Willkommen auf VoiceOfCulture

Wir freuen uns Dich auf unserer neuen Webseite begrüßen zu dürfen. Es wurden Zeit und Hirnschmalz investiert, um nun endlich mit neuem Design und neuer Technik am Start zu sein. Wir hoffen es gefällt. Du findest uns auch auf Facebook und Twitter. Das Web2.0-Gedöns kannst Du also auch mit uns haben! Anregungen und konstruktive Kritik kannst Du gern an folgende Adresse senden: matthias@voiceofculture.de
Viel Spaß!

aktuelle News

18 Jahre liegen zwischen "Schweineherbst" (1994) und "Sich fügen heisst lügen" (2012). Und dennoch spürt man beim Hören keine Lücke. Da ist keine Distanz, kein Break, nichts was in der langen Zeit Sound und Texte zu verwässern vermochte. „Sich fügen heisst lügen“ ist ein reifes Album. Textlich überragend. Scharfsinnig, pointiert und radikal in der Aussage. Auf "Sich fügen heisst lügen" befinden sich keine eigenen Texte. Man greift ausschließlich auf Werke des alten Anarchisten Erich Mühsam zurück. Ein ungewöhnlicher Schritt, der Sprengstoff birgt und polarisiert. Ich persönlich finde es ehrlich und konsequent auf externe Texte zurückzugreifen, wenn einem selbst keine einfallen. Denn eigene Texte sind nicht immer gleichzusetzen mit guten Texten. Das beweisen uns viele Bands, die ihre eigenen Texte besser nie veröffentlicht hätten. Man kann es als Zeichen von Schwäche werten, keine Frage. Man kann es aber auch als Stärke auslegen aus dieser Erkenntnis die richtigen Schlüsse gezogen und clever gehandelt zu haben. Die Texte thematisieren die Unterdrückung des Volkes und die Gier der Reichen, die schamlos stehlen und dafür noch geehrt und geachtet werden. Es gilt Ketten zu sprengen und Fesseln zu lösen, immer auf der Suche nach Freiheit, nach der sozialen Revolution. Das ist das zentrale Thema. Anfang des letzten Jahrhunderts wie auch heute. "Rebellen" ist ein absoluter Hit. Mit seinem Reggae-Part ein bisschen wie "Deutschland muss sterben", dazu eine DEAD KENNEDYS ähnliche Gitarre und der Ausruf "Rebellen!", der im Ohr bleibt. Der sperrige, düstere Song "Bett aus Lehm und Jauche" ist die legitime Fortsetzung von "Der Tod ist ein Meister aus Deutschland" als Antikriegslied. "Sich fügen heisst lügen" und "Seenot" sind schnelle Punksongs. Gradlinig, unbeirrbar. "Das ist sie Seenot auf den Narrenschiff, wo Gier und Habsucht am Ruder stehen. Die Musik spielt auf zum Totentanz, wenn die Bänker über Leichen gehen". "Revoluzzer" hat einen überragenden Text. Er war seinerzeit der SPD gewidmet für ihre Halbherzigkeit, Feigheit und ihren Verrat. Manche Texte klingen für heutige Ohren etwas antiquiert. Abgesehen von den meisten Refrains sind sie nicht gerade eingängig. Wer mitsingen möchte, braucht ein gutes Gedächnis. Ein "Trinklied" in der Tradition von "Karlsquell" und dem "1,7 Promille Blues" gibt es aber auch. Erich Mühsam war sicher kein Kostverächter, das wird hier klar. Musikalisch würde ich es zwischen dem zielgerichteten, geradlinigen Punk von „Schweineherbst“ und der tiefer gehenden, facettenreichen Art von „Viva la muerte“ einordnen. Es ist ein Album, dass der aktuellen Band und ihrer Entwicklung absolut würdig ist. Man nimmt SLIME ab, dass dies zu 100% die Musik ist, die aus ihren Herzen kommt. Und gleichzeitig wird sie den Menschen gefallen, die SLIME lieben. Niemand muss sich für diese Platte verbiegen. Eine klassische Win/Win Situation.

Die Scheibe erscheint am 15.6., aber ihr könnt sie im Plastic Bomb Shop jetzt schon vorbestellen, und zwar in 4 Versionen: jeweils als 'normale' LP (plus MP3) oder CD, als limitierte CD + Patch + 4 Bonustracks oder als limitierte Doppel-LP mit 4 Bonustracks + MP3.

mieschka | Fr., 18. Mai 2012

1.

Pünktlich zur EM in Polen und der Ukraine verwandeln sich Berlins Rockandrollclubs C-CLUB und CRYSTAL in Fussballtempel! "Kick im Kiez" zeigt vom 08.06.12 bis 01.07.12 in beiden Clubs alle Spiele und Tore der EM. Auf der Riesenleinwand im C-Club rollt der Ball: alle Spiele der deutschen Mannschaft und Tore in bester Qualiät! Vor und nach den Duellen legen die besten DJs heissen Indie-Dance-Rock auf den Plattenteller. Wir schaffen die perfekte Kombination für diesen Sommer: Musik und Fussball! Im CRYSTAL nebenan werden alle Spiele der EM auf Großleinwand gezeigt, ausserdem lädt der Biergarten mit Flatscreens zum Outdoor-Viewing ein. Kulinarisches kommt vom Grill im Tourbus.
Berlins legendäre Konzerthallen mit einer Kapazität von 800 Plätzen im C-Club und 150 im Crystal verfügen über ein wasserdichtes Stadiondach, sturmerprobte High-End-PAs,
die selbst hartgesottenen Indierockern die Knie schlottern lassen und einen großen Biergarten für 150 Personen mit kulinarischen Highlights und mehreren Flatscreens für die beste Sicht auf das Wesentliche. Die Zockerlounge, bestückt mit 2 nagelneuen Tischkickern, ist nicht nur in den Spielpausen Treffpunkt aller Fussballverrückten, die sämtliche Partien nachspielen wollen.
Und das alles bei freiem Eintritt! Genial? Genau! Schnapper, hol Dir die Pocke! Es ist Zeit für die EM in den Clubs! Einlaß immer 1 Stunde vor dem ersten Spiel!

2.

am 31.05.12 öffnet das Citadel Music Festival seine Pforten für die Stars der internationalen Musikwelt und der Fussball darf in diesem Sommer natürlich nicht fehlen! Bereits seit der WM 2006 bietet das FUSSBALLFAMILIENFEST Sport und Unterhaltung für die ganze Familie in der Zitadelle und präsentiert sich als eine der schönsten Open Air Public Viewing Anlaufstelle für Fussballbegeisterte jeden Alters. Zur EM werden in der Zeit vom 08.06.12 bis 01.07.12 die Spiele der deutschen Nationalmannschaft, das Eröffnungsspiel sowie alle Begegnungen der Finalrunden auf der großen Riesenleinwand (Größe: 7x 4 Meter) und alle Spiele der Vorrunde auf der Zusatzleinwand (Größe: 3x 2 Meter) gezeigt. Ein gemütlicher Biergarten lädt zum Verweilen in der Festungsanlage ein. Am 03.06.12 treffen sich die Jugendmannschaften der Berliner Fussballvereine zum großen Jugendfussballturnier. Ab 10 Uhr rollt der Ball für die Zukunft des Fussballsports, zudem warten weitere Attraktionen auf den Nachwuchs. Von Torwandschießen über Büchsenwurf können Geschick und Talent unter Beweis gestellt werden, weitere Gewinnspiele stehen auf dem Programm und viele interessante Preise winken den glücklichen Gewinnern. Auch der beliebte Feldermauskeller der Zitadelle öffnet zum Fussballfamilienfest seine Tore und bietet Kleinen wie Großen alles Wissenswerte über Fledermäuse.
Der erste Gruppenspieltag der deutschen Mannschaft am 09.06.12 wird eingeläutet von der Berliner Grillmeisterschaft, hier duellieren sich die besten Gourmetgriller in der Zeit von 10-17 Uhr und zaubern in fünf Disziplienen kulinarische Highlights. Auch das Bühnenprogramm wird ein Highlight. Andreas Rummel, Deutschlands bekanntester TV-Griller und BBQ-Experte wird ganztätig das Programm bestreiten.
Unter dem Motto „Wie werde ich zum Held der nächsten Grillparty mit Kühlschrank aufräumen“ werden einfache Tipps und Tricks wie ich aus den Produkten die sich in meinem Kühlschrank befinden ein geniales 4-Gang-Menü zaubere ohne dabei ins Schwitzen zu kommen. Bei der Zubereitung der Gerichte werden einzelne Personen des Publikums auf der Bühne mit eingebunden.
Die Show Grillhits für Kids ist für Kinder ab einem Alter von 10 Jahren. Hier werden kindergerechte Gerichte vorgeführt und zusammen mit unseren „kleinen“ Grillern zubereitet. Dabei werden Sicherheit im Umgang mit dem Grill, praktische Grilltipps für Kinder und Ideen wie ich den Vater als Grillchef im Hause ablöse, vermittelt. Ein perfekter Auftakt für einen großen Fussballabend!
Der Eintritt für das Fussballfamilienfest ist frei, Einlaß für die Spiele der Vorrunde ist 16 Uhr, ab der Finalrunde jeweils um 18.45 Uhr. Alle Informationen finden Sie unter: www.fussballfamilienfest.de

mieschka | Mi., 09. Mai 2012

Genepool bringt digitale EP mit Sentimentalitätswert
Die Herrern BluNoise wollen eine schöpferische Pause einlegen, doch vorher schenken sie uns noch eine Perle ihrer Adoleszenz. Undercover heißt die EP, die ab 18. Mai digital zum Download drei zauberhafte Jugendlieblinge als Cover bereithält. Die Idee kam Genepool auf einem Cover-Festival 2011 und zu jeder Songwahl gibt es eine kleine Geschichte. Guido entschied sich für „Geisterbahn fahrn“ von Extrabreit, Tillo und Paco wählten „No Tears“ von Tuxedomoon und die gesamte Band votierte für „I’m Fal ling“ von Ministry.
Guido kommt nicht nur wie Extrabreit aus Hagen, er gab auch den Roadie, als die Band in den 1980ern an seiner Schule ein Konzert spielte. Seine Begeisterung für Kai Havaiis Auslegung der Straßenverkehrsordnung bei der Anfahrt zur Schule hat sich ebenso wie das Konzert in Guidos musikalisches Gedächtnis eingebrannt.
Tillos und Pacos Songwahl ist ebenfalls eng verknüpft mit ihrer Herkunft. Beide aus Koblenz verbrachten sie ihre Jungend in einer der wenig guten Diskotheken der Stadt – genau, dem Logo! (Übrigens auch ab Mitte der 1980er das favorisierte Tanzlokal der Newsletterschreiberin.) Neben Sisters of Mercy, DAF und The B-52s verliebten sich die beiden hier auch in Tuxedomoon und setzen dieser Jugendliebe mit ihrer Songwahl ein kleines Denkmal. Und Nummer Drei haben wir dem Genepool-Band-Bus mit altem Kassetten-Radio Modell "Mexico" von Becker zu verdanken. Ja, hier liefen noch Mix-Tapes aus den 1980ern und als das Band mit Ministry, "I'm falling", auf der letzten Tour nicht mehr konnte, gab es keine andere Option, als das Lied kurzerhand selbst einzuspielen.
Hier könnt ihr die EP vorbestellen (ab 18.05.):
http://itunes.apple.com/de/preorder/undercover-single/id518021125

Rookie leistet Beitrag zum Generationenvertrag
Seit längerem überlegen wir, wer später, demnächst, in Kürze die Betreuung unserer reiferen Freunde von Spermbirds übernehmen könnte. Unsere Wahl fiel auf: Pascow! Jung und leidenschaftlich genug und gleichzeitig mit dem nötigen Respekt. Als Testprojekt bringen wir Ende Juni eine Doppel-7“-Split-Single mit insgesamt vier Songs. Zwei neue alte von Spermbirds, die zur letzten Platte noch nicht ganz fertig waren und jetzt von Gitarrist Steve Wiles übera rbeitet und gemastert wurden. Pascow wiederum haben einen unveröffentlichten Song der Band Cüntsler umarrangiert und den Dackelblut-Song „Friseur“ neu interpretiert. Die Single kommt im aufwendigen Klappcover, auf farbigem Vinyl und mit Downloadcode. Das wird schön!

