu finden! Und das ist auch gar nicht nötig, wenn Sie mich fragen. Denn wenn Sie schon am fragen sind, dann schüttel ich gleich noch ein paar andere Wahrheiten aus dem Ärmel. Zum Beispiel diese: Alaska ist zurzeit eine der entspanntesten und gleichzeitig spannendsten Bands im europäischen Offbeatbereich. Kaum eine aktuelle Platte bringt derzeit so viel Seele in ihren Rocksteady, Trad. Ska, Ska’n’Roll, Reggae something, präsentiert einen Song nach dem anderen mit so unvergleichlichen Melodien ohne kitschig oder eintönig zu werden. Nein, ganz groß meine Herren! Auch das neue Album ist wieder ein enormer Hoffnungsträger geworden. Mir ist das lääängst genug, um den Hut vor euch zu ziehen, aber für euch (gefälligst) niemals genug, um ab jetzt die Hände in den Schoß zu legen. Macht weiter so und beschert uns weiter solch herrliche Klagperlen. Und vor allem geht mehr auf Tour! Das kann doch nicht sein, dass ich euch immer noch nie live gesehen hab. Jetzt aber hurtig auf die Schlitten! Am besten hängt ihr euch gleich dran, wenn demnächst Babylove & the Van Dangos und Mr- T-Bone & the Young Lions jeweils ihr neues Album präsentieren. DAS wäre mein persönliches worldwide Ska Summit für 2012! Geschüttelt nicht gerührt! Ach ja, bevor ich das vergesse: Ein extra Fleißbienchen an euren Backgroundgesang. DER ist schick. Zum Beispiel auf „Composition 42“, auch die Orgel-Parts sind immer wieder ein Vergnügen. Vielleicht ist mir die Hauptstimme (so gut sie auch ist) beim Mastering einen Tick zu sehr in den Vordergrund gerutscht? Ob da King Django der die Platte höchstpersönlich in seinen berüchtigten Version City Studios in New York abgemischt hat ein bisschen geschlafen hat? Na, wurscht! „Will that be enough“ ist trotzdem eine gewaltige Scheibe geworden und das ist entscheidend.

Krizn | So., 18. Dez 2011 | SKA

Tanz Du Hund! Ich liebe diese Szenen aus alten Westernfilmen (oder aktuellen Simpons-Folgen), wenn der Revolverheld seinen Rivalen schurkenstark und mit rauchendem Colt auf schnellen Sohlen hält. Die Quicksteps schaffen selbiges Phänomen ganz ohne Blei und martialisches Kraftprotzen, und das schon seit den 90ern!! Seit 1999 nämlich wuchten die Herren aus Aaachen ihre treibenden Bässe und fetzigen Bläsersätze unter die Tanzbeine dieser Welt. Das Ergebnis ist deutlich beeindruckender als dasjenige von Jesse James - weil die Tänzer auf Quicksteps Konzerten einfach besser aussehen. Das mag vielleicht auch daran liegen, dass ihnen ganz klar Spaß macht, was sie tun. Denn die Uptempo Desperados verstehen ihr Handwerk, bringen präzise Offbeats und spannende Melodien zusammen und stehen damit nach wie vor in feinster 2Tone und 3rd Wave Tradition. Das beweist auch das dritte offizielle Studioalbum der Herren, das dieser Tage in Eigenregie erschien. Das äußerst ansprechende Digipack ist, ganz modern, über die gängigen Internetrohre oder per Direktbestellung auf der Bandhomepage zu haben. Und ich schlage vor schleunigst zu bestellen. Immerhin war die Wartezeit von sieben Jahren seit dem letzten Quicksteps-Album nun wirklich lange genug. Ach ja, und keine Angst, die Band ist zwar inzwischen eine Portion erwachsener, dafür aber kein Stück langweiliger geworden. Lediglich das Gaspedal wird nicht bei jedem Track bis zum Boden durchgeknallt. Wenn ihr mich fragt, eine großartige Idee, denn erstens sind die altbewährten Tanzbomben nach wie vor im Programm und zweitens: wie sonst hätten so fantastisch groovende Hymnen wie der Ska-Jazz-Stomper „Do it Right“ entstehen sollen. Anspielbefehl!!!!

Krizn | So., 18. Dez 2011 | SKA

Yellow Umbrella ist eine Liveband, keine Frage. Ihre Shows bringen Fans unterschiedlicher Alters- und Genrezugehörigkeit zusammen und lassen den Saal toben. Spaß und Freude garantiert, egal ob auf oder vor der Bühne. Mit ihren inzwischen breit gefächerten musikalischen Interessen (Ska, Reggae, Dub, Gypsie, Jazz, Worldbeats…) sprengen sie so manchem festgefahrenen Szene-Hardliner den Toleranzbereich, aber beim Livekonzert sind alle wieder mit im Boot, denn ein Yellow Umbrella Konzert ist ein ganz eigenes Erlebnis.
Höchste Zeit diesem Phänomen eine eigene Platte zu widmen. Seit November 2011 gibt es jetzt also ein Livealbum der Dresdner Band, aufgenommen mit Heimvorteil in einem klasse Laden – nie werde ich das sensationelle Konzert der Aggrolites dort vergessen – der Groovestation in der Neustadt. Grundsätzlich bin ich ja kein Fan von Livealben, aber bei der Präzision mit der Yellow Umbrella inzwischen auf die Bühne gehen, und bei dem wirklich perfekt abgemischten Sound der Platte klingt das Livealbum im Grunde wie ein „Best of“ der letzten Jahre. Beeindruckend! Wer also die beiden letzten Alben „Little Planet“ und „A Thousand Faces“ verpasst hat (Schande über ihn und sie), der hat jetzt die Chance, sich mit dem Livealbum die besten Stücke davon auf einen Streich zu sichern, angereichert mit den alltime-YU-classics „You never cared for me“ und „Modern Slavery“.

Krizn | So., 18. Dez 2011 | SKA

Wenn man vom CHEFDENKER-Claus eine Platte zum Besprechen zugeschickt bekommt, kann das nur heißen, das auf eben jener gar nicht mal so schlechte Mucke zu finden sein sollte. Man muss ja heutzutage aufpassen und während ich früher wirklich fast jeden Mist besprochen habe, behalte ich mir heutzutage schon mal das Recht vor, schlechte Platten direkt in den Mülleimer zu befördern. ROBINSON KRAUSE haben da so einen Bandnamen und ein Plattencover, die wirklich vermuten ließen, daß dieser Platte eben dieses Schicksal erfährt. Aber – wie eingangs schon erwähnt, gibt es allerdings bestimmte Voraussetzungen, die einem leidgeprüften Rezensenten davon abhalten, unüberlegte Entscheidungen zu treffen.
Denn die zweite Platte der zugereisten Hamburger macht erstaunlich viel Spaß und langweilt mit ca. 30 Minuten Spielzeit zu keiner Zeit. Nette Texte und ein mehrstimmig harmonischer Gesang verschmelzen sich hier mit gut gespieltem Punkrock. Kaum zu glauben, dass die Band gerade erst mal 5 Jahre existiert. Aber wahrscheinlich ist das noch der „Anfangsenthusiasmus“ oder so.
Aber nee, die Platte wurde sofort auf den heimischen Rechner und mobilen Player geladen, um sie weitere Male durch die Gehörgänge zu jagen. Denn ich hab das Gefühl, das mit mehrmaligem Hören die Platte immer besser wird. Gefällt mir!