Neuigkeiten aus dem Rookie-Youtube-Channel
Diving For Sunken Treasure zeigen uns, wie man im Bandbus live performt. Den Clip zur neuen Sigle „Caravan“ findet ihr hier:
http://www.youtube.com/watch?v=tEdfEWjQa8I

Big John Bates haben einen Clip zu “Amerkin” gedreht, dem Song der aktuellen EP Headless Fowl, die nur als Import erhältlich ist. Ein neues Album der Kanadier folgt im Herbst, eine längere Europatour ebenso …
http://www.youtube.com/watch?v=yDMmYagNSBw
Wir bleiben dabei: Seht mehr fern!

Sommer, Sonne und mangelnde Hygiene dank Festivals
Urlaub in Serbien oder Kroatien geplant? Dann schaut euch die Spermbirds-Tourtermine genau an. Außerdem spielen Pascow, Love A, Bambix und The Sewer Rats verschiedene Festivals. Ein Blick in die heutigen Tourtermine lohnt also besonders. Apropos touren:
Wasted, das Projekt der finnischen Rönkkö-Brüder Antti und Ville von I Walk The Line, bereisen Europa und sind schon zum zweiten Mal mit ihrem aktuellen Album Outsider By Choice unterwegs. Alle Termine wie immer am Ende des Newsletters. Hörproben findet ihr hier:
http://soundcloud.com/wasted-finland

mieschka | Do., 03. Mai 2012

6 Jahre nach der letzten LP von Oi Polloi ist endlich die neue Scheibe der Schotten auf Plastic Bomb Records erschienen....

Zu bestellen bei: http://www.mailorders.de

mieschka | Mo., 30. Apr 2012

Das Album enthält neben diversen B-Seiten auch 2 brandneue Songs und eine DVD mit Aufnahmen der Sessions zum PENNYBRIDGE PIONEERES Album und Interviews. Erhältlich bei EPITAPH...

mieschka | Do., 26. Apr 2012

Neueste CD-Reviews:

aktuelle Interviews, Konzertberichte, usw.

Kolumne

Liebe ältere Herren des DFB,

In Zeiten, wo der Stadionbesuch eines Bundesligaspiels immer gefährlicher wird, die Fankurven von gefährlichen Schwerstkriminellen und Gewaltverbrechern okkupiert sind, so das ein Marcel Reif sich kaum mehr traut, seine Kinder mit in die V.I.P Logen dieser Republik zu nehmen und die Bundesliga sich von einem Zuschauerrekord zum nächsten quälen muss, bewundere ich Ihre Aufrichtigkeit als „Fels in der Brandung“ im Kampf gegen Wunderkerzen und Gewalt. Mit Abscheu und Trauer habe ich daher die unschönen Ereignisse dieser nach dem DFB-Pokalspiel 1.FC Nürnberg gegen die SpVgg. Greuther Fürth zur Kenntnis genommen. Allerdings vermisse ich bis heute, neben dem entsetzten Aufschrei der Medien, die Meldung über Ihr hartes Durchgreifen und eine harte Bestrafung des Vereins 1.FC Nürnberg, die sich in Anlehnung an ähnliche Präzedenzurteile Ihrerseits in den letzten Monaten ja nur in der Größenordnung eines Ausschlusses vom kommenden Pokalwettbewerb bewegen kann, zumal die „sogenannten Fans“ dieses Vereins ja keine unbeschriebenen Blätter sind. Bitte lassen Sie es nicht zu, dass diese „Unverbesserlichen“ unseren Sport kaputt machen!

Und warum hat der Sportskamerad Hubnik nur ein Spiel Sperre für die Schauspielerei des Herrn de Camargo bekommen? Wo doch der Sportskamerad Raffael für eine vergleichbare nicht begangene Tätlichkeit im Spiel bei der TSG Hoffenheim immerhin 3 Spiele Sperre erhielt. Wo bleibt denn da die Gerechtigkeit? Denken Sie an all’ die Kinder und Jugendlichen, die in Ihrem Verband trainieren! Sollen die eines Tages auf die Idee kommen, Betrug könnte sich etwa nicht mehr lohnen?

Daher mein Appell an Sie! Lassen Sie es nicht zu, dass sich gutgläubigen Anhängern wie mir der Verdacht aufdrängen könnte, Sie würden die Werte, die Sie sich so gern auf Ihre Fahnen schreiben, gar nicht leben und analog der Ahndung von Lizenzverstößen in den letzten 20 Jahren immer noch mit mehrerlei Maß messen!

„… but some are more equal …“

Bitte geben Sie mir meinen Glauben an sportliche Gerechtigkeit & Integrität zurück!

In der Hoffnung auf einen baldigen positiven Bescheid von Ihrer Seite verbleibe ich

Mit sportlichen Grüßen

Krane

Gast | Fr., 10. Feb 2012

In der folgenden Serie möchte allen Interessierten einmal kurz darlegen, wie wir unsere Seite eigentlich erstellt haben und betreiben. Es klingt ziemlich abgedroschen, aber: Das Wichtigste ist das Konzept! Du brauchst eine klare Vorstellung, wie deine Webseite später funktionieren und betrieben werden soll. Danach richten sich die weiteren Schritte.

Im Falle von VoiceOfCulture (und das soll hier unser Leitfaden sein) haben wir uns für ein Content-Management-System (CMS) entschieden. Das bedeutet, dass die komplette Webseite datenbankbasiert ist. Also alle Inhalte werden in unserer MySQL-Datenbank gespeichert und per PHP ausgegeben. Es gibt die verschiedensten CMS, die sich auch in ihrer Konzeption und Bedienbarkeit unterscheiden. Die bekanntesten sind: Typo3, Joomla, WordPress und Drupal. Diese sind kostenlos verfügbar und es gibt große Communities, welche sie ständig weiterentwickeln und sich einander Hilfe bieten. Mehr zu diesem Thema findest du in den Weiten des WWW.

Wir haben uns für Drupal entschieden und ich möchte im Folgendem kurz darstellen, wie genau wir VoiceOfCulture aufgebaut haben.
Die wichtigste Voraussetzung für das Erstellen und Betreiben einer Seite mittels Drupal und den meisten anderen CMS ist ein eigener Webspace mit PHP und MySQL. Dazu gibt es zahlreiche Web-Hoster, die entsprechende Pakete anbieten. Dort ist dann gleich eine Domain inklusive, unter der man seine Seite im WWW verfügbar machen kann. Unsere Seite läuft bei www.allinkl.com. Das Drupal-Paket kann man sich kostenlos auf www.drupal.org oder als vorgefertigte deutschsprachige Version auf www.drupalcenter.de herunterladen.

    Zusammengefasst brauchst du:
  • ein Konzept
  • einen Web-Hoster (mit MySQL, PHP und Domain)
  • das kostenlose Drupal-Paket

Sobald du alle Voraussetzungen (mehr zu den Systemanforderungen z.B. hier: www.drupalcenter.de/handbuch/319) erfüllt hast, geht es los. Am besten liest du dich dazu ein wenig in die Materie ein. Es gibt sehr gute Bücher und viele Anleitungen im Netz. Zunächst installierst du Drupal auf deinem Webspace und folgst dabei den Hinweisen auf www.drupalcenter.de/handbuch/318 .

Da Drupal modular aufgebaut ist, was auch eins seiner größten Stärken ist, verwenden wir noch zusätzlich zur Standard-Installation folgende Module, die wir ergänzend installiert haben:

  • Views
  • Date
  • Chaos tool suite
  • Reference/ Node Reference

Soviel zu den Voraussetzungen für eine Terminseite, wie sie wir mit Drupal 7 auf VoiceofCulture umgesetzt haben. Im nächsten Teil werde ich kurz darstellen, welche Inhaltstypen wir erstellt haben, um: Konzerttermine einzutragen, mit den entsprechenden Veranstaltungsorten zu verknüpfen und wie wir diese dann automatisch nach Datum sortiert ausgeben.

matthias | Fr., 06. Jan 2012

Interview

Wie ich gerade in meinen Ordner „Fanzineartikel“ auf meinem Computer schaue, sehe ich, dass ich lange kein Interview mehr gemacht habe. Schon komisch, wie sich das tägliche Brot verdienen auf seine Hobbys auswirkt. Tja, es einen manchmal sogar auffrisst.
Bei der Arbeit an der neuen Platte meiner Band ist es jedoch nötig geworden, ein Mitglied der Band HERMANN’S ORGIE ausfindig zu machen, weil wir eine Coverversion von ihnen auf eben jener veröffentlichen wollen. Allerdings gestaltete sich das gar nicht mal so leicht, denn im Internet ist kaum etwas über die Band zu finden.
Mit etwas kriminalistischen Geschick, welches ich wohl zum einen von meinem Vater geerbt und zum Anderen durch das sonntägliche Anschauen des Tatorts aneignen konnte, habe ich es dann doch aber irgendwie geschafft, Sänger Tom ausfindig zu machen. Da man ja aber ein Stück nicht einfach so covert und man ja auch gern herausfinden möchte, was hinter dieser Band steckt, lag es nahe, meinem Gegenüber ein paar Fragen zu stellen, die ich schon immer mal loswerden wollte. Leider hatte Tom so viel um die Ohren, so dass er die Fragen an Clement, den ehemaligen Bassisten weiterleitete. Der, mittlerweile in London lebend, hatte glücklicherweise etwas Zeit, meine Fragen zu beantworten. Es ergab sich ein ziemlich interessantes Gespräch, wie Ihr im Folgenden sehen werdet. Viel Spaß.

Hallo Clement. Durch stundenlange Netzrecherche habe ich es irgendwie geschafft, Dich ausfindig zu machen. Zuerst erreichte ich Tom, der am Telefon etwas überrascht klang, auf einmal nach über 30 Jahren mit seiner Vergangenheit konfrontiert zu werden, als ich nach einem Mitglied der Band HERRMAN’S ORGIE fragte. Ging Dir das genauso?

C: ich wurde gerade vor kurzem mit der 'Vergangenheit' konfrontiert, STEREO TOTAL hatten eine Cover Version von 'Moderne Musik' veröffentlicht (http://www.stereototal.de/music/parisberlin_de_info.html). Das war überraschend. Ich habe mir dann zum ersten Mal seit gut 30 Jahren die Musik mal wieder angehört und war noch mehr erstaunt festzustellen, dass mir einige Titel immer noch sehr gefallen.

Ich hatte zuerst Tom kontaktiert, der aber die Fragen an Dich weitergeleitet hat. Warum überlässt er Dir das Interview? Hatte er keine Lust, dazu noch Fragen zu beantworten oder hat er so viel zu tun?

C: Ich nehme an, Tom hat einfach sehr viel um die Ohren, im wahrsten Sinne des Wortes…

Über Eure Band ist im Internet sehr wenig zu finden. Es gibt eine halbherzige MySpace – Seite, die seit 2004 nicht mehr aktualisiert wird und hier und da ein paar Verweise auf die alten Platten. Warum kann man nicht mehr finden?

C: Diese MySpace Seite ist nicht von uns eingerichtet worden und auch nicht autorisiert. Wir denken aber drüber nach, noch mal etwas Hübsches zu machen.

Da ja nicht so viel zu finden ist, erzähl doch mal bitte kurz einen Abriss der Bandgeschichte (Gründung, Umfeld, Namensgebung, Auflösung, …)

C: Tom und ich hatten schon mit 14 zusammen musiziert. Wir hatten die Glam Rock Phase mit BOWIE, NEW YORK DOLLS und ROXY MUSIC gerade hinter uns und wollten selber Musik schreiben. Rock natürlich, und mit englischen Texten. Zwei Jahre später kam dann Punk auf, musikalisch änderte sich damit alles. Ich hatte die DAMNED in der Markthalle gesehen und Tom hatte die erste CLASH LP. Auf Parties ließ man einfach die ersten drei RAMONES Scheiben ohne Unterbrechung durchlaufen. Eine großartige Zeit, mit fantastischen Gigs in Hamburg, wir fühlten uns als wären wir allen 10 Jahre voraus. Punk hatte etwas Futuristisches. Kurze Haare waren in den 70ern eine Provokation, selbst unsere Lehrer hatten alle mindestens kragenlange Frisuren. Es gibt nichts Besseres als mit 16 Jahren in der Zeit einer musikalischen Revolution zu leben.

Trotz allem hatten wir nicht gleich den Impuls eine Punkband zu gründen. Es gab reichlich deutsche Bands die Englisch sangen aber das schien uns zu albern. Wenn schon deutschen Punk dann musste es auch Deutsche Texte haben. Das war wohl die einfachste Sache der Welt aber es hat lange gedauert bis wir uns tatsächlich trauten. Die deutsche Sprache war noch weitgehend mit dem deutschen Schlager synonym. Es war kein einfacher Schritt, und deutsche Reime zu schmieden schien schwieriger als Englisch und passte nicht so gut zur Musik - dachten wir zumindest. Letztendlich ging es besser als wir gedacht haben, trotzdem waren Bands die deutsch sangen selten zu der Zeit. Meine Freundin kam dann mit dem Namen HERMANNS ORGIE' auf, aus Spaß, wir wollten etwas Surreales und Witziges und das passte prima.

Dazu muss man sagen dass in Deutschland in den 70ern wenig gute Musik zu hören war. Im Radio gab es 'Musik für junge Leute' und sonst fast nichts. Die Musikpresse bestand aus Bravo, und ein Magazin, das 'Pop' hieß. Nur 'Sounds' brachte Berichte von der aktuellen Musikszene in den Staaten und in England.

Während bei der ersten LP 4 Bandmitglieder erwähnt werden, scheint es bei der Nachpressung, dass nur Du und Tom Mitglieder der Band gewesen seid. Ihr bedankt Euch dann „nur“ beim Trommler und dem Saxophonisten. Ward Ihr eigentlich eine 2-Mann-Band?

C: Tom und ich waren immer der Kern von HO und Schlagzeuger zu finden war immer schwierig. Wir wohnten in einem Hamburger Vorort und die meisten Schlagzeuger in der Provinz lebten noch im Prog-Rock Zeitalter. Carl Palmer war der Held des Kleinstadt-Drummers, nicht Rat Scabies. Wir fanden letztendlich Frank, der vorher in einer Tanzband gespielt hatte. Das gab unseren Songs einen leichten Disco Touch. Frank war auch noch nicht 16, deshalb ließen ihn seine Eltern nicht nach 10 Uhr abends in Kneipen auftreten. Zudem waren auch wenig Lokale bereit Punk Bands auftreten zu lassen. Wir hatten wenig Beziehungen zu der Hamburger 'in-crowd', oder genauer gesagt, wir hatten überhaupt keine Beziehungen.

Besteht denn noch Kontakt zu den anderen ehemaligen Musikern außer zu Tom? Was machen sie heute?

C: Nicht viel. Frank, der erste Trommler, hat mich mal über Facebook kontaktiert. Sonst nichts. Ich glaube Frank ist jetzt ein Mega-Producer im populären Musikbereich.

Eure Platten werden bei eBay immer noch zu horrenden Preisen verkauft. Wie groß war denn damals die Auflage. Es gab dann nochmal die Nachpressung mit schwarzem Cover, aber auch die ist nicht billig zu haben. Schon mal darüber nachgedacht, sie nochmals oder gar als CD zu veröffentlichen?

C: Wir haben es überlegt, aber die Zeit und das Geld, das erforderlich wäre macht es z. Zt. nicht möglich. Außerdem fehlen die originalen 8-Spur Aufnahmen...

Also wenn, dann würdet Ihr das liebevoll gestalten wollen und nicht einfach nur „von LP auf CD überspielen wollen“. Sehe ich das richtig? In dieser Hinsicht hat das Hamburger Label WEIRD SYSTEM tolle Sachen herausgebracht (z.B. die tollen Zusammenfassungen mit SLIME, NEUROTIC ARSEHOLES, TEMPO, etc.…). Da man ja ursprünglich aus derselben Stadt kommt, würde sich sowas ja vielleicht anbieten…

C: Ja, die Plattensammler, die die Original Scheibe haben, dürfen sich freuen, eine simple Neuauflage wird es nicht geben. Wenn überhaupt, würden wir das völlig überarbeiten und so machen, dass es uns heute gefällt und Spaß macht, daran zu arbeiten. Reine Nostalgie liegt uns nicht am Herzen, und mit den Musikpuristen, die nur die Originalaufnahme als authentisch betrachten, haben wir auch nichts am Hut.

Einige Lieder waren durch den Verlust der Bänder völlig verloren gegangen und ich würde gerne ein paar Stücke neu aufnehmen um zu sehen, wie sie klingen und ob die Lieder als Kompositionen noch Sinn machen. Danach muss man sich fragen: 'Mache ICH eigentlich noch Sinn? Macht es noch Spaß?' Und für all das braucht man halt Zeit, und die ist für uns Mangelware. Leider. Aber wer weiß, wir sind ja noch jung...

Wenn man im Netz ein wenig recherchiert bekommt man interessante Gerüchte zu hören. Z.B.: „.. dass der Band deshalb der große Erfolg versagt blieb, weil sie trotz Einladung zum "In die Zukunft"-Festival in der Hamburger Markthalle dort nicht auftraten - ihr Bassist (also Du) hatte seinen Winterurlaub schon gebucht und konnte ihn nicht stornieren!“ und „Ihre LP hat kultur-historischen Wert, weil sie u.a. DDR-Radio- und -Fernsehnachrichten verwendeten.“ . Was hat es damit auf sich?

C: Ich war in den Urlaub gefahren und Tom wollte mich von Hamburg aus in die Schweiz fahren um mich für den Abend abzuholen. Wahnsinn. 'Erfolg' hatte keine Bedeutung für mich, ich war gerade 18 Jahre alt und hatte meinen ersten Urlaub zusammen mit meiner Freundin. Das hatte Priorität. Die 'in die Zukunft' Festivals waren sehr merkwürdige Veranstaltungen mit ihrer Mixtur von Hardcore Punk und experimentellen New Wave Bands. Wir wären da irgendwie in der Mitte gelandet. Keine Ahnung ob uns das irgendwie geholfen hätte. Die 'Moderne Welt' LP war meiner Meinung nach so-oder-so ein Riesenerfolg für eine Punkband mit deutschen Texten, vor allem weil alles selbstproduziert und finanziert war. Tom hat da ganz fantastische Arbeit geleistet. "Punk" war aber mittlerweile auch schon gestorben. Das konnte man schon daran erkennen, das überall 'Punk's not dead' Graffitis auftauchten. In der Punk Szene hatte sich die Lederjackenuniform durchgesetzt. In der Markthalle tauchten die ersten Neo-Nazi Punks auf, die 'Subway Army', die ironischerweise von einem Farbigen angeführt wurden. Plötzlich war man in Schlägereien vor der Bühne verwickelt und die Musik wurde ein wenig schal. Und danach kam die 'Neue Deutsche Welle' und der Rest ist Geschichte...

Und was ist mit den DDR – Radio- und TV-Nachrichten? Was war da?

C: Das DDR Radio hatte uns fasziniert, die Identitätslosigkeit und Monotonie der Sprecher; die Situation, in der ein Land geteilt war mit zwei konkurrierenden Systemen... Ich weiß nicht ob man sich das heute noch vorstellen kann, aber es hatte schon damals einen sehr surrealen Touch. Es gab, nur wenige Kilometer entfernt, eine völlig andere Welt hinter einer hohen Mauer. Und alles was man davon zu hören bekam waren diese Roboterstimmen. Es war halt die Zeit des 'Kalten Krieges'. Das war unsere Erfahrung zu der Zeit. Verwirrung. Kontraste. Heutzutage müsste man die natürlich anders ausdrücken. Die 'Moderne Welt', hat sich vielleicht nicht viel verbessert, aber sie hat sich schon sehr verändert.

Und dort wurdet Ihr im Radio auch gespielt!?

C: Meinst Du im Osten oder Westen oder allgemein? Im Osten sind wir natürlich nicht im Radio gespielt worden... Wir sind unseres Wissens nur im West-Rundfunk gespielt worden, und da auch nur selten da wir nicht in der Gema waren (oder sind), d.h. ein Radio Sender musste vor spielen der Platte mit uns einen Vertrag machen.