Web: Band
mieschka | Mo., 28. Nov 2011 | PUNK

Neue 7“ der Berliner Band. Nach 2 Veröffentlichungen via iTunes/CDBaby gibt es nun mal wieder was Handfestes. 2 Songs befinden sich auf der kleinen Scheibe, wobei der Titeltrack diesmal sogar auf Deutsch gesungen wird. Die B-Seite gefällt mir trotzdem besser, weil KATHY FREEMAN hier wieder schön ihre röhrige Stimme auspackt und alles gibt. Hmmmh, irgendwie komisch. KATHY X haben vor ein paar Jahren zwar mal eine Full-Lenth CD rausgebracht. Aber irgendwie hab ich das Gefühl, dass sie eher so eine Art „EP-Band“ sind. Da wird in kurzer Zeit auf den Punkt gekommen und es werden keine Gefangenen gemacht. Das macht jedes Mal unheimlich viel Spaß. Und vielleicht ist es auch gut so, dass alle 1, 2 Jahre „nur“ eine EP rauskommt, die wirklich gut ist. Besser, als ein Album, welches nur gemacht wurde, weil es eben sein muss. Das ist schon so gut, wie es eben ist. Ich freu mich dann schon mal auf die nächste 7“…

mieschka | Di., 15. Nov 2011 | PUNK

Da lag sie nun in meinem Briefkasten… Ich wusste erst nicht, wie ich reagieren soll?! Unsicherheit überkam mich. Etwas Angst. Wie sollte es weitergehen? Sicher, ich hatte meine Arbeit in den letzten Jahren vielleicht etwas vernachlässigt. Aber ich war doch immer mit Herzblut dabei… Und das jetzt so kurz vor Weihnachten… Möglicherweise ist es aber auch Schicksal, obwohl ich nicht so recht daran glauben mag. Eine Herausforderung? Schon eher… Wie dem auch sei, es musste etwas passieren…
Ich hab gerade mal nachgeschaut… Über 2 ein halb Jahre keine Review mehr geschrieben. Und das, obwohl es mir fast immer Spaß gemacht hat und ich früher beinahe täglich damit beschäftigt war.
Sowas passiert eben, wenn einen der Job auffrisst.
So in etwas geht es auch dem Protagonisten des (Hör)Buches. Er ist ausgebrannt, weiß nicht mehr wohin mit sich selbst, nachdem er aus seiner Firma entlassen wird. Privat wie beruflich ist er irgendwo hängen geblieben und speziell jetzt an einem Flughafen, wo er sich in (Tag)träumen flüchtet. Dabei geht er auf Reisen. Zum Beispiel ins „Atlantic Crossing“ in Newark. Wo dann überraschend auch ein Bezug zur Musik hergestellt wird. Womit es auch ins VoC passt.
Keine Ahnung, in letzter Zeit bin ich irgendwie Fan von Hörbüchern geworden. Was vielleicht auch irgendwo der mangelnden Zeit geschuldet ist, sich ein richtiges Buch in die Hand zu nehmen. Aber DIE KÜNDIGUNG – als Hörbuch macht es einem auch wirklich leicht. Denn der Autor liest selbst in einer sehr lebendigen Sprache, in der man ihm alles abnimmt und auch fühlt, was und wie er es sagt.
Es ist schon komisch, wie oft man sich in der Hauptfigur widerfinden kann. Und ich kann mir durchaus denken, dass das nicht nur mir oder HUBERTUS MEYER-BURCKHARDT so geht oder ging. HMB war jahrelang leitender Manager bei Axel Springer und Pro7-Sat1. Wie viel dabei aus seinem Lebenslauf entstammt, vermag ich nicht sagen können.
Die 4 CD´s gehen jedenfalls viel zu schnell rum und sind sehr kurzweilig. Das relativ abrupte Ende lässt einen dann irgendwie nackig dastehen. Aber irgendwie tut es einem doch gut, den Spiegel vors Gesicht gehalten zu bekommen und am Ende zu wissen, was (einem) wirklich wichtig ist / sein sollte.

Web: Infos
mieschka | Di., 15. Nov 2011 | ANDERE

Im Hause Fat Wreck erschien dieser Tage das Debüt Album der Kalifornischen Band Ellwood. Obwohl – eigentlich möchte ich hier lieber nicht von einem Debüt sprechen. Denn im Grunde handelt es sich dabei um ein waschechtes Nebenprojekt der allseits wohlbekannten DixieSkatePunk Großmeister von den Mad Caddies. Und das hört man auch!