Man findet auch relativ wenig Live-Reviews. Ward Ihr eher eine „Studio-Band“ oder habt Ihr schon des Öfteren Live gespielt. Wo seid Ihr überall gewesen? Eher im Raum Hamburg oder auch Deutschlandweit?

C: Außerhalb Hamburgs sind wir nie aufgetreten. Wie gesagt wir hatten keine Beziehungen oder Kontakte zu irgendwelchen Promotern.
Wenn wir Gigs erhaschen konnten waren diese meistens in den Vororten Hamburgs oder in Läden die nicht wussten, was Punk Rock war. So hatten wir dann einen Auftritt in den 'Hafenkasematten', damals Hamburgs ältester Jazzschuppen. Da haben wir dann vor drei entsetzten Jazzliebhabern gespielt. Die Aufnahmen davon haben wir für unsere erste selbstproduzierte Single verwendet (http://www.youtube.com/watch?v=tE6YFVp_bJU). Es wird niemanden überraschen, zu hören, dass wir danach nicht wieder in die 'Hafenkasematten' eingeladen wurden. Die Szene war auch ziemlich hart da, die Punks immer Ärger mit Teds und den St. Pauli Zuhältern hatten. Bei einem Gig in Bergedorf hatten wir auf einmal ca. 20 Teds im Publikum, die gehört hatten das eine Punkband auftreten würde, und versammelten sich drohend vor der Bühne und wir waren froh einigermaßen heil da raus zu kommen. Bin auch selber manchmal von Teds über den Hamburger Dom gejagt worden, aber sobald man in das Karolinenviertel kam war man sicher. Dort waren alle Kneipen die die Punks besuchten und das 'Rip Off', ein unabhängiger Plattenladen der auch heute noch besteht.

Anfang der 80er Jahre wurde dann wohl auch Euer privates Tonstudio ausgeraubt. Wie habt Ihr das verkraftet? Wurden die Täter jemals gefunden? Ihr habt ja auch die erste SLIME-Single veröffentlicht. Das waren ja die Bänder dann vermutlich dabei.

C: Nachdem das Studio ausgeraubt worden war, war es schwierig weiter zu machen. Die Situation war deprimierend und finanziell drückend.
Der Raub wurde ein paar Tage vor Inkrafttreten der Versicherung ausgeführt. Die Täter wurden nicht ausfindig gemacht, viele Wochen Arbeit waren verloren und es gab keine finanzielle Entschädigung.
Um die Schulden zu tilgen, musste die LP erscheinen, Tom schaffte mit den verbliebenen Mastertapes ein kleines Meisterwerk zu zaubern, aber trotzdem war es nicht das geworden, was wir erhofft hatten. Zusätzlich musste ich nach Berlin ziehen - aus Gründen, die allen, die alt genug sind, klar sein werden. Punk war zudem schon lange tot. Wir hatten andere Projekte die mehr experimentell, und für uns aufregender, waren. Tom hatte die 'Tonträger' und ich machte minimale Synth-Musik mit 'Tse Tse' (http://www.reverbnation.com/eplay/artist_890706).

Berlin hat mir nicht gefallen. Mit der Mauer und den Wachtürmen war es sehr klaustrophobisch (Tom hat das auch in 'Wir geh'n nach Berlin' sehr gut beschrieben). Ich bin dann nach London ausgewandert. London war immer mein musikalisches Mekka gewesen und ich habe dort immer in diversen Bands gespielt, ohne nennenswerten Erfolg, aber es machte alles nichts, denn ich lebte den idealen 'Punk' Lebensstil in netten Squats mit Drogen, Parties und viel Rock'n'Roll… bis vor einigen Jahren habe ich noch mit Garagepunk Bands gespielt und habe beim DIRTY WATER CLUB mitgeholfen, einem der letzten, wirklich der Musik gewidmeten Music Clubs in London (http://www.dirtywaterclub.com).

Das war damals sehr frustrierend und hat uns sehr viel Schwung genommen. Die geklaute Technik haben wir viel später dann nach und nach ersetzen können. Verloren gegangen waren aber auch ein halbes Dutzend Mastertapes unveröffentlichter Sachen. Das hat vielleicht zwei oder drei Hamburger Punkbands die „Karriere“ gekostet.

Aber für SLIME hat es wenigstens gereicht….?! Ward Ihr sozusagen teilweise auch „Wegbereiter“ für einige Bands?

C: Ja, SLIME waren ein Erfolg, einfach deshalb weil die Jungs prima Songs hatten, die provokativ und zum mitsingen geeignet waren. Die 'Bullenschweine' Single ist ein wahrer deutschsprachiger Klassiker.

Im Endeffekt waren viele in der Szene für die kleinen Erfolge verantwortlich. Die Bands, die Plattenläden die die Platten führten, die unabhängigen Vertriebe und natürlich die Labels, die das Geld zusammenkratzten um die Produktion und Pressung zu finanzieren. Es gab in dieser kleinen Szene einen sehr hohen Prozentsatz an kreativen Enthusiasten die nicht warteten bis sie vom System bedient wurden.

Ihr habt dann nochmal einen Neuanfang mit NEULAND versucht. Warum hat das dann nicht mehr funktioniert?

C: Das hat schon noch funktioniert. Aber Mitte der 80-er war die eigentliche Herausforderung nicht mehr, Platten nur zu veröffentlichen, sondern diese auch zu verbreiten. Also auch darüber nachzudenken, wie man Läden wie Karstadt dazu bringen könnte, Indie-Platten ins Regal zu stellen. Das klingt heute selbstverständlich - das war es damals aber überhaupt nicht. In den ersten Jahren des Punkrock waren die Platten nur über sehr wenige Läden zu bekommen. In vielen kleinen Städten gab es schlichtweg keine Möglichkeit an solche Musik zu kommen. Da half nur hin und wieder die Pilgerreise nach Hamburg, Berlin oder sonst eine größere Stadt in der Nähe. Tom hatte sich ab 1985 bis einschließlich 1998 (in verschiedenen Konstellationen) um den Vertrieb von Indie-Platten gekümmert.

Tom betreibt ja derweil ein Masteringstudio und mastert alles von BLÜMCHEN bis zu den SKATOONS. Er ist also immer in der Musik verwurzelt geblieben. Wie sieht es bei Dir aus? War das Dein Ziel oder hat sich das so ergeben?

C: Ich habe mein ganzes Leben lang Musik und Lärm gemacht und mache das auch noch heute. Auf dem Computer jetzt natürlich hauptsächlich, aber irgendwann werde ich sicher auch wieder 'ne Band gründen und zurück in den Übungsraum gehen. In 'ner Band zu sein ist zwar 90% Streit und harte Arbeit aber irgendwie vermisst man das. Und auf einer Bühne zu stehen ist fantastisch, selbst wenn es nur in der Kneipe um die Ecke ist.

Clement, Du lebst mittlerweile in London. Was machst Du? Liegt es nahe, wenn man in Hamburg wohnte, in die Welt hinauszuziehen?

C: Ich war damals in Berlin 'gestrandet', ohne Perspektiven. Dann bin ich für eine Woche, auf Urlaub, nach London gefahren, und nicht zurückgekommen. Als Hamburger fühlt man sich vielleicht sowie so schon ein wenig im Angelsächsischen zuhause, und London war in den frühen '80ern ein fantastischer Ort für jemanden der jung ist, und außer Musik nicht viel im Kopf hat. Die Stadt war ein Spielplatz, ein Fest fürs Leben, mit Konzerten, Clubs und Parties. Hausbesetzen war legal, so konnte man günstig wohnen und die Arbeit auf das nötigste beschränken. Und die Londoner waren extrem aufgeschlossen und aufnahmebereit.

An eine 'Karriere' war während dieser Zeit natürlich nicht zu denken. Mitte 30 habe ich dann noch schnell was studiert, und kurz danach kam dann das Internet. Es war wieder „Stunde Null“. Da hatte am Anfang keiner viel Erfahrung. Ich habe bei Apple im web-Team Arbeit gefunden und arbeite auch heute noch mit Web-Design. Der ex-Punk hat sich also halbwegs erfolgreich in die bürgerliche Gesellschaft wieder eingegliedert. Und Musik machen wir trotzdem noch. Es lebe die Technologie!

Hamburg wird nie aufhören mich zu faszinieren, aber ich bin da heutzutage nur noch Tourist. Persönlich würde ich jedem empfehlen, wenigstens einmal im Leben in ein anderes Land zu ziehen.

In Zeiten von Reunions – habt Ihr schon mal daran gedacht, wieder mal ein paar Konzerte zu geben. Es gibt ja schon ein paar Leute, die das hören wollen würden….

C: Haben wir nicht dran gedacht und das würde auch aus organisatorischen Gründen nicht gehen, von den persönlichen Implikationen ganz abgesehen. Wenn überhaupt, würden wir ein paar arbeitslose Jugendliche anheuern, denen Instrumente in die Hand drücken und unter dem HERMANNS ORGIE Namen auf Tour schicken! Dann könnten wir uns das Ganze von der Bar aus ansehen und mitlallen... Das wäre doch 'ne viel bessere Idee.

Haha. Das wäre ne Idee… Man blickt ja oftmals etwas wehmütig in die eigene Vergangenheit zurück. Was vermisst Du aus den alten Tagen und was hast Du Dir bewahrt?

C: Wir vermissen die besondere Wertschätzung der Musik im Allgemeinen und des Tonträgers im Besonderen. Mit dieser Wertschätzung sind wir aufgewachsen. Die Musik der Hippies und zu einem geringen Ausmaß auch die Musik der Punks hatte die Kraft, das Weltgeschehen zu beeinflussen. Von einer solchen Kraft kann in der heutigen Musikkultur nicht die Rede sein.

Clement, Vielen Dank für das Interview!

Mieschka Mayonaise
Fotos: Rüdiger Ladwig

mieschka | Mi., 07. Dez 2011

Im Oktober 2004 kam ich zum ersten Mal mit der Berliner Rockabilly – Formation in Kontakt. Das URBAN ZOMBIE – Label hatte mir gerade die Debütsingle der Band zukommen lassen und ich war von Anfang an begeistert. Später ergab sich immer mal wieder die Möglichkeit das Trio, welches im Lauf der Jahre auch ein paar Schlagzeugerwechsel verkraften musste, live zu erleben. Und das war immer ein Riesenspaß. Meine Konzertaktivitäten sind in den letzten Jahren leider etwas weniger geworden. Aber als dieser Tage eine neue 7“ der Band ins Haus flatterte, dachte ich mir, ich muss mal nachhaken, was ich so in den letzten Jahren verpasst habe. Leider hat es für den ganz großen Durchbruch noch immer nicht gereicht, aber das kann sich ja noch ändern. Die Leute, die von der Band bisher noch gar nichts wussten, sollten sich die folgenden Zeilen mal genau durchlesen, sich ne Platte besorgen oder laden und unbedingt mal ein Konzert besuchen. In Berlin ist die Chance dafür jedenfalls immer wieder ganz gut…

Hallo zusammen. Ich verfolge Euch ja schon ein paar Jährchen. Allerdings gibt es unverständlicherweise wohl Leute, die Euch noch nicht kennen. Von daher solltet Ihr Euch mal kurz vorstellen..