Bei Ellwood hat Chuck Robertson mit seiner Truppe (ohne Bläserfraktion) lediglich ein, zwei Gänge heruntergeschaltet, hat die verzerrten Gitarrenparts im Schrank gelassen und dafür die Terrassenflügeltüren weit aufgestoßen. Herein strömt eine geballte Ladung savoir vivre, die glutrote Kalifornische Sonne, eine schäumende Brandung und alles, was das Leben an der Küste so angenehm macht. All das haben die Musiker auf die Platte gebannt und so lässt es sich wunderbar relaxen beim Hören von Lost in Transition – vorausgesetzt man ist in der Lage, ein wenig Zeit, gute Laune und eine gute Portion Lässigkeit aufzutreiben. Mit minimalistischer Besetzung, ein wenig Orgel und dem längst bekannten Händchen für eingängiges Songwriting hat Ellwood ein schönes und überaus entspanntes Album geschaffen. Viel mehr allerdings auch wieder nicht. Musikalisch und thematisch gibt es wenig Überraschendes, dafür aber eine wiederum meisterliche Umsetzung des altbewährten Stoffes: California-Reggae, Surfer-Ska, ein bisschen Sublime, (sehr) leichte Anklänge an Hepcat aber unbedingt reizvolle Singalong Refrains. Im November wird sich zeigen, ob die derart geschrumpfte Bandbesetzung auch live zu überzeugen weiß, vor allem aber, ob jemand die Punkrockparts vermissen wird.

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Krizn | Mo., 03. Okt 2011 | SKA

Musikalisch bleiben sich No Life Lost aus Hamburg auch auf ihrem inzwischen fünften Studioalbum treu: Schweißtreibender Uptempo 2tone-Punkrock mit musikalisch versierten Kurztrips in verschiedenste Randgebiete von Pop bis Heavy Metal, aber alles gut gewürzt und auf straßentauglich gebürstet. Was mich allerdings schwer irritiert, sind die Texte der Leute aus St. Pauli.

Klar, nach wie vor geht es viel um Fußball, immer tauchen am Rande die üblichen Seitenhiebe auf Sex- und Fleischisten auf, die beim irgendwie links-politischen Rundumschlag nicht fehlen dürfen. Einige der witzigen Einfälle in diesem Zusammenhang gefallen mir sogar ganz gut. Aber dann gibt es Songs wie „Respekt an mich“, bei denen ich nur hoffen kann, dass mein auf Ironie gesetzter Wetteinsatz nicht hoffnungslos verloren ist. Alles Andere traue ich dieser Band auch eigentlich nicht zu; einer Band, die vom Derby-Rivalen The Skatoons ins Hauslabel geholt wurde, und die uns in der Vergangenheit so viele Ska-Punk Hymnen geschenkt hat. Andererseits, meine Herren Musiker: Wo kommt eigentlich plötzlich der ganze Hass und die Haudrauf-Mentalität der Songtexte her? Vielleicht deutlich „zu viel Kopfball“?
Im Ernst: Was No Life Lost auf dem aktuellen Album so alles gegen den Strich geht und was deshalb brachial-kategorisch mit Ablehnung überschüttet wird, das geht mir nicht nur auf die Nerven, davon möchte ich mich in aller Deutlichkeit distanzieren!!!
Ich gebe zu, ich verstehe sie auch nicht, die Radio-Pop Hörer, die schon seit Jahrzehnten auf Abenteuerland, Life ist Life und Wolfang Petri stehen. Wenn es aber nach No Life Lost ginge, würden diese einfachen Gemüter des Musikkonsums mit zertretenen Brillen aus der Halle geprügelt werden. Egal, mit welch humoristischem Grundgedanken solche Zeilen formuliert wurden, bei mir erzeugen sie heftigen Brechreiz. So etwas kann man eigentlich nur hinnehmen, wenn man der Band im Vorfeld schon eine ganze Menge Vorschuss-Kredit in Sachen politisch korrekter Einstellung einräumt - was ich im Grunde auch tue. Dennoch: Die Zeilen für sich genommen, zählen zur finstersten Sorte.
Was der Band noch alles nicht passt: altmodische DJs, Rockfans mit billigen Dave Grohl Haarschnitten, Metallicafans, eBay-Nerds, Menschen mit schlechtem Humor, plumpen Sprüchen und arrogantem Auftreten und was weiß ich noch alles. Mag sein, vielleicht kann man über viele der kritisierten Phänomene nachdenken. Sicher schadet ein gut gesetzter Scherz über so manchen eingebildeten Zeitgenossen nicht. Da geh ich voll mit. Und ich steh auch auf schwarzen Humor, keine Frage. Was No Life Lost hier aber textlich als Gesamtbild abliefern, die miese Laune und die Lust an roher Gewalt, die aus ihren Zeilen sprechen, das alles ist zeitweilig so garstig, dass mir das Grausen kommt. Wie kann man sich aufregen über die Arroganz der Mainstreamer, die ihren Geschmack zum Maßstab der Gesellschaft erheben und auf dem gleichen Album einem DJ den Verkehrsunfall an den Hals wünschen, weil sein Musikgeschmack nicht genug hergibt. Nein Danke! Das ist kein Punkrock, das sind intolerante Stoffwechselprodukte! Den Song „Einfach mal die Fresse halten“ hätten sich No Life Lost besser selber zu Herzen genommen. Argumentativ feinsinniger als die von ihnen angegriffene Klientel gehen sie selbst jedenfalls auch nicht vor.