Kathy: Mit meiner ersten Band, THE ACCELERATORS in der UK Punkszene Ende der 70er Jahre, bin ich in die "School of Rock'n'Roll" gekommen….später habe ich weiteren, strengen Rock-Unterricht bei THE BIRDHOUSE erhalten und in den letzten Jahren folgte eine intensive Weiterbildung in Psycho- und Rockabilly

Robbi: Ich habe meinen musikalischen Werdegang in der Psycho-Szene im damaligen West-Berlin gestartet. Mein Opa war Kontrabassist beim UFA-Orchester gewesen und mich hatte daher dieses Instrument schon immer fasziniert, besonders die, für Rockabilly typische, Slaptechnik Nach etwa einem Jahr Unterricht auf einem Fretless E-Bass, habe ich mir mit knapp 18 einen Kontrabass vom ersten selbst verdienten Geld gekauft und THE RAWHEADS rekrutierten mich kurze Zeit später. Mit den Jungs habe ich mir dann etliche Jahre im Übungskeller die Finger blutig gespielt, Auftritte waren eher selten, aber eine EP kam 93 raus. Als ich Ende ´92 von MAD SIN gefragt wurde, ob ich nicht Holly, der damals keine Zeit und Lust mehr hatte, als Bassist zu ersetzen, zögerte ich nicht lange und sagte zu. Es folgten diverse Gigs in Deutschland und eine kleine Tour durch Frankreich und das fünfte Album der Band mit mir am Bass. Da ich mich letztlich aber meinem Studium widmen wollte und von bandinternen Problemen zu sehr genervt wurde, stieg ich im Herbst ´93 wieder aus und machte mit den RAWHEADS weiter, die immer noch parallel dazu existierten. 1995 produzierte ich mit ihnen das Album Inferno, aber kurze Zeit später zerstritten sich Sänger und Schlagzeuger und die Band zerbrach.
Ich dachte mir, es wäre an der Zeit mal etwas anderes zu unternehmen, wurde von der Berliner Hardcore-Punk Band FLAT EARTH aufgenommen und spielte erstmal eine Weile hauptsächlich E-Bass. Nicht allzu lang darauf begann ich dann aber wieder mit Drummer und Gitarristen der RAWHEADS zusammen zu spielen und übernahm nun auch den Gesang. Die Idee war, klassische Rockabilly Nummern im eigenen Stil zu interpretieren, was auch zu einem gewissen Grad zustande kam aber letztendlich dann an persönlichen Problemen des Drummers zum Scheitern kam. Immerhin hatte ich mir inzwischen ein nettes kleines Studio zusammengestellt und auch einige Erfahrung im Aufnehmen gesammelt. Ich lernte Kathy kennen und wir begannen zusammen mit DAVE CROME Kathy´s Songs aufzunehmen... Daraus entstand dann die „I Let the Devil in“ EP.

Dr Duck: Ich habe Anfang der 80er in West-Berlin mit Punk angefangen und bin mit meiner Band “ENDLÖSUNG” in Italien und Holland etwas herumgekommen. Hatte dann eine lange Phase die eher von Beruf und Familienaufbau geprägt war und mache jetzt seit 10 Jahren wieder ernsthafter Musik. KATHY X habe ich 2008 über einen gemeinsamen Freund kennengelernt, das war mein Einstieg in Rockabilly, wobei ich das schon immer gerne gehört habe.

Aus Eurer Bandbio hab ich erfahren, dass Kathy und Rob sich im FRANKEN kennengelernt haben. Wusstet Ihr in dem Moment – „Ja, das ist es – wir müssen eine Band zusammen machen…“? Erzählt doch mal über Euer erstes Aufeinandertreffen….

Kathy: Eigentlich hatte ich das Konzept eines Rockin' Trio in Gedanken schon entwickelt, mit Demo und Gig-Möglichkeiten, aber es fehlten mir die richtigen Musiker, und ich war sehr froh, als ein gemeinsamer Freund mir auf einer Party im Franken Rob Raw vorstellte….

Robbi: Ich war quasi ohne Band und offen für Neues. Als ich mich mit Kathy unterhielt, war sofort ein gutes Gefühl vorhanden und wir stellten schnell fest, dass wir dieselben Vorstellungen hatten, wie eine Band funktionieren sollte. Kathy gab mir auch gleich ihr Demo mit, das sie mit MARK PENNINGTON noch in England aufgenommen hatte und ein paar Tage später trafen wir uns bereits im Übungsraum und es war klar, dass wir zusammenpassten. Kathy hatte bereits vorher DAVE CROME kennengelernt und bei der nächsten Probe war er dann auch schon mit dabei.

Kathy, Du kommst ursprünglich aus London. Was hat Dich nach Berlin verschlagen und warum ziehst Du es immer noch vor, hier zu leben?

Kathy: Es war mein Schicksal nach Berlin zu kommen…. Mit einem bisschen Hilfe von den DEATH VALLEY SURFERS - ich war Gitarristin bei ihnen und wir sind ein paar Mal in Berlin aufgetreten. Ich war beeindruckt - Berlin war so locker im Vergleich zu London und bot mir einen kreativen Lifestyle, der so in London nicht möglich war.

Warum war das in London nicht möglich? London gilt doch eigentlich erher als „hip“ und nicht wenige sind in den 80ern nach England gezogen, gerade wegen dem dortigen Lifestyle. Was hat sich verändert? War dort „Punkrock“ tatsächlich nur eine Moderscheinung?

Kathy: Viele Menschen folgten ihren Träume nach "Swinging London" - ich bin selbst in den 80ern dorthin von Liverpool zurück gezogen. Aber ihre Kreativität ging runter, als sie nach und nach entdeckten, daß man ständig Geld braucht. Dann mehr Geld. Die soziale Erwartung ist es, Eigentum zu kaufen - egal wie hässlich und wie teuer. Die weiteren Gründe für mich waren: erstens das Aufkommen der sogenannten "Live DJs" zum Ende der 90er, die einen Großteil ehemaliger Bandauftrittsorte und das Publikum übernahmen und zweitens die Popularität des "shoegazing" Indie Pop, was mit meinen Stil nichts zu tun hatte. Bezüglich des Punk, ich bin Rock 'n' Roll Musiker, und will keine langweiligen sozial Kommentare machen….Punk war für jeden etwas anderes.

Eigentlich sehe ich Euch ja eher als eine Art „7“-Band“, weil Ihr meistens Eure Sachen gleich als EP veröffentlicht. Und so habe ich Euch auch kennengelernt. Dennoch erschien 2004 eine Full-Lenght CD. Auf einem polnischen Label. Wie kam es dazu? War das eine Ausnahme?

Robbi: Das Album READY FOR ANYTHING entstand, nachdem wir ein Konzert in Warschau gegeben hatten und direkt im Anschluß vom Label COSMIC RECORDS gefragt wurden, ob wir mit ihnen eine CD machen wollten. Natürlich wollten wir und die Zusammenarbeit war auch außerordentlich gut und professionell. Wir waren eine Woche in Olstyn im Norden von Polen, nicht am Nordpol, in einem ausgezeichneten Studio und wurden bestens betreut. Die vertraglichen Angelegenheiten wurden in gemeinsamer Übereinkunft geregelt und die Konditionen für uns waren absolut fair und positiv. Leider entwickelte sich COSMIC dann aber in eine andere Richtung und stellte die Tätigkeit als Plattenlabel anderthalb Jahre später völlig ein. Im Grunde kann man sagen, daß es ein polnisches Start-Up Unternehmen war, das sich wohl doch etwas zu viel vorgenommen hatte und nicht genug Erfahrung in der Musikbranche mitbrachte, um längerfristig Bestand zu haben. Seitdem haben wir uns ausschließlich selber produziert und auf das konzentriert, was wir mit eigenen Mitteln bewerkstelligen und finanzieren können. Nicht zuletzt, weil wir nach wie vor nur wenig, wenn nicht gar keinen Support von anderen Labels, Bookern oder Agenturen angeboten bekommen haben.

Woran kann denn das liegen? Rockabilly ist doch derzeit sehr angesagt und mit Euren Connections zur Berliner Szene sollte sich da doch etwas machen lassen...?

Kathy: Die Rockabilly Szene in Berlin wirkt manchmal etwas geschlossen und konservativ - Die "Rockabilly Leute" sind vielmals fixiert auf traditional Rockabilly. Wir haben eine Menge "Crossover" Songs - und am Schlimmsten: wir haben keine Quiffs und Tattoos.

Manchmal sind Eure Sachen aber auch „schwer“ in handlicher Form zu bekommen. Sie werden fast ausschließlich auf Download-Portalen wie CDBaby oder iTunes veröffentlicht. Was ist der Grund? Steht Ihr nicht so auf „Handfestes“ Zeug?

Robbi: Ganz und gar nicht. Wir lieben Vinyl und Tonträger jeglicher Art. Der Grund für die Veröffentlichungen als Download liegt einzig darin, daß wir so wenigstens überhaupt etwas veröffentlichen können und zudem auch gleich international... Die aktuelle Vinyl-Single ist ja auch wieder eine komplette Eigenproduktion auf dem Mini-Label unseres Drummers... Da wir nur ein kleines Trio ohne großartiges Budget sind, ist es für uns praktisch unmöglich, ohne weitere Unterstützung durch ein Label oder einen Vertrieb größere Schritte zu machen...

Habt Ihr denn einen Überblick, wie oft Eure Sachen heruntergeladen wurden und woher? Das wäre ja mal ziemlich interessant. Vielleicht motiviert das ja einen engagierten Booker, wenn er das hier liest. Und auch als Band ist es doch sicher schön zu sehen, dass hunderte Leute aus den von den Fidji-Inseln Eure Platte runterladen. Vielleicht kann man da ja auch mal spielen…;-)?

Kathy: Es gibt, soweit wie ich weiß keine onestop-Überblickmöglichkeiten, außer, eine Marketing Firma zu mieten. Ich versuche uns weiter zu bringen durch Reverbnation, Soundcloud, Facebook und co. Sie sind alle riesige Zeit-Vampire, aber ich entdecke ab und zu nutzbare Statistiken ….Weißt du, daß wir momentan Nummer 3 in den Reverbnation Charts in der Kategorie "Rock Charts Berlin" sind? Ich bin so aufgeregt, ich muss mich sofort hinlegen, und eine Tasse Kamillentee nehmen.