Krizn | Mi., 14. Sep 2011 | SKA

Es war einmal…: In einem „Szeneladen“ in einer süddeutschen Großstadt wurde ich vor vielen Jahren angesprochen, ob ich nicht Lust hätte, beim Videodreh für einen neuen Song von Smokie mitzumachen. In spontaner Empörungswallung lehnte ich entschieden ab.
Und die Pointe der Geschichte: Tatsächlich weigerte ich mich hauptsächlich deshalb so vehement, weil ich im Eifer des Moments Smokie schlichtweg mit der sich damals gerade in einem Nerven zerfetzenden Reunion Feldzug befindlichen Band „Blondie“ verwechselt hatte.

Inzwischen hat sich mein musikalischer Horizont gewaltig verändert. (Hört, Hört!) Vieles habe ich dazu- und lieben gelernt. Trotzdem ist auch Manches gleich geblieben. (Wie beruhigend.) Die 80er Jahre z. B. lehne ich musikalisch gesehen nach wie vor kategorisch ab, und wer mir hinterrücks und ohne Vorwarnung ein gehauchtes „Mariiiiiiiiii-aaaaaah“ in den Gehörgang säuselt, der bekommt immer noch die überaus seltene Gelegenheit, mich im Blutrausch zu erleben.
Das ist eine dieser kleinen Wahrheiten, die im Wirbelsturm dieser mäandernden Welt feststehen, eine Insel der Ruhe und Sicherheit in einer verwirrenden Zeit, etwas, an dem man sich festhalten kann: Nein! Ich mag sie nicht, diese Blondie! So simpel aber auch so selbstbewusst dachte ich noch bis vor wenigen Tagen.
Aber dann kamen ein paar Skinheads aus Finnland und veröffentlichten ein unscheinbares Scheibchen namens „Punkrocksteady“ – darauf eine Art Chronik musikalischer Sozialisation, ein Who is Who aus der Plattensammlung eines Punks der ersten Stunde. Vierzehn Coverversionen von Szenevätern wie The Clash, Buzzcocks, Joy Division, Sham 69, Elvis Costello und Cock Sparrer. Und gleich als Opener: Ein Cover von Blondies “Heart of Glass”! Aber WAS für ein Cover? Noch bevor ich in meinen imaginären Kragen beißen kann, bin ich schon vollkommen gefesselt und ich gebe den Labelchefs von Pork Pie überwältigt recht: Endlich mal ein Album mit Coverversionen, die die Welt tatsächlich braucht!
Street Credibility hatten sich ja The Valkyrians in der Skawelt inzwischen ohnehin erarbeitet. Auf ihrem dritten regulären Studioalbum stellen sie diese gleich in zweifacher Weise unter Beweis. Einerseits durch ihr zur Schau gestelltes Wissen, nämlich darum, welchem Punk in der Musikhistorie tatsächlich die Dankesblumen zustehen. Andererseits zeichnen sie mit der geballten Kraft ihrer Schweineorgel die überzeugendsten Reggae Rhythmen dieser Tage nach. Gut, die Stimmlage des Sängers muss man mögen, aber die Rocksteady Version vom Misfits Song „Astro Zombies“ und natürlich die Dirty-Reggae Variante von „Heart of Glass“ sind absolute Raketenstücke und machen das Album in meinen Augen zur Pflichtveranstaltung! Immerhin schaffen es die Finnen, mich bis zu einem gewissen Grad sogar mit Blondie zu versöhnen. In einem Musikvideo würde ich deshalb aber noch lange nicht mitspielen…

Web: Band, Label
Krizn | So., 21. Aug 2011 | SKA

Es ist ein seltsames Phänomen: Bei manchen Bands liegen zwischen der Performance auf ihren Platten und derjenigen auf der Bühne ganze Welten. Die Aggrolites beispielsweise überzeugen mich mit jeder Platte mehr, ihre Bühneshow dagegen nimmt mich stetig weniger mit. Genau umgekehrt verhält es sich bei den anderen „Superstars“ der Szene.

Die Slackers heizten (man möchte fast sagen erwartungsgemäß) dem Yaam beim Release von „The Great Rocksteady Swindle“ dermaßen ein, dass die Platte zuhause im Vergleich dazu von vornherein auf verlorenem Posten stand. Dort steht sie dann aber leider auch sehr konsequent, wie der Autor dieser Zeilen an geeigneter Stelle deprimiert feststellen musste. Die letzten Veröffentlichungen der New Yorker standen unter keinem guten Stern. Mühsam musste sich der geneigte Fan die erhaltenswerten Rosinen aus einem mehr oder weniger mürben Teig zusammensuchen. Unumstritten genial war meines Erachtens zum letzten Mal: „Close my eyes“ aus dem Jahre 2003. Aber halt! Da hätte ich fast diese kleine, unscheinbare Sammlung mit dem Titel „Lost and Found“ vergessen. In limitiertem Gewand, und hier fast ausschließlich als Japan-Import zu beziehen, ist es aber auch ein Leichtes, diese letzte Slackers-Publikation zu übersehen. Das jedoch, meine Freunde, wäre ein fatales Missgeschick. Denn „Lost and Found“ versammelt zwar fast ausschließlich, zumindest für den akribischen Sammler, bekannte Songs der New Yorker. Die Zusammenstellung enthält aber absolute Klangperlen, bzw. Neuauflagen aus der Geschichte der Band, die man sich nicht entgehen lassen sollte. Schon das Cover verdeutlicht es: Hier finden sich Versatzstücke aus allen bisherigen Slackersplatten: J’s Schnautzer von „Peculiar“, die Magazine vom Tisch auf „Close my eyes“, der blutrünstige Militärköter von „International War Criminal“, die gehörnte Ehefrau von „The Question“, um nur wenige Details des munteren Suchbildes zu nennen. Ähnlich kreativ haben sich die Slackers auch musikalisch an ihre alten Aufnahmen gemacht und präsentieren nun: frühe Aufnahmen im aktuellen Dirty Reggae Gewand, Songs aus diversen Soloprojekten mit Bandbegleitung oder bekannte Klangbilder mit neuer (Sänger-) Rollenverteilung. Die neuen Varianten von „Two Face“ und „Tonight“ sind Kilometerfett. Der, so weit ich es sehe, komplett neue Song „If you see my Baby“ allein lohnte schon den Kauf des Albums. In jedem Fall ist „Lost and Found“ eine herausragende Sammlung kompositorischer Ideen, die über das in letzter Zeit etwas unglückliche Händchen der Band bei der Zusammenstellung neuer Alben locker hinwegtröstet. Hier lohnt sich das schnelle Zuschlagen, vor allem weil niemand weiß, wie lange die limitierte Auflage der Platte noch zu haben sein wird.

Krizn | Do., 26. Mai 2011 | SKA

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