Zwischendurch gab es mal ein paar Probleme mit Euren Schlagzeugern. Was war da los? Dave ist zurück in die USA gegangen, dazwischen halfen Tom "Blocky" Block & Tom Petersen (von Berlins legendärer Band PVC) aus, bis Ihr schließlich in „Dr. Duck“ Euren neuen Drummer gefunden habt. Wie waren da Eure Erfahrungen?

Robbi: Dave war zu Beginn der Bandgeschichte der perfekte Drummer für uns. Seine Erfahrung und seine Art zu spielen waren die ideale Ergänzung zu Kathy´s Ideen und für die Entwicklung der Band. Das er zurück in seine Heimat gegangen ist, war sehr schade, aber natürlich müssen wir das respektieren. Als wir dann nach längerer Suche auf Blocky stießen, kam wieder neue Energie hinzu und Blocky hatte eine sehr große Spielfreude. Leider stellte sich aber heraus, daß er doch ein völlig anderes Verständnis von der Disziplin hatte, die Kathy´s und meines Erachtens nach für ein gemeinsames Miteinander in einer Band nötig ist. Daher trennten sich unsere Wege recht bald wieder. Mit Tom habe ich gemeinsam drei Jahre bei der Neuauflage von PVC mit dem Original Gründungsmitglied Gerrit Meijer verbracht und als Rhytmusgruppe einen sehr guten Draht aufgebaut, so daß es nahe lag, mit ihm auch bei KATHY X zusammenzuarbeiten. Er wollte aber nicht als festes Bandmitglied dabei sein, da er musikalisch seine Freiheit brauchte und andere Projekte für ihn genauso wichtig waren. So war er als Session Drummer bei KATHY X dabei und hat auch bei den Aufnahmen für die 6-Track CD X-APPEAL mitgewirkt. Schließlich haben wir mit viel Glück und Zufall Felix aka "Dr. Duck" gefunden, der seitdem durch seine große Spielfreude und freundschaftliche Bindung das Trio wieder komplettiert.

Dr Duck: Mir macht KATHY X unglaublich viel Spaß, neben der Musik liegt das vor allem an der lockeren und unkomplizierten Atmosphäre innerhalb der Band, in der man Probleme offen ansprechen kann ohne dass dabei eine komische Stimmung entsteht.

Ihr habt gerade eine neue 7“ herausgebracht. „Fluch der Pharaonen“ heißt diese. Zufrieden damit? Außerdem gibt es diesmal einen deutschen Text. Wie kam es dazu?

Robbi: Wie oben bereits angedeutet, versuchen wir alles nach unseren Kräften mögliche zu unternehmen, um KATHY X bekannter und erfolgreicher zu machen. Eine Single ist unserer Meinung nach wie vor die ursprünglichste Art, einen Tonträger herzustellen und erfreut sich gerade bei Sammlern und Enthusiasten uneingeschränkter Beliebtheit. Deshalb war für uns klar, daß wir wieder eine 7" rausbringen wollten. Finanziell bewegt sich so eine Produktion auch in einer Dimension, die mit unseren Mitteln realisierbar erscheint. Ich bin seit jeher ein großer Fan der KREWMEN und CURSE OF THE PHARAOHS hat es mir so angetan, daß ich mich vor einigen Jahren an eine deutschsprachigen Adaption des Textes gemacht habe. Nachdem ich vom ehemaligen KREWMEN Sänger MARC COLE auch ein persönliches OK für diese bekommen hatte, lag es nahe den Titel auch aufzunehmen. Auf der X-APPEAL war zwar schon eine Version mit TOM PETERSON am Schlagzeug, aber wir wollten mit Felix nochmal ein etwas authentischeres Feeling hinbekommen, was uns auch gelungen ist, denke ich. Der Song ist sozusagen eine Hommage an meine Lieblings-Psycho-Band aus den alten Tagen und ein wenig humoristisch in der deutschen Version, so in Anlehnung an deutsche Schlager der 20er und 30er... so in Richtung MAX RAABE goes Psycho... Außerdem wollte ich bei der Fülle an Kathy´s Songs auch mal einen gesanglichen Beitrag für die Band leisten...

Immer wenn ich einen Newsletter von Euch bekomme, spielt Ihr meistens in Berlin. Habt Ihr nicht die Ambitionen auch mal außerhalb zu spielen? O.k., Ihr wart in Hamburg, Polen und auch in England. Aber das, so scheint es mir, sind einzelne Gigs und keine wirklichen Touren. Woran liegt das?

Kathy: Könntest du uns einen zuverlässigen Tour Manager oder eine Agentur besorgen?

Robbi: Zurück zu alten Problem. Kein Label. Keine Booking Agentur...keine Touren. Die Zeiten, in denen ich mit einem geborgten VW-Bus quer durch Europa kreuze und wir für ´nen Kasten Bier und eventuell einen Schlafplatz bei irgendeinem Bekannten vom Freund des Schwagers des Veranstalters zweieinhalbstunden lang auf der Bühne die Post abgehen lassen, mit komplett eigener Backline und ohne Roadies, versteht sich, sind für uns leider wirklich vorbei. Wir möchten eine gute und möglichst professionelle Show bieten und das bedeutet einen gewissen Grundaufwand an Transport und Logistik der sich schlicht und ergreifend im allerseltensten Fall einigermaßen rechnet. Mit PVC hab ich das noch bis vor knapp zwei Jahren gemacht, aber das war erstens Punk-Rock, zweitens außerordentlich kräftezehrend und letztendlich mehr oder minder auf eigene Kosten. Es geht ja nicht darum, dick abzukassieren, aber ehrlich gesagt finde ich schon, daß eine gute Show auch für die Künstler eine entsprechende Gage erzielen sollte. Leider sind da seit geraumer Zeit von Seiten gewisser Veranstalter andere Vorstellungen an der Tagesordnung...

Dr Duck: Wir versuchen schon das zu organisieren. Viel mehr als eine Wochenendtour kommt dabei leider aus finanziellen Gründen nicht heraus, man braucht einen besserbezahlten Gig, der die Unkosten einbringt und kann dann ein paar kleinere drum herum machen.

Das kann ich gut nachvollziehen. Dann spielen sicher auch die Jobs eine Rolle, oder? Was macht Ihr sonst so nebenbei? Rob – Du betreibst ein kleines Studio, wo Ihr Eure Sachen selbst aufnehmt. Kannst Du davon ein bisschen leben oder ist das noch ein weiteres Nebenprojekt?

Rob: Mein Studio ist eigentlich ein reines Privatvergnügen, das nur für unsere eigenen Projekte und gelegentlich für befreundete Künstler genutzt wird. Im Moment bin ich gerade dabei, endlich meine Diplomarbeit fertig zu stellen und das Geld zum Leben verdiene ich als Kurierfahrer einer Apotheke.

Dr. Duck: Ich arbeite als Softwareentwickler.

Kathy – Du gibst auch viele Solo-Shows. Inwiefern unterscheiden sich diese Gigs von normalen KATHY X Konzerten. Und worauf liegt Dein Hauptaugenmerk. Die Band oder die Solo-Shows?

Kathy: Sobald ich rocke, ist mir das egal…

O.k., dann wünsche ich Euch noch viel Spaß und Erfolg in der Zukunft & dass noch viele weitere 7“ folgen mögen. Danke für das Interview und bis zur nächsten Show. Any last words?

Kathy: Der Schlagzeuger hat immer das letzte Wort…..

Dr Duck: Haut rein! So long, goodbye and good luck!

http://www.kathy-x.de

mieschka | Mo., 28. Nov 2011

Oh man, ich schau mal gerade hier auf meine Einträge und merke, dass mein letztes Interview, welches ich veröffentlicht habe schon wieder über ein Jahr her ist.... Mmmh. Naja, VOICE OF CULTURE ist eben für Liebhaber und Leute, die "dranbleiben".... Nun, sicher ist der Tatendrang aus den Anfangstagen ein bisschen verflogen, sicher steht man irgendwie mit 8 Beinen im Leben und man denkt, es gibt Wichtigeres als sich zum hundertsten Mal irgendwelche Interviews von Promoagenturen aufquatschen zu lassen. Sicher ist man auch irgendwann genervt, wie das so genannte Musik Biz funktioniert (Platte, Interview, Tour, Platte, Interview, ......) und dann kommt so eine Platte....

- Pause -

Hier und da gibt es dann doch Licht am am Ende der Flasche Bier und eine Platte liegt im Briefkasten, die man 100 mal am Tag hören könnte.

- Pause -

Und auch tut. Die reisst Dich wie von den Socken, öffnet Dir einmal mehr die Augen und zeigt Dir, dass Deine 8 beine im Leben für den Arsch sind und dass Du seit dem letzten veröffentlichten Interview nur Scheisse gmacht hast. Setz Dich ran un mach auch so eine Platte. Oder anders, es ist nicht alles Scheisse. Nimm Dir mal wieder mehr Zeit für Musik. Und vor allem - Frag nach. Dann tu ich das eben auch.

Hallo Claus! "Römisch Vier", Euer neues Album ist draussen. Ihr macht selbst die Promo, schickt CD´s raus, macht ungewollte Interviews, wie kommt´s?

Wenn man 3 Monate Restanspruch auf Arbeitslosengeld hat, kann man bei Vorlage eines schlüssigen Businessplans nochmal 9 Monate Gründerzuschuss in Höhe des Arbeitslosengeldes beantragen. "Römisch vier" war Bestandteil meines Businessplans.

Mein Traum wäre es natürlich den "Gründerwettbewerb - Mit Multimedia erfolgreich starten", finanziert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie zu gewinnen. Ich denke mit den qr-Codes sind wir auf dem richtigen Weg. Musikalisch und textlich möglicherweise aber auf dem falschen.

Ich komm jetzt mal darauf, weil bei Trash 2001 nix angekündigt ist. Wie kam es dazu? Welche Arbeit steckt dahinter, selbst eine Platte zu veröffentlichen (außer nach Feierabend Promos rauszuschicken)?
Eigentlich dieselbe Arbeit wie immer. Nur der Versand an die Leute, die über die Homepage bestellen kommt dazu. Promos rausschicken is vielleicht 3-4 Tage Arbeit. Muss man halt ein Paar emails verschicken um an die richtigen Ansprechpartner zu gelangen, sonst landet man in einer der gefürchteten Promo-"Archiv"-Kisten.

Und warum machst Du es Dir nicht so einfach, wie es heutzutage fast alle Labels tun - Einfach die CD hochladen und die Platte in schlechter Qualität, ohne Cover aber mit Downloadcode versehen und ins Netz stellen - Würde Dir viel Arbeit ersparen...
Das Online stellen erledigen andere. Sogar in Bestqualität ohne Downloadcodes. Warum sollte ich mir da selber die Mühe machen? Trillerfischrecords hat keine Rechtsabteilung.

Ausserdem binnich kein Fan von Scheissqualität. Wennich in Ruhe Musik über Kopfhörer höre gehe ich mehmals die einzelnen Instrumente und Stimmen durch um zu sehen was da eigentlich gerade abgeht. Wenn die Quali Scheisse ist gibt es zuviele Sachen die mich ablenken. Scheissqualität reicht für Autofahren, Hintergrundgedudel und das Tanzlokal, für mehr nicht.

Du bist also ein Perfektionist in jeder Hinsicht?
Nein, ich höre einfach gerne Musik. Wenn man sich geile Sachen immer wieder reinzieht, fallen einem Sachen in den Schoss die man selber nicht versteht.

Platte-Tour-Platte-Tour - Du machst jetzt fast 20 Jahre Musik - mein Gott bist Du alt - was ist für Dich die Motivation, immer mal wieder ne neue Platte zu machen. Gehen Dir nie die Themen aus?
Die "Themen" werden meistens kurz vor den Aufnahmen aus dem Arsch gezogen. Wenn es keinen festen Studiotermin gäbe, würden alle Lieder nur halbe Strophen- und Chorustexte haben.

Dieses Procedere ist allerdings eher demotivierend, weil ich dann weniger Zeit habe mich um das zu kümmern, was mir eigentlich wichtig ist. Grade auf der neuen Platte sind einige Sachen wo ich denke Scheisse - hamwa vergessen, scheisse - da hätte man mehr draus machen können.

Es hat auch herzlich wenig Spass gemacht 3 Jahre lang mit der selben Platte zu touren. Scheinbar hängen nicht nur uns selber die alten Lieder zum Halse raus, die letzten Konzerte vor der neuen Platte waren immer schlechter besucht.

Na das wird sich ja nun hoffentlich bald ändern. Sind dann die Sachen, wo Du sagt – das hätte man besser oder anders machen können – die Grundlagen für neue Songs oder Projekte?
Nee. Auf der Platte fehlen einfach Gitarrenriffs, Background Gesänge, und Londoner Symphonieorchester. Die Songs sind teilweise einfach nicht überladen genug. Ich bin der Meinung dass ein Song immer wie ein Kaufladen sein muss. Gut sortiert aber trotzdem aufgeräumt.

CHEFDENKER existiert nun seit 8 Jahren, länger als es Knochenfabrik je gab. Gibt es immernoch Plakate, wo angekündigt wird: "mit EX Knochenfabrik-Leuten"? Und hättest Du gedacht, daß es die Band jemals so lange gibt?
Hab ich lange nicht mehr gesehen solche Plakate. Aber vielleicht isset ja gar keine schlechte Idee, wenn wir selba demnächst ein Tourplakat entwerfen, wo das ganz gross draufsteht?

8 Jahre finde ich nicht besonders lang, Chefdenker ist schliesslich so eine Art Kegelverein. Bei Kegelvereinen ist man ja bekanntlich so lange Mitglied, bis man tot umfällt.

Euer Gitarrist lebt seit einiger Zeit in Berlin - war das ein Grund, warum Toto für einige Zeit die Leadgitarre übernommen hat, oder gab es da auch persönliche Gründe?

Toto wollte Musik machen wir wollten einfach nur kegeln, das hat nicht zusammengepasst. Ausserdem hatten wir alle unsere unentspannten Phasen. Heute machen wir ein Paar "Lockerungsübungen" wenn wir im Tourbus sitzen, dann passt das alles.

Und seit Neuestem ist auch noch Caddy / Mirco Eurem Kegelverein beigetreten. Als Vollprofi oder Auswechselspieler?
Schwer zu sagen. Matze steigt ja öfters mal aus der Band aus und dann wieder ein. Aber mal im Ernst - bei Chefdenker sind auch die Auswechselspieler Vollprofis. Wir sind die Real Madrid des Deutschpunk..

Und was sagt "Dat Evelyn" zur neuen Scheibe? Hängt die "Goldene Schallplatte" von Euch jetzt wenigstens im Lokal?
Da sprichst Du ein sensibles Thema an. Beim Evelyn hamwa uns lange nicht mehr gemeldet. Unser Proberaum ist jetz ganz woanders. Eigentlich ein klarer Fall für eine gepflegte Cheffreizeit. Unsere Stammtischseite bleibt natürlich unangetastet, denn was wäre ein Stammtisch ohne das Beharren auf sinnlosen Prinzipien?

Ihr habt auf der Platte mit Axel von WIZO einen Gastsänger. Genau wie er hast Du Dich, wenn meine Infos richtig sind, mal im Schreiben von Klingeltönen oder Kinderplatten beteiligt. Stimmt das? Und ist das eine interessante Sache? Wie läuft das ab?
Ist leider eine Fehlinformation. Ich weiß noch nichtmal wie ich den Scheiss Klingelton in meinem Handy ändern kann. Ich hab dann mal ne Arbeitskollegin gebeten mir irgendwo "Witchita Lineman" als Klingelton runterzuladen. Und beinahe wären wir in die Abo-Falle getappt. Ums kurz zu machen- Witchita Lineman gibbet nirgendwo kostenlos.

Kinderplatte kommt demnächst, allerdings stehen jetzt erstmal Weihnachtsplatte und Greatest Hits I, II und III auf dem Plan.

Das Thema 20 Jahre Musik hatten wir ja jetzt schon. Über die Zeit hat sich viel verändert. Was vermisst Du aus den Anfangstagen und wo, denkst Du wird die sogenannte Szene in 20 Jahren stehen?
Aus den Anfangstagen vermisse ich vor allem meine Erinnerungen. Ich glaube nicht, dass alles schlechter wird. Wer das glaubt sollte sich mal alte Klimbim-Sendungen oder die Berichterstattung der Mondlandung runterladen. Da ist selbst der mikroskopisch kleine Schritt von Ingrid Steeger in Richtung Mario Barth ein grosser Schritt für die Menschheit.

Ich glaube allerdings, daß in nicht allzu ferner Zukunft Diskussionen durch Reflexe ersetzt werden. Das ist aber nicht weiter schlimm, denn Leute die sich für besonders schlau halten werden immer berechenbarer. In 20 Jahren beginnt mein freiwilliges soziales Jahr als Konzertveranstalter im Jugendzentrum. Ich hoffe die Szene lässt sich bis dahin etwas einfallen, sonst buche ich ein Jahr lang Coverbands.

Dann soll das so sein!

mieschka | Di., 25. Jan 2011

Die Tauben waren Anfang der 90er Jahre alles für mich! Sie begleiteten mich durch alle Phasen meines pubertärenden Lebens und ich wusste, sie verstanden mich! Sie konnten ausdrücken, was ich fühle.... Gut, das machen SIDO & Co. heutzutage wohl auch.... Aber hier waren Stromgitarren dabei. Das war ein Gefühl! Und jeder konnte mitmachen!

Keine Ahnung, wieviele Kiddies in 20 Jahren noch einen auf dicke Hose machen... Das, was damals aber in mir vorging, das steckt da immer noch tief drin. Schnapp Dir ein Instrument und leg los. Du bist auf der Bühne. Die anderen stehen nur davor... Das ist bis heute geblieben.

Dann wurde es ruhig um die Tauben, obwohl man nie offiziell etwas von Auflösung o.ä. mitbekommen hatte. Konrad machte hier und da mit RASTA KNAST und WKA Musik, Mikro auch, dann gab es mal wieder ein Konzert in der Glocksee / Hannover und dann war Konrad plötzlich tot.....

Ein tiefer Schock für viele! Nicht nur aus meinem Umfeld oder gar (nur) der Punkrockszene!

In den letzten Jahren hatte er viel Zeit damit verbracht, eine DVD über die BRIEFTAUBEN zusammenzustellen. Eine Zeit, die sicher nicht nur für ihn prägend war, auch wenn er sein Punkrockherz nie verlor.

Nach seinem Tod kümmerte sich sein Bandkumpane Micro darum, daß das Werk überhaupt erscheinen konnte. Mit ihm unterhielt ich mich über die DVD, seine derzeitigen musikalischen Aktivitäten und über Fußball…;-) Viel Spaß!

Hallo Micro! Wie geht es Dir? Hast Du das FORCE ATTACK Festival gut überstanden? Ich konnte dieses Jahr das erste Mal seit 10 Jahren nicht dabei sein, was mich nun besonders ärgert.

Micro: Hallo Mieschka! An mir ist noch alles dran und ich habe das „Force-Attack“ gut überstanden. Leider war ich ja nur am Freitag dabei. Ich war übrigens nach 10 Jahren das erste Mal dabei und es hat mich ganz und gar nicht geärgert. Im Gegenteil – es war schön, ein paar alte und neue Bekannte zu treffen. Das war fast wie ein Klassentreffen.

Kann ich mir vorstellen. Aber nächstes Jahr bin ich wieder dabei! Die MIMMIS kommen aus Bremen und klar, das ist nicht so weit weg von Hannover & mit den MIMMIS verband Dich ja schon immer was. Aber wie kam es zu dem Auftritt?

Micro: Die Idee kam von Fabsi. Das Erscheinen der „Tauben-DVD“ muss auch irgendwie beworben werden – und so bot sich der Mimmis-Gig einfach an. Elf hatte mit „Slime“ zusammen das Stück „Krieg in den Städten“ schon mal für die Tauben gecovert, also passte das alles gut zusammen. Dass die „Mimmis“ dann auch noch Dicken von „Slime“ auf die Bühne geholt haben, um ein paar Slime-Stücke zu spielen, fand ich großartig. Eine super Alte-Männer-Truppe!

Wäre es nicht auch toll gewesen, wenn Olli auch mit dabei gewesen wäre?

Micro: Die Abstürzenden Brieftauben haben sich die meisten Jahre ihrer Existenz als Duo verstanden. Ich habe einen Tag vor dem „Force-Attack“ einen sehr schönen Abend mit Olli verbracht und danach hat er mich zum Proben mit den Mimmis gefahren. Da war er ja auch eine Weile Schlagzeuger und Musiker. Nein, ich denke, es war klar, dass er im Kontext der Tauben nicht dabei war. Er hätte ja sonst auch als „Mimmi“ auf der Bühne gesessen. Trotzdes: Danke Olli – auch im Sinne der Krimi-Leser!

Wie hast Du Dich gefühlt, wieder vor all den 1000 Punks auf der Bühne zu stehen?

Micro: Super!!

Beim Schauen der DVD hatte ich ja schon das ein oder andere Mal Tränen in den Augen. Ging es Dir beim Betrachten des Endproduktes genauso?

Micro: Nein, wenn ich mir die fertige DVD heute ansehe, muss ich eher hin und wieder mal schmunzeln. Jeder hat ja so seine eigenen Erinnerungen hinter so einer Kurzfassung und wenn ich bedenke, was wir damals so alles verzapft haben…..Na gut, das ein oder andere Tränchen ist vielleicht auch dabei – aber das Grinsen überwiegt doch.

Was heißt denn Kurzfassung? Hätte es noch weiteres Material gegeben? Und wie lange hätte die DVD denn sein müssen, um Euer Schaffen möglichst komplett abzudecken?

Micro: …Es fliegt noch eine Menge unbearbeitetes Videomaterial herum und die Originalfassung vom Interview ist ungeschnitten um einiges länger. Das alles zu sichten, und zu bearbeiten dauert unglaublich viel Zeit und allzu viel wiederholt sich dann auch. Ich denke das ding ist rund und kompakt wie es sein soll und es ist im Wesentlichen alles dabei. Soll ja nicht langweilig werden oder???

Soweit ich weiß, hatte sich ja Konrad größtenteils um die DVD-Produktion gekümmert. Inwieweit warst Du da involviert? Habt Ihr Euch regelmäßig getroffen?

Micro: Eigentlich wollte ich mich soweit es möglich wäre aus der Geschichte raushalten. Ich hatte die Tauben zum Zeitpunkt des Glocksee-Gigs (der ja der Aufhänger zu der DVD war) schon weit hinter mich gelassen. Irgendwie hat mich die Vergangenheit dann doch wieder eingeholt und ganz schnell überholt. Konrad und ich haben uns schon wieder öfter getroffen – aber das war eher zum gemütlichen Grillen.
Nach Konrads Tod musste und wollte ich den Part der „Brieftaube“ wieder übernehmen, um seine Arbeit fortzusetzen. Insofern bin ich ja nun voll involviert.

Es heißt, Ihr hattet auch schon wieder ein paar Songs zusammen gemacht. Hatte sich da wieder ein gemeinsames Gefühl entwickelt und hättet Ihr nochmal was zusammen gemacht? Was passiert jetzt mit den Songs?

Micro: …Damit jetzt niemand etwas falsch versteht, bis auf die PunkRockRente sind alle Songs die wir gemeinsam gemacht haben noch zu Zeiten der Existenz der Tauben entstanden. Die neuesten Songs wurden nicht mehr veröffentlicht weil sie einfach noch nicht fertig waren oder sie haben einen Musikalischen Quantensprung dargestellt der nicht wirklich etwas mit den Tauben zu tun hatte. Konrad hatte mal mit Rasta Knast das Lied „Chaostage“ und ich glaube auch „In guten wie in schlechten Tagen“ aus dieser Zeit übernommen. Vielleicht brauche ich ja auch noch mal was aus diesem Fundus? Mal sehen..

Konrads Tod war sicherlich ein schwerer Schlag für Dich. Hattest Du zwischenzeitlich überlegt, die DVD-Produktion hinzuschmeißen oder warst Du danach um so mehr motiviert, das Ding durchzuzuiehen und zu veröffentlichen?

Micro: In der Tat war Konrad`s Tod sehr schwer zu begreifen. Ich war bis zur endgültigen Fertigstellung der DVD immer wieder am Zweifeln, ob das Ding überhaupt noch Sinn macht oder ob ich die ganze Aktion nicht doch lieber abblasen sollte.

Allerdings weiß ich, wie sehr dieses Projekt Konrad am Herzen gelegen hat und das hat mich schon motiviert, mich immer wieder zusammenzureißen und weiter zu machen: „Tu es für Konrad, tu es für alle, die daran mitgewirkt haben, und tu es für dich.“ Heute freue ich mich darüber, dass es dieses einmalige Werk gibt.

Als Taubenfan seit den späten 80ern war es natürlich toll für mich, mal hinter die Kulissen zu schauen. Und der Swen vom Plastic Bomb schrieb auf deren Homepage: "...im nachhinein hatten die mehr als ich damals wahrgenommen habe..." . Wie würdest Du die Bedeutung der Tauben im Nachhinein für den deutschsprachigen Punk einschätzen?

Micro: Manchmal ist man hinterher schlauer, gelle? Tschulligung.

Ich denke, wir haben viele Leute dazu animiert, Musik – oder eben auch Punk-Musik zu machen. Das geht – und das geht auch zu zweit. Ist doch schön, wenn einige Leute ihre Wurzeln bei den „Tauben“ gefunden haben. Weitermachen, Jungs und Mädels!!!

Genau das hat mich tatsächlich dazu animiert meine damalige Band zu starten! Jetzt sind es auch schon fast 15 Jahre, die wir zusammen sind. Danke!

Micro: …Als waschechter Nordmann sag ich jetzt mal „Och, da nicht für!“

Ich habe, glaube ich, so ab der Ausgabe Nr. 6 das Plastic Bomb zu lesen. 2 Ausgaben vorher, so erinnere ich mich, gab es darin ein Interview mit Euch, welches ich nie gelesen habe. Ich fragte mich immer – Wie haben diese tief verwurzelten Punks Euch damals befragt? Von „oben herab“ – angewidert vom „Kommerz-Bravo-Punk“ oder durchaus „ebenbürtig“ – Interessehalber?

Micro: …Es tut mir leid aber ich kann mich beim besten Willen nicht an ein solches Interview erinnern, aber sollte es tatsächlich stattgefunden haben dann haben wir uns sicherlich wie echte Frauen/Männer auf Augenhöhe unterhalten. Wenn nicht wären Konrad und ich nämlich einfach gegangen oder hätten den damals praktizierenden Jungjournalisten aufgesucht und hätten ihm durch unsere Leibwächter einen empfindlichen Schaden in seinen Iro repariert…

Punk ist in den öffentlichen Medien nicht zuletzt durch Euch „salonfähig“ geworden. Immer mal wieder tauchen ähnliche Bands, wenn auch nicht mit solchem Punkhintergrund wie Ihr, in den Charts auf. Siehst Du das auch ein bisschen als Verdienst von Euch an?

Micro: …Also, nun mal hübsch der Reihe nach… zuerst haben wir den Punk verraten, danach haben wir ihn verkauft, und dann salonfähig gemacht. Eine gnadenlose Karriere will man meinen…aber ich stehe dazu, weil mir bis jetzt noch niemand ein Punkgesetzbuch vorgelegt hat. Es ging ja darum zu machen was man will und nicht was man muß oder soll. Also wenn davon ein paar Leute etwas gelernt haben ist das toll aber kein Verdienst.

Wo würdest Du heute stehen, wenn es die Tauben nicht gegeben hätte?

Micro: Wo ich heute stehen würde? Vielleicht im Wald? Keine Ahnung, aber wahrscheinlich wäre ich Raumausstatter (die Lehre habe ich ja gemacht) und würde in einer kleinen Polsterbude mein Dasein fristen.

Und was machst Du sonst jetzt so? Bist Du Mitglied im örtlichen Schützenverein geworden, gehst ab und zu zum Fußball und lässt es ruhig angehen?

Micro: …Du wirst lachen, ich bin ein 96 Fan! ( Zum Verständnis für andersgläubige, das sind die Roten aus unserer niedersächsischen Hauptstadt Hannover ). Ansonsten arbeite ich wie in Hannover so üblich in einem Messe Event Ladenbau Betrieb. Ist nicht immer das was man als ruhig angehen kann sehen muß, aber Schützenverein??? Bitte!!!

Die VideoClips auf der DVD sind ja der Hammer. Bis auf das Srandbad-Video hatte ich keines davon zuvor gesehen. Liefen die denn damals irgendwo im Fernsehen? Und waren die eher als Spaß gedacht oder war das schon auf Promo abgezielt?

Micro: Der Clip von „Du brauchst es“ (übrigens heute der Grund für die FSK 12 auf dem Cover) lief mal im Zuge einer Sendung über Jugendliche in Deutschland irgendwo im Fernsehen. Die anderen Clips haben es leider nie in die Flimmerkiste geschafft. Ich glaube, die Musiksender waren damals einfach noch nicht reif für die Tauben. Schade eigentlich.

Du bist damals bei NARBENGESICHT eingestiegen und spielst jetzt bei den SMELLY CAPS. Kannst Du es einfach nicht lassen, Musik zu machen? Letztere ist ja fast eine ALL-STAR Band. Mit Mitgliedern von den BOSKOPS und weiteren Hannoveranischen Punk Urgesteinen. Spelt Ihr auch manchmal Lieder von Euren alten Kapellen im Proberaum? Oder gar live?

Micro: Tja, leider bin ich bei den „Smelly-Caps“ seit November 2008 nicht mehr dabei.

Dafür spielt jetzt Ralle (ebenfalls von den Boskops) die 2. Gitarre. Mir ist das alles ein bisschen zuviel geworden, also bin ich damals ausgestiegen. Ob ich das Musizieren sein lassen kann, weiß ich noch nicht, das wird sich noch zeigen.

Lieder von den Tauben oder den Boskops haben wir nicht gecovert – wir waren ja die „Smelly–Caps“ und hatten einen ganz anderen Stil.

Hast Du denn sie Absicht, trotzdem in Zukunft irgendwo noch weiter Musik zu machen?

Micro: …Ja, damit werde ich wohl in diesem leben niemanden in meiner Umgebung entlasten. Das ein oder andere Projekt liegt immer an und solange es mir Spaß macht werde ich daran Beteiligt sein. Geburtstage,Hochzeiten, harmlose Verkehrsunfälle und Force Attacks gibt es ja immer mal.

Die Punkrockszene hat sich ja im Laufe der Jahre ziemlich verändert. Kannst Du mit der heutigen Form noch etwas damit anfangen? Wie geht es dabei Deinen Freunden von den MIMMIS, die ja heute immernoch aktiv sind?

Micro: …Sagen wir mal so, ich kann gut damit umgehen. Ansonsten bin ich dieser Szene ganz klar entwachsen. Punk war meine Jugend und hat mit meinem heutigem Alltag nicht mehr so viel zu tun. Punk ist ja auch eine Jugendliche Protesthaltung in der jeder auch seine Nische für sein späteres Leben finden kann. Ich habe noch viel Kontakt zu Leuten die damals mit dabei waren aber das sind glücklicherweise keine Berufsjugendlichen geworden. Etwas bleibt doch immer hängen und im Herzen bleibe ich immer ein Punk. Ich bin ja froh das es immer noch genügend Kids gibt die das weiterführen. Wenn ich dabei mitmachen kann ist das doch Großartig. Wie gehabt, Punx not Dead!!!

So, Micro, dann danke ich Dir dafür, daß Du Dir ein wenig Zeit für mich genommen hast (Oder auch mehr, denn ich weiß, dass Du am Computer nur mit einem „2-Finger-Tippsystem“ arbeitest) und wünsche Dir alles Gute für die Zukunft!

Micro: …Pssst! Sag das nicht jedem sonst lacht noch einer über mich. Also, auch dir alles Gute und „Nix für ungut.“

mieschka | So., 11. Okt 2009

Aus dem Blätterwald:

www.VoiceOfCulture.com >> Musikmagazin | Ska, Punk, Worldbeats <<  Aktuelle Konzerttermine für Berlin, Plattenkritiken uvm. RSS abonnieren